Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Großstadtmotiv in dem 1931 erschienenen Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ von Erich Kästner zu beschreiben.
Eng mit diesem Roman ist auch der Begriff der Neuen Sachlichkeit verbunden, ohne den eine nähere Beschreibung des Großstadtromans der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland nicht möglich ist. Die Neue Sachlichkeit bezeichnet eine realistische Stilrichtung in bildender Kunst und Literatur seit Beginn der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die sich als Reaktion auf den Expressionismus und abstrakte Tendenzen in einer gegenständlichen, Objektivität anstrebenden präzisen Darstellungsweise manifestierte.
So ist es auch allgemein üblich, Kästners „Fabian“ dieser Stilrichtung zuzuschreiben. Aus diesem Grunde soll sich, nach einem kurzen Abriss über die Handlungsstruktur des Romans, diese Arbeit mit der Klärung dieses Begriffes beschäftigen.
Darauf folgt die Beschreibung des Großstadtmotivs in Kästners Roman. Dieses Motiv hat mit der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen Verstädterung in der Literatur an Bedeutung gewonnen. Und gerade Autoren der Moderne haben die Großstadt als neues Lebenszentrum der Menschen dankbar in ihre Werke aufgenommen. Den Roman „Fabian“ betreffend, soll nun die Frage geklärt werden, inwieweit das Großstadtmotiv mit der Neuen Sachlichkeit in Verbindung gebracht werden kann. Eine weitere Frage, die aufgeworfen werden soll, ist, ob der Roman nicht auch Elemente des Expressionismus aufweißt.
Neben dem Roman von Erich Kästner werden als Sekundärliteratur die Werke "Berlin. Asphalt & Licht" von Hermann Kähler, "Erich Kästner. Fabian. Die Geschichte eines Moralisten" von Marja Rauch und "Erich Kästner. Werk und Wirkung" von Rudolf Wolff verwandt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Handlungsstruktur
II. 1. Handlungsverlauf
III. Der Begriff der Neuen Sachlichkeit
III. 1. Der Roman der Neuen Sachlichkeit
III. 2. Neue Sachlichkeit in Kästners „Fabian“
IV. Das Großstadtmotiv in Kästners „Fabian“
IV. 1. Die Großstadt als neuer Handlungsraum
IV. 2. Der Großstadtroman im „Fabian“
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion des Großstadtmotivs in Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ vor dem Hintergrund der literarischen Strömung der Neuen Sachlichkeit.
- Analyse der Handlungsstruktur und der Rolle des Protagonisten Fabian.
- Definition und Einordnung des Begriffs der Neuen Sachlichkeit.
- Untersuchung von Berlin als zentraler Handlungsraum und Symbol der Moderne.
- Gegenüberstellung von großstädtischer Dynamik und provinziellem Ruhestand.
- Diskussion der erzählerischen Mittel wie Distanz, Beobachtung und Ironie.
Auszug aus dem Buch
IV.1. Die Großstadt als neuer Handlungsraum
Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben Karl Marx und Friedrich Engels die fortschreitende Urbanisierung als eine historisch gesetzmäßige Form der Vergesellschaftung, die angeregt durch die Industrialisierung erhebliche Auswirkungen auf die Lebensweise und kulturelle Entwicklung der Menschheit habe.
„Die Stadt ist bereits die Tatsache der Konzentration der Bevölkerung, der Produktionsinstrumente, des Kapitals, der Genüsse, der Bedürfnisse, während das Land gerade die entgegengesetzte Tatsache, die Isolierung und Vereinzelung, zur Anschauung bringt.“
Diese Entwicklungen sollten im Verlauf des 20. Jahrhunderts rasch voranschreiten, einen modernen Großstadtbegriff herausbilden, um schließlich im 21. Jahrhundert zu den uns bekannten Mega-Cities zu führen.
