Diese Arbeit nimmt sich der Frage an, ob und in welchem Umfang eine veränderte Wahrnehmung quantifiziert werden kann und sie schließlich dem Konto der Fridays for Future Bewegung gutgeschrieben werden kann. Welche Rolle spielt das Umfeld, in das sich die junge Bewegung eingebettet hat? Was sind die entscheidenden Faktoren, die das Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedrohung durch den Klimawandel geschärft haben? Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Macht der Sprache, genauer ausgedrückt die Macht spezifischer Frames. Als zentraler Aspekt gilt es festzustellen, ob und wenn ja wann und in welchem Umfang der Frame von Klimawandel in Klimakrise verändert wurde und die Frage, ob es die F4F-Bewegung war, die diese Veränderung herbeigeführt hat.
Da die F4F-Bewegung im Mittelpunkt dieser wissenschaftlichen Untersuchung steht, wird das nächste Kapitel ihrer Vorstellung gewidmet. Neben der Entstehung wird weiter dargestellt, wie und wann sie sich nach außen präsentiert, wer ihre Teilnehmer*innen sind, was ihr Ziel ist und welche Strategien sie für dessen Verfolgung versucht zu nutzen. Um anschließend einen Frame shift weg vom Klimawandel hin zur Klimakrise feststellen zu können, ist zunächst die Klärung des Begriffs Frame notwendig. Was bedeutet dieser und welche Auswirkung hat das Hervorrufen bestimmter Konzepte auf unsere Wahrnehmung, unser Denken und sogar auf unser Handeln.
Im Weiteren erhebt diese Arbeit den Anspruch, die erhöhte Aufmerksamkeit auf den Klimawandel und die durch den Frame shift vom Klimawandel in eine Klimakrise veränderte Wahrnehmung als ein drängendes Problem in Form einer konkreten Bedrohung darzulegen. Empirisch und argumentativ wird hier gezeigt, welch enormen Anteil die F4F-Bewegung daran hat und wie sie dies trotz fehlender institutionalisierter und sanktionsfähiger Macht, die bei gewerkschaftlich organisierten Streiks für gewöhnlich zum Einsatz kommen, erreichen konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fridays for Future
3. Die Macht der Worte
3.1. Der Zusammenhang von Sprache und Handlung
3.2. Die Perspektive des Sprechers
3.3. Klimawandel oder Klimakrise
4. Analyse und Auswertung
4.1. Der Klimaframe in Bundestagsdebatten – Analyse der Entwicklung
4.2. Die Wahrnehmung der Medien im Wandel
4.3. Framing der Medien als Prozess
5. Der Weg der Fridays for Future- Bewegung zum Wandel
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Fridays for Future-Bewegung auf die öffentliche und politische Wahrnehmung der globalen Klimaerhitzung, indem sie analysiert, wie durch veränderte Sprachverwendung („Framing“) ein Bedeutungswandel von „Klimawandel“ hin zu „Klimakrise“ initiiert wurde.
- Die Macht der Sprache und kognitive Deutungsrahmen (Frames)
- Empirische Analyse des Sprachgebrauchs in Bundestagsdebatten
- Medienanalyse zur Quantifizierung der veränderten Berichterstattung
- Die Rolle von Akteuren wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer
- Strategien zur Mobilisierung und zur Verschiebung des öffentlichen Diskurses
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Zusammenhang von Sprache und Handlung
„Menschen sind rationale Wesen. Sie können vernunftgesteuert handeln. Legt man nur alle relevanten Fakten auf den Tisch, können sie diese objektiv gegeneinander abwägen und entscheiden, was zu tun ist – ob beispielsweise ein politisches Vorhaben unterstützt werden soll oder nicht“ (Wehling 2016:17). Betrachten wir folgende Begriffe: Herdprämie oder Betreuungsgeld, Flüchtlingswelle oder Flüchtlingskrise, Klimawandel oder Klimakrise, macht es einen Unterschied für welchen Begriff man sich entscheidet? Ja, das tut es. Aber wieso ist das so? „Weil in politischen Debatten nicht Fakten an und für sich entscheidend sind, sondern gedankliche Deutungsrahmen, in der kognitiven Wissenschaft Frames genannt“ (ebd.).
