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Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"

Vom Animal zum Künstler: Das Psychogramm eines Duftgenies

Titel: Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"

Magisterarbeit , 2007 , 107 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Christina Bühler (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile. Die beiden einleitenden ersten Teile sollen einen kurzen Überblick über das Thema Nase und Geruch geben. Zum einen wird der heutige Wissensstand über die Thematik der Olfaktion skizziert; es wird erklärt, wie die Nase aufgebaut ist und wie der Riechvorgang als solcher überhaupt funktioniert. Neben der technisch-medizinischen Seite soll es aber auch und vor allem um den soziologischen Aspekt des Geruchssinnes gehen, Fragen, inwieweit Gerüche unser alltägliches Leben beeinflussen, werden gestellt und beantwortet.
Der dritte Teil dieser Ausarbeitung ist dem Roman als solchem gewidmet, an dieser Stelle soll es um die stilistischen Fähigkeiten des Autors gehen, insbesondere um die Vielseitigkeit dieses Romans.
Der vierte Teil beschäftigt sich ganz mit der Hauptfigur: dem Verstoßenen, dem Saboteur, dem Narzisst, dem Größenwahnsinnigen, dem Amoralist, dem neuen Messias, dem Antichrist, dem schizophren-autistischen Monster, dem Mörder und Genie – mit Jean-Baptist Grenouille. Es soll der Versuch gemacht werden, die Figur unter psychologischen Aspekten zu beurteilen und zu prüfen, ob die Begriffe „Schizophrenie“ und „Autismus“ tatsächlich Anwendung finden können. Des Weiteren soll Grenouilles Verhältnis zu den Menschen, das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein seiner sozialen Kompetenz, geprüft und seine animalische Struktur herausgearbeitet werden. Insbesondere soll es um die „Entwicklung“ Grenouilles vom Animal zum Künstler gehen: Lässt sich Süskinds Geschichte, spielt sie doch im vorrevolutionären Frankreich des 18. Jahrhunderts, auf die heutige Zeit anwenden und ist Grenouille als mahnender Fingerzeig unserer Geschichte zu verstehen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie

