Die Schule hat einen gesetzlichen Erziehungsauftrag zu erfüllen, wobei die Sexualerziehung einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Sexualität gehört in jedem Alter und in jeder Phase der Entwicklung zum Menschen. Sie ist sowohl in körperlicher, geistig-seelischer als auch sozialer Sichtweise ein nicht wegzudenkender Faktor, da sie zur Entfaltung des Individuums und für die Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig ist: Sie ermöglicht nicht nur die Entstehung neuen Lebens, sondern sie trägt zusätzlich zu der Ausbildung einer eigenen Identität bei und ermöglicht so Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, um Nähe, Vertrauen, Geborgenheit, Lust, Zärtlichkeit und Liebe zu erfahren.
Ein wesentlicher Aspekt der schulischen Sexualerziehung soll die Vermittlung des notwendigen Wissens für ein Leben mit Sexualität sein, so dass in Zukunft möglichst Klischees und Vorurteile vermieden werden. Denn dieses Wissen soll Schülern die Zusammenhänge personaler, partnerschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Sexualität verstehen helfen, damit sie sich selbst ein eigenes Urteil bilden können. Durch die Reflexion eigener und fremder Erfahrungen sollen die Schüler die Möglichkeit haben, ihr eigenes Verhalten und das anderer Menschen zu verstehen und zu achten. Respekt und Toleranz soll denjenigen entgegengebracht werden, die sich von eigenem sexuellen Verhalten bzw. der Orientierung unterscheiden. Zusätzlich soll den Schülern vermittelt werden, die Würde eines jeden Menschen zu achten und nicht die Sexualität von anderen für eigene Zwecke zu nutzen.
Sexualerziehung in der Schule kann daher in erster Linie als Aufklärung angesehen werden, bei der eine positive Grundhaltung zur Sexualität, Grundkenntnisse über die eigene Sexualität und das Zusammenleben von Menschen als Richtziele angesehen werden können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Schulrechtliche Grundlagen – Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten
2. Sexualität als Sprachproblem in der Schule
2.1 Warum ist Sprache in der Sexualerziehung so wichtig?
2.2 Die Rolle des Lehrers in der Sexualerziehung
2.3 Sexualisierte Sprache von Kindern
2.4 Bedeutungen der Sexualsprache
2.4.1 Sprachebenen der Sexualsprache
2.4.2 Welche Form der Sexualsprache ist in der Schule angemessenen?
3. Auswirkungen von Film und Fernsehen auf die Kinder und ihre Sexualität
3.1 Geschichte der Darstellung von Sexualität in den Medien
3.2 Bedeutung von sexuellen Darstellungen in den Medien für Kinder
3.3 „Bravo“ - geeignete Aufklärung für Kinder und Jugendliche?
4. Konsequenzen für die Sexualerziehung in der Grundschule
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der Sexualerziehung im Sachunterricht, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit sexualisierter Sprache bei Kindern und den Einfluss medialer Darstellungen. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte eine adäquate, rücksichtsvolle Kommunikation fördern und wie die Schule als ergänzender Aufklärungsort fungieren kann.
- Schulrechtliche Rahmenbedingungen und Elternzusammenarbeit
- Bedeutung und Ebenen der kindlichen Sexualsprache
- Einfluss von Film, Fernsehen und Jugendmedien auf das kindliche Sexualwissen
- Methodische Ansätze für einen reflektierten Sexualunterricht
- Vermittlung von Sprachkompetenz und Werthaltungen
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Sprachebenen der Sexualsprache
Die Sexualsprache lässt sich nach Kluge in vier unterschiedliche Sprachebenen gliedern:19
I. Kindersprache: verniedlichende Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane („Muschi“, „Schwänzchen“), die jedoch nur im Kleinkindalter gestattet sind, da sie im fortgeschritteneren Alter eher kindisch wirken.
II. Vulgärsprache: diese Worte bringen die sexuelle Absicht zum Ausdruck oder („Möse“, „Schwanz“) und sind in der Öffentlichkeit sehr umstritten, da sie derb und obszön wirkt.
