Ziel dieser Arbeit ist es, eine mögliche Einflussnahme auf die Gestaltung oneiroider Erlebnisformen durch physiotherapeutische Behandlung bei intensivpflichtigen schwer brandverletzten Patienten aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Einteilung von Verbrennungen
2.3 Intensivtherapie bei Schwerstbrandverletzten
2.4 Das „künstliche Koma“
2.4.1 Analgosedierung
2.4.2 Verwendung von Ketamin bei langfristiger Analgosedierung
2.5 Bewusstsein und Wahrnehmung innerhalb der Analgosedierung
2.5.1 Bewusstsein und Bewusstlosigkeit
2.5.2 Hinweise auf Bewusstsein durch akustisch evozierte Potentiale
2.5.3 Beeinflussung der akustischen Wahrnehmung
2.6 Die oneiroide Erlebnisform
2.6.1 Entstehung von Oneiroiden
2.6.2 Inhalte der Traumwelten
2.7 Physiotherapeutische Interventionen bei brandverletzten Intensivpatienten
2.8 Untersuchungsleitende Fragestellung
3. Praktischer Teil – Methode der Datenerhebung
3.1 Problemzentriertes Interview
3.2 Auswahl der Interviewpartnerin
3.3 Entwicklung des Leitfadens
3.4 Durchführung des Interviews
4. Auswertung
4.1 Interviewtranskription
4.2 Methode und Vorgehensweise der Auswertung
4.3 Themenfelder
5. Ergebnisdarstellung
5.1 Wahrnehmungen
5.2 Traumwelten
5.3 Einbezug der körperlichen Situation in die Traumwelten
5.4 Prozess des Bewusstwerdens
5.5 Intensivstation allgemein
6. Zusammenfassung und Diskussion
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, inwieweit physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere die Kontrakturprophylaxe, die Gestaltung oneiroider Erlebnisformen bei intensivpflichtigen, schwer brandverletzten Patienten beeinflussen können, die sich in einem analgosedierten Zustand befinden.
- Theoretische Grundlagen zur Intensivtherapie und Analgosedierung
- Physiologische Mechanismen der Wahrnehmung unter Sedierung
- Phänomenologie und Entstehung oneiroider Erlebnisformen
- Methodik des problemzentrierten Interviews zur Datenerhebung
- Analyse der Beeinflussung des Traumerlebens durch therapeutische Reize
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Analgosedierung
Der Begriff „Analgosedierung“ setzt sich aus den Wörtern „Analgesie“ und „Sedierung“ zusammen. Analgesie stammt aus dem Griechischen und steht für Ausschalten von Schmerzen. „an“ ist die griechische Vorsilbe für „ohne“, „algos“ bedeutet Schmerz. „Sedierung“ leitet sich von dem lateinischen Verb „sedare“ ab, was übersetzt „beruhigen“ heißt. Ein Sedativum ist demnach ein Beruhigungsmittel, das unter anderem in der Intensivmedizin zur Unterbrechung der bewussten Wahrnehmung genutzt wird (Schwender & Daunderer, 2003, S.33f.). Durch die Analgosedierung wird demnach die Schmerzwahrnehmung unterbunden und das Bewusstsein des Patienten ausgeschaltet. Bei Schwerstbrandverletzten muss allerdings beachtet werden, dass deren Schmerzwahrnehmung von chirurgischen Patienten anderer Disziplinen abweicht (Emrich et al., 1989, S.28). Sie benötigen daher oft eine stärkere Analgesie.
Einen Patienten optimal über einen längeren Zeitraum zu analgosedieren bedeutet für den behandelnden Anästhesisten eine große Herausforderung, da bestimmte Bedingungen erfüllt werden müssen: Die Medikation sollte neben der Schmerzfreiheit und Bewusstlosigkeit die Vitalfunktionen der Organe gewährleisten, so dass die „Eigenregulationsmöglichkeiten des Organismus ... wiederhergestellt und gefördert werden“ (Wengert et al., 1989, S.10). Die Anwendung einer Allgemeinanästhesie in der langfristigen Intensivtherapie hätte für den Organismus schwerwiegende Folgen, da zentrale Regulationsmechanismen dauerhaft zusammenbrechen würden und so die gewünschte Eigenregulation nicht möglich wäre (Pfenninger, Bruckmooser, Ring-Hägele & Schmitz, 1989, S.1). Emrich et al. (1989, S.26) beschreiben die Aufgabe der langfristigen Narkose folgendermaßen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Wahrnehmung bei analgosedierten Patienten auf Intensivstationen ein und begründet das Forschungsinteresse an oneiroiden Erlebnissen.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert medizinische Grundlagen wie Intensivtherapie, Verbrennungsgrade, Analgosedierung, Bewusstseinszustände und definiert den Begriff der oneiroiden Erlebnisform sowie physiotherapeutische Interventionsmöglichkeiten.
