1 Einleitung
„Es gibt zwei Sorten Ratten: Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben zu vergnügt zu Haus,
die Hungrigen aber wandern aus.“
Heinrich Heine
Die EU-Osterweiterung am 1. Mai 2004 machte zehn neue Mitgliedstaaten zu einem Teil des Binnenmarktes. Polen gehört in dieser Gruppe zu dem größten Beitrittsland und spielt eine besondere Rolle.
„ […] situation of Polish workers in the EU countries has changed after the 1st of May 2004, when Poland became a member of the EU. Polish citizens automatically acquired the right to move and reside on the territory of the 25 EU member states“ .
Die steigende Nachfrage und der Zugang zum Markt der öffentlichen Aufträge wirkt sich positiv aus. Alle Firmen haben einen besseren Zugang zu bestimmten Gütern und Dienstleistungen, verfügen über bessere Qualität und größere Auswahl. Dazu ist die vorteilhaft ausfallende Bilanz im Handel, Export, zu bemerken. Damit Polen die positiven Auswirkungen jedoch vollkommen nutzen kann, braucht es Arbeitskräfte. Die Öffnung der Arbeitsmärkte der EU-Länder führt zu einer starken Emigration und sinkenden Zahl qualifizierter Arbeitskräfte, die in Polen zur Verfügung stehen. Die Regierung kann aber ihre Bürger nicht daran hindern, ins Ausland auszuwandern beziehungsweise sie zwingen, in bestimmten Gegenden zu wohnen, da die demokratischen Gesellschaften das Recht auf Auswanderung garantieren . Am meisten profitiert haben von dieser Situation die Länder, die das bestqualifizierte Personal durch freien Zugang zu ihren Märkten angezogen haben . Die bisherige Tendenz in den alten Mitgliedstaaten, saisonal zu arbeiten, hat sich verfestigt. Diese negativen Auswirkungen sollten sehr genau untersucht werden und der polnische Staat sollte die notwendigen Schritte unternehmen, um diese steigende Tendenz zu stoppen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Migration
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.2 Die Ansätze zur Analyse
2.2.1 Die Startphase
2.2.2 Die Reisephase
2.2.3 Die Aufenthaltsphase
3 Der polnische Arbeitsmarkt
3.1 Besonderheiten
3.2 Entwicklungen der Migration
3.3 Wanderungstendenzen nach EU-Beitritt
3.3.1 Das Bild des polnischen Emigranten und Motive
4 Auswirkungen auf die Entwicklung Polens
4.1 Wachstum
4.2 Arbeitsmarkt
4.3 Geldtransfer
4.4 Außenhandel
4.5 Entwicklungen von Regionen
4.6 Ausblick zur zukünftigen Situation
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Emigration polnischer Arbeitskräfte im Kontext der EU-Osterweiterung und analysiert deren Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung Polens. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Motive die polnischen Migranten bewegen und wie sich der Abfluss qualifizierter Arbeitskräfte, die Geldtransfers sowie die Veränderungen auf dem heimischen Arbeitsmarkt auf das wirtschaftliche Wachstum und die regionale Entwicklung in Polen auswirken.
- Theoretische Fundierung von Migrationsphänomenen und Analysephasen.
- Historische Entwicklung und aktuelle Wanderungstendenzen polnischer Arbeitskräfte.
- Untersuchung von Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und Außenhandel.
- Analyse des Geldtransfers und dessen Bedeutung für Haushalte und Investitionen.
- Sozioökonomische Folgen für polnische Regionen und Ausblick auf die zukünftige Situation.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffsbestimmung
Das Begriff der Migration stammt von dem lateinischen Wort „migare bzw. migratio“ (wandern, wegziehen, Wanderung)24. Wanderungsprozesse sind komplex: betreffen nicht nur die wandernden Menschen, sondern auch die Gesellschaften und Regionen, zwischen denen diese Menschen sich bewegen, deswegen befassen sich mit Migration zahlreiche andere wissenschaftliche Disziplinen25. Ökonomische Ursachen beschreiben die Wirtschaftswissenschaften. In der Rechtswissenschaft werden die Fragen der Rechtsformen im Kontext des Verfassungs-, Europa- und Völkerrechts diskutiert. Demografie beschreibt Migration im Zusammenhang von Prognosen und Untersuchungen zur Bevölkerungsentwicklung. In der Geografie untersucht man die Veränderung von Regionen und Städten als Ursache. Für die Politikwissenschaft stehen die ausländerrechtliche und –politische Entwicklung in Mittelpunkt. Die Psychologie untersucht persönlichkeitsbedingte Ursachen. Folgen der Migration stehen im Mittelpunkt der Soziologie.
