Unabhängig davon, ob man anerkennt, längst in einer Einwanderergesellschaft zu leben, entspricht es der in Europa heute geltenden gesellschaftliche Realität, Mehrsprachigkeit bei einem Großteil der Bevölkerung
voraus zu setzen. Auf diese Entwicklung zu
reagieren, ist eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft und vor allem der Schule als wichtigster Bildungsinstitution.
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung der Arbeit
2 Definition grundlegender Begriffe
2.1 Sprache
2.2 Mehrsprachigkeit
2.3 Migration
3 Sprache und Gesellschaft
4 Mehrsprachigkeit in der Schule
4.1 Umgang mit Mehrsprachigkeit bei Schülern mit Migrationshintergrund
4.2 Erziehung zu Mehrsprachigkeit
5 Chancen durch Mehrsprachigkeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Mehrsprachigkeit im Kontext des deutschen Bildungswesens, wobei der Fokus auf dem Umgang mit den unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen von Schülern sowie dem Erziehungsziel einer zielgerichteten Mehrsprachigkeit liegt.
- Die gesellschaftliche Realität von Mehrsprachigkeit in Europa und Deutschland.
- Die Wechselbeziehung zwischen Sprache, gesellschaftlichem Status und Bildungschancen.
- Herausforderungen im schulischen Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund.
- Die Rolle der Schule bei der Förderung von Mehrsprachigkeit als Bildungsziel.
- Mehrsprachigkeit als Potenzial und Kapital für den beruflichen und sozialen Erfolg.
Auszug aus dem Buch
4.1 Umgang mit Mehrsprachigkeit bei Schülern mit Migrationshintergrund
Die Schule in Deutschland geht im Allgemeinen von der traditionell als Normalfall angenommenen Monolingualität der Schüler im Deutschen aus: Unterrichtssprache ist Deutsch, Materialien und vor allem Lehrbücher liegen in Deutsch vor und auch die Prüfungssprache ist Deutsch, sofern es sich nicht um besondere Schulformen oder Prüfungen in Fremdsprachen handelt. Entsprechend sind auch die Lehrer ausgebildet: dass ein Lehrer egal welchen Faches die deutsche Sprache beherrscht, wird als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt; andere Fremdsprachenkenntnisse werden – abgesehen von im Studium erforderten Kenntnissen wie beispielsweise dem Latinum für ein Geschichtsstudium – nicht gefordert.
Da diese unterstellte Monolingualität der Schüler längst nicht mehr der gesellschaftlichen Realität entspricht, haben sich unterschiedliche Reaktionen herausgebildet, die im Folgenden vorgestellt werden. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann hier nicht erhoben werden, da keine wirkliche statistische Erfassung zu diesem Thema vorliegt.
Das lange Zeit übliche Vorgehen hing eng mit dem eher geringen Ansehen der Migrantensprachen zusammen. Das Deutsche wurde als „Normsprache“ vertreten, und Monolingualität im Deutschen als anzustrebender Normalfall betrachtet. Die tatsächlich gegebene Mehrsprachigkeit wurde nur als mehr oder weniger notwendiger „Zwischenschritt“ auf dem Weg zu diesem gewünschten Zustand angesehen. Dies zeigte sich beispielsweise in der Erwartung, dass die mitgebrachten Einwanderersprachen ohnehin in der zweiten oder dritten Generation aussterben würden, wenn man sich erst einmal an die „richtige“ Sprache gewöhnt hätte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Thematik der Mehrsprachigkeit als gesellschaftliche Realität und Definition der Forschungsabsicht.
2 Definition grundlegender Begriffe: Theoretische Klärung zentraler Begriffe wie Sprache, Mehrsprachigkeit und Migration.
3 Sprache und Gesellschaft: Analyse des engen Zusammenhangs zwischen Sprache, gesellschaftlicher Teilhabe und staatlicher Staatenbildung.
4 Mehrsprachigkeit in der Schule: Untersuchung der schulischen Herausforderungen im Umgang mit „mitgebrachter“ Mehrsprachigkeit und der Erziehung zu einer gewünschten Mehrsprachigkeit.
5 Chancen durch Mehrsprachigkeit: Diskussion von Mehrsprachigkeit als Kapital und Potenzial für Individuum und Gesellschaft.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Notwendigkeit, kulturelle Vielfalt im Bildungssystem anzuerkennen und aktiv zu fördern.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Schule, Migration, Bildungsziel, Monolingualität, Sprachkompetenz, Migrationshintergrund, Fremdsprachenunterricht, Bildungswege, gesellschaftliche Teilhabe, Kapital, Schulerfolg, Sprachförderung, Interkulturalität, sprachliche Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen der gelebten Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft und der traditionell monolingual ausgerichteten schulischen Praxis in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet die Definitionen von Sprache und Mehrsprachigkeit, den gesellschaftlichen Status verschiedener Sprachen sowie die pädagogischen Herausforderungen und Chancen in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Schule auf die sprachliche Heterogenität der Schülerschaft reagieren kann, um Bildungschancen für alle Schüler zu wahren und Mehrsprachigkeit als Potenzial zu begreifen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine bildungswissenschaftliche Literaturarbeit, die auf Basis bestehender Studien und fachwissenschaftlicher Konzepte den Status quo sowie mögliche Handlungsansätze diskutiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung von Sprache in den gesellschaftlichen Kontext, den Umgang mit Migrantensprachen in Schulen sowie die Förderung von Fremdsprachenkompetenzen als Bildungsziel.
Was sind die wichtigsten Schlagworte der Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Mehrsprachigkeit, Monolingualität, Migrationshintergrund, Bildungsziel und die Verwertbarkeit von Sprachkenntnissen als Kapital.
Warum wird die „unterstellte Monolingualität“ als Problem benannt?
Weil sie der gesellschaftlichen Realität widerspricht und Schüler ausgrenzen kann, die nicht die deutsche Sprache als erste Muttersprache mitbringen, anstatt ihr vorhandenes sprachliches Potenzial zu würdigen.
Welchen Einfluss hat das gesellschaftliche Ansehen auf die Mehrsprachigkeit?
Das Prestige einer Sprache bestimmt maßgeblich ihren „Marktwert“; so werden westeuropäische Sprachen oft als Vorteil, andere Herkunftssprachen hingegen häufig als vermeintlicher Nachteil für den Schulerfolg wahrgenommen.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Kffr. Yvonne Hofmann (Autor:in), 2008, Schule und Mehrsprachigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/91148