Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Narratologie von Freuds Werk „Totem und Tabu“, dessen vier Kapitel erstmals im Laufe der Jahre 1912/13 nacheinander in der Zeitschrift Imago erschienen sind. Im Mittelpunkt der Arbeit soll hierbei Freuds Ursprungstheorie stehen und die Frage, wie Freud diese in „Totem und Tabu“ aufgebaut, wie er seiner Theorie sozusagen narratologisch den Weg geebnet hat. Somit wird sich diese Hausarbeit vor allem mit dem letzten Kapitel aus „Totem und Tabu“ beschäftigen und die anderen drei nur insofern behandeln, wie sie für das Verständnis des vierten Kapitels und die Herleitung der Narratologie von Wichtigkeit sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Entstehung und Aufbau von „Totem und Tabu“
3 Freuds Ursprungstheorie
4 Analyse der Narratologie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die narratologischen Strategien in Sigmund Freuds Werk „Totem und Tabu“, mit einem besonderen Fokus auf das vierte Kapitel „Die infantile Wiederkehr des Totemismus“. Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie Freud seine theoretischen Annahmen – insbesondere die Verbindung zwischen Totemismus und Ödipuskomplex – rhetorisch konstruiert und narrativ vorbereitet, um seine Ursprungstheorie zu etablieren.
- Analyse der narratologischen Konstruktion von Freuds Ursprungstheorie
- Untersuchung der rhetorischen Mittel und der Beweisführung im vierten Kapitel
- Darstellung der Verknüpfung zwischen Totemismus, Exogamie und Ödipuskomplex
- Evaluierung der psychoanalytischen Vorgehensweise als wissenschaftliche Methode
- Kritische Betrachtung von Freuds Argumentationsstrategie gegenüber seinem Publikum
Auszug aus dem Buch
3 Freuds Ursprungstheorie
Bevor ich mich nun der narratologischen Analyse des vierten Kapitels von „Totem und Tabu“ widme, ist es nötig einen Blick auf Freuds Ursprungstheorie, welche den Kern des Werkes darstellt, zu werfen, und sich einen Überblick über ihre Funktionsweise zu verschaffen. Bei der Erarbeitung seiner Theorie stützt sich Freud vornehmlich auf Frazers „Totemism and Exogamy“, Darwins Vorstellungen einer sogenannten Urhorde, Wundts Arbeiten und Robertson Smiths Erläuterung zur Totemmahlzeit.
Thema von „Totem und Tabu“ ist der Konflikt zwischen der Kultur und den Trieben (ausgedrückt durch den Ödipuskomplex), den [...] Freud immer wieder erläutern sollte, angefangen mit DIE >>KULTURELLE<< SEXUALMORAL UND DIE MODERNE NERVOSITÄT (1908) über TOTEM UND TABU (1913) bis zu DAS UNBEHAGEN IN DER KULTUR (1913) und WARUM KRIEG? (1933).
So fasst Freud das Geschehen, dessen einzelne Elemente er der von ihm verwendeten Literatur entnimmt, wie folgt zusammen: Eines Tages taten sich die ausgetriebenen Brüder zusammen, erschlugen und verzehrten den Vater und machten so der Vaterhorde ein Ende. [...] Nun setzten sie im Akte des Verzehrens die Identifizierung mit ihm durch [...]. Die Totemmahlzeit [...] wäre die Wiederholung und die Gedenkfeier dieser denkwürdigen, verbrecherischen Tat, mit welcher so vieles seinen Anfang nahm, die sozialen Organisationen, die sittlichen Einschränkungen und die Religion.
Um das Verhalten der Brüder zu erklären, führt Freud den Ödipuskomplex und die ihm inwohnende Ambivalenz der Gefühle gegenüber dem Vater an. Einerseits hassten die Brüder den Vater, da er ihre sexuellen Ansprüche auf die Weibchen der Vaterhorde unterband, andererseits liebten sie ihn auch und brachten ihm eine große Bewunderung entgegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Dieses Kapitel führt in das Ziel der Arbeit ein, Freuds narratologische Strategien in „Totem und Tabu“ zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse des vierten Kapitels liegt.
2 Entstehung und Aufbau von „Totem und Tabu“: Hier wird der Entstehungsprozess des Werkes beleuchtet und die inhaltliche Struktur der vier Kapitel im Kontext von Freuds eigener Einschätzung dargelegt.
3 Freuds Ursprungstheorie: Dieser Abschnitt erläutert den Kern der Theorie, indem er die Bedeutung des Ödipuskomplexes, die Rolle des Vatermords und die Funktion der Totemmahlzeit zusammenfasst.
4 Analyse der Narratologie: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die rhetorischen und strukturellen Verfahren Freuds, um seine Theorien über Totemismus und Inzestverbot innerhalb des vierten Kapitels methodisch aufzubauen.
Schlüsselwörter
Sigmund Freud, Totem und Tabu, Narratologie, Ursprungstheorie, Ödipuskomplex, Totemismus, Exogamie, Psychoanalyse, Vatermord, Inzestscheu, Rhetorik, kulturelle Evolution, Vaterhorde, Totemmahlzeit, wissenschaftliche Methode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die narratologische Struktur von Sigmund Freuds „Totem und Tabu“ und untersucht, wie der Autor seine Argumentation zur Entstehung von Religion und Kultur aufbaut.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die psychoanalytische Theorie Freuds, die narratologischen Mittel des Textes, die Bedeutung des Ödipuskomplexes sowie die kulturwissenschaftliche Herleitung des Totemismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Freud narratologisch den Weg für seine Theorie ebnet und welche rhetorischen Strategien er einsetzt, um den Leser von seiner Ursprungstheorie zu überzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Struktur und die stilistischen Mittel (wie Vorwegnahmen und Rückblenden) in Freuds Werk untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse des vierten Kapitels („Die infantile Wiederkehr des Totemismus“), in dem Freud seine eigentliche Theorie entfaltet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Narratologie, Totemismus, Ödipuskomplex, psychoanalytische Methode und rhetorische Konstruktion charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Freuds Vorgehensweise mit Quellen wie Reinach oder Frazer?
Der Autor zeigt auf, dass Freud diese Quellen methodisch als „Strohmänner“ nutzt, um sie nach und nach durch eigene psychoanalytische Erklärungen zu ersetzen und so die Bühne für seine Theorie frei zu räumen.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung hinsichtlich der „Ursprungstheorie“?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass es sich bei Freuds Ursprungstheorie logisch betrachtet um einen Zirkelschluss handelt, da der Ödipuskomplex den Vatermord legitimiert, welcher wiederum den Ödipuskomplex rechtfertigt.
Warum spielt die „Totemmahlzeit“ eine so entscheidende Rolle in der Analyse?
Die Totemmahlzeit dient als zentrales Element, mit dem Freud die psychoanalytische Theorie der Identifizierung mit dem Vater und der Entstehung von Religion narrativ verknüpft.
- Arbeit zitieren
- Jeremy Iskandar (Autor:in), 2006, Analyse der Narratologie von Freuds Werk "Totem und Tabu", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/81873