Im 20. Jahrhundert war die rechtliche Stellung Böhmens zum Reich in der Wissenschaft umstritten. Dies war bereits im 19. Jahrhundert der Fall, obwohl Böhmen erst 1806 aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zuge seiner Auflösung ausgeschieden war. Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung des Verhältnisses Böhmens zum Reich in ottonisch-salischer Zeit aufzuzeigen. Es soll in dieser Arbeit untersucht werden, wann die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Reich einsetzten und welcher Art diese Beziehungen im rechtlichen Sinne waren. Eine zentrale Kategorie stellt das Lehnswesen des Früh- und Hochmittelalters dar. Auch werden die Beziehungen Böhmens zum Ostfrankenreich im 9. Jahrhundert dargestellt. Die Beziehungen zwischen Böhmen und den Ottonen und den Saliern werden dann aufgrund der Rechtsverhältnisse (Tributpflicht und Vasallität) analysiert. Daüber hinaus wird dann die Art der Konflikte mit Böhmen in ottonisch-salischer Zeit betrachtet. Der Einfluss des Ostfrankenreiches und der Ottonen sowie die Bedeutung des Bistums Prag bilden den Abschluss dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I
- 1. Böhmen und das Ostfrankenreich im 9. Jahrhundert
- 2. Rechtsverhältnisse zwischen Böhmen und dem Reich
- 2.1 Der Tribut
- 2.1.1 Böhmische Tributpflicht in ottonischer Zeit
- 2.1.2 Böhmische Tributpflicht in salischer Zeit
- 2.2 Die Vasallität
- 2.2.1 Das Lehnswesen
- 2.2.2 Böhmische Vasallität in ottonischer Zeit
- 2.2.3 Böhmische Vasallität in salischer Zeit
- 3. Konflikte
- 3.1 Die Rolle Bayerns
- 3.2 Otto II., Boleslav II. und Heinrich der Zänker
- 3.3 Otto III., Boleslav II. und Heinrich der Zänker
- 4. Die Kirche in Böhmen
- 4.1 Der Faktor Regensburg
- 4.2 Das Bistum Prag - Suffragan des Erzbistums Mainz
- 4.3 Der Prager Bischof und seine Wahl, Investitur und Weihe
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Verhältnisses Böhmens zum Reich in ottonisch-salischer Zeit. Sie untersucht, wann die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Reich einsetzten und welche rechtliche Bedeutung diese Beziehungen im Laufe der Zeit erlangten.
- Die Rolle Bayerns im Verhältnis zwischen Böhmen und dem Ostfrankenreich
- Die Entwicklung der Rechtsverhältnisse zwischen Böhmen und dem Reich, insbesondere die Tributpflicht und die Vasallität
- Die Konflikte zwischen Böhmen und dem deutschen Reich und deren Ursachen
- Die Rolle der Kirche in Böhmen, insbesondere die Gründung des Bistums Prag
- Die Bedeutung des Lehnswesens für die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Reich
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Ostfrankenreich im 9. Jahrhundert. Es stellt die Rolle Bayerns als direkter Nachbar Böhmens heraus und untersucht die Entstehung der "vorstaatlichen" Rechtsverhältnisse, die durch die von Karl dem Großen festgelegte Tributpflicht Böhmens gelegt wurden.
Das zweite Kapitel untersucht die Rechtsverhältnisse zwischen Böhmen und dem Reich der Ottonen und dem der Salier, insbesondere die Tributpflicht und die Vasallität. Es erläutert die Entwicklung des Lehnswesens und die Bedeutung der Königserhebung Vratislavs I. für die rechtliche Stellung Böhmens zum Reich.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den Konflikten zwischen Böhmen und dem deutschen Reich. Es analysiert die Ursachen dieser Konflikte und die Rolle Bayerns in diesem Zusammenhang.
Das vierte Kapitel erläutert die Bedeutung der Kirche in Böhmen und untersucht die Gründe für die Unterstellung des Bistums Prag unter das Erzbistum Mainz. Es analysiert die Vorteile, die der deutsche Herrscher durch die Bistumsgründung erlangte, und den Einfluss, den er möglicherweise durch das Bistum auf Böhmen geltend machen konnte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Böhmens und des Reiches in ottonisch-salischer Zeit, insbesondere mit den Rechtsverhältnissen wie Tributpflicht und Vasallität, den Konflikten zwischen Böhmen und dem Reich, der Rolle Bayerns und der Bedeutung der Kirche in Böhmen, insbesondere der Gründung des Bistums Prag. Wichtige Schlüsselbegriffe sind: Lehnswesen, Tribut, Vasallität, Bistum, Erzbistum, Königserhebung, Konflikt, Missionierung.
Häufig gestellte Fragen
Wie war das rechtliche Verhältnis zwischen Böhmen und dem Reich?
Das Verhältnis war durch Tributpflicht und Vasallität (Lehnswesen) geprägt, wobei die Intensität der Bindung zwischen ottonischer und salischer Zeit variierte.
Was bedeutete die Tributpflicht für Böhmen?
Schon unter Karl dem Großen wurde eine Tributpflicht festgelegt, die in ottonischer und salischer Zeit als Zeichen der Unterordnung und Friedenssicherung fortgeführt wurde.
Welche Rolle spielte das Bistum Prag?
Das Bistum Prag wurde als Suffragan dem Erzbistum Mainz unterstellt. Dies gab den deutschen Herrschern durch Investitur und Weihe der Bischöfe erheblichen kirchenpolitischen Einfluss auf Böhmen.
Warum war Bayern für die Beziehungen zu Böhmen so wichtig?
Bayern war der direkte Grenznachbar und oft der Ausgangspunkt für militärische Konflikte oder diplomatische Missionen zwischen dem Reich und den böhmischen Herzögen.
Welche Bedeutung hatte die Königserhebung Vratislavs I.?
Die Erhebung Vratislavs I. zum König markierte einen wichtigen Schritt in der rechtlichen Aufwertung Böhmens innerhalb des Reichsgefüges in salischer Zeit.
Wann schied Böhmen endgültig aus dem Heiligen Römischen Reich aus?
Böhmen schied erst im Jahr 1806 im Zuge der allgemeinen Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus dem Verband aus.
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- Florian Hegger (Author), 2006, Böhmen und das Reich in ottonisch-salischer Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/76997