Das Thema Umweltschutz ist nicht ein Phänomen unserer Zeit. Bereits im Jahre 1888 wurde der Begriff „Naturschutz“ durch den Musikprofessor Ernst Rudorff geprägt. Während man sich früher vor allem mit der Erhaltung von Lebensräumen und der Knappheit von Rohstoffen auseinanderzusetzen hatte, wendet sich heute die Aufmerksamkeit vor allem Problemen wie Abfallbeseitigung und die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Umwelt zu. Technische Innovationen, welche der Industrie zu einer emissionsmindernden und ressourcenschonenden Produktionsweise verhelfen sollen, werden immer wichtiger.
In der Bevölkerung findet das Thema Umweltschutz ein stetig wachsendes Interesse und zunehmenden Anklang. Viele Menschen fürchten sich vor den Folgen von Umweltzerstörungen: „Wurde 1985 auf eine offene Frage nach dem am meisten ängstigenden Bereich nur 4% der Befragten die Angst vor Umweltzerstörung genannt, waren es 1988/89 bereits 18% und 1992 sogar 22%, damit hatte die Angst vor einer Umweltzerstörung den ersten Rang erreicht.“
Trotz dieser Ängste vor Umweltkatastrophen engagieren sich nur wenige Menschen im Umweltbereich. Das Engagement ist meist mit hohen Kosten verbunden und der Nutzen, welcher ein einzelner aus diesem Engagement ziehen kann, ist dagegen im Vergleich zum Aufwand relativ gering.
In dieser Arbeit werde ich mich speziell auf die Problematik der Anwendung der Rational-Choice-Theorie im Bereich Umwelt konzentrieren, wobei ich hierbei besonders die Aspekte der Low-Cost-Theorie beleuchten möchte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Begriff „Umweltsoziologie“
3 Grundlagen der Rational-Choice-Theorie (RC-Theorie) und deren Anwendung im Umweltbereich
3.1 Zentrale Aspekte der RC-Theorie
3.2 Der Homo oeconomicus
3.3 Das Problem der Kooperation
3.4 Umweltbewusstsein versus Umweltverhalten
3.5 Die „Low-Cost-These“ am Beispiel des Umweltverhaltens
3.5.1 Kerngedanke der „Low-Cost-These“
3.5.2 Umweltverhalten in Low-Cost-Situationen
4 Studie zum Umweltverhalten von Diekmann und Preisendörfer
4.1 Erhebungsgrundlagen und zentrale Variablen
4.2 Ergebnisse der Studie zum Thema „persönliches Umweltverhalten“ und „Umweltbewusstsein“
4.3 Das Verhalten der Befragten in Low-Cost-Situationen
5 Einflüsse von moralischen Appellen und Anreizsystemen auf das Umweltbewusstsein
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen individuellem Umweltbewusstsein und tatsächlichem Umweltverhalten unter Anwendung der Rational-Choice-Theorie, mit besonderem Fokus auf der Low-Cost-These.
- Anwendung der Rational-Choice-Theorie auf umweltrelevantes Handeln
- Erklärung der Low-Cost-These als Erklärungsmodell für Verhaltensunterschiede
- Analyse empirischer Studienergebnisse zur Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit
- Untersuchung von Anreizsystemen und deren Auswirkungen auf die intrinsische Motivation
- Bewertung der Wirksamkeit moralischer Appelle gegenüber ökonomischen Anreizen
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Kerngedanke der „Low-Cost-These“
Im Mittelpunkt der Low-Cost-These steht der Gedanke, „[…] dass Umwelteinstellungen das Umweltverhalten am ehesten in Situationen beeinflussen, die mit geringen Kosten und Unannehmlichkeiten verknüpft sind. Je geringer der Kostendruck in einer Situation, umso leichter fällt es den Akteuren, ihre Umwelteinstellungen auch in ein entsprechendes Verhalten umzusetzen.“15
Technisch ausgedrückt heißt dies, dass zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten eine höhere Korrelation für Low-Cost-Situationen zu erwarten ist. Der Begriff Kosten wird dabei in weiterem Sinne verwandt, hiermit sind nicht rein finanzielle Kosten gemeint.
Weiterhin wichtig ist, „[…] dass nicht nur additives Einwirken von Umwelteinstellungen und Kostenaspekten auf das Umwelthandeln vermutet wird, sondern ein Interaktionseffekt in der Form, dass die Verhaltenswirksamkeit von Einstellungen in Abhängigkeit von der „Kostenintensität der Situation“ differiert.“16
Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, ergeben sich die Kosten für umweltfreundliches Verhaltens, welches auf der x-Achse eingezeichnet ist, aus der Differenz des Nettonutzens der nicht umweltfreundlichen Verhaltensalternative und des Nettonutzens der umweltfreundlichen Verhaltensmöglichkeit. „Je größer diese Differenz, desto mehr hat das Verhalten High-Cost-Charakter.“17
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Naturschutzes und stellt die wachsende Diskrepanz zwischen steigendem Umweltbewusstsein und tatsächlichem Engagement in den Vordergrund.
