Durch die jahrelang bewiesene Studienlage ist von der Problematik des deutschen Bildungssystems, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Diskriminierungserfahrungen in der Schule erleben, nicht mehr wegzusehen. Dies spiegelt sich wider in der Verteilung der Bewertung an weiterführenden Schulen, den verteilten Noten bei gleich erbrachten Leistungen oder auch der erreichten Schulabschlüsse. Meistens steht dies im direkten Zusammenhang mit dem sozialen Status der Familie. Die vielseitige Problematik ist dadurch erkennbar, dass im häuslichen Rahmen beispielsweise durch sprachliche Barrieren, nicht alle Unterstützungsmaßnahmen ausgeschöpft werden können.
Deswegen gilt es auf den politischen Ebenen für Jugend, Bildung, Familie und dem Arbeitsmarkt diesbezüglich Veränderungsmaßnahmen durchzuführen. Durch das Konzept der Ganztagsbildung wird eine komplementäre Verknüpfung vom Vormittagsunterricht zum Nachmittagsangebot hergestellt. Durch die Kombination von formaler und non-formaler Bildung wird eine Kooperation von Bildungsinstitutionen und Verbänden erreicht. Dadurch soll ein stabiles Netzwerk für Familien, Kinder und Jugendlichen entstehen, sodass sich jeder Schüler*In frei von der ethnisch-kulturellen Herkunft entfalten und seinen Bildungsweg genießen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
2.2 Forschungsstand über Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
2.3 Problematik des deutschen Schulsystems
2.4 System Ganztagsbildung
3. Fragestellung
4. Diskussion
4.1 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit untersucht, inwiefern das Konzept der Ganztagsbildung als Instrument zum Diskriminierungsausgleich für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem fungieren kann, um ihnen eine chancengerechte Teilhabe zu ermöglichen.
- Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
- Analyse des bestehenden Forschungsstandes zur Bildungsungleichheit
- Kritische Reflexion der "Normalisierungs- und Homogenisierungsstrategien" der Schule
- Das Potenzial der Ganztagsbildung als komplementäres Lern- und Lebensumfeld
- Vernetzung von Schule, Jugendarbeit und Familienberatung als Schlüssel zur Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
2.1 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem
Zur Feststellung des Problems im deutschen Bildungssystem gilt es zunächst sich die Definition von Migration vor Augen zu führen. Hierbei handelt es sich um eine Wanderung von Personen oder Personengruppen, die ihren Lebensmittelpunkt und somit den dauerhaften Wohnsitz räumlich verlegen (Diefenbach, 2010). Von internationaler Migration spricht man, wenn die Wanderung über die Staatsgrenzen hinweg verläuft. Hierbei wird deutlich, dass wenn in der Gesellschaft von Migration gesprochen wird, eigentlich die internationale Migration gemeint ist. Somit lässt sich daraus schließen, dass die Migration innerhalb eines Landes nicht von großer Bedeutung ist (bpb., 2009). In den Definitionen der Sozialwissenschaften wird ebenfalls die räumliche Wanderung betont, welche in diesem Zusammenhang als soziokulturelle Aspekte des Wohnortswechsels bezeichnet werden (Diefenbach, 2010).
Auf Deutschland bezogen werden also die Migrantenkinder als die Nachkommen der Gastarbeiter*Innen, die in den 60er Jahren aus Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Türkei, Marokko, Tunesien und Jugoslawien zum Arbeiten gekommen sind, bezeichnet. Dabei wird zwischen Migrantenkindern erster Ordnung und zweiter Ordnung unterschieden. Ein Migrantenkind erster Ordnung ist ein Kind, dass in einem anderen Land geboren ist und nach der Geburt nach Deutschland migriert ist. Bei einem Kind zweiter Ordnung bedeutet es, dass die Eltern dieses Kindes in einem anderen Land geboren worden sind und nach Deutschland migriert sind. Hierbei gilt es zu überdenken, ob die Kinder der zugewanderten Gastarbeiter*Innen in Deutschland geboren sind und auch eventuell die deutsche Staatsbürgerschaft haben, ebenfalls noch als „Migrantenkinder“ bzw. „-jugendliche“ bezeichnet werden können. In diesem Falle ist die passende Begrifflichkeit „Kinder mit Migrationshintergrund“ eine viel treffendere Bezeichnung. Wobei diese Bezeichnung dementsprechend wiederrum auch auf die Kinder der ersten Ordnung angewendet werden kann (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Diskrepanz des deutschen Bildungssystems hinsichtlich des Bildungserfolgs von Kindern mit Migrationshintergrund ein und skizziert die Forschungsfrage nach dem Potenzial der Ganztagsbildung als Diskriminierungsausgleich.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert Migration sowie Migrationshintergrund und beleuchtet anhand des Forschungsstandes die Benachteiligungen im deutschen Schulsystem sowie das Konzept und die Zielsetzungen der Ganztagsbildung.
3. Fragestellung: Das Kapitel präzisiert die zentrale Forschungsfrage, ob durch das System der Ganztagsbildung Diskriminierungserfahrungen ausgeglichen werden können, um positive Bildungserfahrungen zu ermöglichen.
4. Diskussion: Die Ergebnisse aus Theorie und Forschung werden hier zusammengeführt, um zu bewerten, inwieweit die Ganztagsbildung als Bildungsreform zur Verringerung herkunftsbedingter Benachteiligungen beitragen kann.
Schlüsselwörter
Ganztagsbildung, Migrationshintergrund, Bildungsungleichheit, Diskriminierungsausgleich, Schulsystem, Chancengleichheit, Sozialisation, Identitätsbildung, Partizipation, Heterogenität, Schulerfolg, Bildungspolitik, Migration, soziale Herkunft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und untersucht, ob Ganztagsangebote als komplementäres System diesen Ungleichheiten entgegenwirken können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das deutsche Bildungssystem, Migration, die Auswirkungen familiärer und sozialer Herkunft auf Bildungschancen sowie die konzeptionelle Gestaltung von Ganztagsschulen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Ganztagsbildung durch eine Verknüpfung formaler und non-formaler Bildung einen Diskriminierungsausgleich für betroffene Kinder schaffen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Studienarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender bildungswissenschaftlicher Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den aktuellen Forschungsstand zu Bildungsungleichheiten, kritisiert das deutsche "Normalkonzept" der Homogenisierung und präsentiert die Ganztagsbildung als Strategie zur individuellen Förderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ganztagsbildung, Migrationshintergrund, Bildungschancen, soziale Herkunft und Diskriminierungsausgleich.
Welche Rolle spielen "Migrantenkinder erster und zweiter Ordnung" in der Argumentation?
Die Differenzierung wird genutzt, um die unzureichende Kategorisierung in der Bildungspolitik aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass Benachteiligungen unabhängig vom Geburtsort des Kindes fortbestehen.
Warum wird das finnische Modell im Text erwähnt?
Finnland dient als positives Beispiel dafür, wie Heterogenität als Chance genutzt werden kann, indem multiprofessionelle Teams in beratende Bildungsprozesse integriert werden.
Welche Bedeutung haben Peergroups für die Ganztagsbildung?
Peergroups werden als essenzielle Sozialisationsinstanzen hervorgehoben, die durch Ganztagsangebote gezielt vernetzt werden können, um Partizipation und Demokratiebildung zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Kristina Varvarych (Autor:in), 2020, Ganztagsbildung als Diskriminierungsausgleich bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/901791