Auf Basis der Theorien der Lebenswelt und der mannigfaltigen Wirklichkeiten von Alfred Schütz zeigt diese Arbeit, dass das Thema „Schizophrenie“ durchaus soziologisch behandelt werden kann. Dennoch wird trotz gefundener Erklärungsansätze erkennbar, dass diese Krankheit im Bereich der Psychologie zu Hause ist und weitreichende soziologische Erklärungen im Sinne Schütz’ nicht gegeben werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diagnostik der Schizophrenie
3. Die Alltagswelt
3.1 Ein Überblick
3.2 Typisierung der Sozialwelt
3.2.1 Die soziale Umwelt
3.2.1.1 Umweltliche soziale Beziehung
3.2.1.2 Umweltliche Beobachtung
3.2.2 Die soziale Mitwelt
3.2.2.1 Übergang von der sozialen Umwelt zur sozialen Mitwelt
3.2.3 Schizophrene Umwelt und Mitwelt
3.3.3 Die Phantasiewelt
3.3.3.1 Skizzierung der Phantasiewelt
3.3.3.2 Vergleich mit der Alltagswelt
3.3.3.3 Schizophrenie – Leben zwischen Alltags- und Phantasiewelt?
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Krankheitsbild der Schizophrenie mittels der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz zu analysieren, um zu prüfen, ob sich die soziale Wirklichkeitskonstruktion Erkrankter von der des „normalen“ Individuums unterscheidet.
- Soziologische Analyse der Schizophrenie
- Anwendung der Theorie der Lebenswelt von Alfred Schütz
- Untersuchung sozialer Umwelt, Mitwelt und der Phantasiewelt
- Erforschung der Wahrnehmung von Bezugspersonen im Wahn
- Vergleich von Alltags- und Phantasiewelt bei Erkrankten
Auszug aus dem Buch
3.2.1.2 Umweltliche Beobachtung
Bislang wurde untersucht, wie ego auf das Bewusstsein des alter ego „Zugang hat“ respektive sich in dieser Beziehung verhält. Nun soll hier kurz dargestellt werden, was sich ändert, wenn ego das Fremdverhalten eines umweltlichen alter ego nur beobachtet.
Der wesentliche Unterschied bei einer Beobachtung besteht darin, dass die Dueinstellung einseitig ist. Dennoch ist die Ausgangssituation zunächst dieselbe: Der Körper des beobachteten Du ist für den Beobachter „...unmittelbares Ausdrucksfeld“ (Schütz 1960: 193). Alle Symptome und Zeichen, die ego wahrnimmt, deutet es als Bewusstseinsvorgänge und –erlebnisse des alter ego, womit sich auch in jedem Moment der umweltlichen Beobachtung der Wissensvorrat vom Du ständig vergrößert. Da auch hier die Umgebung des Ich der Umgebung des Du entspricht, „...besteht eine gewisse Chance dafür, daß die Erlebnisse des Beobachteten von seiner Umgebung den Erlebnissen des Beobachters von eben derselben Umgebung adäquat sind“ (Schütz 1960: 193). Jedoch ist dies nicht sicher, da ego die Interpretation des Erlebens des alter ego nicht kontrollieren kann. Ego ist nur Beobachter und als solcher nicht in der Lage, alter ego zu befragen, es sein denn, die umweltliche Beobachtung wird zur umweltlichen Beziehung überführt, was auch unmittelbar möglich ist (vgl. 193). In dieser ist alter ego, wie schon beschrieben, befragbar.
Ein weiterer Unterschied zur umweltlichen Beziehung findet sich darin, dass sich der Beobachtete unabhängig vom Verhalten des Beobachters verhält, dieser also nicht „...auf das Verhalten des Beobachteten wirkend Einfluß (...) nehmen“ (Schütz 1960: 194) und somit auch nicht erkennen kann, ob sich der Handelsentwurf des alter ego erfüllt oder nicht erfüllt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet das Vorhaben, Schizophrenie aus der Perspektive der phänomenologischen Soziologie Alfred Schütz’ zu beleuchten und zentrale Forschungsfragen abzuleiten.
2. Diagnostik der Schizophrenie: Der Abschnitt bietet einen präzisen Überblick über die Kriterien der ICD-10 für die Diagnose der paranoiden Schizophrenie und deren symptomatische Besonderheiten.
3. Die Alltagswelt: Dieses Kapitel führt in die Schütz’sche Theorie der Alltagswelt ein, erläutert die Bedeutung der „natürlichen Einstellung“ und die Definition der Situation.
3.1 Ein Überblick: Hier werden die Grundlagen der Lebenswelt, der Wissensvorrat und die Intersubjektivität als Basis für das Verständnis der sozialen Wirklichkeit dargestellt.