Die zahlreichen mit diesem Thema beschäftigten Disziplinen bewirken, dass der Begriff „Migration“ zahlreiche Definitionen aufweist und nicht leicht zu definieren ist. Sie unterscheiden sich nach vielen Aspekten26:
a) unter räumlichen Aspekten wird zwischen internationalen oder externen (kontinentalen oder interkontinentalen) unterschieden;
b) bezüglich zeitlicher Aspekte wird zwischen begrenzter, temporärer, dauerhafter, permanenter Wanderung unterschieden;
c) im Bezug auf Wanderungsentscheidung zwischen freiwilliger und erzwungener27;
d) unter dem Umfang wird zwischen Einzel-, Individual-, Gruppen-, Kollektiv-, Massenwanderung unterschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der polnischen Arbeitsmigration nach dem EU-Beitritt 2004 ein und skizziert die Relevanz der Untersuchung für die polnische Wirtschaft.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel liefert die notwendigen Definitionen, Haupttypen und Analysemodelle, um die Komplexität von Migrationsbewegungen aus theoretischer Sicht zu verstehen.
3 Der polnische Arbeitsmarkt: Hier werden die demografischen Besonderheiten, historischen Entwicklungen und die aktuellen Wanderungstendenzen polnischer Arbeitskräfte, inklusive ihrer Motive, detailliert dargestellt.
4 Auswirkungen auf die Entwicklung Polens: Dieses Kapitel analysiert die konkreten wirtschaftlichen Konsequenzen der Migration, insbesondere im Hinblick auf Wachstum, Arbeitsmarkt, Geldtransfers und Außenhandel.
Schlüsselwörter
Polen, EU-Osterweiterung, Arbeitsmigration, Brain Drain, Wirtschaftswachstum, Geldtransfer, Arbeitsmarkt, Migrationsmotive, Demografie, Außenhandel, Humankapital, regionale Entwicklung, Mobilität, Fachkräftemangel, Transformationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und empirischen Analyse der Auswanderung polnischer Arbeitskräfte in den EU-Raum nach dem Beitritt zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 und untersucht deren Auswirkungen auf die polnische Wirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Migration, die Darstellung des polnischen Arbeitsmarktes, die Analyse von Wanderungstendenzen sowie die Auswirkungen der Migration auf Wachstum, Arbeitsmarkt, Geldtransfer, Außenhandel und die Entwicklung polnischer Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel besteht darin, die komplexen Ursachen für die polnische Emigration zu identifizieren und zu interpretieren, wie dieser Prozess sowohl positive Impulse als auch negative Folgen (wie den sogenannten "Brain Drain") für die wirtschaftliche Entwicklung in Polen generiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse zu Migrationsmodellen sowie eine empirische Untersuchung, die auf statistischen Daten und Auswertungen zu Migrationsströmen, Arbeitslosenquoten und Geldtransfers basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse der Migrationsursachen, eine detaillierte Betrachtung der polnischen Arbeitsmarkt- und Emigrationssituation in historischer sowie aktueller Perspektive und eine umfangreiche Untersuchung der wirtschaftlichen Folgen der Migration auf den polnischen Staat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Arbeitsmigration, EU-Osterweiterung, Brain Drain, Geldtransfer, Arbeitsmarkt, wirtschaftliches Wachstum und regionale Entwicklung charakterisiert.
Warum ist das Thema "Brain Drain" besonders relevant für Polen?
Das Thema ist hochrelevant, da Polen eine starke Abwanderung gut ausgebildeter junger Arbeitskräfte verzeichnet, was zu einem Substanzverlust an Humankapital führt und Investitionen in die Ausbildung entwertet, da das Potenzial der Fachkräfte in der polnischen Wirtschaft verloren geht.
Welche Rolle spielt der Geldtransfer der Migranten?
Geldtransfers stellen einen positiven Aspekt dar, da sie das Haushaltsbudget vieler Familien verbessern und potenziell Investitionen ermöglichen, wenngleich der genaue Effekt auf die Gesamtwirtschaft durch illegale Transferwege schwer messbar bleibt.
Wie blickt der Autor auf die zukünftige Situation nach 2011?
Der Autor prognostiziert einen eher sinkenden Migrationsdruck, da sich die finanzielle Situation in Polen langfristig verbessert, und empfiehlt, Polen als attraktives Einwanderungsland zu positionieren, um den Bedarf an Arbeitskräften in Zukunft zu decken.
- Arbeit zitieren
- Mateusz Marcin Matuszkiewicz (Autor:in), 2007, Die Emigration polnischer Arbeitskräfte in den EU-Raum und ihre Auswirkung auf die Entwicklung Polens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/83140