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Jugend und Gewalt - Theoretische Darstellung der Hintergründe zum abweichenden Verhalten

Sind jugendliche Täter Opfer der heutigen Gesellschaft?

Title: Jugend und Gewalt - Theoretische Darstellung der Hintergründe zum abweichenden Verhalten

Diploma Thesis , 2004 , 116 Pages , Grade: 2,1

Autor:in: Diplom-Pädagogin Eyleen Böttger (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology

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Summary Excerpt Details

Das Thema dieser Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung von abweichendem Verhalten mit der Fragestellung: Sind jugendliche Täter die Opfer ihrer Sozialisation, indem sie abweichendes Verhalten lernen und insbesondere durch die Gesellschaft, Familie, Schule, Gleichaltrigengruppe und Medien geprägt werden? Befinden sich die Täter in einem Kreislauf der Gewalt? Welche Prozesse laufen ab, bevor sie zu Tätern werden? Die Beantwortung dieser Fragen soll den Schwerpunkt der Arbeit bilden. Dazu wird Literatur zu Jugend und Gewalt aufgearbeitet und kritisch betrachtet.
Doch zuvor soll an dieser Stelle kurz erläutert werden, warum sich die Pädagogik als Wissenschaft mit dem Phänomen der Gewalt bei Jugendlichen beschäftigt bzw. beschäftigen muß. Als (Sozial-)Pädagoge wird man in vielen Arbeitsbereichen immer wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die aufgrund ihrer Entwicklung oder ihres sozialen Umfeldes und den damit einhergehenden Schwierigkeiten (z.B. schulischer Leistungsdruck, Partnerprobleme der Eltern, usw.) mehr oder weniger schwerwiegende Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Abweichendes oder auch gewalttätiges Verhalten begleitet somit die Pädagogik auf ihrem Weg. Gewalt stört die Interaktion der Menschen. Die Herausforderung an die Pädagogik besteht demzufolge u.a. darin, den Menschen zum sozialen Verhalten zu erziehen und ihn zu befähigen, Auseinandersetzungen gewaltfrei zu lösen. Das Problem der Gewalt tritt prozentual gesehen bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren am häufigsten auf. Unter ihnen sind die meisten Gewalttäter, aber auch die meisten Opfer zu finden. Daraus erschließt sich eine weitere Aufgabe der Pädagogik als Wissenschaft, deren Ziel es ist, Ursachen der Gewalt zu erforschen, um für Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, Konzepte und Ansatzpunkte für Präventionen und Interventionen zu entwickeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Jugend im Kontext der heutigen Gesellschaft

2.1 Jugendalter und Jugendphase

2.2 Pubertät und Adoleszenz

2.3 Entwicklungsaufgaben

2.4 Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung

2.5 Jugendkulturen und Subkulturen

2.6 peer groups

3. Aggression und Gewalt als Formen abweichenden Verhaltens

3.1 Zur Diskussion der Begriffe: abweichendes Verhalten, Aggression und Gewalt

3.1.1 Abweichendes Verhalten

3.1.2 Aggression

3.1.3 Gewalt

3.2 Formen der Gewalt

3.2.1 Strukturelle Gewalt

3.2.2 Personale Gewalt

3.2.2.1 Psychische Gewalt

3.2.2.2 Physische Gewalt

3.3 Zu Statistiken der Jugendkriminalität und Reaktionen der Gesellschaft

3.3.1 Statistiken zur Jugendkriminalität

3.3.2 Exkurs zur Strafmündigkeit in Deutschland

3.3.3 Kritik am Prinzip der Strafe

4. Jugendliche Gewalt als Folge der Sozialisationsinstanzen

4.1 Bedeutung und Einfluß der Sozialisationsinstanzen

4.1.1 Familie

4.1.2 Schule

4.1.3 peer groups

4.1.4 Medien

4.1.5 Gesellschaft

4.2 Theorien abweichenden Verhaltens

4.2.1 Anomietheorie

4.2.2 Subkulturtheorie

4.2.3 Theorien differentiellen Lernens

4.2.4. Labeling Approach

4.3 Kreislauf der Gewalt

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Auseinandersetzung mit der Entstehung von Jugendgewalt unter der zentralen Forschungsfrage, ob jugendliche Täter primär Opfer ihrer Sozialisationsbedingungen sind und in einem Kreislauf der Gewalt gefangen sind.

  • Analyse der jugendlichen Entwicklungsphasen und deren Bewältigungsaufgaben.
  • Definition und Differenzierung von Aggression, struktureller und personaler Gewalt.
  • Untersuchung des Einflusses der primären Sozialisationsinstanzen (Familie, Schule, Peer Groups, Medien, Gesellschaft) auf gewalttätiges Verhalten.
  • Kritische Betrachtung soziologischer Theorien abweichenden Verhaltens wie der Anomietheorie, Subkulturtheorie und des Labeling Approach.
  • Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Sanktionen und präventiven Maßnahmen in der Jugendstrafjustiz.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Abweichendes Verhalten

„Unter abweichendem Verhalten sind alle diejenigen Verhaltensweisen und Handlungen zu verstehen, die nicht übereinstimmen mit den als konform angesehenen Erwartungen anderer Personen, Gruppen, Institutionen und schließlich der Gesellschaft. Statt von abweichendem spricht man auch von deviantem Verhalten (von lat. Devianz, Abweichung)“. (SCHÄFERS 2001, S. 175)

