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Linguistik und Psychoanalyse

Erzählen innerhalb der psychoanalytischen Interaktion

Title: Linguistik und Psychoanalyse

Term Paper (Advanced seminar) , 1997 , 26 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jana Thiele (Author)

German Studies - Linguistics

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Seit den 60er und 70er Jahren hat das wechselseitige Interesse von Psychoanalyse und Sprachwissenschaft die Form intensiverer Forschung angenommen. Zwischen beiden Disziplinen wurden immer mehr Schnittstellen sichtbar. Hierzu gehört sowohl Lacans Re-Lektüre Freuds vor dem Hintergrund Saussures und Jakobsons als auch die hermeneutischen Begründungsversuche der Freudschen Theorie durch Ricœur und Lorenzer. Allerdings werden die Auffassungen Lacans und Lorenzers als extreme Ausbildungen angesehen und dienen verschiedenen Autoren lediglich als Abgrenzungsmarkierungen der eigenen Auffassung. Der Grund hierfür sind die nicht zu vermittelnden Positionen: Für Lacan funktioniert das Unbewußte ‘wie eine Sprache’, während es bei Lorenzer als desymbolisiertes Sinnsystem angesehen wird. Ich folge an dieser Stelle der zweiten Auffassung und seiner systematischen Beschränkung: Dem Unbewußten wird keine Sprachverfügung zugestanden. Ich möchte hier an der Auffassung Freuds festhalten, die die Grenze von Unbewußtem und Bewußtem als Sprachgrenze betrachtet. Zwischen verbalen und nonverbalen Zeichensystemen besteht allein Parallelität in der Darstellungsfunktion. Ein Symptom weist auf eine bestimmte Störung hin, aber das Symptom selbst ist arbiträr.
Um die unbewußten Interaktionsformen präzise zu fassen, muß die sprachlich vermittelte Lebensgeschichte zur Untersuchung herangezogen werden. In der Arbeit werden die diskurs- und gesprächsanalytischen Untersuchungen der linguistischen Forschung mit dem Ablauf der einzelnen Phasen der „Erzählung“ innerhalb der psychoanalytischen Situation verglichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Institutionelle Bedingungen: Psychoanalyse als Interaktion

2.1. Die Grundregel und ihr Gegenstück

2.2. Wirkung der Grundregel: nonverbale Interaktion in der Übertragung

2.3. Die Phasen der Psychoanalyse

2.3.1. Phase I: Erstinterview

2.3.2. Phase II: Grundregelmitteilung - Übertragungssitzung

2.3.3. Phase III: Übertragungssitzung - Ende

3. Erzählen im Alltag - Erzählen in der Psychoanalyse

3.1. Die Funktionen des Erzählens

3.2. Phasen der Erzählung

3.2.1. Phase I: Vorankündigung

3.2.2. Phase II: Eröffnung des Erzählraums

3.2.3. Phase III: Szenische Darstellung

3.2.4. Phase IV: Exothese des Bewertungsresultats

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Erzählen innerhalb der psychoanalytischen Interaktion aus einer linguistischen Perspektive, um die spezifische Rolle der Erzählung bei der therapeutischen Aufarbeitung unbewusster Konflikte zu beleuchten. Dabei wird insbesondere analysiert, wie das psychoanalytische Setting – durch die Aufhebung alltäglicher Kommunikationsnormen – den Analysanden dazu bewegt, seine Lebensgeschichte neu zu konstruieren.

  • Psychoanalytische Grundregel und ihre Auswirkungen auf die Interaktion
  • Rolle der Übertragung und Gegenübertragung im therapeutischen Prozess
  • Unterschied zwischen alltäglichem Erzählen und dem Erzählen in der Therapie
  • Phasenmodell der psychoanalytischen Behandlung
  • Strukturelle Phasen der Erzählung und deren Anwendung im klinischen Kontext

Auszug aus dem Buch

2.1. Die Grundregel und ihr Gegenstück

Die Grundregel strukturiert die analytische Situation. Durch sie werden die institutionellen Anforderungen an den Analysanden zu Beginn der Therapie formuliert. Der Analysand soll nach der Methode der freien Assoziation über seine Gedanken und Gefühle reden, möglichst ohne auszuwählen, ohne auszulassen, was ihm vielleicht nichtig erscheint oder unangenehm ist:

„Aber der Unterschied ist groß, denn wir wollen von ihm [der Analysand, J. T.] nicht nur hören, was er weiß und vor anderen verbirgt, sondern er soll uns auch erzählen, was er nicht weiß. In dieser Absicht geben wir ihm eine nähere Bestimmung dessen, was wir unter Aufrichtigkeit verstehen. Wir verpflichten ihn auf die analytische Grundregel, die künftighin sein Verhalten gegen uns beherrschen soll. Er soll uns nicht nur mitteilen, was er absichtlich und gern sagt, was ihm wie in einer Beichte Erleichterung bringt, sondern auch alles andere, was ihm seine Selbstbeobachtung liefert, alles was ihm in den Sinn kommt, auch wenn es ihm unangenehm zu sagen ist, auch wenn es ihm unwichtig oder sogar unsinnig erscheint.“9

