Die Redewendung, dass „jemand im Rollstuhl sitzt“ ist heutzutage ein fester Bestandteil in unserem Sprachgebrauch geworden. Doch was steckt hinter diesen wenigen Worten? Nicht allein die Tatsache, dass eine Person in einem Stuhl sitzt, wird hiermit formuliert. Eine gewisse Hilflosigkeit wird den Betroffenen pauschal zugeschrieben. Wie sehr schränkt die Beeinträchtigung die behinderten Menschen in ihrem Leben, ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden tatsächlich ein?
Ein Rollstuhl ermöglicht ihnen eine passive oder auch aktive Fortbewegung im häuslichen Umfeld sowie im Außenbereich. Er stellt ein unverzichtbares Hilfsmittel bezüglich der Mobilität jedes Einzelnen dar. Jedoch sind die Einsatzmöglichkeiten eines Rollstuhles deutlich begrenzt. Wie häufig greifen beispielsweise stehfähige Menschen über sich, um Gegenstände auf höher gelegenen Regalen zu erreichen? Wie häufig stehen wir auf, weil uns die Sitzposition unbequem geworden ist?
Mediziner betonen schon seit vielen Jahren die Wichtigkeit des Stehens, insbesondere für behinderte Menschen, die viel Zeit im Sitzen und Liegen verbringen. Jedoch stellte das Therapeutische Stehen in der Vergangenheit für viele Klienten eine Tortur dar. Viele Stehständer hatten den entscheidenden Nachteil, dass sie zwar den medizinischen Grundgedanken, häufig jedoch nicht den sozialen und alltagspraktischen Belangen der Anwender gerecht wurden.
Dieser Problematik haben sich in den letzten Jahren Fachleute angenommen, um sogenannte Stehrollstühle zu entwickeln. Wie der Name verrät, sind dies Rollstühle, die durch eine spezielle Mechanik aus der Sitz- in die Standposition gebracht werden können. Da man die Stehrollstühle erst seit wenigen Jahren auf dem Markt der Hilfsmittel finden kann, sind der Einsatz und die Erfahrungswerte noch nicht sehr verbreitet. Aus diesem Grunde ist es Ziel dieser Arbeit, die Wirksamkeit und somit die Effektivität von Stehrollstühlen eingehender zu betrachten und zu analysieren.
Da der Fokus speziell auf den ergotherapeutischen Aspekten liegt, werden einerseits die medizinischen Wirkunsweisen des Stehens genau analysiert und andererseits der essentielle Bereich der Partizipation, Selbstständigkeit und der Selbstbestimmtheit der Klienten speziell betrachtet. Nur in Kombination dieser Komponenten ist eine fundierte Bewertung bezüglich der Effektivität von Stehrollstühlen hinsichtlich der ergotherapeutischen Gesichtspunkte erst möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung, Methodenwahl und Aufbau der Arbeit
2. Zur Bedeutung des Sitzens und Stehens bei Funktionseinschränkungen
2.1 Krankheitsbilder und deren Symptomatiken, bei denen Stehmedien eingesetzt werden
2.2 Therapeutische Stehmedien der Vergangenheit
2.3 Modellbeispiele der heutigen Stehrollstühle
3. Bewältigungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Stehrollstühlen
3.1 Die inneren Organe
3.2 Der Bewegungsapparat
3.3 Die psycho-soziale Ebene und der Partizipationsaspekt
4. Empirische Erfahrungen mit Stehrollstühlen
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Entwicklung eines Fragebogens
5. Ergebnisse der Befragung
5.1 Darstellung der Stichprobe
5.2 Ergebnisse zur Beurteilung der Stehrollstühle
5.3 Sonstige Angaben der Befragten
6. Diskussion der Ergebnisse
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität von Stehrollstühlen der Firma LifeStand® aus ergotherapeutischer Sicht. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf den medizinischen Nutzen sowie die psychosozialen Auswirkungen, die durch ein selbstbestimmtes Stehtraining im Alltag für rollstuhlpflichtige Menschen entstehen.
