Platons Dialog Politikos, in welchem der Fremde im Gespräch mit Sokrates dem Jüngeren, dem Tiel entsprechend, explizit den Staatsmann zum Thema der Untersuchung macht, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Augenscheinlich besteht im Verlauf des Dialoges eine Distanz zwischen dem Thema, insofern man als dieses den Staatsmann annimt, und dem tatsächlichen Gesprächsverlauf. Diese Distanz äußert sich in einer gewissen thematischen Weitläufigkeit und in Exkursen, welche, zumindest auf den ersten Blick, nicht in direktem Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema stehen. Mehr oder weniger direkt beziehen sich diese Exkurse und vom Thema abweichende Bemerkungen im Allgemeinen jedoch auf methodische Fragestellungen und auf das Vorgehen bei der im Dialog vorgenommenen Untersuchung als solches.
In diesem Sinne soll in dieser Arbeit der Methode im Dialog Politikos nachgegangen werden, um zu untersuchen, inwieweit sie selbst zum Thema des Dialoges wird, und um diese Thematisierung kritisch zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund soll dann der Versuch unternommen werden, den Stellenwert der Methode im Dialog Politikos allgemeiner einzuschätzen, und somit auch deren Zusammenhang mit dessen eigentlichem Thema, dem Staatsmann.
Hierzu soll zuerst der diairesischen Methode nachgegangen werden, welche vor allem zu Beginn des Dialoges eine Rolle spielt. Hierbei wollen wir aufzeigen, auf welche Art und Weise der Dialog sich hierbei selbst hinterfragt. Daraufhin soll untersucht werden, wie diese expliziten methodischen Ausführungen einzuschätzen sind, und an welcher Stelle sie zu hinterfragen sind. Unser Ziel besteht somit darin, am Ende eine Aussage über den Stellenwert der Methode im Dialog treffen zu können, welche möglichst in Anbetracht des Dialoges in seiner Gesamtheit, einschließlich seiner inhaltlichen Ausführungen, formuliert werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methode im Verlauf
2.1. Methodische Überlegungen zum jeweiligen Stand der Diairesen
2.2. Beispiel, Weberei und Messkunst
2.3. Konsequenzen für die Dialogform
3. Bedürfnis nach Referenz
3. 1 Nachvollziehbarkeit und Bedeutung der expliziten methodischen Aussagen
3.2. Maßstab Angemessenheit
3.3. Verändertes Vorgehen
4. Methode und Dialog als Ganzes
4.1. Zum Stellenwert der Methode
4.2. Zur Frage nach methodischer Einheit
4.3. Erkenntnisse über Erkenntnis
5. Schlussüberlegung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodische Struktur des platonischen Dialogs "Politikos". Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, inwiefern der Dialog sein eigenes Vorgehen – insbesondere die diairesische Methode – zum Gegenstand macht, kritisch hinterfragt und wie sich dies auf die Bestimmung des "Staatsmanns" auswirkt.
- Die Selbstreflexion der diairesischen Methode
- Die Bedeutung von Beispielen (Weberei und Messkunst)
- Die kritische Distanz und der Entwicklungscharakter des Dialogs
- Die Rolle der Erkenntnis als exklusives Ideal
- Der ontologische Status begrifflicher Einteilungen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Platons Dialog Politikos, in welchem der Fremde im Gespräch mit Sokrates dem Jüngeren, dem Tiel entsprechend, explizit den Staatsmann zum Thema der Untersuchung macht, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Augenscheinlich besteht im Verlauf des Dialoges eine Distanz zwischen dem Thema, insofern man als dieses den Staatsmann annimt, und dem tatsächlichen Gesprächsverlauf. Diese Distanz äußert sich in einer gewissen thematischen Weitläufigkeit und in Exkursen, welche, zumindest auf den ersten Blick, nicht in direktem Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema stehen. Mehr oder weniger direkt beziehen sich diese Exkurse und vom Thema abweichende Bemerkungen im Allgemeinen jedoch auf methodische Fragestellungen und auf das Vorgehen bei der im Dialog vorgenommenen Untersuchung als solches.
In diesem Sinne soll in dieser Arbeit der Methode im Dialog Politikos nachgegangen werden, um zu untersuchen, inwieweit sie selbst zum Thema des Dialoges wird, und um diese Thematisierung kritisch zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund soll dann der Versuch unternommen werden, den Stellenwert der Methode im Dialog Politikos allgemeiner einzuschätzen, und somit auch deren Zusammenhang mit dessen eigentlichem Thema, dem Staatsmann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob die methodischen Exkurse im "Politikos" in einem Spannungsverhältnis zum Thema des Staatsmanns stehen.
2. Methode im Verlauf: Das Kapitel untersucht die diairesische Methode und zeigt auf, wie der Dialog durch methodische Selbstreflexion und Korrekturen eine eigene Dynamik entwickelt.
3. Bedürfnis nach Referenz: Hier wird analysiert, worauf sich die begrifflichen Einteilungen stützen und welches Problem der ontologische Status dieser Begriffe darstellt.
4. Methode und Dialog als Ganzes: Dieses Kapitel zieht eine Synthese über die methodische Einheit des Dialogs und diskutiert die Erkenntnis als exklusives und absolutes Ideal.
5. Schlussüberlegung: Das Fazit fasst zusammen, dass dem Dialog ein Wissenbegriff zugrunde liegt, der absolute Wahrheiten als Referenz nutzt, ohne diese inhaltlich oder methodisch transparent zu begründen.
Schlüsselwörter
Platon, Politikos, Staatsmann, Diairesis, Methode, Erkenntnis, Staatskunst, Dialektik, Selbstreflexion, Ontologie, Begriff, Gattung, Maßstab, Angemessenheit, Dialog
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die methodische Struktur des platonischen Dialogs "Politikos" und analysiert, wie Platon das Vorgehen der Untersuchung selbst zum Thema macht.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die diairesische Methode, die Rolle von Exkursen und Beispielen, der Wahrheitsanspruch der Erkenntnis sowie die Beziehung zwischen Methode und dem eigentlichen Dialoggegenstand.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Stellenwert der Methode im Dialog zu bewerten und zu untersuchen, ob und wie die angewandte Methodik zur inhaltlichen Bestimmung des Staatsmanns beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor für seine Untersuchung?
Der Autor nutzt eine textimmanente Analyse, die den Dialogverlauf chronologisch nachzeichnet und methodentheoretische Kommentare Platons kritisch auf ihre Schlüssigkeit hin untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden die Diairesen, die Korrekturschleifen, der Einfluss des Mythos und der Messkunst sowie die spätere Definition der Erkenntnis als exklusives Ideal analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Platon, Politikos, Diairesis, Erkenntnis und die methodische Selbstreflexion des Textes.
Warum spielt das Beispiel der "Weberei" eine so bedeutende Rolle in der Argumentation?
Die Weberei dient als methodisches Modell, um die mangelnde Deutlichkeit der bisherigen Erklärung des Staatsmanns zu verdeutlichen und den Stellenwert einer angemessenen Einteilung zu unterstreichen.
Was schlussfolgert der Autor über den ontologischen Status der im Dialog verwendeten Begriffe?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der ontologische Status der verwendeten Begriffe und Maßstäbe unbestimmt bleibt, da der Dialog keine inhaltliche Begründung für die Gültigkeit seines Begriffssystems liefert.
- Quote paper
- Andreas Schuster (Author), 2006, Erkenntnisse über Erkenntnis - Überlegungen zur Methode in Platons Dialog Politikos, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/71951