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Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie

Title: Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie

Bachelor Thesis , 2008 , 49 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Henrike Marie Stock (Author)

Psychology - Consulting and Therapy

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Summary Excerpt Details

Fest verankert im humanistischen Psychotherapieverständnis nach Carl Rogers unterscheidet sich die zwischenmenschliche Beziehung, als Zentralelement der Personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie, in sozialen Gesetzmäßigkeiten und Wirkungsformen nicht von anderen zwischenmenschlichen Beziehungen.
Die auf Forschungsbefunden, sowie u.a. der Bindungstheorie nach Bowlby (1969) begründete klientzentrierte Entwicklungstheorie besagt: Im Säuglings- und Kleinkindalter baut sich das Selbst- und Fremdverständnis abhängig von feinfühliger Deutung und Beantwortung angeborener Gefühls- und Lebensäußerungen auf. Sehr große Relevanz dabei hat das selbstwertregelnde Bindungsbedürfnis nach positiver Beachtung und Orientierung durch primäre Bezugspersonen.
Diesbezüglich beeinflusst bereits in den ersten Lebensjahren ein anhand durchschnittlicher Beziehungserfahrungen ausgebildeter, das spätere Leben prägender Verhaltensstil die Aktualisierung des Selbstbildes. Jene kann über die Kind- und Jugendzeit in Verbindung mit emotional getönten introjected values primärer Bezugspersonen fälschliche Selbstkonzeptannahmen hervorrufen, mitbedingt durch u.a. den sozialökologischen Lebensraum, sowie genetische Veranlagung. Dabei wird intrinsisch motiviert gesundes Unterscheiden zwischen förderlicher und nicht-förderlicher gesamtorganismischer Erfahrung zugunsten an introjekts angepasst, verzerrter Wahrnehmung vor dem Bewusstsein verleugnet. Bedrohliches Inkongruenzerleben eigenen Selbstwertverlustes soll somit vermieden werden. Entsprechend entwicklungsförderliche Bedürfnisbefriedigungen werden vernachlässigt und innerseelische Stabilität symptomatisch herzustellen ersucht.
Vorgestellte an Axline (1947) orientierte therapeutische Konzepte postulieren, negative Entwicklungsprozesse, fälschliche Selbstkonzeptannahmen durch eine Beziehungsgestaltung auszugleichen, welche gemäß klientzentrierter Entwicklungstheorie in Säuglings- und Kleinkindzeit ausschlaggebend für eine gesunde Selbstentwicklung ist.
Kongruent, sich seiner gewahr, als individuell voll präsent modellgebende Person lässt der Therapeut den Klienten ein wertschätzend, nondirektiv, gewährendes Klima spüren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Rogers und die zwischenmenschliche Beziehung in der Therapie

1.2 Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie?