2.1 Nase und Geruch

2.1.1 Aufbau und Funktion der Nase

2.1.2 Das olfaktorische System

2.1.3 Riechhirn und Gedächtnis

2.1.4 Geruch und Geschmack

2.2 Sinnesphysiologie und Ansätze der Wahrnehmungspsychologie

2.3 Mensch und Geruch

2.3.1 Riechleistung der menschlichen Nase

2.3.2 Geruch und Gedächtnis

2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen

2.3.3 Die Kraft der Düfte: soziologische und psychologische Aspekte des Geruchs

2.3.3.1 Geruch und Emotion

2.3.3.2 Individualgeruch und Attraktivität

2.3.3.3 Geruch als Indikator zur Entwicklung der Ich-Identität

3 Geschichte der Parfümerie

3.1 Geschichte des Geruchs

3.1.1 Die Nase, das primitive Sinnensorgan

3.1.2 Olfaktorische Wahrnehmung in der Philosophie

3.1.3 Klassifikationen von Gerüchen

3.1.4 Frankreich im 18. Jahrhundert

3.1.4.1 Pariser Zustände

3.1.4.2 Medizin und Wissenschaft

3.1.4.3 Geruchsentwicklung bis hin zur Desodorisierung

3.2 Geschichte des Parfums

3.2.1 Duftgebrauch – Zeittafel und Entwicklung

3.2.2 Duftmode

3.2.3 Parfum und Düfte aus dem Tierreich

3.2.4 Der menschliche Duftpass

4 Der Roman

4.1 Patrick Süskind

4.2 Stilformen der Erzählung

4.3 Gattungslehre und Romantypen

4.3.1 Das Märchen

4.3.2 Der Bildungsroman

4.3.3 Der Schelmenroman

4.3.4 Der Kriminalroman

4.3.5 Der Künstlerroman

4.3.6 Versuch einer literarischen Einordnung des Romans Das Parfum

4.4 Motive und Konstellationen

4.4.1 Alles nur Theater – Illusion und Desillusionierung

4.4.2 Das parodistisch-ironische Moment der Aufklärungskritik

4.4.3 Der Geniemythos

4.5 Figurenkonstellation

4.5.1 Die monströsen Mütter

4.5.2 Der Gerber Grimal

4.5.3 Giuseppe Baldini

4.5.4 Marquis de la Taillade-Espinasse

4.5.5 Antoine Richis

5 Die Figur Grenouille

5.1 Autismus

5.1.1 Soziales Verhalten

5.1.2 Kommunikation und Sprache

5.1.3 Intelligenz

5.1.4 Wahrnehmung und Motorik

5.2 Schizophrenie

5.2.1 Halluzinationen

5.2.2 Wahnvorstellungen

5.2.3 Soziale Isolation

5.2.4 Emotionales und motorisches Verhalten

5.3 Diagnose

5.4 Animal oder Mensch?

5.4.1 Die Person Grenouille

5.4.1.1 Inadäquate Affektivität

5.4.1.2 Narzissmus

5.4.1.3 Die Metapher des Zeck

5.4.2 Grenouille, das Animal

5.4.3 Menschwerdung

5.4.3.1 Entdeckung der eigenen Geruchlosigkeit

5.4.3.2 Äußerliche Metamorphose

5.4.3.3 Innerliche Metamorphose

5.4.3.4 Persönlichkeit und Individualisierung: Grenouille der (Ver)Führer

5.5 Grenouilles Scheitern

6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Psychogramm der Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Roman "Das Parfum". Im Zentrum steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung Grenouilles, wobei insbesondere die Fragestellung verfolgt wird, ob sich seine animalische Struktur durch psychologische Konzepte wie Autismus oder Schizophrenie erklären lässt und inwieweit seine Entwicklung vom "Animal zum Künstler" als gescheiterte Menschwerdung zu verstehen ist.

  • Wahrnehmungspsychologische und soziologische Grundlagen des Geruchssinns.
  • Historische Geruchs- und Parfümentwicklung sowie die Bedeutung von Düften im 18. Jahrhundert.
  • Literarische Einordnung des Romans in Gattungen wie Bildungs-, Künstler- und Kriminalroman.
  • Psychologische Analyse der Figur Grenouille bezüglich Autismus, Schizophrenie und Narzissmus.
  • Untersuchung von Motiven wie der "Zeckenmetapher" und der Identitätsbildung durch olfaktorische Macht.

Auszug aus dem Buch

2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen

„Mit sechs Jahren hatte er seine Umgebung olfaktorisch vollständig erfasst. Es gab im Hause der Madame Gaillard keinen Gegenstand, in der nördlichen Rue de Charonne keinen Ort, keinen Menschen, keinen Stein, Baum, Strauch oder Lattenzaun, keinen noch so kleinen Flecken, den er nicht geruchlich kannte, wiedererkannte und in der jeweiligen Einmaligkeit fest im Gedächtnis verwahrte. Zehntausend, hunderttausend spezifische Eigengerüche hatte er gesammelt und hielt sie zu seiner Verfügung, so deutlich, so beliebig, daß er sich nicht nur ihrer erinnerte, wenn er sie wiederroch, sondern daß er sie tatsächlich roch, wenn er sich ihrer wiedererinnerte; ja, mehr noch, daß er sie sogar in seiner bloßen Phantasie untereinander neu zu kombinieren verstand und dergestalt in sich Gerüche erschuf, die es in der wirklichen Welt gar nicht gab“ (P 34).

