In der Motivationsforschung unterscheidet man zwei große Bereiche, die Bildung von Intentionen und deren Realisierung. Entscheidend für die Phase der Intentionsbildung ist das Abwägen zw. Folgen, die auftreten können, wenn eine Handlung ausgeführt oder unterlassen wird. Bei der Realisierung geht es um die konkrete Ausführung von Handlungen, um das ausgewählte Ziel zu erreichen. Bei der Bildung von Intentionen spricht man von Motivation im engeren Sinne, bei der Realisierung spricht man von Volition. Diese Bereiche werden durch die Intentionsbildung („Rubikon“) voneinander getrennt.
Um einen theoretischen Rahmen für die Analyse der Wahl von Handlungszielen und der Realisation dieser Ziele zu erhalten, entwickelten Heckhausen & Gollwitzer (1986) das Rubikonmodell der Handlungsphasen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Rubikon-Modell
2. Gerechtigkeitsvorstellungen
2.1 Prozedurale Gerechtigkeit
2.2 Distributive Gerechtigkeit
3. Empirische Untersuchung zu den Effekten von prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit auf die Reaktionen von Angestellten zu Lohnerhöhungsentscheidungen (Folger & Konovsky, 1989)
3.1 Methode
3.2 Messung der Variablen
3.3 Ergebnisse
3.4 Diskussion
4. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die postaktionale Motivationsphase innerhalb des Rubikon-Modells von Heckhausen & Gollwitzer und analysiert dabei den Einfluss von prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit auf das Verhalten und die Einstellungen von Mitarbeitern in Organisationen.
- Das Rubikon-Modell und die postaktionale Motivationsphase
- Definition und Kriterien prozeduraler Gerechtigkeit (Verfahrensgerechtigkeit)
- Distributive Gerechtigkeit (Verteilungsgerechtigkeit) im sozialen Austausch
- Empirische Untersuchung von Folger & Konovsky zur Lohnerhöhung
- Psychologische Implikationen von Gerechtigkeit für organisatorisches Commitment und Vertrauen
Auszug aus dem Buch
2.1 Prozedurale Gerechtigkeit
Prozedurale Gerechtigkeit betrifft die Frage nach dem Zustandekommen eines Austauschs von Ressourcen. Sie fragt nach dem WIE – Ist das Verfahren, dass angewandt wurde bzw. der Entscheidungsprozess fair? Ist man selbst an diesen Entscheidungen beteiligt, ist es allein der Tauschpartner oder gar ein „anonymer Dritter“, der entscheidet?
In der Forschung zur Verfahrensgerechtigkeit werden zahlreiche einzelne Kriterien benannt, die als verantwortlich bei der Einschätzung von Verfahren beschrieben werden (u.a. Leventhal, 1980):
· Beteiligung: Grundsätzlich ist es von Bedeutung, dass Möglichkeiten der Beteiligung und des Einspruchs eingeräumt werden. Mitsprache oder Beteiligung ist ein wichtiges Element eines demokratischen Prozesses und kann instrumentell eingesetzt werden, um die eigenen Interessen effektiv zu vertreten. Mitsprache kann außerdem signalisieren, dass die Beteiligten als Mitglieder der Gesellschaft ernst genommen werden.
· Anerkennung: das Gefühl, wie ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft behandelt zu werden. Dies kommt in konkreten Verfahren insbesondere in respektvoller, würdevoller und höflicher Behandlung zum Ausdruck. Dies schließt das Vertrauen ein, dass der Entscheider die Belange des Interaktionspartners mit beachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Rubikon-Modell: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Rahmen der Handlungsphasen nach Heckhausen & Gollwitzer, mit Fokus auf die Trennung von Motivation und Volition durch das Rubikon-Modell.
2. Gerechtigkeitsvorstellungen: Es werden die theoretischen Grundlagen der prozeduralen und distributiven Gerechtigkeit dargelegt und deren Bedeutung für Austauschbeziehungen analysiert.
3. Empirische Untersuchung zu den Effekten von prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit auf die Reaktionen von Angestellten zu Lohnerhöhungsentscheidungen (Folger & Konovsky, 1989): Dieses Kapitel stellt eine spezifische Studie vor, die prüft, wie Fairness bei Lohnentscheidungen das Vertrauen und das Commitment von Angestellten beeinflusst.
4. Literatur: Dieses Kapitel enthält das Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Rubikon-Modell, Motivation, Volition, postaktionale Motivationsphase, prozedurale Gerechtigkeit, distributive Gerechtigkeit, Verfahrensgerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Lohnerhöhung, organisatorisches Commitment, Vertrauen, soziale Austauschtheorie, Equity-Theorie, Leistungsbewertung, Arbeitspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der postaktionalen Motivationsphase im Rubikon-Modell von Heckhausen & Gollwitzer, insbesondere im Kontext von Gerechtigkeitswahrnehmungen in Arbeitsorganisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind prozedurale Gerechtigkeit (Verfahren), distributive Gerechtigkeit (Verteilung) und deren Auswirkungen auf das Arbeitsklima sowie die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss von Gerechtigkeitsbewertungen auf zukünftiges Handeln und die Motivation von Mitarbeitern zu verdeutlichen, gestützt auf empirische Befunde von Folger & Konovsky.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der Motivations- und Gerechtigkeitsforschung sowie die Darstellung einer empirischen Korrelationsstudie, die Lohnerhöhungen als Operationalisierung für Fairness nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Phasen des Handelns, definiert die Kriterien der Verfahrensgerechtigkeit (wie Beteiligung und Anerkennung) und analysiert die Verteilungsgerechtigkeit sowie das Equity-Prinzip.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rubikon-Modell, prozedurale Gerechtigkeit, organisatorisches Commitment, Arbeitsmotivation und soziale Austauschprozesse charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit wichtig?
Die Arbeit zeigt, dass die Wahrnehmung des Verfahrens (prozedural) oft stärker das Vertrauen in Autoritäten und das langfristige Commitment beeinflusst als die rein monetäre Verteilung (distributiv).
Welche Rolle spielt Feedback im Kontext der prozeduralen Fairness?
Feedback ist ein zentraler Faktor der prozeduralen Gerechtigkeit, da es Transparenz schafft, den Mitarbeitern Mitspracherechte einräumt und signalisiert, dass ihre Leistung wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2002, Empirische Arbeiten zur postaktionalen Motivationsphase unter besonderer Berücksichtigung der prozeduralen Gerechtigkeit im Arbeitsbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/7404