Dieser Arbeit stellt einen ersten Versuch der Diversifizierung der Kategorie Diaspora dar. D.h. es soll durch das Aufzeigen von Labour, Trade und Imperial Diasporas das gängige Paradigma der Victim Disapora durchbrochen werden.
Daher werden nach einem theoretischen Teil, die eizelnen Kategorien an jeweils einem Beispiel abgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. „Diaspora“ – Ein Definitionsversuch
3. Die gängige Vorstellung der victim diasporas
3.1 Ein Einstieg
3.2 Die afrikanische Diaspora als Alternative
3.2.1 Der Sklavenhandel als konstituierendes Merkmal
3.2.2 Die Konstruktion von Heimat
3.2.3 Zusätzliche politische und soziale Aspekte
3.2.4 Eine Zusammenfassung
3.3 Eine Zusammenfassung
4. Diaspora und Kolonialismus - labour diasporas und imperial diasporas
4.1 Ein Einstieg
4.2 Die indische Diaspora – Arbeit als Perspektive
4.2.1 Die Umstände der Migration
4.2.2 Ein neues Sklaventum?
4.2.3 Die Konstitution als Diaspora
4.2.4 Eine Zusammenfassung
4.3 Die britische Diaspora im imperialen Kontext
4.3.1 Die Ansiedlung der britischen Imperialdiaspora
4.3.2 Die Aufrechterhaltung der britischen Identität
4.3.3 Mit dem Ende der Kolonien auch Ende der imperial diaspora?
4.3.4 Eine Zusammenfassung
4.4 Eine Zusammenfassung
5. Handeln in der Ferne – trade diasporas
5.1 Ein Einstieg
5.2 Die libanesische Diaspora - trade diaspora par exellence
5.2.1 Die libanesische Migration
5.2.2 Warum ausgerechnet Händler?
5.2.3 Einige Versuche der Erklärung
5.2.4 Eine Zusammenfassung
5.3 Eine Zusammenfassung
6. Fazit
7. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hinterfragt das traditionell eng gefasste, auf traumatischen Ursprüngen basierende Diaspora-Verständnis und strebt eine Typologisierung an, die die Diversität verschiedener Diasporagemeinschaften durch eine differenzierte Kategorisierung in victim, labour, imperial und trade diasporas verdeutlicht.
- Kritische Auseinandersetzung mit der eurozentrischen Diaspora-Definition.
- Analyse der afrikanischen Diaspora als Alternativbeispiel zur jüdischen Diaspora.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen kolonialen Ambitionen und Diaspora-Entstehung.
- Darstellung der indischen Arbeitsmigration und der britischen Imperialdiaspora.
- Evaluation der libanesischen Diaspora als Modell für ökonomisch geprägte Handelsdiasporas.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Der Sklavenhandel als konstituierendes Merkmal
Zu allererst möchte ich nochmals betonen, dass ich mit der Darstellung des transatlantischen Sklavenhandels nur einen Entstehungsaspekt der afrikanischen Diaspora unter mehreren herausgegriffen habe. D.h. obwohl dieser und seine essentielle Rolle in der Konstitution der afrikanischen Diaspora sowohl durch Afrikaner als auch durch Europäer stets besonders herausgehoben wird, sollten andere Aspekte, wie z.B. der Sklavenhandel und die gezwungene Migration von Afrikanern unter der islamischen Hegemonie des siebten und achten Jahrhunderts „(…) beginning some eight centuries before the transatlantic slave trade, and not ending until several decades after the latter was halted, the movement of slaves across the Sahara, up the Nile Valley and the Red Sea, and across the Indian Ocean to the Persian Gulf and India, probably accounted for the uprooting of as many Africans from their societies as did the transatlantic trade“ nicht vergessen werden (Hunwick 1993: 289).
Daher soll durch meine Konzentration auf nur einen speziellen Aspekt der afrikanischen Diaspora keinesfalls verschwiegen werden, dass diese Diaspora und Migration, wie wohl jede victim diaspora, nicht vollständig und ausschließlich gezwungen ablief. Es gab durchaus Afrikaner vor allem in Asien und den mediterranen Regionen der Welt, die nicht als Sklaven sondern selber als Händler agierten und sich somit sicherlich in einem etwas anderen Kontext als jener des transatlantischen Sklavenhandels bewegten. Trotz alledem vertrete ich die Ansicht, dass der transatlantische Sklavenhandel und die damit verbundenen Erfahrungen als entscheidende Merkmale bezüglich der Konstitution der afrikanischen Diaspora zu sehen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Einleitung in das Thema der Diaspora mit Fokus auf die Notwendigkeit einer diversifizierten Typologisierung jenseits des klassischen Modells.
2. „Diaspora“ – Ein Definitionsversuch: Diskussion existierender Definitionen des Begriffs Diaspora und Festlegung eines theoretischen Rahmens.
3. Die gängige Vorstellung der victim diasporas: Darstellung der traditionellen victim diaspora anhand der afrikanischen Diaspora als alternatives Fallbeispiel.
4. Diaspora und Kolonialismus - labour diasporas und imperial diasporas: Analyse der labour diaspora (indische Diaspora) und imperial diaspora (britische Diaspora) im kolonialen Kontext.
5. Handeln in der Ferne – trade diasporas: Untersuchung der trade diaspora am Beispiel der libanesischen Diaspora in Westafrika.
6. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Typologisierungsansatzes.
7. Literaturangaben: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Diaspora, Migration, Typologisierung, victim diaspora, labour diaspora, imperial diaspora, trade diaspora, Kolonialismus, afrikanische Diaspora, indische Diaspora, britische Diaspora, libanesische Diaspora, Identität, Heimat, Sklavenhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Diversität innerhalb des Diaspora-Phänomens und kritisiert die einseitige Fixierung auf das jüdische Modell einer traumatischen Vertreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit analysiert vier spezifische Diaspora-Typen: victim, labour, imperial und trade diasporas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Aufstellung einer Typologisierung, die durch adjektive Beschreibungen unterschiedliche Erscheinungstypen der Diaspora differenzierbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kategoriale Analyse vorgenommen, bei der für jede Diaspora-Kategorie ein spezifisches historisches Fallbeispiel zur Illustration und Rechtfertigung herangezogen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der afrikanischen Diaspora (victim), der indischen (labour) und britischen Diaspora (imperial) sowie der libanesischen Diaspora (trade).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Diaspora, Migration, Typologisierung, Kolonialismus sowie Identität und Heimat.
Warum wird die afrikanische Diaspora als Alternative zur jüdischen Diaspora gewählt?
Sie dient als komplexes Beispiel für eine victim diaspora, die nicht durch ein punktuelles traumatisches Ereignis, sondern durch eine lang anhaltende, systematische Verschiffung und Unterdrückung geprägt wurde.
Wie unterscheidet sich die libanesische von den anderen untersuchten Diaspora-Typen?
Im Gegensatz zu den anderen Typen ist die trade diaspora stärker durch eine ökonomisch geprägte, individuelle Motivation und eine hohe Anpassungsfähigkeit an den lokalen Handel kontextualisiert.
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- Patricia Piberger (Author), 2007, Diasporas - Die feinen Unterschiede, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/83722