1.1 Warum dieses Thema?
Die Osterweiterung der Europäischen Union umfasst immer mehr Länder, deren Geschichte, Entwicklung und Gegenwart gar nicht oder nur gering bekannt sind. Die Darstellung aller europäischen Staaten wäre für diese Arbeit zu umfassend. Aus diesem Grund wird die komplette Aufmerksamkeit auf Rumänien gerichtet. Das Land hat im letzten und diesem Jahr durch verheerende Überschwemmungen Beachtung gefunden. Zudem gehört Rumänien zu den Kandidaten, welche im kommenden Jahr der Europäischen Union beitreten sollen.
Das geographisch viel diskutierte Land in Südosteuropa soll im Vergleich mit Ostdeutschland dargestellt werden. Ostdeutschland, mit seiner Geschichte und Entwicklung ist für viele Deutsche noch deutlich in Erinnerung. Somit ist die ehemalige Deutsche Demokratische Republik bestens für eine Gegenüberstellung mit Rumänien geeignet. Die DDR ist jedoch nicht allein als Bezugspunkt für Rumänien zu sehen, sondern in dieser Arbeit als eigenständiges Gebiet vertreten.
Die zwei postkommunistischen Gebiete – Ostdeutschland und Rumänien – werden bezüglich ihrer Geschichte, Wirtschaft, Vergangenheitsbewältigung und persönlichen Lebensführung miteinander verglichen. Die zentrale Bedeutung liegt hier im Vergleich ihrer Transformationsprozesse nach 1989. Die zu beantwortenden Fragen sind:
1. Wie kam es zum Zusammenbruch der kommunistischen Systeme?
2. Mit welcher Ausgangssituation traten die beiden Länder DDR und Rumänien in den Transformationsprozess ein?
3. Welche Anfangsschwierigkeiten ergaben sich durch die Neugestaltung der Systeme, und welche Folgewirkungen traten auf?
4. Wie vollzog sich die Umgestaltung des gesellschaftlichen Prozesses zur offenen Gesellschaft?
5. Wie weit fortgeschritten ist die Transformation nach 15 Jahren?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Warum dieses Thema?
1.2 Warum dieser Vergleich?
1.3 Die Ausgangslage für den Zusammenbruch der kommunistischen Länder Europas
1.4 Die Modernisierungstheorien
1.5 Theorien zur Zivilgesellschaft und zur Transformation
1.6 Was ist das Ziel? Welcher Gesellschaftstyp sollte in einem Transformationsprozess erreicht werden?
2 DIE GESELLSCHAFT IM REAL EXISTIERENDEN SOZIALISMUS
2.1 Der Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik
2.1.1 Die Entstehung des Arbeiter- und Bauernstaates
2.1.2 Die Politik
2.1.3 Die Planwirtschaft
2.1.4 Die private Lebensführung
2.1.4.1 Das Schul- und Ausbildungssystem
2.1.4.2 Die Minderheitenpolitik
2.1.4.3 Familien- und Frauensituation
2.1.4.4 Gesellschaftliche Strukturen im Wandel
2.1.5 Auswanderung
2.2 Der Sozialismus in der Sozialistischen Republik Rumänien
2.2.1 Die Entstehung der Sozialistischen Republik
2.2.2 Die Politik
2.2.3 Die Planwirtschaft
2.2.4 Die private Lebensführung
2.2.4.1 Das Schul- und Ausbildungssystem
2.2.4.2 Das Schulsystem der nationalen Minderheiten
2.2.4.3 Die Minderheitenpolitik
2.2.4.4 Familien- und Frauensituation
2.2.4.5 Die Einschränkung der Frauenrechte in Bezug auf Abtreibung
2.2.4.6 Gesellschaftliche Strukturen im Wandel
2.2.5 Auswanderung
2.3 Zusammenfassung
3 DAS ENDE DER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFTEN – DIE JAHRE 1989/90
3.1 Zusammenbruch der kommunistischen Staaten
3.1.1 Die internen und externen Faktoren des Zusammenbruchs
3.1.2 Theorien über die Revolution
3.2 Die Wende in der DDR
3.3 „Der Maisbrei explodiert doch!“ – Rumäniens Befreiung!?
