Im Rahmen einer erfolgs- und wertorientierten Unternehmensführung ist eine bewusste, zielorientierte und systematische Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken unbedingt erforderlich. Die sich daraus ergebenden Anforderungen an das Risikomanagement und -controlling werden durch die hohe Komplexität und Dynamik der Rahmenbedingungen unternehmerischer Aktivitäten noch verschärft. Neben der wirtschaftlichen Notwendigkeit gibt es gesetzliche Anforderungen wie das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) und das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG).
Zur Erfüllung dieser Anforderungen bietet sich die Integration einer chancenspezifischen Komponente in das Risikomanagementrahmenwerk an. Die Fortentwicklung des Risikomanagementsystems zu einem integrierten, holistischen, pro-aktiven und systematischen Chancen- und Risikomanagementsystem kann einen Beitrag zur Sicherung der Überlebensfähigkeit, die durch eine einseitige Risikoorientierung ebenso wie durch eine einseitige Chancenorientierung gefährdet wird, und zur Steigerung des Unternehmenswertes leisten. Entscheidende Bedeutung bei der umfassenden und systematischen Berücksichtigung von Chancen und Risiken und der Bereitstellung der für den Lagebericht erforderlichen Informationen, fällt dabei dem Risikocontrolling zu.
Ein integriertes, ganzheitliches und anpassungsfähiges Risikomanagement- und Risikocontrollingsystem kann einen Beitrag zu einer risikobewussten und wertorientierten Unternehmensführung leisten. Ob eine zuverlässige und umfangreiche Risikoberichterstattung und eine transparente Risikosteuerung von den Kapitalmärkten honoriert werden, einen Beitrag dazu leisten können, durch spektakuläre Unternehmensskandale verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen und Insolvenzen zu vermeiden, bleibt abzuwarten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Risiko
2.1 Risikobegriff
2.2 Risikokategorien
2.3 Wirkungsverlauf von Risiken
3 Rechtliche Anforderungen an das Risikomanagement und das Risikocontrolling
3.1 Anforderungen an ein Risikofrüherkennungs- und Risikoüberwachungssystem
3.2 Anforderungen an das Berichtswesen
4 Risikomanagement
4.1 Begriff und Ziele des Risikomanagements
4.2 Aufgaben des strategischen Risikomanagements
4.3 Operatives Risikomanagement
4.3.1 Aufgaben des operativen Risikomanagements
4.3.2 Ablauf des Risikomanagementprozesses
5 Risikocontrolling
5.1 Begriff und Ziele des Risikocontrollings
5.2 Strategisches Risikocontrolling
5.3 Operatives Risikocontrolling
5.4 Instrumente des Risikocontrollings
5.4.1 Risikoadjustierte Performance-Kennzahlen
5.4.2 Balanced Chance and Risk-Card (BCR-Card)
5.4.3 Risikoinformationssystem
5.5 Probleme des Risikocontrollings
5.5.1 Probleme der Implementierung
5.5.2 Probleme der Integration
5.5.3 Probleme der Umsetzung
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Aufgaben und Probleme des Risikocontrollings innerhalb eines ganzheitlichen, integrierten Risikomanagementsystems. Dabei wird analysiert, wie Unternehmen den betriebswirtschaftlichen Anforderungen an eine wertorientierte Steuerung und den rechtlichen Pflichten, insbesondere aus KonTraG und BilReG, gerecht werden können.