- Bedeutung des Sitzens und Stehens für den Organismus
- Krankheitsbilder mit Indikation für Stehmedien
- Technische Entwicklung und Handhabung von Stehrollstühlen
- Empirische Nutzerbefragung zur Anwenderzufriedenheit und Effektivität
- Integration in das Alltags- und Berufsleben
Auszug aus dem Buch
3.1 Die inneren Organe
Der menschliche Darm verfügt über eine besondere Art von Muskelarbeit, die sog. Darmperistaltik. Bei dieser Darmtätigkeit wird der Darminhalt bis zur Ausscheidung fortbewegt, eine Darmpassage entsteht. Die ringförmigen Muskelpartien des Darmes kontrahieren rasch nacheinander, somit entsteht eine Dynamik, die einer Fortbewegung eines Regenwurmes ähnelt. Dieser Vorgang kann nur ungehindert vonstatten gehen, wenn dem Darm genügend Raum gegeben ist. Eine sitzende Position übt Druck auf den gesamten Bauchraum aus. Die gesamten Verdauungsorgane, zugehörig Speiseröhre, Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Gallenblase, Dick- und Dünndarm werden komprimiert. Auf Dauer schränkt dies die Funktionstätigkeit dieser Organe ein, insbesondere wird die Darmperistaltik gehemmt. Regelmäßig treten Blähungen und Verstopfungen auf, die nicht selten zu chronischen Funktionseinschränkungen führen. Stehen gibt dem Bauchraum genügend Platz und wirkt diesen Symptomen entgegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung, Methodenwahl und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Problematik des ständigen Sitzens und Definition der Zielsetzung sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. Zur Bedeutung des Sitzens und Stehens bei Funktionseinschränkungen: Analyse von medizinischen Folgen der Immobilität und Vorstellung historischer sowie moderner Stehhilfen.
3. Bewältigungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Stehrollstühlen: Untersuchung der physiologischen Auswirkungen auf Organe und Bewegungsapparat sowie Betrachtung der psychosozialen Partizipation.
4. Empirische Erfahrungen mit Stehrollstühlen: Beschreibung des methodischen Aufbaus der Nutzerbefragung und der Entwicklung des Erhebungsinstruments.
5. Ergebnisse der Befragung: Statistische Darstellung der gewonnenen Daten aus der Nutzerbefragung, unterteilt in Stichprobenstruktur und qualitative Beurteilung.
6. Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der Umfragedaten im Kontext medizinischer und ergotherapeutischer Erkenntnisse.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Arbeit und Fazit zur zukünftigen Bedeutung der Stehrollstuhl-Nutzung.
Schlüsselwörter
Stehrollstuhl, Ergotherapie, Mobilität, Partizipation, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung, Kontrakturenprophylaxe, Kreislauftraining, Dekubitus, Hilfsmittel, Lebensqualität, Selbstbestimmtheit, Rehabilitation, Muskulatur, Bewegungsapparat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit analysiert die Effektivität und den therapeutischen Nutzen von Stehrollstühlen für Menschen mit körperlichen Funktionseinschränkungen.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Zentrum stehen die physiologischen Vorteile des Stehens für die Verdauung, Atmung und den Bewegungsapparat sowie der Gewinn an Selbstständigkeit im Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen von Stehrollstühlen empirisch zu belegen und zu zeigen, dass sie über die reine Sitzfunktion hinaus zur Lebensqualität beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Autorin führte eine empirische Befragung unter Nutzern von Stehrollstühlen der Firma LifeStand® durch und wertete diese deskriptiv aus.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Neben theoretischen Grundlagen zu Krankheitsbildern und zur Wirksamkeit des Stehens folgt ein empirischer Teil mit Auswertung von Nutzererfahrungen zu Komfort, Sicherheit und Anpassung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Kontrakturenprophylaxe, Partizipation, Stehfunktion und ergonomische Anpassung beschreiben den Kern der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich der Stehrollstuhl von älteren Stehgeräten?
Im Gegensatz zu stationären, oft als "Folterinstrumente" empfundenen Geräten der Vergangenheit ermöglichen moderne Stehrollstühle Mobilität im Stand und fördern die soziale Integration.
Welche Rolle spielt die individuelle Anpassung?
Die Arbeit betont, dass der Erfolg eines Stehrollstuhls maßgeblich von der fachgerechten, individuellen Einstellung an die körperlichen Bedürfnisse und Einschränkungen des Patienten abhängt.
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- Sonja Schlegel (Author), 2006, Empirische Studie zur Effektivität von Stehrollstühlen unter ergotherapeutischen Aspekten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/69376