Diese Fähigkeit, die Süskind seinem Helden zuschreibt, ist in der Realität nur eingeschränkt zu finden. Die Erinnerung an einen Geruch kann nicht so einfach vor der „inneren Nase“ heraufbeschworen werden, wie das z. B. mit dem Bild eines Gebäudes möglich ist. Gerüche werden meist erst dann erinnert, wenn der Geruch neuerlich mit der Nase aufgenommen wird. „Jeder kennt den Geruch von Tannennadeln, aber so detailliert, wie man eine Tanne vor seinem geistigen Auge entstehen lassen und eventuell zeichnen kann, so ausdrucks- oder wesenlos bleibt in unserer Vorstellung der dazugehörige Duft. Wir werden uns den Baum ins Haus holen müssen, wollen wir seinen Geruch richtig wahrnehmen.“17 Gerüche können also nicht einfach „vorgestellt“ werden, die Anwesenheit der tatsächlichen Geruchsquelle ist nötig, um sich an den Geruch und den zugehörigen Kontext zu erinnern, wann man den Geruch schon einmal wahrgenommen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die historische Geringschätzung des Geruchssinns in der Wissenschaft und führt in Patrick Süskinds literarische Auseinandersetzung mit olfaktorischer Wahrnehmung ein.

2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen Grundlagen der Geruchswahrnehmung, die Verbindung von Geruch und Gedächtnis sowie soziologische Aspekte des Riechens.

3 Geschichte der Parfümerie: Hier wird die historische Entwicklung von Gerüchen und Düften nachgezeichnet, inklusive der hygienischen Zustände im 18. Jahrhundert und der Entstehung des Parfums als Kultur- und Luxusgut.

4 Der Roman: Dieser Abschnitt analysiert das Werk von Patrick Süskind hinsichtlich stilistischer Mittel, der literarischen Gattungszugehörigkeit sowie der zentralen Motive und Figurenkonstellationen.

5 Die Figur Grenouille: Das umfangreichste Kapitel widmet sich der psychologischen Analyse von Jean-Baptiste Grenouille unter Berücksichtigung autistischer und schizophrener Symptome sowie seiner animalischen Entwicklung.

6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Grenouille als narzisstischer Antiheld an seiner eigenen Individualisierung und der Unmöglichkeit wahrer zwischenmenschlicher Liebe scheitert.

Schlüsselwörter

Jean-Baptiste Grenouille, Das Parfum, Patrick Süskind, Geruchssinn, Wahrnehmungspsychologie, olfaktorische Wahrnehmung, Autismus, Schizophrenie, Narzissmus, Individuation, Parfümerie, Literaturwissenschaft, Identitätskrise, Zeckenmetapher, Literaturkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht den Roman "Das Parfum" von Patrick Süskind aus literaturwissenschaftlicher und psychologischer Perspektive, um die Entwicklung der Hauptfigur Grenouille zu beleuchten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle des Geruchssinns in Psychologie und Geschichte, die literarische Einordnung des Romans sowie eine detaillierte psychologische Profilierung von Jean-Baptiste Grenouille.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, ob die "Menschwerdung" Grenouilles vom animalischen Außenseiter zum "Künstler" als authentische Entwicklung oder als manipulativen Schein zu werten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Gattungsanalyse mit psychologischen Erkenntnissen über Autismus, Schizophrenie und soziale Identität, um das Handeln der Figur zu erklären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Olfaktion, eine historische Geruchsgeschichte, eine literarische Analyse des Romans und ein psychologisches Psychogramm der Hauptfigur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Grenouille, olfaktorische Wahrnehmung, Autismus, Schizophrenie, Narzissmus, Identitätsbildung und die spezifische Zeckenmetapher.

Warum wird Grenouille oft als "Zeck" bezeichnet?

Der Autor nutzt die Zeckenmetapher, um Grenouilles parasitäre Existenz zu verdeutlichen, bei der er seine Umgebung und seine Mitmenschen als Wirte nutzt, um seine Ziele zu erreichen.

Zu welchem Schluss kommt die Analyse der "Menschwerdung"?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Grenouilles Menschwerdung scheitert, da sie auf künstlicher Maskerade und Manipulation beruht und nicht auf echter zwischenmenschlicher Identität.

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"
Untertitel
Vom Animal zum Künstler: Das Psychogramm eines Duftgenies
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Christina Bühler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
107
Katalognummer
V75925
ISBN (eBook)
9783638729734
ISBN (Buch)
9783638730402
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betrachtungen Patrick Süskind Parfum Thema Das Parfum
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christina Bühler (Autor:in), 2007, Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/75925
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  107  Seiten
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