In der vorliegenden Hausarbeit wird die Herrschaft König Rogers II. von Sizilien mit im Hochmittelalter verbreiteten Normvorstellungen von „Herrschaft“ verglichen und auf Übereinstimmungen oder Abweichungen von dieser Norm untersucht.
Im ersten Teil der Arbeit wird die im Hochmittelalter verbreitete Vorstellung von Herrschaft, insbesondere das Verhältnis von König und Adel beschrieben, um dann anschließend die Herrschaftspraxis Rogers II. und sein Gesetzeswerk, die so genannten „Assisen von Ariano“ näher zu betrachten. Im letzten Teil der Arbeit wird schließlich untersucht, wie die Herrschaftspraxis Rogers II. von seinen Zeitgenossen und von der Forschung beurteilt wird, dabei werden die Ergebnisse des Vergleichs aus den ersten beiden Teilen der Arbeit mit einbezogen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Historischer Kontext
III. Die im Hochmittelalter verbreitete Auffassung von Herrschaft
IV. Die Herrschaftspraxis Rogers II.
V. Die Assisen von Ariano
VI. Die Beurteilung Roger II. durch seine Zeitgenossen und die Forschung
VII. Fazit
VIII. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herrschaftspraxis Rogers II. von Sizilien im Kontext der im Hochmittelalter üblichen Normvorstellungen von Herrschaft. Ziel ist es, durch einen Vergleich mit den als "Spielregeln der Politik" bekannten Verhaltensmustern zu analysieren, inwiefern Rogers autokratischer Regierungsstil und seine Gesetzesreformen, insbesondere die Assisen von Ariano, als bewusste Abweichung von zeitgenössischen Konventionen und als Wegbereiter eines modernen Staatswesens zu interpretieren sind.
- Vergleich der Herrschaftspraxis Rogers II. mit den "Spielregeln der Politik" des Hochmittelalters.
- Analyse der normannischen Machtetablierung und des Umgangs mit politischem Widerstand.
- Untersuchung des Gesetzeswerks "Assisen von Ariano" als Ausdruck einer zentralistischen Verwaltung.
- Darstellung der zeitgenössischen Kritik sowie der modernen wissenschaftlichen Einordnung Rogers II.
Auszug aus dem Buch
IV. Die Herrschaftspraxis Rogers II.
Im von den Normannen eroberten Süditalien und Sizilien sah die Situation etwas anders aus. Zwar gab es hier am Anfang des 12. Jahrhunderts mit Instrumenten wie der Vermittlung und der deditio die gleichen Möglichkeiten zur Konfliktbeilegung wie im normannischen England, eine „period of clemency“ gab es aber nur für einen sehr kurzen Zeitraum auf dem Festland unter Wilhelm und Roger Borsa von Apulien. Hier konnte es sich die zugewanderte normannische Adelsschicht schlicht und ergreifend nicht leisten ihre Standesgenossen zu töten oder verstümmeln und sich so selbst in Gefahr zu bringen, es gab schließlich immer noch Auseinandersetzungen mit langobardischen Fürsten.
Unter der Herrschaft von Graf Roger I., spätestens aber unter der Herrschaft seines Sohnes Roger II. verschärfte sich der Umgang mit politischen Gegnern. Roger I. ließ beispielsweise nach einem Aufstand seines Sohnes Jordanus zwölf seiner Mitverschwörer blenden. Wie schon erwähnt waren solche Strafmaßnahmen auf dem Festland nicht üblich und wurden daher von anderen normannischen Adligen als überschreiten von Rechtsgrenzen Seitens Rogers I. gesehen. Ein Grund für das harte durchgreifen Rogers I. ist die Tatsache, dass sich die normannische Herrschaft in Süditalien in historischen Maßstäben gesehen gerade erst etabliert hatte, Sizilien war zum Zeitpunkt des Aufstandes seines Sohnes im Jahr 1083 noch nicht einmal komplett in normannischer Hand. Deshalb gab es noch keine traditionelle Hierarchie und wenn Roger I. nun als einer von mehreren normannischen Adligen eine Vormachtstellung beanspruchte, musste er sich natürlich erst einmal gegen seine Konkurrenten durchsetzen. Dieses Ziel versuchte er zu erreichen, indem er mit Mitteln wie den oben beschriebenen gezielt Terror verbreitete, welchen er als legitimen „rigor iustitiae“, also herrscherliche Strenge rechtfertigte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Hausarbeit ein, erläutert die Forschungsfrage zum Vergleich der Herrschaft Rogers II. mit hochmittelalterlichen Normen und gibt einen Überblick über die Quellenlage.
