Im Rahmen dieser Hausarbeit wird behandelt, ob Siegfried der Drachentöter im Nibelungenlied eher als Heiliger oder Dämon zu sehen ist. Die Beantwortung dieser Frage wird vorgenommen, indem auf die typischen Eigenschaften und Charakteristika eines Heiligen beziehungsweise dämonischen Wesen eingegangen wird, wobei das Vorhandensein dieser Merkmale bei Siegfried untersucht wird.
Ein historisches Vorbild, das jedoch auf Sagen und Legenden beruht, findet sich in der Region Xanten, aus der auch Siegfried stammt. Es handelt sich hierbei um einen Drachenkämpfer, welcher früher auf einem Relief über der Michaelskapelle unweit des Xantener Doms zu sehen war. Neben diesem Relief hing ein zweites, das einen Löwenkämpfer zeigte. Während des Zweiten Weltkrieges wurden jedoch beide Bilder zerstört, sodass Wissenschaftler heutzutage in Beschreibungen nachlesen müssen, was die Reliefs zeigten.
Die Bauführung des Mittelalters aus dem Jahr 1889 spricht von zwei Flachbildern aus gelbbraunem Sandstein, die ungefähr einen Meter hoch und einen halben Meter breit waren. Diese Bilder verdienen deshalb solche Beachtung, weil sie zu den ältesten plastischen Denkmälern des Mittelalters zählen. Allgemein werden die Steinskulpturen der Zeit um 1000 zugeschrieben und zeigen zwei Ritter in Kettenpanzern. Jeder der beiden Ritter hält in der rechten Hand einen Speer, dessen Ende in den Rachen des Ungetüms gedrückt wird. Einer der beiden Ritter tötet einen Drachen, der andere einen Löwen. Historiker gehen davon aus, dass der Löwenkämpfer den heiligen Gereon darstellt und der Drachenkämpfer den heiligen Viktor verkörpert.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Siegfried in der Rolle des Heiligen
1.1. Historische Vorbilder
1.2. Die Eigenschaften eines Heiligen
1.3. Gegensätze bezüglich der Heiligen - Theorie
2. Die dämonischen Züge Siegfrieds
2.1. Siegfrieds schreckliche Merkmale und Taten
2.2. Siegfrieds Unverwundbarkeit
Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Charakterisierung der Figur Siegfried im Nibelungenlied und analysiert, inwiefern er als heilige oder dämonische Gestalt interpretiert werden kann, wobei insbesondere die moralische Einordnung seiner Taten im Zentrum der Forschungsfrage steht.
- Historische und mythologische Vorbilder (Heiliger Viktor, Baldur)
- Analyse der christlichen Tugenden und Charaktermerkmale
- Physische Merkmale und die Darstellung als schrecklicher Kämpfer
- Die Symbolik der Unverwundbarkeit im Kontext von Heldenepik
Auszug aus dem Buch
1.1. Historische Vorbilder
HANSEN geht in seinem Buch Die Spur der Helden näher auf mögliche historische Vorbilder für den Protagonisten Siegfried ein. Ein historisches Vorbild, das jedoch auf Sagen und Legenden beruht, findet sich in der Region Xanten, aus der auch Siegfried stammt. Es handelt sich hierbei um einen Drachenkämpfer, welcher früher auf einem Relief über der Michaelskapelle unweit des Xantener Doms zu sehen war. Neben diesem Relief hing ein zweites, das einen Löwenkämpfer zeigte. Während des Zweiten Weltkrieges wurden jedoch beide Bilder zerstört, so dass Wissenschaftler heutzutage in Beschreibungen nachlesen müssen, was die Reliefs zeigten. Die Bauführung des Mittelalters aus dem Jahr 1889 spricht von zwei Flachbildern aus gelbbraunem Sandstein, die ungefähr einen Meter hoch und einen halben Meter breit waren. Diese Bilder verdienen deshalb solche Beachtung, weil sie zu den ältesten plastischen Denkmälern des Mittelalters zählen. Allgemein werden die Steinskulpturen der Zeit um 1000 zugeschrieben und zeigen zwei Ritter in Kettenpanzern.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Der Autor erläutert die Motivation für die Themenwahl und das Interesse an der vielseitigen Darstellung der Figur Siegfried.