Für den Analysanden bedeutet die Befolgung der Grundregel zunächst also die Aufhebung gewisser alltagssprachlicher Normen. Dabei ist zu beachten, daß es sich hier lediglich um Freuds Annahmen ex negativo über den Alltagsdiskurs handelt. Vom Analysanden wird verlangt, auch diejenigen Inhalte mitzuteilen, die er in einer alltagssprachlichen Situation als (aus verschiedenen Gründen) nicht erzählenswert einschätzt. Die Forderung, alles zu sagen, verweist auf das alltagsübliche Verschweigen unangenehmer, redundanter, nicht stringenter Fakten. Die psychoanalytische Grundregel soll gewährleisten, daß bestimmte Grundregeln der Alltagskommunikation suspendiert werden. Der Analytiker muß sich entsprechend auf diese assoziative Erzählweise einstellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das theoretische Interesse an der Schnittstelle von Psychoanalyse und Sprachwissenschaft und legt den Fokus auf die Konzeption des Unbewussten als nichtsprachliches System.

2. Institutionelle Bedingungen: Psychoanalyse als Interaktion: Dieses Kapitel beschreibt das therapeutische Setting, insbesondere die Funktion der analytischen Grundregel und den Aufbau der Übertragungsbeziehung als notwendige Voraussetzung für die Behandlung.

3. Erzählen im Alltag - Erzählen in der Psychoanalyse: Es wird analysiert, wie sich das Erzählen in der Therapie von Alltagsgesprächen unterscheidet und welche Phasen eine Erzählung durchläuft, um Erlebnisse therapeutisch bearbeitbar zu machen.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Wirksamkeit der Analyse durch die kooperative Überwindung von Widerständen entsteht, wobei die Erzählung des Analysanden durch den Analytiker vervollständigt wird.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Erzählforschung, Grundregel, Übertragung, freie Assoziation, narrative Identität, therapeutische Kommunikation, Verbalisierung, Widerstand, Interaktionsanalyse, Psycholinguistik, Unbewusstes, Szenische Darstellung, Deutung, Behandlungsvertrag

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Erzählen als zentrales Element in der psychoanalytischen Interaktion genutzt wird, um unbewusste Lebensgeschichten für den Analysanden erfahrbar und veränderbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die institutionellen Rahmenbedingungen der Psychoanalyse, die linguistische Analyse von Erzählstrukturen sowie den therapeutischen Prozess der verbalen Rekonstruktion von Vergangenem.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Prozesse der therapeutischen Kommunikation zu verstehen, insbesondere wie der Analytiker durch spezifische Handlungen das Erzählen des Analysanden strukturiert und unbewusste Inhalte durch Deutung zugänglich macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um einen interdisziplinären Ansatz, der psychoanalytische Theorien, insbesondere von Freud und Lorenzer, mit gesprächsanalytischen und erzähltheoretischen Ansätzen verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Settings (Grundregel, Übertragung) und eine detaillierte Analyse der Phasen einer Erzählung innerhalb der Therapie, von der Vorankündigung bis zur Bewertung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Psychoanalyse, Übertragung, Grundregel, narrative Identität, Verbalisierung und der interaktive Prozess der Erzählung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen 'erlebter' und 'erzählter' Geschichte eine so große Rolle?

Diese Differenz ist entscheidend, da das Unbewusste oft in der Lücke zwischen dem, was erlebt wurde, und dem, was aktuell erzählt werden kann, verborgen liegt. Die Analyse dient dazu, diese Lücke durch Wiederholung und Deutung zu schließen.

Inwiefern ist das Schweigen in der Psychoanalyse von Bedeutung?

Schweigen dient laut Arbeit als gezieltes Mittel des Analytikers, um die üblichen konventionellen Kommunikationsregeln zu durchbrechen und einen Freiraum für nonverbale Interaktion und Übertragung zu schaffen.

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Details

Title
Linguistik und Psychoanalyse
Subtitle
Erzählen innerhalb der psychoanalytischen Interaktion
College
Free University of Berlin
Grade
2,0
Author
Jana Thiele (Author)
Publication Year
1997
Pages
26
Catalog Number
V85620
ISBN (eBook)
9783638006743
ISBN (Book)
9783638913744
Language
German
Tags
Linguistik Psychoanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Thiele (Author), 1997, Linguistik und Psychoanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/85620
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