In der Linguistik sind Sprache und Wissen nicht voneinander losgelöst vorstellbar. Aus der historische Zivilisationsgeschichte geht hervor, dass die größer werdenden Gruppen, vor allem aber die steigende Anzahl der Gruppen, es notwendig machten, eine Kultur zu entwickeln, und damit die Sprache. Die Evolution der menschlichen Zivilisation steht also in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entwicklung der Sprache.
Unser Wissen ist in Kategorien gespeichert. Man kann sich unser Wissen vorstellen, wie ein Spinnennetz, in dem alles in strukturierter Weise auf verschiedenen Ebenen miteinander verknüpft ist. Lernen wir ein neues Konzept kennen, so versuchen wir dafür eine Art Speicherplatz in unserem bereits vorhandenen Wissensnetzwerk zu finden. Hören wir den Begriff Hund, wissen wir, dass es sich dabei um ein Tier handelt, das vier Beine und einen Schwanz hat und bellen kann. Diese Grundstruktur, in der Linguistik wird dabei von slots gesprochen, ist bei den meisten von uns, zumindest innerhalb eines Kulturkreises, identisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehung der Fridays for Future-Bewegung ein und umreißt die Forschungsfrage nach der sprachlichen Verschiebung der Klimadebatte.
2. Fridays for Future: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Bewegung, ihre Organisationsstrukturen sowie das Ziel der Einhaltung des 1,5°C-Ziels.
3. Die Macht der Worte: Hier werden theoretische Grundlagen des Framings erörtert, insbesondere der Einfluss von Sprache auf die menschliche Wahrnehmung und Handlungsbereitschaft.
4. Analyse und Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die empirische Untersuchung zur Verwendung des Klimabegriffs im Bundestag sowie in verschiedenen Medienhäusern.
5. Der Weg der Fridays for Future- Bewegung zum Wandel: Der Fokus liegt hier auf den Erfolgsfaktoren der Bewegung, insbesondere der medialen Inszenierung und der strategischen Rolle ihrer Akteure.
6. Schluss: Die Schlussbetrachtung resümiert die Bedeutung des Sprachwandels als notwendige Voraussetzung für ein politisches und gesellschaftliches Umdenken.
Schlüsselwörter
Fridays for Future, Klimawandel, Klimakrise, Framing, Sprachwissenschaft, Politische Debatte, Medienanalyse, Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Agenda-Setting, Kognition, Klimapolitik, Diskursverschiebung, Nachhaltigkeit, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Klimabewegung "Fridays for Future" auf die öffentliche Sprache und die Art und Weise, wie über den Klimawandel debattiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Linguistik (Framing-Theorie), die politische Kommunikation, die Berichterstattung in deutschen Massenmedien und die Strategien sozialer Bewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Bewegung durch eine bewusste Wortwahl („Frame Shift“) den Diskurs von einem abstrakten „Klimawandel“ hin zu einer dringlichen „Klimakrise“ verschoben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine computerlinguistische Datenanalyse von Plenarprotokollen des Bundestages sowie eine quantitative Analyse von Online-Suchergebnissen und Artikeln großer Medienhäuser.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Macht der Worte, führt eine empirische Datenauswertung zu Framing-Effekten durch und erläutert die Erfolgsstrategien der F4F-Bewegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Framing, Klimakrise, Agenda-Setting und politische Diskursanalyse.
Welche Rolle spielt Greta Thunberg bei der sprachlichen Veränderung?
Thunberg gilt als Initialzündung, die durch ihren beharrlichen Streik und ihre deutliche Rhetorik das Thema Klimaschutz in den Fokus der Medien rückte und den Diskurs in Richtung einer "Krise" lenkte.
Warum ist laut der Arbeit die Wahl des Begriffs "Klimakrise" entscheidend?
Im Gegensatz zum Begriff "Klimawandel", der einen natürlichen Prozess suggeriert, impliziert "Klimakrise" eine existenzielle Bedrohung, die sofortiges politisches und gesellschaftliches Handeln erfordert.
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- Lisa Valerie Lagala (Author), 2020, Der Wandel des Klimas in eine Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/910321