III. Standardsprache: sie ist gesellschaftlich akzeptiert („Scheide“, „Glied“), da sie öffentlichkeitsgerecht ist; Tabubereiche werden beschönigt, verhüllt oder verschleiert, da vieles nicht direkt beim Namen genant wird. Als Beispiel kann das “miteinander schlafen“ genommen werden: mit dieser Umschreibung ist der Geschlechtsverkehr gemeint, aber kein Schlafen im eigentlichen Sinne.
IV. Fachsprache: hier ist der Bedeutungsinhalt des Wortes eindeutig („Vagina“, „Penis“), aber diese Sprachform wirkt aufgrund ihrer lateinischen Ursprungsform außerhalb eines Fachgespräches sehr nüchtern.
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahre 1995 eine Pilotstudie zur Sexualsprache der Deutschen durchgeführt. Hierbei wurden „Haushalte mit Kindern bis unter 14 Jahren“ befragt, welche Ausdrücke bei Gesprächen für den Geschlechtverkehr und für die Geschlechtsorgane verwendet werden. Diese Ergebnisse sind für die Sexualerziehung sehr aufschlussreich, da sie als Entscheidungshilfe dienen können, welche Sprachebene
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung begründet den Stellenwert der schulischen Sexualerziehung als wichtigen Teil des Erziehungsauftrags zur Identitätsbildung und Wissensvermittlung.
1. Schulrechtliche Grundlagen – Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Pflichten zur Einbindung der Eltern bei der Planung und Durchführung sexualpädagogischer Inhalte.
2. Sexualität als Sprachproblem in der Schule: Es wird die zentrale Bedeutung von Kommunikation thematisiert und analysiert, wie Kinder ihre eigene Sexualsprache entwickeln und nutzen.
3. Auswirkungen von Film und Fernsehen auf die Kinder und ihre Sexualität: Hier wird der mediale Einfluss auf das Sexualwissen von Kindern kritisch hinterfragt und die Rolle von Jugendmedien wie der „Bravo“ bewertet.
4. Konsequenzen für die Sexualerziehung in der Grundschule: Abschließend werden pädagogische Schlussfolgerungen gezogen, wie eine zielgerichtete Sexualerziehung unter Berücksichtigung von Elternhaus und Schule gelingen kann.
Schlüsselwörter
Sexualerziehung, Sachunterricht, Sexualsprache, Grundschule, Kindersprache, Vulgärsprache, Standardsprache, Fachsprache, Medienkonsum, Aufklärung, Schulentwicklung, Elternarbeit, Sexualaufklärung, Identitätsbildung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen und Notwendigkeiten der Sexualerziehung im Rahmen des schulischen Sachunterrichts, mit besonderem Fokus auf Sprachproblematiken und mediale Einflüsse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den schulrechtlichen Grundlagen, der Differenzierung von Sprachebenen, dem kindlichen Sprachgebrauch sowie dem Einfluss von Fernsehen und Printmedien auf die sexuelle Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch ein reflektiertes Sprachhandeln und eine gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus eine fundierte Sexualerziehung in der Grundschule gewährleisten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Der Autor nutzt Literaturanalysen, die Auswertung von Rahmenrichtlinien sowie die Interpretation von Pilotstudien zur Sexualsprache, um fundierte Handlungsempfehlungen für den Unterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Kommunikation über Sexualität, die Kategorisierung von Sexualsprache sowie eine Untersuchung der Auswirkungen von Filmen und Zeitschriften auf das Wissen und die Identität von Kindern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Sexualerziehung, Sprachkompetenz, mediale Sozialisation, kindgerechte Aufklärung und schulische Kooperation aus.
Wie sollten Lehrer mit vulgären Begriffen in der Klasse umgehen?
Laut der Arbeit sollten Lehrkräfte nicht sofort repressiv einschreiten, sondern die Herkunft der Begriffe klären, Spielregeln für eine respektvolle Kommunikation etablieren und konsequent die Standardsprache vorleben.
Welche Rolle spielen Medien wie die „Bravo“ in der Sexualerziehung?
Die Arbeit bewertet Medien wie die „Bravo“ als eine von Kindern stark genutzte, aber teilweise kritisch zu betrachtende Quelle, die bei richtiger Einordnung durch Erwachsene eine sinnvolle ergänzende Rolle einnehmen kann.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Lonnemann (Autor:in), 2003, Das Problem der Sexualsprache und der Medien für die Sexualerziehung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/72845