Phantastik ist wieder „in“. Spätestens seit dem Erfolg der Herr der Ringe-Trilogie an den Kinokassen feiern Monster und Elfen, Übernatürliches und Unglaubliches – landläufig als phantastisch angesehen - eine Renaissance. Dies führt so weit, dass Jüngere „Hobbits“ oder auch Harry Potter nur noch von der Leinwand her kennen. Dabei hat die Phantastik eine lange literarische Tradition, auch und gerade in Lateinamerika. Doch was genau ist Phantastik? Gehören populäre Werke wie z.B. Herr der Ringe – wissenschaftlich gesehen – überhaupt dazu? Wo sind ihre Grenzen und was sind phantastische Themen? Die vorliegende Arbeit möchte diese Fragen beantworten, und zwar in Bezug auf den argentinischen Autoren Julio Córtazar und hier im Besonderen auf seine Erzählung Carta a una señorita en París. Da er selbst seine Werke nur als phantastisch „por falta de mejor nombre“ (Cortázar 1994, Bd. 2: 368) bezeichnet hat, wird es auch nötig sein, zu klären, inwieweit der Begriff der „Neophantastik“ auf sie anwendbar ist. Dazu werde ich zuerst Kriterien für die Zugehörigkeit zum (neo-)phantastischen Genre aufstellen dann kurz ausgewählte Werke auf deren Vorhandensein überprüfen und schließlich Carta a una señorita en París ausführlich unter diesen Gesichtspunkten untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Autor
2.1 Biographie
2.2 Werk
3. Phantastik
3.1 Definitionen
3.2 Neo-Phantastik
4. Untersuchung
4.1 das (Neo-)phantastische im Gesamtwerk Cortázars
4.2 (neo-)phantastische Elemente in Carta a una señorita en París
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Konzept der Neophantastik im Werk des argentinischen Autors Julio Cortázar, mit einem besonderen Fokus auf seine Erzählung „Carta a una señorita en París“. Dabei wird analysiert, wie sich das phantastische Element, hier repräsentiert durch das Erbrechen von Kaninchen, als Ausdruck für psychologische Obsessionen und eine neue, höhere Realitätsordnung interpretieren lässt.
- Biografische Einflüsse auf Cortázars literarisches Schaffen
- Differenzierung zwischen klassischer Phantastik und Neo-Phantastik
- Die Funktion von Metaphern als Mittel zur Erschließung irrealer Welten
- Strukturanalyse der Erzählung „Carta a una señorita en París“
- Das Eindringen des Unheimlichen in den Alltag
Auszug aus dem Buch
4.2 (neo-)phantastische Elemente in Carta a una señorita en París
Im zu untersuchenden Text schildert der Erzählerprotagonist in Briefform seinen Aufenthalt in der Wohnung einer Freundin in Buenos Aires. Der Brief an diese „señorita en París“ beginnt mit der minutiösen Beschreibung des Appartements, in das der Erzähler zerstörerisch eindringt:
Me es amargo entrar en un ámbito donde alguien que vive bellamente lo ha dispuesto todo como una reiteración visible de su alma, aquí los libros (de un lado en español, del otro en francés e inglés), allí los almohadones verdes, en este preciso sitio de la mesita el cenicero de que parece el corte de una pompa de jabón, y siempre un perfume, un sonido, un crecer de plantas, una fotografía del amigo muerto, ritual de bandejas con té y tenacillas de azúcar (Cortázar 1987: 23).
Zu dieser vom Erzähler übertrieben empfundenen - und von ihm verursachten - Unordnung tritt nun eine reale hinzu: „esa carta se la envío a causa de los conejitos, me parece justo enterarla“ (ebd.: 24). Der Protagonist erbricht im Fahrstuhl zwischen erstem und zweitem Stock ein Kaninchen. Den Vorgang selbst beschreibt er wissenschaftlich trocken mit folgenden Worten:
Cuando siento que voy a vomitar un conejito me pongo dos dedos en la boca como una pinza abierta, y espero a sentir en la garganta la pelusa tibia que sube como una efervescencia de sal de frutas. Todo es veloz e higiénico, transcurre en un brevísimo instante (ebd.: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Renaissance der Phantastik und Formulierung der Forschungsfrage in Bezug auf Cortázars Werk und den Begriff der Neophantastik.
2. Autor: Darstellung der biografischen Prägungen und des literarischen Werdegangs von Julio Cortázar.
3. Phantastik: Theoretische Auseinandersetzung mit Begriffsdefinitionen der Phantastik und Abgrenzung zur Neo-Phantastik.
4. Untersuchung: Anwendung der theoretischen Konzepte auf das Gesamtwerk und spezifisch auf die Erzählung „Carta a una señorita en París“.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Zuordnung der Erzählung zur Neo-Phantastik.
Schlüsselwörter
Julio Cortázar, Neo-Phantastik, Carta a una señorita en París, Literaturwissenschaft, Phantastik, Metaphorik, Realität, Unheimliches, Kaninchen-Metapher, Surrealismus, Erzählstruktur, Ontologische Suche, Lateinamerikanische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Phantastischen in ausgewählten Erzählungen von Julio Cortázar.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literaturwissenschaftliche Definition des Phantastischen und die spezifische Ausprägung der sogenannten Neo-Phantastik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Cortázar durch seine Erzählweise von der klassischen Phantastik abhebt und neue Realitätsebenen erschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturelle Analyse angewandt, die Raumkonstitution, Einordnung der Charaktere und den Einbruch phantastischer Elemente untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition der Neophantastik und der Anwendung dieser Theorie auf Cortázars Erzählung „Carta a una señorita en París“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Neophantastik, Metaphorik, Realitätsdurchbrechung und die spezifische Erzählweise Cortázars.
Warum erbricht der Protagonist in „Carta a una señorita en París“ Kaninchen?
Die Arbeit interpretiert dies als eine Metapher für Obsessionen, neurotische Zustände oder emotionale Verwirrung des Erzählers.
Warum endet die Erzählung mit dem Selbstmord des Protagonisten?
Der Selbstmord fungiert als notwendige Auflösung der Konfliktsituation zwischen der normalen Welt und dem phantastischen Phänomen, um wieder eine Ordnung herzustellen.
- Arbeit zitieren
- Christian Dittmar (Autor:in), 2007, Das (Neo-)phantastische im Werk Julio Cortázars - Untersuchung am Beispiel von "Carta a una señorita en París", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/75635