3. Praktischer Teil – Methode der Datenerhebung: Hier wird der Einsatz des problemzentrierten Interviews als qualitative Forschungsmethode zur Untersuchung von subjektiven Erlebnissen bei einer ehemaligen Patientin detailliert beschrieben.
4. Auswertung: Dieses Kapitel stellt die Methodik der Interviewtranskription und die systematische Reduktion des Datenmaterials sowie die Kategorienbildung vor.
5. Ergebnisdarstellung: Hier werden die gewonnenen Daten präsentiert, gegliedert in Themenfelder wie Wahrnehmungen, Traumwelten, Bewusstwerdung und der Einfluss der Intensivstationsumgebung.
6. Zusammenfassung und Diskussion: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund reflektiert, wobei die subjektive Natur der Erfahrungsberichte kritisch beleuchtet wird.
7. Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel schließt die Arbeit mit einer Zusammenführung der Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen für den therapeutischen Alltag ab.
Schlüsselwörter
Oneiroide Erlebnisform, künstliches Koma, Bewusstsein, Verbrennungen, Intensivtherapie, Kontrakturprophylaxe, Analgosedierung, Ketamin, Traumwelten, Physiotherapie, Wahrnehmung, qualitative Sozialforschung, Intensivmedizin, Patientenbetreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere die Kontrakturprophylaxe, die Traumerlebnisse von schwer brandverletzten Intensivpatienten während einer Analgosedierung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die intensivmedizinische Versorgung von Brandverletzten, die Wirkung von Analgosedierung (insbesondere Ketamin), die Entstehung oneiroider Erlebnisformen und die Rolle der Physiotherapie im Intensivbereich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, ob physiotherapeutische Interventionen die Gestaltung von Traumwelten bei analgosedierten Patienten beeinflussen und ob daraus Empfehlungen für das therapeutische Handeln abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Sozialforschung und führt ein problemzentriertes Interview mit einer ehemaligen, schwer brandverletzten Patientin durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu medizinischen und psychologischen Aspekten der Analgosedierung sowie einen praktischen Teil, in dem die Datenerhebung und Auswertung der Interviewaussagen dokumentiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Oneiroide Erlebnisform, künstliches Koma, Verbrennungen, Analgosedierung, Kontrakturprophylaxe und Intensivmedizin.
Welche Rolle spielt das Medikament Ketamin in dieser Studie?
Ketamin wird als ein Anästhetikum diskutiert, das zwar keine negative Beeinflussung der Vitalfunktionen zeigt, jedoch psychomimetische Nebenwirkungen wie Halluzinationen und angstvolle Traumzustände begünstigen kann, was für das Erleben der Patientin von zentraler Bedeutung war.
Wie nimmt die Interviewpartnerin die physiotherapeutische Kontrakturprophylaxe im Traum wahr?
Die Patientin berichtet von den Bewegungen als „Manipulationen“ oder „Folterungen“ in ihren Traumwelten, wobei sie die körperlichen Interventionen wie Strecken und Ziehen in ihre angstbesetzten Traumszenarien integrierte.
Welche konkreten Handlungsempfehlungen gibt die Autorin?
Die Autorin empfiehlt, den Patienten auf der Intensivstation stets so zu behandeln, als sei er wach, Geräusche und störende Konversationen zu minimieren sowie therapeutische Bewegungen vorab positiv anzukündigen, um Ängste und Stressreaktionen zu reduzieren.
- Quote paper
- BSc Physiotherapy Maike Wolf (Author), 2006, Oneiroide Erlebnisformen bei Schwerstbrandverletzten in Bezug auf eine physiotherapeutische Intervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/69537