1. Siegfried in der Rolle des Heiligen: In diesem Kapitel werden historische Parallelen zum Heiligen Viktor sowie mythologische Bezüge zur germanischen Götterwelt aufgezeigt, um Siegfrieds Charakterisierung als positiver Held zu prüfen.
1.1. Historische Vorbilder: Hier wird der Bezug zwischen der Region Xanten, dem Heiligen Viktor und der literarischen Figur Siegfried untersucht.
1.2. Die Eigenschaften eines Heiligen: Dieser Abschnitt kontrastiert Siegfrieds Verhalten mit den sieben Gaben und zwölf Früchten der katholischen Kirche.
1.3. Gegensätze bezüglich der Heiligen - Theorie: Hier werden unterschiedliche wissenschaftliche Thesen einander gegenübergestellt, die Siegfried entweder als Heiligen sehen oder ihn aufgrund arroganter und brutaler Züge ablehnen.
2. Die dämonischen Züge Siegfrieds: Dieses Kapitel widmet sich der Schattenseite Siegfrieds, insbesondere seiner Aggressivität und Gewaltbereitschaft, die ihn von einem höfischen Ideal abheben.
2.1. Siegfrieds schreckliche Merkmale und Taten: Analyse der kämpferischen Aggression und der animalischen Komponenten, die den Helden in eine bedrohliche Rolle rücken.
2.2. Siegfrieds Unverwundbarkeit: Untersuchung des Motivs der Unverwundbarkeit im Vergleich zu antiken Vorbildern wie Achilles und der Bedeutung dieser Eigenschaft für das Schicksal Siegfrieds.
Zusammenfassung: Fazit über die Unmöglichkeit, Siegfried eindeutig einer der beiden Rollen zuzuordnen, da er in seinem Wesen Elemente beider Positionen vereint.
Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Siegfried, Nibelungenlied, Heiliger, Dämon, Xanten, Heiliger Viktor, Baldur, Unverwundbarkeit, Drachenkampf, Heldenepik, Charakterisierung, Mythos, Mittelalter, Tugenden, Kampfeswut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ambivalenz der Siegfried-Figur, die zwischen der Darstellung eines idealisierten Heiligen und einem dämonisch-gefährlichen Krieger schwankt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der historischen Herleitung, der moralischen Charakterisierung, der mythologischen Analogiebildung und der symbolischen Bedeutung der Verwundbarkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob Siegfried eher als Heiliger oder als Dämon zu interpretieren ist und welche narrativen Elemente diese Deutung stützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte, Sagenüberlieferungen und religiöse Bezugssysteme (katholische Lehre) heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Argumente für Siegfrieds Heiligkeit sowie die Gegenargumente, die ihn als Dämon charakterisieren, detailliert anhand von Sekundärliteratur und Textstellen erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Siegfried, Nibelungenlied, Heiliger, Dämon, Unverwundbarkeit, Heldenepik und Charakterisierung.
Welche Rolle spielt die Stadt Xanten für die Arbeit?
Xanten wird als regionaler Ursprungsort der Legende identifiziert, der durch die Verehrung des Heiligen Viktor eine Brücke zur literarischen Figur des Siegfried schlägt.
Warum wird Siegfrieds Unverwundbarkeit als Indiz für das Dämonische gewertet?
Die Unverwundbarkeit wird als übernatürliche Eigenschaft interpretiert, die Siegfried über den Status eines gewöhnlichen Menschen erhebt und ihm eine monströse Komponente verleiht.
Wie bewertet der Autor den Vergleich mit dem Gott Baldur?
Der Vergleich dient dazu, Siegfried in eine mythologische Tradition des glanzvollen Helden zu stellen, der durch einen Verrat aus dem Vertrautenkreis stirbt.
Was ist das Fazit der Untersuchung?
Das Fazit betont, dass Siegfried weder rein als Heiliger noch ausschließlich als Dämon gesehen werden kann, sondern eine komplexe Figur darstellt, die zwischen beiden Polen verortet ist.
- Quote paper
- Katharina Feigl (Author), 2016, Siegfried. Heiliger oder Dämon?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/917056