3.4 Zusammenfassung und Exkurs über die Gewaltherrschaft im Kommunismus
4 DER PROZESS DER TRANSFORMATION
4.1 Ostdeutschland
4.1.1 Das politische System
4.1.2 Die Wirtschaft
4.1.3 Die Vergangenheitsbewältigung
4.1.4 Das Bildungssystem
4.1.5 Die Frauen
4.1.6 Wer sind die Nutznießer und die Verlierer des Transformationsprozesses?
4.1.7 Wanderungen
4.2 Rumänien
4.2.1 Das politische System
4.2.1.1 Die Parteien
4.2.1.2 Die Minderheitenpolitik
4.2.1.3 Die Zivilgesellschaft
4.2.2 Die Wirtschaft
4.2.2.1 Der Verdienst
4.2.2.2 Die Korruption
4.2.3 Die Vergangenheitsbewältigung
4.2.4 Das Bildungssystem
4.2.5 Die Frauen
4.2.6 Wer sind die Nutznießer und die Verlierer des Transformationsprozesses?
4.2.7 Wanderungen
4.3 Zusammenfassung
5 CHRONOLOGIE
5.1 Zeittafel der Ereignisse von 1989 in der DDR
5.2 Zeittafel der Ereignisse von 1989 in Rumänien
6 RESÜMEE
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht die postkommunistischen Transformationsprozesse in der ehemaligen DDR und Rumänien nach 1989. Ziel ist es, die spezifischen Ausgangslagen der beiden Länder unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen historisch-politischen Rahmenbedingungen zu untersuchen, die Herausforderungen der Systemneugestaltung sowie die daraus resultierenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung aufzuzeigen und den Fortschritt der Transformation nach 15 Jahren zu bewerten.
- Historische und ökonomische Analyse des real existierenden Sozialismus in beiden Staaten
- Vergleich der politischen Transformation und der Entwicklung von Zivilgesellschaften
- Untersuchung der Rolle von Vergangenheitsbewältigung und institutionellem Wandel
- Analyse der sozioökonomischen Auswirkungen, insbesondere für Frauen und Minderheiten
Auszug aus dem Buch
Die Ausgangslage für den Zusammenbruch der kommunistischen Länder Europas
Um zu verstehen, warum innerhalb kurzer Zeit ein ganzes System ausgelöscht wurde, soll nun eine kurze Zusammenfassung der externen und internen Faktoren dargestellt werden, die in den folgenden Kapiteln genauer behandelt werden. Im Folgenden soll nun Sterbling (2001) zitiert werden, welcher die zentralen Aspekte der umfassenden Modernisierungskrise, die „zum politischen ‚Umbruch‘ in den ost- und südosteuropäischen Gesellschaften“ führten, prägnant zusammenfasste:
„Erstens handelt es sich um eine tiefe, bis heute nachwirkende ökonomische Krise, die auf die langfristige wirtschaftliche Rückständigkeit der meisten betroffenen Gesellschaften und insbesondere auf schwerwiegende Defizite der planwirtschaftlichen Institutionen und der sozialistischen Wirtschaftsweise zurückgeht. Diese Krise trat als wirtschaftliche Ineffizienz und Stagnation, als technologische Rückständigkeit und weit verbreitete Massenarmut in Erscheinung.“
„Zweitens zeichnete sich in den zurückliegenden Jahrzehnten eine fortschreitende Legitimitätskrise des kommunistischen Herrschaftssystems ab, die letztlich zum Niedergang dieser Herrschaftsordnung führte (…).“
„Drittens ist eine ausgeprägte soziale Integrations- und sozialmoralische Orientierungskrise als Ergebnis jahrzehntelanger paternalistischer Bevormundung und ideologischer Entmündigung wie auch als Ausdruck gesellschaftlicher Strukturverwerfungen im Spannungsfeld zwischen Traditionalität und sozialistischer Modernisierung festzustellen, (…).“
„Viertens schließlich traten mit dem Zerfall des bis dahin hegemonial bestimmten sozialistischen Staatssystems in vielen Fällen noch keineswegs befriedigend oder dauerhaft gelöste Probleme der Staaten- und Nationenbildung und ethnische Minderheitenprobleme massiv in Erscheinung (…).“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in das Thema der Transformation postkommunistischer Staaten ein und begründet den Vergleich zwischen der ehemaligen DDR und Rumänien sowie die Relevanz der Forschungsfragen.
