Fragestellung: Integration in der Literatur – Integration durch die Literatur?
Die Integrationsdebatte und der für den Sommer 2007 geplante nationale Integrationsplan machen deutlich, dass das Thema Integration und Migration aktuelle und ausschlaggebende Impulse in der Politik der Bundesrepublik gibt. Interkultur wird in dieser Hausarbeit als Konzept erfolgreicher Integration untersucht. Speziell werde ich im zweiten und im dritten Teil dieser Hausarbeit auf die interkulturelle Literatur in Deutschland eingehen.
Um mich an dieses Thema anzunhern, werde ich im ersten Teil der Arbeit zunächst die Thematik der Integrationsdebatte in Deutschland darstellen. Dabei definiere ich zunächst den Begriff „Integration“ und gehe dann auf den Hintergrund der Debatte und des nationalen Integrationsplanes ein. Danach werde ich Positionen verschiedener Politiker zum Thema am Beispiel der Rütli-Schule in Berlin erfassen. Schließlich werde ich die Debatte kritisch analysieren. Ich greife den Lösungsvorschlag von der Vermittlung der deutschen Sprache als Schlüssel der Integration auf, um damit einen Übergang zum Thema „interkulturelle Literatur“ zu schaffen.
Einleitend in den zweiten Teil mit dem Thema „Interkulturellen Literatur in Deutschland“ werde ich zunächst die Wörter „Interkultur“, „Multikultur“ und „Transkultur“ nach W. Welsch definieren. Des Weiteren gehe ich auf die Entwicklung und die gegenwärtige Rezeption der interkulturellen Literatur in Deutschland ein.
Der dritte Teil befasst sich mit den beiden vorhergehenden Themen. Hier werde ich zunächst die deutsche Sprache der Nicht-Muttersprachler-Autoren untersuchen. Schließlich beantworte ich aus allen vorhergehenden Fakten heraus die Frage, warum Integration in der interkulturellen Literatur funktioniert. Im letzten Kapitel werde ich eine Lösung vorschlagen, wie interkulturelle Literatur bei der Integration in der Realität helfen könnte.
Gliederung
0 Fragestellung: Integration in der Literatur – Integration durch die Literatur?
1 Integrationsdebatte in Deutschland
1.1 Definition „Integration“
1.2 Hintergrund der Debatte
1.3 Politische Positionen
1.4 Kritik
1.5 Sprache als Schlüssel
2 Interkulturelle Literatur in Deutschland
2.1 Definitionen Interkultur, Multikultur, Transkultur
2.2 Entwicklung und Rezeption der interkulturellen Literatur
3 Interkulturelle Literatur und Integration
3.1 Sprache und die Nicht-Muttersprachler-Autoren
3.2 Integration in der interkulturellen Literatur
3.3 Interkulturelle Literatur als Mittel der Integration
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der interkulturellen Literatur als Mittel zur Förderung erfolgreicher Integration in Deutschland, wobei die Verbindung zwischen soziopolitischer Integrationsdebatte und literarischer Praxis analysiert wird.
- Analyse der aktuellen Integrationsdebatte und politischer Lösungsansätze in Deutschland.
- Differenzierung der Begriffe Interkultur, Multikultur und Transkultur nach Wolfgang Welsch.
- Untersuchung der sprachlichen Entwicklung bei Nicht-Muttersprachler-Autoren.
- Bewertung des Potenzials interkultureller Literatur als praktisches Integrationsinstrument.
