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Kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR der 1960er Jahre und der BRD der 1990er Jahre

Exemplarisch dargestellt

Titel: Kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR der 1960er Jahre und der BRD der 1990er Jahre

Magisterarbeit , 2005 , 109 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: M.A. Susanne Schmidt (Autor:in)

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit erforscht die Frage, ob es gelingt, bei Kindern mithilfe von Buchtexten Empathie für andere Kulturen zu wecken. Dabei ist die Idee nicht neu, gab es doch sowohl in der DDR als auch in der BRD Bemühungen, Kindern durch Kinder- und Jugendliteratur ein differenziertes Bild von anderen Kulturen zu vermitteln. So wurde Ende der 1950er Jahre in der DDR eine Verordnung des Ministeriums für Volksbildung erlassen, die die Schaffung eine Kinder- und Jugendliteratur finanziell und politisch fördern sollte, die das nationalsozialistische Weltbild vieler Kinder der damaligen Zeit korrigieren helfen sollte. In dieser Zeit entstanden von wissenschaftlichem Standpunkt her hochwertige Kinderbücher, geschrieben von Ethnologen, Historikern und anderen Wissenschaftlern. Auch in der BRD wurde die Bildung durch das Jugendbuch thematisiert. Eine besondere Popularität erlangte das Thema z.B. im Zuge der Multikulturalismus-Debatte Anfang der 1990er Jahre.

Diese Arbeit gibt den aktuellen Forschungstand zu dem Thema wieder und entwickelt eine umfassende theoretische Basis des Fremdverstehens und des Medieneinsatzes zur Toleranzerziehung. Aus dem Theorieteil wurden Hypothesen entwickelt, die anhand eines Kriterienkatalogs an zwei ausgewählten Textstellen analysiert und überprüft werden. Die Textanalyse liefert die ersten - noch theoretischen - Erkenntnisse, die durch ein Quasiexperiment an zwei Schulen empirisch überprüft werden. Dieses Quasiexperiment ist eine der wenigen unmittelbaren Treatment-Effekt-Experimente in der Unterrichtsforschung zum Thema Wirkung von Literatur.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Vorüberlegungen zu dieser Arbeit

2 Das Andere, das Fremde und das Eigene

2.1. Fremdheit auf individueller Ebene

2.1.1. Intrapersonelle Fremdheit

2.1.2. Interpersonelle Fremdheit

2.2. Fremdheit auf gesellschaftlicher Ebene

3 Die Wahrnehmung des Fremden

3.1. Kulturelle Fremdheit

3.2. Produzierte vs. Erfahrene Fremde

3.3. Strukturelle Fremdheit

3.4. Radikale Fremdheit

3.5. Die Ferne Fremde

3.6. Welche Bedeutung hat die Fremdwahrnehmung für die KJL?

4 Das Verstehen des Fremden

4.1. Verstehen

4.2. Fremdverstehen

4.3. Literarisches vs. Lebensweltliches Fremdverstehen

4.4. Fremdverstehen durch Einnahme von Innen- und Außenperspektive

4.5. Fremdverstehen durch Perspektivübernahme und -koordination

4.6. Fremdverstehen durch Empathie und Mitfühlen

4.7. Fremdverstehen durch soziales Lernen

4.8. Zusammenfassung des Fremdverstehensbegriffs

5 Fremdverstehen durch Kinder- und Jugendliteratur?

5.1. Fremdverstehensförderung durch Literatur

5.2. Ansprüche an fremdverstehensfördernde Kinder- und Jugendliteratur

5.3. Kulturelle Fremdbilder in der KJL

5.4. Zwischenfazit

6 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1960er Jahre der DDR – Aufbau aus Ruinen?

6.1. Ausgangslage nach 1945

6.2. Überlegungen zur Schaffung einer neuen Kinder- und Jugendliteratur

6.3. Konkrete Umsetzung, Maßstäbe und Anforderungen an die Schriftsteller

6.4. Edith Klatt und ihr Werk ‚Neitah’

7 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1990er Jahre der BRD – interkulturelles Verständnis durch Bücher?

7.1. Ausgangslage Anfang der 1990er Jahre in der BRD

7.2. Wie wurde versucht, Multikulturalität und Fremdverstehen zu vermitteln?

7.3. Lutz Van Dijk und ‚Feinde fürs Leben?’

8 Untersuchung der ausgewählten Bücher

8.1. Edith Klatts Neitah

8.1.1. Handlung

8.1.2. Formale Ebene

8.1.3. Inhaltliche Ebene

8.1.3.1. Die Darstellung des Fremden

8.1.3.2. Die Darstellung des Eigenen

8.1.3.3. Interkulturelle Konflikte und ihre Lösungen

8.2. Lutz Van Dijks ‚Feinde fürs Leben?’

8.2.1. Handlung

8.2.2. Formale Ebene

8.2.3. Inhaltliche Ebene

8.2.3.1. Das Fremde

8.2.3.2. Das Eigene

8.2.3.3. Interkulturelle Konflikte und ihre Lösungen

8.3. Zwischenfazit Textanalyse

9 Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit von Literaturvermitteltem Fremdverstehen