2 DIE GESELLSCHAFT IM REAL EXISTIERENDEN SOZIALISMUS: Dieses Kapitel analysiert die Situation während der sozialistischen Ära in beiden Ländern, wobei Historie, Ökonomie und die private Lebensführung der Bürger detailliert untersucht werden.
3 DAS ENDE DER SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFTEN – DIE JAHRE 1989/90: Hier werden die revolutionären Ereignisse der Jahre 1989/90 in der DDR und in Rumänien als fundamentale Wendepunkte und Ausgangslage für den Transformationsprozess beschrieben.
4 DER PROZESS DER TRANSFORMATION: Dieser Hauptteil beleuchtet die konkreten Transformationsprozesse in beiden Staaten, insbesondere im Hinblick auf Politik, Wirtschaft, Vergangenheitsbewältigung, Bildung und die Lage der Frauen.
5 CHRONOLOGIE: Das Kapitel bietet eine strukturierte Zeittafel der Ereignisse von 1989 sowohl für die DDR als auch für Rumänien.
6 RESÜMEE: Das Resümee fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und zieht ein Fazit über die komplexen und langwierigen Transformationsleistungen der untersuchten Staaten.
Schlüsselwörter
Transformation, Sozialismus, DDR, Rumänien, Wiedervereinigung, Systemwechsel, Modernisierung, Zivilgesellschaft, Vergangenheitsbewältigung, Planwirtschaft, Minderheitenpolitik, Frauensituation, Staatssozialismus, Demokratisierung, Osteuropa.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht den Transformationsprozess von postkommunistischen Staaten in Osteuropa, mit einem spezifischen Fokus auf den Vergleich zwischen der ehemaligen DDR und Rumänien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die gesellschaftlichen Bedingungen während des Sozialismus, die Ereignisse des Umbruchs 1989/90, die politische und wirtschaftliche Transformation sowie die spezifische Rolle der Vergangenheitsbewältigung und die Situation von Frauen in diesen Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Langwierigkeit und Komplexität des Transformationsprozesses nach 1989 in den beiden Ländern zu analysieren und zu verstehen, wie sich die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen auf den Weg in eine offene Gesellschaft auswirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Methode, die historische Entwicklungen sowie politikwissenschaftliche Modernisierungstheorien und Konzepte der Zivilgesellschaft heranzieht, um die Prozesse in Ostdeutschland und Rumänien vergleichend gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der Gesellschaft unter dem Sozialismus, die Jahre der Wende sowie die spezifischen Transformationsbereiche (Politik, Wirtschaft, Bildung, Aufarbeitung der Vergangenheit, Rolle der Frau) für beide Länder nach 1989.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Transformation, DDR, Rumänien, Sozialismus, Zivilgesellschaft, Modernisierung, Vergangenheitsbewältigung, Systemwechsel und Demokratisierung.
Was zeichnet den Vergleich zwischen der DDR und Rumänien besonders aus?
Die Arbeit arbeitet die Kontraste zwischen der DDR als „privilegiertem“ Ostblockland, das in die Bundesrepublik eingegliedert wurde, und Rumänien als totalitärem Staat heraus, dessen Transformation durch das Erbe des Ceauşescu-Regimes deutlich erschwert war.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Frau in den Transformationsprozessen?
Die Autorin stellt fest, dass Frauen in beiden Ländern zwar eine Vorreiterrolle in der Erwerbstätigkeit hatten, durch die Transformation jedoch oft mit neuen Formen der Benachteiligung und einer „Verweiblichung der Armut“ konfrontiert wurden.
Wie wichtig ist die Aufarbeitung der Vergangenheit?
Die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit wird als essentiell erachtet, um eine stabile Demokratie zu etablieren und ein Wiederaufflammen totalitärer Strukturen zu verhindern, wobei dieser Prozess in beiden Ländern auf unterschiedliche Weise und mit variierendem Erfolg stattfindet.
Welche Rolle spielt die Securitate in Rumäniens Transformation?
Die Securitate wird als ein mächtiges Instrument zur Unterdrückung dargestellt, deren Aufarbeitung und der Umgang mit ihren Akten zentral für das Vertrauen der rumänischen Bevölkerung in die neuen demokratischen Institutionen sind.
- Arbeit zitieren
- Karin Tasch (Autor:in), 2006, Gesellschaftliche Transformation in Osteuropa - Ein Vergleich zwischen Ostdeutschland und Rumänien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/78954