Auszug aus dem Buch
3.1 Sprache und die Nicht-Muttersprachler-Autoren
In einem Interview mit der Zeitschrift Kunststoff spricht Ilja Trojanow, (Döner in Walhalla, 2000, Weltensammler, 2006) über das Phänomen der Sprache in der deutschen Nicht-Muttersprachler-Literatur:
„Die deutsche Sprache ist sehr zugänglich dafür. Und hier verläuft genau die Trennlinie zwischen der Wegbereitergeneration und uns. Die Wegbereitergeneration, das weiß ich aus persönlichen Gesprächen, hatte noch große Probleme. Da hat der Lektor noch behauptet: ‚Das sagt man bei uns nicht so.‘ Die ersten Autoren waren natürlich eher einzuschüchtern. Wir sind viel selbstsicherer, weil wir viel mehr aus dem Innern des Betriebs schreiben und unsere Position haben. Ich habe mich nie rechtfertigen müssen.“
Thomas Podhostnik (Ein französisches Mädchen in Amerika, 2005), ein Kind der zweiten Gastarbeitergeneration aus Slowenien, sagt in einem anderen Interview in derselben Ausgabe der Zeitschrift zu diesem Thema:
„Ich kann nicht einfach erzählen, wie es vielleicht ein Deutscher tun würde, da mein Verhältnis zur Sprache ein ganz anderes ist. Ich muss eine Form suchen, die auch mein Verhältnis zu dieser Sprache ausdrückt.“
Im selben Interview äußert sich Saša Stanišic (Wie der Soldat das Grammofon repariert, 2006), Kriegsflüchtling aus Bosnien:
„Ich übersetze zum Beispiel Redewendungen gern original und hoffe, größenwahnsinnig wie ich bin, ich bereichere damit ein ganz klein wenig die deutsche Sprache. Und bezüglich der Wortumstellungen: Im bosnischen stellt man Dinge an den Anfang des Satzes, die man betont und entwickelt damit im Deutschen eine gewisse Schräge. Das ist teilweise ein bewusster Vorgang gewesen, aber nicht etwa eine Illusion von bosnischer Sprache. Ich wollte einen besonderen Blick auf die Sprache werfen, zeigen: Schaut mal, auch im Deutschen geht es so. Es entsteht dann eine ganz andere Melodie bei einzelnen Worten und Satzteilen“.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Fragestellung: Integration in der Literatur – Integration durch die Literatur?: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Integrationsdebatte und führt die Zielsetzung ein, interkulturelle Literatur als Konzept für gelingende Integration zu untersuchen.
1 Integrationsdebatte in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Grundlagen des Integrationsbegriffs, den gesellschaftlichen Hintergrund sowie aktuelle politische Positionen und Kritikpunkte.
2 Interkulturelle Literatur in Deutschland: Es werden die begrifflichen Abgrenzungen zwischen Inter-, Multi- und Transkulturalität vorgenommen und die historische Entwicklung der interkulturellen Literatur skizziert.
3 Interkulturelle Literatur und Integration: Das Kapitel untersucht das Sprachverständnis von Autoren mit Migrationshintergrund und erörtert, wie Literatur als kulturelle Praxis aktiv zur gesellschaftlichen Integration beitragen kann.
Schlüsselwörter
Integration, Migration, Interkulturelle Literatur, Transkulturalität, Sprache, Sprachkompetenz, Gastarbeiter, Rütli-Schule, Deutschland, Kulturpolitik, Identität, Diversität, Literaturgeschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Literatur von Autoren mit Migrationshintergrund als potenzielles Instrument zur Förderung der sozialen und kulturellen Integration in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit kombiniert soziopolitische Analysen zur deutschen Integrationsdebatte mit einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung zur Entwicklung und Wirkung interkultureller Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie interkulturelle Literatur als „kulturelle Praxis“ dazu beitragen kann, gesellschaftliche Gräben zu überbrücken und den Prozess der Integration realitätsnah zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse aktueller politischer Dokumente, Fachliteratur sowie auf Interviews mit zeitgenössischen Autoren, um die Verbindung von Sprache, Literatur und Integration zu theoretisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Integrationsdebatte, eine begriffliche Fundierung durch Wolfgang Welsch sowie die Untersuchung des sprachlichen Ausdrucks und der integrativen Funktion von Literatur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Integration, Interkulturelle Literatur, Transkulturalität, Sprache als Schlüssel und kulturelle Vielfalt.
Wie unterscheidet sich „Transkulturalität“ nach Welsch von herkömmlichen Integrationskonzepten?
Welsch kritisiert die „Kugelthese“ der abgeschlossenen Kulturen und plädiert stattdessen für ein interaktives Durchmischungsverfahren, das Grenzen überschreitet, statt Minderheiten an Mehrheiten anzupassen.
Welche Rolle spielt die Sprache für die Autoren laut den Interviews?
Autoren wie Ilja Trojanow und Saša Stanišic betrachten die deutsche Sprache als flexiblen „Werkstoff“, den sie durch bewusste Wortumstellungen und neue Rhythmen individuell bereichern und an ihre eigene Perspektive anpassen.
Welche konkrete Empfehlung gibt die Autorin für die Praxis?
Die Autorin schlägt vor, bereits in der Schule gezielt interkulturelle Literatur einzusetzen, um nicht nur die Sprachkompetenz zu fördern, sondern auch Diskurse über kulturelle Unterschiede und gesellschaftliche Veränderungen anzuregen.
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- Helena Rauser (Author), 2007, Interkultur als Konzept, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/81409