II. Historischer Kontext: Dieses Kapitel skizziert die politische Entwicklung Siziliens und Süditaliens in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und den Aufstieg Rogers II. zum König.
III. Die im Hochmittelalter verbreitete Auffassung von Herrschaft: Hier werden die sogenannten "Spielregeln der Politik" und die Bedeutung von Ritualen sowie ungeschriebenen Gesetzen im Verhältnis zwischen Herrscher und Adel erläutert.
IV. Die Herrschaftspraxis Rogers II.: Dieses Kapitel analysiert das gezielte Abweichen Rogers II. von den üblichen Konfliktlösungsmechanismen und seine Anwendung von Härte und "rigor iustitiae" zur Machtfestigung.
V. Die Assisen von Ariano: Es wird die Entstehung und Bedeutung des Gesetzeswerks von 1140 behandelt, das durch eine Synthese verschiedener kultureller Rechtstraditionen eine effizientere Verwaltung ermöglichte.
VI. Die Beurteilung Roger II. durch seine Zeitgenossen und die Forschung: Dieses Kapitel stellt die negative zeitgenössische Wahrnehmung Rogers als "Tyrann" der positiven Einordnung durch moderne Historiker gegenüber.
VII. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Roger II. durch seine neuartigen Konzepte und seinen Regierungsstil eine umstrittene, aber wegweisende Herrscherpersönlichkeit war.
VIII. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der in der Hausarbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der herangezogenen Nachschlagewerke.
Schlüsselwörter
Roger II. von Sizilien, Normannen, Hochmittelalter, Herrschaftspraxis, Assisen von Ariano, Spielregeln der Politik, rigor iustitiae, Konfliktmanagement, Rechtsgeschichte, Multikulturalität, Königtum, Zeitgenossen, Historische Forschung, Mittelalterliche Verwaltung, Konfliktpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herrschaft von König Roger II. von Sizilien im 12. Jahrhundert und vergleicht diese mit den damals üblichen politischen Normen und Verhaltensmustern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Machtetablierung der Normannen, das hochmittelalterliche Verständnis von politischer Kommunikation sowie die Transformation der Gesetzgebung durch die Assisen von Ariano.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwiefern Rogers Herrschaftspraxis von den gängigen hochmittelalterlichen "Spielregeln" abwich und ob diese Neuerungen als Vorläufer moderner Staatlichkeit betrachtet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse durch, indem er zeitgenössische Chroniken (wie Hugo Falcandus oder Falco von Benevent) mit moderner historischer Forschung in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Konfrontation zwischen Roger II. und dem Adel, der Bedeutung der Assisen von Ariano für die Verwaltung sowie der zeitgenössischen Rezeption Rogers als Tyrann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Roger II., Normannen, Herrschaftspraxis, Assisen von Ariano, rigor iustitiae, moderne Staatlichkeit, politische Spielregeln.
Warum wurde Roger II. von seinen Zeitgenossen oft als "Tyrann" bezeichnet?
Die Zeitgenossen empfanden seine unkonventionellen, harten Strafmethoden und das bewusste Brechen mit rituellen Konsensmechanismen als Bedrohung der bestehenden, als heilig geltenden Ordnung.
Welche Bedeutung haben die "Assisen von Ariano" im Kontext der Arbeit?
Sie dienen als zentrales Beispiel für die schriftlich fixierte Gesetzgebung Rogers II., die verschiedene Rechtstraditionen (römisch, byzantinisch, arabisch) integriert und eine effizientere, zentralisierte Staatsverwaltung unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- David Seidel (Autor:in), 2006, Die Herrschaft Rogers II., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/85123