2 Der Begriff „Umweltsoziologie“: Dieses Kapitel definiert Umweltsoziologie als Forschungsfeld, das sich mit sozial produzierten ökologischen Problemen sowie gesellschaftlichen Reaktionen darauf befasst.
3 Grundlagen der Rational-Choice-Theorie (RC-Theorie) und deren Anwendung im Umweltbereich: Es werden die theoretischen Grundpfeiler des Homo oeconomicus sowie das Kooperationsproblem und die Low-Cost-These als entscheidende Einflussgrößen auf das Umweltverhalten erörtert.
4 Studie zum Umweltverhalten von Diekmann und Preisendörfer: Das Kapitel präsentiert eine empirische Untersuchung, die das Umweltverhalten in Bern und München analysiert und dabei verschiedene sozio-demografische Variablen und Verhaltensbereiche beleuchtet.
5 Einflüsse von moralischen Appellen und Anreizsystemen auf das Umweltbewusstsein: Die Untersuchung zeigt auf, wie soziale und ökonomische Anreize wirken und welche Gefahren sogenannte Crowding-out-Effekte für die intrinsische Motivation darstellen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein Umdenken im Umweltschutz nur durch die Kombination von moralischen Appellen, persönlicher Betroffenheit und ökonomischen Anreizstrukturen erfolgreich erreicht werden kann.
Schlüsselwörter
Umweltsoziologie, Rational-Choice-Theorie, Low-Cost-These, Homo oeconomicus, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten, Kooperationsproblem, Trittbrettfahrer, Anreizsysteme, Crowding-out-Effekt, intrinsische Motivation, Kosten-Nutzen-Analyse, Feldexperiment, Kollektivgut, Nachhaltigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die theoretischen und empirischen Hintergründe, warum ein hohes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung oft nicht mit entsprechend umweltfreundlichem Handeln korreliert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Hauptthemen umfassen die Rational-Choice-Theorie, das Konzept des Homo oeconomicus, die Analyse von Kooperationsproblemen sowie die Auswirkungen von Anreizsystemen auf das menschliche Handeln im Umweltkontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels der Low-Cost-These zu erklären, unter welchen Bedingungen Umwelteinstellungen tatsächlich in Verhalten übersetzt werden und warum dies in Kosten-intensiven Situationen häufig ausbleibt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Modellen, ergänzt durch die Auswertung empirischer Studienergebnisse von Diekmann und Preisendörfer.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der theoretischen Herleitung der RC-Theorie, der Interpretation von Umfragedaten zum Umweltverhalten in Bern und München sowie der kritischen Prüfung von Anreizstrukturen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Umweltsoziologie, Low-Cost-These, Rational-Choice-Theorie, Umweltverhalten und Anreizsysteme.
Warum spielt das "Problem des Trittbrettfahrers" eine so große Rolle?
Es verdeutlicht, warum individuelle Akteure bei Kollektivgütern wie der Umwelt oft keinen Anreiz sehen, eigene Kosten für das Gemeinwohl zu tragen, solange sie das Ergebnis auch ohne eigenes Zutun nutzen können.
Welche Bedeutung haben die empirischen Ergebnisse aus Bern und München für die Hypothese?
Sie dienen als Beleg dafür, dass Unterschiede im Umweltverhalten oft weniger auf das Bewusstsein zurückzuführen sind, sondern auf strukturelle Faktoren, wie etwa die Art der Heizkostenabrechnung oder soziale Sanktionierungsmechanismen in kleinen Gruppen.
Gibt es Gefahren bei der Nutzung von externen Anreizen?
Ja, die Arbeit beschreibt sogenannte Crowding-out-Effekte, bei denen finanzielle Belohnungen die ursprüngliche intrinsische Motivation zur Erhaltung der Umwelt verdrängen oder zerstören können.
Warum sind moralische Appelle allein oft wirkungslos?
Da der Mensch als rational handelndes Wesen eine Kosten-Nutzen-Bilanz aufstellt, reicht ein reiner Appell an das Gewissen in anonymen Großgesellschaften oder bei hohen persönlichen Kosten häufig nicht aus, um eine Verhaltensänderung zu bewirken.
- Quote paper
- Dipl. Soziologin Anne-Carin Frommhold (Author), 2004, Die Diskussion um die Low-Cost-Hypothese für umweltgerechtes Verhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/75190