3.2 Typisierung der Sozialwelt: Dieser Abschnitt thematisiert die Gliederung der Alltagswelt durch den Kontakt mit Mitmenschen in verschiedene Bereiche wie Umwelt und Mitwelt.
3.2.1 Die soziale Umwelt: Das Kapitel definiert den Bereich der sozialen Umwelt, in dem ein unmittelbares, räumlich-zeitliches Zusammenwirken mit dem Mitmenschen stattfindet.
3.2.1.1 Umweltliche soziale Beziehung: Erläutert wird die Wirbeziehung, die auf der wechselseitigen Dueinstellung und der räumlich-zeitlichen Präsenz des Gegenübers beruht.
3.2.1.2 Umweltliche Beobachtung: Dieser Teil beschreibt, wie ein einseitiges Beobachten des Fremdverhaltens ohne unmittelbare Interaktion soziologisch zu fassen ist.
3.2.2 Die soziale Mitwelt: Hier wird der Begriff der mittelbaren Beziehung bzw. der Ihrbeziehung zu Nebenmenschen eingeführt, die nicht in der lebendigen Gegenwart koexistieren.
3.2.2.1 Übergang von der sozialen Umwelt zur sozialen Mitwelt: Die Analyse widmet sich der fließenden Grenze zwischen der räumlich nahen Umwelt und der mitweltlichen Fernbeziehung.
3.2.3 Schizophrene Umwelt und Mitwelt: Dieser Abschnitt untersucht kritisch, ob akustische Halluzinationen oder Wahnwahrnehmungen soziologisch als umweltliche Beziehung klassifizierbar sind.
3.3.3 Die Phantasiewelt: Das Kapitel skizziert die Sinnprovinz der Phantasie als Gegenentwurf zur Alltagswelt und setzt diese in Bezug zum menschlichen Erleben.
3.3.3.1 Skizzierung der Phantasiewelt: Eine Zusammenfassung der Merkmale der Phantasiewelt, in der der Mensch frei von den Zwängen der Alltagswelt agiert.
3.3.3.2 Vergleich mit der Alltagswelt: Eine Gegenüberstellung der beiden Wirklichkeitsbereiche hinsichtlich Bewusstseinsspannung, Zeitlichkeit und Sozialität.
3.3.3.3 Schizophrenie – Leben zwischen Alltags- und Phantasiewelt?: Die abschließende Untersuchung klärt, ob schizophrene Wahnvorstellungen tatsächlich als Phantasien im Sinne von Schütz einzuordnen sind.
4. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass eine rein soziologische Erklärung der Schizophrenie anhand von Schütz' Theorien schwierig ist, aber wichtige Einblicke in die Deutungsschemata Erkrankter liefert.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Soziologie, Alfred Schütz, phänomenologische Soziologie, Alltagswelt, soziale Umwelt, soziale Mitwelt, Phantasiewelt, Wirbeziehung, Ihrbeziehung, Wahnerleben, Intersubjektivität, Deutungsschemata, Bewusstsein, paranoide Schizophrenie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Krankheit Schizophrenie durch die Brille der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz, um soziologische Erklärungsansätze für die Wahrnehmungswelt Erkrankter zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Schütz’sche Theorie der Lebenswelt, die Unterscheidung zwischen Umwelt und Mitwelt, das Wesen der Phantasiewelt sowie die soziologische Interpretation schizophrener Symptome.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob sich die soziale Interaktion und Wirklichkeitskonstruktion von Schizophrenen von der gesunder Menschen unterscheidet und ob diese mittels soziologischer Theorien erklärbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der existierende soziologische Konzepte von Alfred Schütz auf Fallbeispiele von schizophrenen Patienten angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Alltagswelt und der Phantasiewelt sowie deren Anwendung auf das Erleben von Schizophrenen, insbesondere im Hinblick auf Halluzinationen und Wahn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schizophrenie, Soziologie, Alfred Schütz, Alltagswelt, Umwelt, Mitwelt, Phantasiewelt, Intersubjektivität und Wahnerleben.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Phantasiewelt bei Schizophrenen?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Phantasiewelt bei Schizophrenen überraschenderweise keine zentrale Rolle spielt, da der Kranke im Wahn die Realität nicht verlässt, sondern diese als zutiefst wirklich erlebt.
Gibt es einen klaren soziologischen Erklärungsansatz für die paranoide Schizophrenie?
Eine umfassende soziologische Erklärung ist laut der Autorin kaum möglich, jedoch bietet der Ansatz der „Fehler in den Deutungsschemata“ einen hilfreichen Erklärungsansatz für das Wahnerleben in Bezug auf Mitmenschen.
- Arbeit zitieren
- Manuela Pelzl (Autor:in), 2003, Schizophrenie - Eine soziologische Analyse aus phänomenologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/82213