Betrachtet man die didaktischen Jahrespläne der Sekundarstufen I und II, so fallen unter der zu lesenden Pflichtlektüre fast ausschließlich Werke von männlichen Schriftstellern. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, E.T.A Hoffmann, Heinrich von Kleist- sie alle sind und waren literarische Größen des 18. Jahrhunderts. Das Frauen bis heute weitestgehend unbekannt in der deutschen Literatur sind, liegt vorwiegend an der damaligen sozialen Situation der Frau in der Gesellschaft. Doch war es nicht so, dass es keine Frauen gab, die literarisch tätig gewesen wären oder nur Werke veröffentlicht hätten, die in ihrer Qualität der männlichen Literatur nachstanden. Autorinnen wie Anna Louisa Karsch, Sophia von La Roche, Christiana Mariana von Ziegler, Henriette Herz und Therese Huber sind Autorinnen, die aufgrund ihres Geschlechts einen Kampf führen mussten, um ihre Werke und literarischen Leistungen als würdig gelten zu lassen.
Eine weniger bekannte, aber durchaus erfolgreiche Schriftstellerin ist Therese Huber, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und in den Anfängen des 19. Jahrhunderts tätig gewesen ist und zahlreiche Werke veröffentlicht hat. Als Zeitzeugin der Französischen Revolution hat sie eine schwierige Zeit miterlebt, die sie in dem Roman Die Familie Seldorf verarbeitet.
Deshalb wird sich diese Arbeit zunächst mit dem sozial-gesellschaftlichen Hintergrund des 18. Jahrhunderts beschäftigen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frau, die in der Epoche der Aufklärung unter der Vormundschaft der Männer stand und mit vielen Rollenzuschreibungen, Erwartungen und dem gesellschaftlichen Druck umzugehen versuchte. Dabei soll deutlich werden, welche Hindernisse die Frau, im Vergleich zu den Hindernissen des Mannes, hatte und wie sie diese bewältigen konnte. Als Beispiel dient dazu dient Therese Huber. Die Beleuchtung ihres durchaus ereignisreichen Lebens und ihrer Schriftstellerinnentätigkeit soll den Beruf der Schriftstellerin zur Zeit der Aufklärung verbildlichen, wie sie zunächst im Schatten ihrer Ehemänner stand und dann den Lebensunterhalt selbst verdiente. Ihre Verarbeitung der französischen Revolution wird besonders im Roman deutlich. Die Entwicklung des literarischen Werks wird hierbei näher beleuchtet und der Inhalt spielt dabei auch eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozial- gesellschaftlicher Hintergrund
2.1 Das 18. Jahrhundert- Aufklärung
2.2 Abhängigkeit- die soziale Situation der Frau im 18. Jahrhundert
2.3 Die Frau des Mannes- Erziehung, Schulbildung, Berufstätigkeit
2.4 Französische Revolution
3. Therese Huber
4. Die Familie Seldorf
4.1 Entwicklung
4.2 Handlung
4.3 Die Politisierung des weiblichen Geschlechts
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Geschlechterdiskurs im 18. Jahrhundert anhand des Lebens und Wirkens der Schriftstellerin Therese Huber und analysiert, wie sie die gesellschaftlichen Umbrüche der Französischen Revolution in ihrem Roman „Die Familie Seldorf“ literarisch verarbeitete, um die unterdrückte Perspektive der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft aufzuzeigen.
- Die soziale Situation und Abhängigkeit der Frau im 18. Jahrhundert
- Einfluss der Aufklärung und der Französischen Revolution auf Frauen
- Biografische Einordnung von Therese Huber als Autorin
- Analyse des Romans „Die Familie Seldorf“ hinsichtlich Handlung und Motiven
- Kritik an patriarchalen Strukturen und Rollenzuschreibungen
Auszug aus dem Buch
Die Politisierung des weiblichen Geschlechts
Betrachtet man den Ablauf und den Inhalt des Romans, so lässt sich zusammenfassend sagen, dass das Grundthema des Debütromans: „Die Familie Seldorf“ den Untergang und den Bruch einer Familie, vor dem Hintergrund der Französischen Revolution zeigt. Selbst der Romantitel verweist schon grundlegend auf die Thematik.
Besonders an diesem Roman ist aber auch der Bezug zur sozialen Situation und die Auswirkungen der Französischen Revolution. Die Frau steht auch im Raum unter der Vormundschaft er männlichen Personen ihrer Familie. Sara steht unter der Vormundschaft ihres Vaters und ihres Bruders. Als ihr Vater stirbt und sie selbst schon Mutter ist, übernimmt eine andere, nicht-familiäre männliche Person die Verantwortung für Sara und ihre Tochter. Auch die bereits erwähnte Thematik, die Rebellion der Söhne gegen ihre Väter, wird deutlich, als Theodor gegen den Willen seines Vaters nach Paris zieht und dort mit den Royalisten kämpft.