Verhaltensweisen werden von den Mitgliedern einer Gesellschaft beurteilt. Dabei kann ein und dieselbe Handlung vom gegenüber unterschiedlich bewertet und definiert werden. Die Mehrheit kann dieses Verhalten als abweichend, dagegen eine Minderheit als angemessen deuten. Der Prozeß, der bestimmt, ob jemand abweicht oder nicht, wird von der Majorität in Abhängigkeit der gesellschaftlich existierenden Werte und Normen gesteuert und weitergegeben. (vgl. WURR 1993, S. 7)

HURRELMANN (1997, S. 200) versteht unter abweichendem Verhalten alle sozial unerwünschten und normverletzenden Handlungsweisen ohne rechtliche Strafbarkeit. Kriminelles oder auch delinquentes Verhalten wird dagegen strafrechtlich verfolgt und stellt deviante Formen der Problemverarbeitung (ebd.) und Formen der biographischen Lebensbewältigung dar (vgl. BÖHNISCH 1997, S. 168).

Um ein gewünschtes Verhalten, also ein nicht abweichendes Verhalten zu erzielen, werden bei Verstößen gegen allgemeingeltende Regeln und Normen Sanktionen als Instrumente sozialer Kontrolle erteilt. Wie das Verhalten bewertet wird und ob Sanktionen erteilt werden, hängen im wesentlichen von der Häufigkeit der Abweichungen, dem Alter, der Schichtzugehörigkeit, der sozialen Umstände, in denen der Jugendliche lebt, oder auch dem Kontext, in dem die abweichende Handlung steht, ab. (vgl. SCHÄFERS 2001, S. 175 ff)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob jugendliche Täter Opfer ihrer Sozialisation sind und wie pädagogische Wissenschaft Konzepte gegen Gewalt entwickeln kann.

2. Zur Jugend im Kontext der heutigen Gesellschaft: Dieses Kapitel definiert die Jugendphase und deren Entwicklungsaufgaben unter den Bedingungen von Individualisierung und Pluralisierung.

3. Aggression und Gewalt als Formen abweichenden Verhaltens: Es erfolgt eine theoretische Begriffsbestimmung von Gewalt und Aggression sowie eine Analyse von Kriminalstatistiken und Strafmündigkeit.

4. Jugendliche Gewalt als Folge der Sozialisationsinstanzen: Dies ist der Kern der Arbeit, in dem der Einfluss von Familie, Schule, Medien und Gesellschaft analysiert und mit soziologischen Theorien verknüpft wird.

5. Resümee: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Rückschlüsse auf die Ausgangsthese unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Verantwortung.

Schlüsselwörter

Jugendgewalt, Sozialisation, Abweichendes Verhalten, Identitätsentwicklung, Anomietheorie, Subkulturtheorie, Labeling Approach, Peer Groups, Kriminalstatistik, Prävention, Strafmündigkeit, Strukturelle Gewalt, Personale Gewalt, Sozialisationsinstanzen, Jugendkriminalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Hintergründe von Jugendgewalt und analysiert, ob Jugendliche als Täter zugleich Opfer ihrer Sozialisationsbedingungen innerhalb unserer heutigen Gesellschaft sind.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen die Entwicklungspsychologie des Jugendalters, die Definition und Klassifizierung von Gewalt, die Rolle der wichtigsten Sozialisationsinstanzen sowie die kritische Reflexion des aktuellen Jugendstrafrechts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob jugendliche Gewalttäter lediglich Produkte ihrer Sozialisation sind, die in einem Kreislauf der Gewalt gefangen sind, und welche gesellschaftlichen Prozesse zu diesem abweichenden Verhalten führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und kritischen Betrachtung der Fachliteratur zu Jugend, Gewalt und Sozialisation sowie einer Analyse polizeilicher Kriminalstatistiken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Einflüssen von Familie, Schule, Peer Groups, Medien und Gesellschaft sowie der Analyse soziologischer Theorien, um die Entstehung von abweichendem Verhalten bei Jugendlichen zu erklären.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sozialisationsinstanzen, Anomietheorie, Labeling Approach, strukturelle versus personale Gewalt sowie die Problematik des Jugendstrafvollzugs.

Wie bewertet die Autorin den Ruf nach härteren Strafen für Jugendliche?

Die Autorin steht dem Ruf nach härteren Strafen skeptisch gegenüber und verweist darauf, dass dies bei Jugendlichen oft kontraproduktiv wirkt und lediglich zu weiterer Stigmatisierung und einer Verfestigung krimineller Karrieren führt.

Welche Rolle spielt die Familie bei der Entstehung von Gewalt?

Die Familie gilt als die wichtigste Sozialisationsinstanz. Die Autorin zeigt auf, dass innerfamiliäre Gewalterfahrungen und eine mangelhafte Eltern-Kind-Beziehung das Risiko signifikant erhöhen, dass Jugendliche später selbst zu Tätern werden.

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Details

Title
Jugend und Gewalt - Theoretische Darstellung der Hintergründe zum abweichenden Verhalten
Subtitle
Sind jugendliche Täter Opfer der heutigen Gesellschaft?
College
University of Erfurt
Grade
2,1
Author
Diplom-Pädagogin Eyleen Böttger (Author)
Publication Year
2004
Pages
116
Catalog Number
V84935
ISBN (eBook)
9783638020213
ISBN (Book)
9783656342441
Language
German
Tags
Jugend Gewalt Theoretische Darstellung Hintergründe Verhalten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Pädagogin Eyleen Böttger (Author), 2004, Jugend und Gewalt - Theoretische Darstellung der Hintergründe zum abweichenden Verhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/84935
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