Claude McKay, eine der wichtigsten literarischen Figuren der Harlem Renaissance, kann man keiner politischen Strömung eindeutig zuordnen. Er war eine sehr umstrittene Person. Einerseits verschaffte er sich mit seinen Werken Respekt und Anerkennung bei Schwarzen und Weißen, andererseits traf er mit den selben Werken wiederum auf Unverständnis und heftige Kritik. Ein besonderes Interesse galten in diesen Kontroversen eben seinem Roman Home to Harlem. Ich möchte deshalb versuchen, die Frage zu beantworten, ob die negativen Stimmen wie die von DuBois mit ihren Behauptungen recht haben, oder ob es im Roman um mehr geht als um die primitive Darstellung der Lebensweise der unteren schwarzen Bevölkerungsschicht. Dazu erkläre ich vorerst, welche Rolle Primitivismus in den 1920ern in Amerika gespielt hat, für Weiße und für Schwarze, und wie die Harlem Renaissance mit diesem Thema umging. Anschließend ordne ich Claude McKay in die literarische Bewegung dieser Zeit ein und untersuche dann Home to Harlem vor dem Hintergrund der Geschehnisse in dieser Epoche und seinem Leben hinsichtlich der Motive des Autors für diesen Roman.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Moderne und das Primitive
2.1 Primitivismus als modernistische Strategie
2.2 Die Bedeutung des Primitivismus für Afroamerikaner
2.3 Die Harlem Renaissance: The New Negro Movement
2.4 Die Literatur der Harlem Renaissance
3 Primitivismus und Claude McKay
3.1 Claude McKays Rolle in der Harlem Renaissance
3.1.1 Biografie
3.1.2 Bedeutung der Kindheit auf Jamaika
3.1.3 Claude McKays Einstellung zur Harlem Renaissance
3.2 Primitivismus in Home to Harlem
3.2.1 Claude McKays Bild von Harlem
3.2.2 Die Darstellung des Schwarzen: Jake
3.2.3 Die Darstellung des Schwarzen: Ray
3.2.4 Rousseaus Zivilisationskritik
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Primitivismus als literarische Strategie im Roman Home to Harlem (1928) von Claude McKay. Dabei wird analysiert, inwiefern der Autor trotz massiver zeitgenössischer Kritik an der Darstellung stereotyper Lebensweisen der schwarzen Unterschicht ein komplexes, von persönlicher Identitätssuche und Zivilisationskritik geprägtes Ziel verfolgte, um den schwarzen Lebensraum positiv zu überhöhen.
- Primitivismus als kulturelles Phänomen der Moderne in den USA
- Die ästhetische und politische Einordnung der Harlem Renaissance
- Die Ambivalenz der Rolle Claude McKays zwischen den Strömungen der Epoche
- Analyse der Romanfiguren Jake und Ray als Repräsentanten eines inneren Konflikts
- Die Darstellung Harlems als Dschungel und Rückzugsort vor westlicher Zivilisation
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Claude McKays Bild von Harlem
McKay nutzt den Primitivismus also dazu, das Bild vom Leben und den Werten der Schwarzen zu verbessern. Er stellt Harlem als einen Platz der Freude und der Sinnlichkeit, beziehungsweise der Erotik dar. Harlem in den 1920ern ist ein Zufluchtsort, an dem man frei und reuelos nach seinen Bedürfnissen und Wünschen leben kann. Besonders mit der Beschreibung von tanzenden Frauen werden Männerphantasien gestillt: „Brown girls rouged and painted like dark pansies. Brown flesh draped in soft colorful clothes. Brown breasts throbbing with love” (McKay 1928, S. 8).
Eindeutig liegt der Fokus darauf, dass farbige Frauen diese Phantasien erfüllen. Es erfolgt eine Glorifizierung der schwarzen Frauen aus Harlem. Bei ihnen können die weißen Frauen an Grazie und Anmut nicht mithalten können: „... because they were white and strange to Harlem, but they appeared like faded carnations among those burning orchids of a tropical race“ (McKay 1928, S. 106).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der kontroversen Rezeption des Romans Home to Harlem und Einführung in die Fragestellung nach McKays literarischer Motivation.
2 Die Moderne und das Primitive: Analyse der theoretischen Grundlagen des Primitivismus und Einordnung der Harlem Renaissance als kulturelles Bewegungsphänomen.
3 Primitivismus und Claude McKay: Untersuchung von McKays Biografie, seiner Haltung zur literarischen Elite und der detaillierten Anwendung primitivistischer Motive in seinem Roman.
4 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die den Roman als autobiografisch geprägtes Werk identifiziert, das keine einfachen Lösungen für den Identitätskonflikt des Autors bietet.
Schlüsselwörter
Claude McKay, Home to Harlem, Harlem Renaissance, Primitivismus, Moderne, New Negro Movement, Identitätssuche, Afroamerikanische Literatur, Zivilisationskritik, Rassenkonflikt, Exotik, Jazz, Diaspora, Kulturtheorie, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische Strategie des Primitivismus in Claude McKays Roman Home to Harlem im Kontext der US-amerikanischen Literatur der 1920er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ästhetische Aufwertung afroamerikanischer Lebensweisen, der soziokulturelle Kontext der Harlem Renaissance und der kritische Umgang mit westlicher Zivilisation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, McKays umstrittene Romanstrategie jenseits simpler Klischeevorwürfe als komplexen Versuch zu deuten, einen persönlichen Identitätskonflikt und Zivilisationskritik in Literatur zu transformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im historischen Kontext der Epoche sowie anhand biografischer Erkenntnisse über den Autor einbettet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und theoretischen Hintergründe, McKays Biografie und Einstellung zur Harlem Renaissance sowie die spezifische Figurengestaltung und die Zivilisationskritik im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Claude McKay, Harlem Renaissance, Primitivismus, Identitätssuche und kulturelle Transformation sind die maßgeblichen Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Figur des Jake von der Figur des Ray?
Jake verkörpert den „edlen Wilden“, der nach seinen Instinkten lebt, während Ray den gebildeten, zivilisationskritischen Außenseiter repräsentiert, der unter dem Konflikt zwischen zwei Kulturen leidet.
Warum wird Harlem im Roman mit einem afrikanischen Dschungel verglichen?
Der Vergleich dient dazu, Harlem als einen ursprünglichen, sinnlichen Gegenpol zur westlichen Industriegesellschaft zu inszenieren, in dem die Protagonisten eine Form von Freiheit finden können.
Führt die Arbeit zu einem klaren Ergebnis bezüglich McKays Erfolg?
Die Autorin schlussfolgert, dass McKay mit der Aufwertung der Unterschicht zwar literarisch erfolgreich war, jedoch daran scheiterte, dass seine komplexe Intention von der zeitgenössischen Kritik oft fälschlicherweise nur als bloße Sensationslust missverstanden wurde.
- Arbeit zitieren
- Nicole Lau (Autor:in), 2005, Ziele und Hintergrund Claude McKays primitivistischer Strategie in 'Home to Harlem', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/76672