Die vorliegende Arbeit hat zur Aufgabe, die Identitätsproblematik der Novelle aufzuzeigen sowie entsprechende Unterrichtskonzeptionen für die Durchführung der Identitätsproblematik im Unterricht aufzuzeigen. Zunächst werden im zweiten Kapitel die Fluchtmotive der Novelle kurz erläutert. Im dritten Kapitel wird eine Übersicht über die Identitätsstrukturen der männlichen Protagonisten gegeben. Da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werden die weiblichen Protagonisten nicht gesondert dargestellt. Im vierten Kapitel werden die Unterrichtskonzeptionen erläutert, die im Anhang detailliert dargestellt sind. Im fünften Kapitel wird die Eignung der Novelle für den Schulunterricht erläutert.
Die von Martin Walser verfasste Novelle "Ein fliehendes Pferd" wurde erstmal 1978 veröffentlicht. In der Novelle behandelt Walser Alltagsthemen, wie zum Beispiel die Identitätssuche, das Altern, die Sexualität und die Ehe. In der Handlung spielen zwei Ehepaare, die sich im Urlaub zufällig begegnen, die Hauptrollen. Die beiden Männer kennen sich aus ihrer Jugend- und Schulzeit. Ihre zufällige Begegnung ist Ausgangspunkt für die Erzählung, in der die Lebensstile der beiden männlichen Personen in den Fokus gestellt werden. Die männlichen Protagonisten haben beide ein Problem mit ihrer Identität. Mit dieser Problematik wird sich die Arbeit im Folgenden beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Thematik
1.2 Identitätsproblematik
1.3 Zielsetzung und Vorgehensweise
2. Fluchtmotive
2.1 Fliehendes Pferd
2.2 Segelboot
3. Übersicht der Identitätsstrukturen
3.1 Identitätsaspekte von Helmut
3.1.1 Flucht vor dem Erkannt- und Durchschautwerden
3.1.2 Flucht vor der Vergangenheit
3.1.3 Flucht vor der Sexualität
3.1.4 Fluchtort
3.1.5 Flucht durch Introversion
3.2 Identitätsaspekte von Klaus
3.2.1 Flucht durch Extraversion
3.2.2 Flucht in die Vergangenheit
3.2.3 Flucht in die Sexualität
3.2.4 Flucht vor dem Älterwerden
3.2.5 Flucht vor den Gesellschaftsansprüchen
3.2.6 Fluchtort
3.3 Fazit: Helmut und Klaus
4. Unterrichtskonzeptionen: Identität
4.1 Unterrichtseinheit 1: Identitätsproblematik in: „Ein fliehendes Pferd“
4.1.1 Motivationsphase
4.1.2 Erarbeitung 1
4.1.3 Erarbeitung 2a und 2b
4.1.4 Konsolidierung
4.2 Unterrichtseinheit 2: Sexuelle Identität bei Helmut und Klaus
4.2.1 Motivationsphase
4.2.2 Erarbeitung 1
4.2.3 Erarbeitung 2
4.2.4. Konsolidierung
4.3 Flucht als Mittel zur Problemlösung
4.3.1 Motivationsphase
4.3.2 Erarbeitung 1
4.3.3 Erarbeitung 2
4.3.4 Konsolidierung
5. Eignung als Identitätsliteratur für die Oberstufe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätsproblematik in Martin Walsers Novelle „Ein fliehendes Pferd“. Dabei wird analysiert, wie die männlichen Protagonisten Helmut und Klaus durch unterschiedliche Fluchtmotive und -methoden versuchen, ihre wahre Identität vor der Außenwelt zu verbergen, und es werden didaktische Konzeptionen für den Schulunterricht entwickelt.