9.1. Entwicklung von Fragestellung und Hypothesen

9.2. Entwicklung des Untersuchungsdesigns

9.3. Untersuchungsergebnisse und Auswertung

10 Fazit und Schlussbetrachtung

12 Auswahltexte für Empirische Erhebung

13 Fragebogen für Empirische Erhebung

14 Datenblätter

15 Auswertung insgesamt

15.1. Tabelle 1

15.2. Tabelle 2

15.3. Tabelle 3

15.4. Tabelle 4

15.5. Tabelle 5

15.6. Tabelle 6

15.7. Tabelle 7

15.8. Tabelle 8

15.9. Tabelle 9

15.10. Tabelle 10

15.11. Tabelle 11

15.12. Tabelle 12

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur konstruiert werden und inwiefern diese Literatur das Fremdverstehen bei Kindern und Jugendlichen fördern kann. Anhand der exemplarischen Analyse zweier Jugendbücher aus unterschiedlichen historischen Phasen der deutschen Geschichte wird der Frage nachgegangen, welche literarischen Mechanismen und Darstellungsweisen den Rezeptions- und Verstehensprozess beeinflussen und ob diese theoretischen Ansätze empirisch bestätigt werden können.

  • Mediale Vermittlung von kulturellen Fremdbildern
  • Theoretische Grundlagen des Fremdverstehens
  • Vergleichende Analyse von DDR- und BRD-Jugendliteratur
  • Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit literarischer Texte

Auszug aus dem Buch

Edith Klatt: Neitah, ein Mädchen im hohen Norden ( Auszug)

„Nach vielen Stunden erst wurde Sara wieder auf die Beine gestellt. Der Mann zog ihr den Sack über den Kopf und strich ihr beruhigend über die Wangen. Dazu sagte er etwas in einem Dialekt, den Sara nicht verstand. Wahrscheinlich tröstete er sie, sagte, sie solle nicht weinen, es geschehe ihr nichts Böses – irgend so etwas vielleicht. So klang es wenigstens. Aber Sara konnte vor Kummer und eingefrorenem Schreck nicht mehr schreien. Auch zum Weinen war sie zu erfroren, denn der Mann hatte sie ja den ganzen Tag durch die Kälte getragen, ohne dass sie irgendwelchen Schutz vor dem Wind gehabt hatte. Sie war ganz steif und stumpfsinnig vor Kälte geworden. Eine Lappenfrau griff nach ihr, nahm sie auf den Arm und trug sie in das Zelt, vor dem sie der Mann abgesetzt hatte. Die Frau zog sie vorsichtig aus, wie ihre eigene Mutter, und rieb sie mit Schnee ab, bis das Blut wieder zu kreisen begann. Was die Frau dabei sagte, konnte Sara nicht verstehen, aber es klang tröstlich und herzlich, gar nicht beängstigend. Dann zog sie ihr andere, fremde Kleider an und gab ihr zu essen. Als die Frau sie nach dem Essen in einen Winkel des Zeltes legte und warm einpackte, schlief sie schnell ein. Am anderen Morgen wachte Sara auf von so viel Lärm, Lachen, Getriebe, Durcheinanderwuseln von Kindern und Hunden, Männern, Frauen, Jungtieren, wie sie es in ihrem Leben noch nicht gesehen hatte. Sie war noch ganz betäubt aus dem tiefen Schlaf aufgefahren, hatte nach der Mutter gerufen und konnte sich lange gar nicht zurechtfinden. Sara sah sich um.

Das Zelt war eng und düster, obgleich der helle Tag durch das Rauchloch und die hochgeschlagene Türöffnung hereinschien, und es war ein Kommen und Gehen, ein Rufen und Lachen unter all den vielen Leuten, dass Sara zuerst nichts Einzelnes unterscheiden konnte. Sie verstand ja auch kein Wort. Zum Weinen war keine Zeit da, das merkte sie, und verzagen durfte sie auch nicht. Es galt, sich unter ihnen zu behaupten.

Sie waren alle gutmütig, es war kein einziges unter ihnen, das bösartig gewesen wäre. Aber sie waren so sehr vielen und gehörten alle zusammen. Und sie waren fremd: sie verstanden ihre Sprache nicht und kannten ihre Spiele nicht. Allein stand sie unter ihnen, wie ein verlaufenes Tierchen. Alles, was sie wusste und konnte, galt hier nicht. Alles, was sie gehabt hatte, so sicher, als gehörte es zum Leben selber, war ihr verloren gegangen, war irgendwo in der Welt zurückgeblieben, unerreichbar fern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Vorüberlegungen zu dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der kulturellen Fremdbilder und Formulierung der Forschungsabsicht, Fremdbilder durch Literatur zu analysieren.