1.3 Aufbau der Arbeit

2. Der personzentrierte Ansatz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie

2.1 Entwicklung und Verbreitung nach Deutschland

2.2 Humanistisches Werteverständnis

2.3. Rogers Persönlichkeitstheorie

2.3.1 Die Aktualisierungstendenz

2.3.2 Die Selbstaktualisierungstendenz

2.3.3 Die Identität als eine Summe aus Beziehungserfahrungen

2.4. Klientzentrierte Entwicklungstheorie

2.4.1 Die Formung der kindlichen Individualität

2.4.2 Der Zusammenhang zwischen Bindungstheorie und Selbstkonzept

3. Der therapeutische Kontakt – eine zwischenmenschliche Beziehung

3.1 Die Förderung der Aktualisierungstendenz

3.1.1 Ziel des therapeutischen Kontaktes - ein sicheres Bindungsverhalten

3.2 Das Herstellen einer stabilen Bindungserfahrung zur Reorganisation des Selbst

3.2.1 Ein offenes Beziehungsangebot

3.2.2 Seelische Wandlungsprozesse

3.2.3 Anforderungen und mögliche Schwierigkeiten

4. Die Beziehungsgestaltung im zwischenmenschlichen Kontext

4.1 Der Klient und sein sozialökologisches Umfeld

4.2 Die Beziehungsgestaltung innerhalb möglicher Anwendungsformen

4.2.1 Einzeltherapie / Spieltherapie

4.2.2 Familienspieltherapie

4.2.3 Gruppentherapie

5. Anwendungskonzepte therapeutischer Beziehungsgestaltung

5.1 Die 8 Grundprinzipien der Kinderspieltherapie nach Axline (1947)

5.1.1 Warme freundliche Beziehungsaufnahme beim Erstkontakt

5.1.2 Die vollständige Annahme des Kindes

5.1.3 Herstellen eines Klimas des Gewährenlassens

5.1.4 Erkennen und Reflektieren von Gefühlen

5.1.5 Die Achtung vor dem Kind

5.1.6 Das Kind weist den Weg, der Therapeut folgt ihm

5.1.7 Therapie kann nicht beschleunigt werden

5.1.8 Der Wert von Begrenzungen

5.2 Konzept spieltherapeutischer Interaktionsresonanz (Behr ,1996)

5.2.1 Regelspiel

5.2.2 Rollenspiel

5.3 Differenzielles Interventionskonzept Prozess leitender Hilfen (Schmidtchen, 2002)

5.3.1 Ziel und theoretischer Hintergrund

5.3.2 Interventionsstrategien des multidimensionalen Ansatzes

5.3.3 Zielorientierte Anwendung

6. Was sagen Forschungsbefunde über die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung aus?

6.1 Befunde aus der Therapeuten- Prozessforschung

6.1.1 Beispielstudien

6.1.2 Ergebnissauswertungen in zusammenfassendem Überblick

6.2 Effektivitätsstudie zum differenziellen Interventionskonzept Prozess leitender Hilfen (Schmidtchen, Hennies & Acke, 1993)

7. Fazit – Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung ?

7.1 Zwischenmenschliches Beziehungsverhalten wirkt auf seelische Selbstheilung

7.1.1 Parallele zur zwischenmenschlichen Ur- Beziehung

7.1.2 Förderung kongruent geteilter Intersubjektivität

7.2 Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehung innerhalb der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie. Es wird geklärt, wie eine therapeutische Beziehung als heilungsfördernder Faktor wirkt, um psychische Störungen abzubauen und eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, indem sie an die notwendige Ur-Beziehung der frühen Kindheit anknüpft.

  • Grundlagen der personzentrierten Theorie (Rogers, Selbstkonzept)
  • Bindungstheoretische Aspekte und die Bedeutung der frühen Kindheit
  • Methodische Gestaltung therapeutischer Settings (Einzel-, Familien-, Gruppentherapie)
  • Therapeutische Haltungen und Interventionskonzepte (Axline, Behr, Schmidtchen)
  • Empirische Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit der therapeutischen Beziehungsgestaltung

Auszug aus dem Buch

Die Aktualisierungstendenz

Unter Aktualisierungstendenz versteht Rogers eine jedem lebendigen Organismus inne wohnende richtungsgebende Kraft. Ein ewiges Bestreben nach Erhaltung, Wachstum und Entfaltung all seiner Potentiale (Weinberger, 2007). Dieses tendiert dabei fort von Fremdsteuerung hin zu Autonomie und einem Reifen und Gedeihen in dieser Autonomie (Goetze, 2002).

Der Organismus des Menschen ist innerer Kern seiner Persönlichkeit, die Gesamtheit seiner physischen und psychischen Lebensvollzüge (Rogers, 1973, zitiert nach Rechtien, 2002, S.44).

Höger (2006) kehrt die Bedeutung von Erhaltung und Entfaltung menschlicher Aktualisierungstendenz heraus. Erhaltung betrifft demnach nicht nur die physische Existenz, sondern auch ein Bewahren der Identität. Entfaltung bedeutet die Entwicklung funktionaler Differenzierung, z.B. von Organen und außerdem eine selbstverantwortlich kreativ und sozial konstruktive Weiterentwicklung innerhalb sich verändernder Umweltprozesse.

Der Organismus organisiert also als beständig flexibles System diesen lebendig sich entfaltenden Austausch mit der Umwelt (Höger, 2006). So wird die Bedeutung der Umwelt für den Menschen von Moment zu Moment durch dieses System aktualisiert ( Rogers, 1987). Was der Mensch dabei bewusst erfahren kann ist seine Selbstaktualisierungstendenz (Biermann- Ratjen, 1996).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der personzentrierten Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen ein und beleuchtet Carl Rogers' Überzeugung, dass wirkliche Veränderung primär durch Erfahrung in einer Beziehung stattfindet.