Die sozialen Umwälzungen, die mit diesen Entwicklungen einhergehen, haben natürlich auch Auswirkungen auf die Literatur gehabt. Gerade die von Umwälzungen geprägte Zeit der Weimarer Republik ist von Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Großstadtliteratur. Stellvertretend dafür hat die Entwicklung der Stadt Berlin sich fruchtbar auf die Inspiration von zeitgenössischen Autoren ausgewirkt. So ist auch die Stadt (hier Berlin) nicht nur bloßer Ort der Handlung, sie ist geradezu ein Handlungsraum, der neben den örtlichen Gegebenheiten auch ethisch-weltanschauliche Koordinaten in sich vereint. So ist das Berlin der Weimarer Republik als Handlungsraum nicht nur das Bild einer Großstadt, sondern vielmehr ein Bild einer widersprüchlichen Gesellschaft. Ähnliches gilt auch für den Begriff des Großstadtromans, der letztlich nicht die Bezeichnung für den Ort einer Handlung ist, sondern auch für eine bestimmte Ereignishaftigkeit, für bestimmte literarische Handlungsmodelle, für ein Zusammenwirken von Aktion, Akteur und Schauplatz in einem bestimmten geistigen Normensystem steht.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Großstadtmotivs bei Erich Kästner ein und verknüpft es mit dem Kontext der Neuen Sachlichkeit.
II. Handlungsstruktur: Hier wird analysiert, dass der Roman keine lineare Struktur besitzt, sondern eine Vielzahl von Handlungssträngen und wechselnden Schauplätzen aufweist.
III. Der Begriff der Neuen Sachlichkeit: Dieses Kapitel definiert die literarische Strömung und erläutert deren spezifische Merkmale wie Realismus und Objektivität.
IV. Das Großstadtmotiv in Kästners „Fabian“: Dieser Abschnitt untersucht Berlin als symbolischen Handlungsraum der Moderne und beleuchtet die Rolle des Großstadtromans.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Einordnung des Romans in die Neue Sachlichkeit sowie dessen kritische Perspektive auf die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Fabian, Neue Sachlichkeit, Großstadtmotiv, Berlin, Moderne, Weimarer Republik, Handlungsraum, Literaturanalyse, Großstadtroman, Entfremdung, Industrialisierung, Urbanisierung, Ironie, Gesellschaftsbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung des Großstadtmotivs in Erich Kästners Roman „Fabian“ und dessen literarischer Einordnung in die Neue Sachlichkeit.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Handlungsstruktur des Romans, der Begriff der Neuen Sachlichkeit sowie die Darstellung Berlins als moderner Handlungsraum im Kontrast zu Dresden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit das Großstadtmotiv mit der Neuen Sachlichkeit korrespondiert und ob der Roman zusätzlich expressionistische Elemente aufweist.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Der Autor nutzt eine textbasierte Analyse, kombiniert mit der Einbeziehung von Sekundärliteratur zu Kästner und der literarischen Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Handlungsstruktur, die theoretische Erläuterung der Neuen Sachlichkeit und die detaillierte Beschreibung der Großstadtmotive anhand von Romanszenen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Neue Sachlichkeit, Großstadt, Moderne, Fabian, Berlin und Entfremdung geprägt.
Wie nimmt die Hauptfigur Fabian seine Umgebung in der Großstadt wahr?
Fabian nimmt eine beobachtende, oft distanzierte und passive Haltung ein, die an eine Labor- oder Versuchsanordnung erinnert.
Welche Bedeutung kommt der Stadt Dresden in dieser Untersuchung zu?
Dresden dient als kontrastierender Gegenentwurf zu Berlin, wobei die Ruhe der Stadt von Fabian als „Untertemperatur“ und Manko wahrgenommen wird.
Inwiefern beeinflusst der Erzählstil die Wahrnehmung des Romans?
Der kurze, knappe und journalistische Stil unterstreicht den Anspruch der Neuen Sachlichkeit auf Nüchternheit und Bestandsaufnahme.
- Quote paper
- B.A. Marco Schulz (Author), 2007, Die Großstadt in Erich Kästners "Fabian", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/80156