- Analyse der Fluchtmotive von Helmut und Klaus
- Gegenüberstellung von Identitätsstrukturen (Introversion vs. Extraversion)
- Untersuchung der psychologischen Hintergründe von Scheinwelten
- Entwicklung von Unterrichtseinheiten zur Identitätsthematik
- Didaktische Evaluation der Eignung des Werkes für die Oberstufe
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Flucht vor dem Erkannt- und Durchschautwerden
Helmut Halm ist die eigentliche Hauptperson der Novelle, über ihn und sein Innenleben erfährt der Leser am meisten. Auf den ersten Seiten der Novelle werden Helmuts Abneigungen gegen die Öffentlichkeit, insbesondere gegen Nähe und Vertrauen aufgezeigt. Bei dem Aufenthalt mit seiner Frau im Café an der Promenade des Bodensees möchte er sich nämlich nicht nach vorne setzen, „er hätte auch nie einen Platz in der ersten Reihe eingenommen.“ Die Aussage: „Inkognito war seine Lieblings-vorstellung“, zeigt, dass Helmut das Erkanntwerden fürchtet. Er fürchtet nicht nur das Erkanntwerden, er möchte sogar davor fliehen, „jedesmal, wenn ihm das Erkannt- und Durchschautsein in Schule oder Nachbarschaft demonstriert wurde […], dann wollte er fliehen. Einfach weg, weg, weg.“ Die dreifache Wiederholung des Wortes „weg“ unterstreicht die Wichtigkeit der Flucht für Helmut. Bereits hier lässt sich eine Parallele zu dem Titel „Ein fliehendes Pferd“ ziehen. Helmut ist auf der Flucht vor der Offenbarung seiner wahren Identität. Der einzige Mensch, dem Helmut seine wahre Identität preisgibt, ist Sabine, denn er bezeichnet sie öfters in der Novelle als einzigen Menschen: „Ach du einziger Mensch. Sabine.“
Welchen Stellenwert für Helmut die Wahrung des Scheins hat, wird klar, wenn Walser schreibt, dass Helmut ansatzweise Lebensfreude verspürt, wenn ihn die Umwelt auf eine andere Weise wahrnimmt, als es seinem wahren Wesen entspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Identitätsthematik der Novelle von Martin Walser ein und definiert den zentralen Begriff der Identität als Deckungsgleichheit von Innen- und Außenwelt.
2. Fluchtmotive: Dieses Kapitel analysiert die zentrale Rolle der Flucht als Lebensstrategie der Protagonisten, illustriert durch die Schlüsselszenen des fliehenden Pferdes und der Segelbootszene.
3. Übersicht der Identitätsstrukturen: Hier werden die Identitätsaspekte von Helmut und Klaus detailliert gegenübergestellt, wobei Helmuts Introversion und Klaus' Extraversion als Mechanismen zur Flucht vor der Realität und Identitätsverheimlichung hervorgehoben werden.
4. Unterrichtskonzeptionen: Identität: Dieser Abschnitt bietet konkrete didaktische Entwürfe für den Deutschunterricht, die sich mit der Identitätsproblematik, sexueller Identität und der Flucht als Lösungsstrategie auseinandersetzen.
5. Eignung als Identitätsliteratur für die Oberstufe: Das Kapitel diskutiert, warum Walsers Novelle trotz des Alters der Protagonisten für Schüler der Oberstufe relevant ist, insbesondere im Kontext von Leistungsdruck und Identitätsfindung.
Schlüsselwörter
Identitätsproblematik, Ein fliehendes Pferd, Martin Walser, Fluchtmotive, Introversion, Extraversion, Scheinwelt, Literaturunterricht, Oberstufe, Identitätsfindung, Rollenspiel, Selbstdarstellung, Persönlichkeitsstruktur, Psychologie, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Identitätsproblematik der männlichen Protagonisten Helmut und Klaus in Martin Walsers Novelle „Ein fliehendes Pferd“ und leitet daraus didaktische Konzepte für den Schulunterricht ab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Fluchtmotiven, der Differenzierung zwischen wahrem Ich und Scheinidentität sowie der Gestaltung von Unterrichtseinheiten zur Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Identitätsproblematik der literarischen Figuren aufzudecken und Methoden aufzuzeigen, wie Schüler der Oberstufe für diese Thematik sensibilisiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse der Textvorlage, ergänzt durch psychologische Identitätsdefinitionen und eine fachdidaktische Ausarbeitung für Unterrichtsszenarien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Fluchtmotive und -methoden beider Protagonisten sowie in die Ausarbeitung von drei aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Identitätsproblematik, Flucht, Introversion, Extraversion, Scheinproduktion und didaktische Konzeption.
Wie unterscheiden sich die Fluchtmethoden von Helmut und Klaus?
Helmut flüchtet durch Introversion und versucht, seine wahre Identität durch Rückzug und Isolation zu verbergen, während Klaus seine Schwächen durch eine extravertierte Selbstdarstellung und Machtansprüche zu kompensieren versucht.
Warum wird die Novelle als für die Oberstufe geeignet erachtet?
Obwohl die Figuren älter sind, bieten die behandelten Alltagsthemen wie Identitätskrisen, Leistungsdruck, Sexualität und Rollenbilder eine hohe Anschlussfähigkeit an die Lebenswelt und die Entwicklungsaufgaben von Schülern in der Oberstufe.
- Quote paper
- Svenja Briese (Author), 2009, Identitätsproblematik in "Ein fliehendes Pferd" von Martin Walser. Übersicht und Unterrichtskonzeptionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/900232