2. Der personzentrierte Ansatz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie: Hier werden die theoretischen Grundlagen erläutert, insbesondere Rogers Persönlichkeitstheorie sowie die klientzentrierte Entwicklungstheorie, die die Entstehung kindlicher Identität und die Bedeutung von Bindungserfahrungen untersucht.

3. Der therapeutische Kontakt – eine zwischenmenschliche Beziehung: Dieses Kapitel begründet, wie die therapeutische Beziehung die Aktualisierungstendenz fördern kann, um seelisches Wohlbefinden und eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen, inklusive der Anforderungen an den Therapeuten.

4. Die Beziehungsgestaltung im zwischenmenschlichen Kontext: Hier werden typische therapeutische Settings wie Einzel-, Familien- und Gruppentherapie detailliert behandelt, wobei der Fokus auf der Einbindung des sozialen Netzwerks des Klienten liegt.

5. Anwendungskonzepte therapeutischer Beziehungsgestaltung: Dieses Kapitel diskutiert praxisorientierte Konzepte, von den 8 Grundprinzipien der Kinderspieltherapie nach Axline bis hin zu neueren Ansätzen wie spieltherapeutischer Interaktionsresonanz und prozessleitenden Hilfen.

6. Was sagen Forschungsbefunde über die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung aus?: Hier werden empirische Studien und Prozessforschungen vorgestellt, die belegen, wie therapeutisches Verhalten und spezifische Beziehungsmerkmale zur Heilung und Symptomreduktion bei Kindern beitragen.

7. Fazit – Welche Rolle spielt die zwischenmenschliche Beziehung ?: Das Fazit fasst zusammen, dass eine beziehungsorientierte Therapie, angelehnt an die frühe Ur-Beziehung, der entscheidende Faktor für seelische Selbstheilung ist, und gibt einen Ausblick auf die notwendige Verbreitung dieser Konzepte.

Schlüsselwörter

Personzentrierte Psychotherapie, Kinderpsychotherapie, Jugendpsychotherapie, therapeutische Beziehung, Aktualisierungstendenz, Selbstkonzept, Bindungstheorie, Spieltherapie, Kongruenz, Empathie, Prozessforschung, Familienbeziehung, Selbstheilung, Interaktionsresonanz, Persönlichkeitsentwicklung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die zentrale Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehung innerhalb der personzentrierten Therapie mit Kindern und Jugendlichen als essenziellen Wirkfaktor für psychische Heilungsprozesse.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft Theorie (Rogers, Bindungstheorie), therapeutische Praxis (Setting-Gestaltung, axlinesche Prinzipien) und empirische Forschungsergebnisse zur Effektivität therapeutischer Beziehungsarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu klären, warum und wie die zwischenmenschliche therapeutische Beziehung dazu beitragen kann, den gesunden Entwicklungsprozess des Kindes und Jugendlichen (wieder) zu aktivieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung klinischer Forschungsbefunde und Prozessstudien zur personzentrierten Kinder- und Jugendtherapie basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der personzentrierten Entwicklungstheorie konkrete Anwendungskonzepte sowie die Rolle verschiedener Settings wie Spiel- und Familientherapie ausführlich diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Personzentrierung, Bindungstheorie, Aktualisierungstendenz, therapeutische Beziehung, Spieltherapie und Prozessforschung charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in diesem Konzept?

Die Bindungstheorie dient als fundamentale Basis, um zu verstehen, wie frühe, nicht förderliche Beziehungserfahrungen Störungen auslösen und wie eine neue, sichere Beziehung in der Therapie heilend wirken kann.

Warum sind die vorgestellten Konzepte auch für den Erziehungsbereich wichtig?

Die Autorin argumentiert, dass die Erkenntnisse über eine förderliche Beziehungsgestaltung angesichts zunehmender gesellschaftlicher Beziehungsarmut auch auf pädagogische und sozial helfende Bereiche übertragen werden sollten.

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Details

Title
Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie
College
University of Sheffield
Grade
1,7
Author
Henrike Marie Stock (Author)
Publication Year
2008
Pages
49
Catalog Number
V93795
ISBN (eBook)
9783638068949
ISBN (Book)
9783638954471
Language
German
Tags
Rolle Beziehung Kinder- Jugendpsychotherapie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henrike Marie Stock (Author), 2008, Die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehung in der personzentrierten Kinder- und Jugendpsychotherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/93795
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