2 Das Andere, das Fremde und das Eigene: Theoretische Bestimmung der zentralen Begriffe und Erläuterung der relationalen Natur von Fremdheit auf individueller und gesellschaftlicher Ebene.

3 Die Wahrnehmung des Fremden: Systematisierung der Arten von Fremdheit und Analyse der Bedeutung dieser Wahrnehmung für die Kinder- und Jugendliteratur.

4 Das Verstehen des Fremden: Untersuchung der kognitiven und emotionalen Verstehensprozesse, einschließlich Empathie und Perspektivübernahme als zentrale Mechanismen.

5 Fremdverstehen durch Kinder- und Jugendliteratur?: Theoretische Diskussion der Eignung literarischer Medien zur Förderung interkultureller Kompetenz.

6 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1960er Jahre der DDR – Aufbau aus Ruinen?: Historische Einordnung der DDR-Kinderliteratur und Analyse der Rolle von Edith Klatt.

7 Die Kinder- und Jugendliteratur der 1990er Jahre der BRD – interkulturelles Verständnis durch Bücher?: Betrachtung des Paradigmenwechsels in der BRD-Jugendliteratur und Vorstellung von Lutz Van Dijk.

8 Untersuchung der ausgewählten Bücher: Systematische textanalytische Gegenüberstellung von Klatts und Van Dijks Werken hinsichtlich Handlung, Form und Inhalt.

9 Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit von Literaturvermitteltem Fremdverstehen: Darstellung des methodischen Designs und der Durchführung einer Befragungsstudie mit Schülern.

10 Fazit und Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen und empirischen Ergebnisse und Bestätigung des Potentials von Jugendbüchern zur Fremdverstehensförderung.

Schlüsselwörter

Fremdverstehen, Kulturelle Fremdbilder, Kinder- und Jugendliteratur, Literaturanalyse, Empathie, Perspektivwechsel, Interkulturelles Lernen, Soziale Kompetenz, DDR-Literatur, DDR-Kinderbuch, Identitätsbildung, Fremdwahrnehmung, Textanalyse, Empirische Untersuchung, Identifikation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie durch Kinder- und Jugendliteratur kulturelle Fremdbilder vermittelt werden und ob und wie diese Texte dazu beitragen können, das Fremdverstehen bei jungen Lesern zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die theoretischen Grundlagen von Fremdheit und Verstehensprozessen sowie deren Anwendung auf literarische Texte, ergänzt durch eine empirische Erhebung zur Wirksamkeit dieser Lektüre.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu beleuchten, wie sich kulturelle Fremdbilder in exemplarischen Texten der DDR- und BRD-Literatur manifestieren und ob diese Texte tatsächlich das pädagogische Ziel des Fremdverstehens unterstützen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literatur- und Textanalyse zweier ausgewählter Jugendbücher mit einem empirischen Forschungsdesign in Form einer Befragung von Schulklassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Begriffen wie Fremdheit und Empathie, eine historische Analyse der Kinderliteratur in DDR und BRD sowie die detaillierte Untersuchung der Bücher von Edith Klatt und Lutz Van Dijk.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Fremdverstehen, interkulturelles Lernen, Perspektivübernahme, Empathie, Kinder- und Jugendliteratur sowie die Analyse von Fremdbildern in sozialen Kontexten.

Was unterscheidet das Werk von Edith Klatt von dem von Lutz Van Dijk?

Während Klatt in 'Neitah' mit einer auktorialen Erzählweise und emotionaler Tiefe arbeitet, nutzt Van Dijk in 'Feinde fürs Leben?' die Tagebuchperspektive einer 14-Jährigen, um aktuelle politische Konflikte im Nahost-Kontext zu thematisieren.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Wirksamkeit der untersuchten Bücher?

Beide Bücher sind geeignet, Fremdverstehen zu fördern, wobei Edith Klatts Werk 'Neitah' durch seine differenzierte Darstellung des Fremden als besonders prototypisch für den Abbau von Vorurteilen hervorgehoben wird.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR der 1960er Jahre und der BRD der 1990er Jahre
Untertitel
Exemplarisch dargestellt
Hochschule
Freie Universität Berlin  (FB Erziehungswissenschaft und Psychologie)
Note
1,5
Autor
M.A. Susanne Schmidt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
109
Katalognummer
V91907
ISBN (eBook)
9783638052481
ISBN (Buch)
9783638945332
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturelle Fremdbilder Kinder- Jugendliteratur Jahre
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Susanne Schmidt (Autor:in), 2005, Kulturelle Fremdbilder in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR der 1960er Jahre und der BRD der 1990er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/91907
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Leseprobe aus  109  Seiten
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