Interessant ist zudem, dass die Unmoral des Mannes deutlich hervorgehoben wird. Sara wird als eine Frau dargestellt die sich zunächst „ihren“ Männern unterordnet und fügt. Bis auf den Wunsch Roger zu heiraten, widerspricht sie ihrem Vater nicht und verhält sich auch sonst nicht unmoralisch. Vergleicht man das allerdings mit den Taten der Männer in dem Roman so fällt aus, dass sich diese einiges mehr an Unannehmlichkeiten erlauben. Theodor beispielsweise widerspricht seinem Vater, was zu der Zeit zwar nicht sehr außergewöhnlich war, allerdings nichts als normal angesehen wurde. Entgegen der Französischen Revolution und der damit verbundenen Rebellion gegen die Ständegesellschaft, heiratete er eine Adlige.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die vernachlässigte Rolle von Autorinnen im 18. Jahrhundert ein und stellt Therese Huber sowie ihren Roman „Die Familie Seldorf“ als Fallbeispiel für die gesellschaftliche und literarische Auseinandersetzung der Frau mit ihrer Zeit vor.
2. Sozial- gesellschaftlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Rahmenbedingungen des 18. Jahrhunderts, insbesondere die Aufklärung, die patriarchale Ständegesellschaft, die fehlende Bildungschance für Frauen und die Auswirkungen der Französischen Revolution.
3. Therese Huber: Hier wird der Lebensweg von Therese Huber nachgezeichnet, wobei ihre schwierige familiäre Sozialisation, ihre Ehen und ihr Kampf um finanzielle Unabhängigkeit sowie schriftstellerische Anerkennung im Mittelpunkt stehen.
4. Die Familie Seldorf: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte, die inhaltliche Handlung sowie die thematische Politisierung der weiblichen Geschlechterrolle im Debütroman von Therese Huber.
5. Fazit: Die abschließende Betrachtung resümiert die Bedeutung Hubers als Autorin und hält fest, dass ihr Werk eine wichtige Perspektive auf die Unterdrückung der Frau während politischer Krisen bietet.
Schlüsselwörter
Therese Huber, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Französische Revolution, Die Familie Seldorf, Frauenrolle, Patriarchat, Geschlechterdiskurs, Literaturgeschichte, Sozialgeschichte, Emanzipation, Autorenschaft, Weiblichkeit, Schriftstellerin, Rollenzuschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Geschlechterdiskurs im 18. Jahrhundert und untersucht, wie Frauen in dieser Zeit gesellschaftlich positioniert waren und wie Therese Huber diese Umstände literarisch verarbeitete.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Abhängigkeit der Frau, die Auswirkungen der Aufklärung und der Französischen Revolution auf das Rollenbild sowie das Leben und Werk von Therese Huber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hindernisse aufzuzeigen, denen sich Frauen wie Therese Huber gegenüber sahen, und zu analysieren, wie Huber die unterdrückte Lebensrealität der Frau in ihrem Roman „Die Familie Seldorf“ thematisierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans im Kontext historischer und sozialgeschichtlicher Quellen sowie eine biografische Betrachtung der Autorin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, das Leben Therese Hubers und eine detaillierte inhaltliche sowie motivische Analyse ihres Romans „Die Familie Seldorf“ dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Therese Huber, Frauenrolle, Patriarchat, Aufklärung, Französische Revolution und Emanzipation geprägt.
Welche Rolle spielt die Hinrichtung von Olympe de Gouges im Kontext des Romans?
Sie dient als symbolisches Beispiel für die aggressive Ausgrenzung von Frauen aus dem öffentlichen und politischen Leben im Zuge der Französischen Revolution.
Warum veröffentlichte Therese Huber ihre Werke anfangs unter dem Namen ihres Mannes?
Aufgrund des gesellschaftlichen Drucks und der Vorurteile gegenüber schriftstellerisch tätigen Frauen war die Anonymität oder die Nutzung eines männlichen Pseudonyms notwendig, um gesellschaftliche Akzeptanz zu finden.
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- Anonym (Author), 2019, Das zweite Geschlecht. Der Geschlechterdiskurs im 18. Jahrhundert anhand von Therese Huber und ihrem Roman "Die Familie Seldorf", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/904835