- Grundlagen des Risikobegriffs und der Risikokategorisierung
- Rechtlicher Rahmen für Risikofrüherkennung und Berichterstattung
- Strategische und operative Aufgaben von Risikomanagement und Risikocontrolling
- Instrumente zur Risikoquantifizierung und Performance-Messung
- Herausforderungen bei Implementierung, Integration und operativer Umsetzung
Auszug aus dem Buch
5.5.1 Probleme der Implementierung
Grundvoraussetzung für ein funktionsfähiges Risikocontrolling ist die Präsenz eines einheitlichen Risikobegriffs, ein allgemeines Risikobewusstsein und eine Kultur des offenen und verantwortungsvollen Umgangs mit Chancen und Risiken, die fest in der Unternehmenskultur verankert ist und glaubwürdig von der Unternehmensleitung vertreten wird. Ressortdenken, Schwachpunkte in der innerbetrieblichen Kooperation und unzureichende Kommunikationsstrukturen erschweren die Implementierung und Umsetzung eines wirkungsvollen Risikocontrollings. Die Pflege, Prüfung und insbesondere die Erweiterung und Anpassung der Systeme des Risikocontrollings ist mit Mehrkosten verbunden, die unmittelbar spürbar sind. Kompensatorische Effekte, die sich durch eine mögliche Senkung der Kapitalkosten und eine verbesserte Unternehmensführung ergeben, liegen dagegen in der Zukunft und sind nur schwer quantifizierbar. Daher besteht die Gefahr, dass Risikocontrolling in erster Linie als zu limitierender Kostenfaktor gesehen wird. Weiterhin besteht möglicherweise die Gefahr, dass die Offenlegung von Chancen und Risiken zu Wettbewerbsnachteilen führt. Die Berichterstattung über mögliche Liquiditätsprobleme könnte bspw. zu einer sich selbst erfüllenden Vorhersage werden oder Abnehmer könnten Vorteile aus einer genauen Kenntnis der Auftragslage ziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Risikosteuerung für die langfristige Existenzsicherung und beschreibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die eine Integration von Chancen- und Risikomanagement erforderlich machen.
2 Risiko: In diesem Kapitel werden der Risikobegriff (insbesondere die Shortfall-Konzeption), die Kategorisierung von Risiken sowie deren zeitlicher Wirkungsverlauf auf die Unternehmensziele analysiert.
3 Rechtliche Anforderungen an das Risikomanagement und das Risikocontrolling: Dieses Kapitel behandelt die Pflichten für börsennotierte Unternehmen gemäß KonTraG und BilReG hinsichtlich der Einrichtung von Frühwarnsystemen sowie die neuen Standards zur Lageberichterstattung.
4 Risikomanagement: Hier werden Begriff, Ziele und Aufgaben des strategischen und operativen Risikomanagements sowie der grundlegende Ablauf des Risikomanagementprozesses dargelegt.
5 Risikocontrolling: Dieses Hauptkapitel erläutert das Instrumentarium des Controllings (Kennzahlen, BCR-Card, Informationssysteme) und diskutiert kritisch die Probleme bei Implementierung, Integration und praktischer Umsetzung.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt die zukünftige Bedeutung der Risikoberichterstattung vor dem Hintergrund des Drucks der Kapitalmärkte und der Rolle des Abschlussprüfers heraus.
Schlüsselwörter
Risikocontrolling, Risikomanagement, KonTraG, BilReG, Risikofrüherkennung, Lagebericht, wertorientierte Unternehmensführung, Value-at-Risk, Risikotragfähigkeit, BCR-Card, Risikokommunikation, Compliance, Unternehmensexistenz, Performance-Kennzahlen, Risikopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zentralen Aufgaben und typischen Problemfelder des Risikocontrollings in einem modernen, ganzheitlichen Risikomanagementsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Konformität, der operativen Steuerung durch Kennzahlen und der Integration von Risikomanagement in die Unternehmenskultur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung eines integrierten Risikomanagementsystems, das sowohl betriebswirtschaftliche Effizienz als auch gesetzliche Anforderungen erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Stand der Forschung zu Risikokontrollkonzepten und gesetzlichen Anforderungen systematisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Instrumente des Controllings und erörtert die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung und Integration im Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Risikocontrolling, Risikomanagement, Compliance-Anforderungen (KonTraG) und Instrumente der Risikoquantifizierung definieren.
Warum ist die Implementierung von Risikocontrolling so schwierig?
Häufige Hindernisse sind Ressortdenken, unzureichende Kommunikation und die Schwierigkeit, den unmittelbaren Kostennachteil den langfristigen Nutzenvorteilen gegenüberzustellen.
Was ist die Funktion der Balanced Chance and Risk-Card?
Sie dient als wertorientiertes Steuerungsinstrument, das eine ausgewogene Sichtweise auf Chancen und Risiken ermöglicht und strategische Ziele operationalisiert.
- Arbeit zitieren
- Eike Hartmann (Autor:in), 2006, Aufgaben und Probleme des Risikocontrollings, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/68907