Die vorliegende Arbeit basiert auf einer umfassenden Recherche wissenschaftlicher Fachliteratur und europäischen Primär- und Sekundärrechts. Der Gang der Untersuchungen beginnt mit einer Beleuchtung konzeptioneller Grundlagen der europäischen Regionalpolitik in Kapitel 2. Neben der Klärung zentraler Begriffe wird die Gebietssystematik NUTS zur Aufgliederung der europäischen Regionen vorgestellt. Das Kapitel geht ferner auf Erklärungsansätze zur Entwicklung und Ausgestaltung der europäischen Regionalpolitik ein.
In Kapitel 3 wird die Entwicklung der europäischen Regionalpolitik von ihren Anfängen bis zur Gegenwart beleuchtet. Während zunächst wesentliche Entwicklungsetappen skizziert werden, widmet sich die Untersuchung in einem zweiten Schritt der aktuellen Förderperiode 2000-2006 und der regionalpolitischen Fördersystematik. In diesem Kapitel wird verstärkt auf die Entwicklung des Europäischen Sozialfonds eingegangen, da dieser als „Embryo“ der europäischen Regionalpolitik gilt. Auch in den folgenden Kapiteln dieser Arbeit erfahren der Europäische Sozialfonds und seine beschäftigungspolitische Ausrichtung eine besondere Beachtung, da die Beschäftigung in der Europäischen Union eine zentrale Rolle einnimmt und ein Schwerpunkt der europäischen Regionalpolitik ist. Gegenstand des Kapitels ist ferner die Bedeutung der Regionalpolitik als Instrument für integrationspolitische Entscheidungen und als Verhandlungsmasse für Konsensfindungen in der Europäischen Union. In diesem Zusammenhang werden wesentliche Hindernisse bei der Reformierung der europäischen Regionalpolitik untersucht.
In dem sich anschließenden Kapitel 4 wird die aktuelle Reformdiskussion dargestellt. Es wird ein Ausblick auf die neue Förderperiode 2007-2013, die Herausforderungen und finanziellen sowie institutionellen Rahmenbedingungen gegeben. Ferner werden die wesentlichen Neuerungen im Vergleich zur bisherigen Strukturfondsförderung herausgestellt. Vor dem Hintergrund des neuen Globalziels der Europäischen Union, zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden, wird die europäische Regionalpolitik neu ausgerichtet. Es stellt sich die Frage, inwieweit dies legitimiert und mit den regionalpolitischen Prinzipien vereinbar ist. Des Weiteren soll ein Blick auf die beschäftigungspolitischen Elemente der neuen Förderperiode und deren Harmonisierung geworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN UND ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR EUROPÄISCHEN REGIONALPOLITIK
2.1 Begriffsklärung: Kohäsions-, Struktur- oder Regionalpolitik?
2.2 Regionen in der Europäischen Union: Die Gebietssystematik NUTS
2.3 Erklärungsansätze zur Entwicklung und Ausgestaltung der europäischen Regionalpolitik
3 DIE EUROPÄISCHE REGIONALPOLITIK: EINE BESTANDSAUFNAHME
3.1 Die Entwicklung der europäischen Regionalpolitik von ihren Anfängen bis 1999
3.1.1 Regionalpolitische Entwicklungsetappen
3.1.2 Zusammenfassung
3.2 Die Förderperiode 2000-2006
3.2.1 Darstellung der aktuellen Strukturfondsförderung
3.2.2 Kritische Würdigung der Agenda 2000
3.2.3 Abschließende Betrachtung
4 DIE REFORM DER REGIONALPOLITIK VON 2006
4.1 Der Weg zur Agenda 2007 und ihre Leitmotive
4.1.1 Entwicklungsunterschiede in der erweiterten Europäischen Union
4.1.2 Die Lissabonagenda für mehr Wachstum und Beschäftigung
4.2 Der finanzielle Rahmen der Förderperiode 2007-2013
4.3 Die institutionellen Rahmenbedingungen der Regionalpolitik 2007-2013
4.3.1 Die Hauptziele der neuen Förderperiode
4.3.2 Programmplanung, Durchführung und Verwaltung
4.3.3 Kritische Würdigung der neuen Bestimmungen
4.4 Beschäftigungspolitische Elemente im Rahmen der Regionalpolitik
4.4.1 Der Europäische Sozialfonds 2007-2013
4.4.2 Der strategische Ansatz der Strukturpolitik: Die Kohäsionsleitlinien
5 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel der Arbeit ist eine umfassende Bestandsaufnahme der europäischen Regional- und Strukturpolitik unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung und ihrer Rolle als Instrument der europäischen Integration. Dabei wird insbesondere die aktuelle Reformdiskussion analysiert, um die Herausforderungen und Neuerungen der Förderperiode 2007-2013 kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der europäischen Regionalpolitik von 1957 bis zur Gegenwart.
- Analyse der aktuellen Förderperiode 2000-2006 und der Strukturfondsreform "Agenda 2000".
- Untersuchung der Reformprozesse für die Förderperiode 2007-2013 mit Fokus auf institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen.
- Evaluierung der beschäftigungspolitischen Ausrichtung und der Rolle des Europäischen Sozialfonds (ESF).
- Kritische Reflexion der Zielkonflikte zwischen wirtschaftlichem Wachstum, sozialem Zusammenhalt und politischer Kompromissfindung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Regionalpolitische Entwicklungsetappen
Erste regionalpolitische Ansätze sind bereits Anfang der fünfziger Jahre, der Zeit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), zu finden. Im Zuge der Umstrukturierung des Kohle- und Stahlsektors und der Schließung wallonischer Minen erhielt Belgien Subventionen, um u.a. die Umschulung der Arbeitskräfte zu finanzieren. „This was an important precedent establishing the principle of Community support for transition measures linked to structural change.”
Bereits 1957 bei der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) teilten die sechs Vertragspartner die Ansicht, dass regionale Entwicklungsunterschiede die Entfaltung des Gemeinsamen Marktes und das Wirtschaftswachstum in der EWG behindern könnten. Aus diesem Grund wurde in der Präambel des Vertrags zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWGV) das Bestreben der EWG bekundet, „[...] die harmonische Entwicklung [der Gründungsstaaten] zu fördern und den Abstand der einzelnen Gebiete und den Rückstand weniger begünstigter Gebiete zu verringern.“ Artikel 2 EWGV spezifiziert die „Aufgabe der Gemeinschaft [...], durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und [...] [die schrittweise] Annäherung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten eine harmonische Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft, eine beständige und ausgewogene Wirtschaftsausweitung, eine größere Stabilität, eine beschleunigte Hebung der Lebenshaltung und engere Beziehungen zwischen den Staaten zu fördern, die in dieser Gemeinschaft zusammengeschlossen sind.“ Trotz der im EWGV beschlossenen Schaffung der europäischen Investitionsbank sowie des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht von einer gemeinschaftlichen Regionalpolitik im heutigen Sinne gesprochen werden. Der Abbau der Entwicklungsunterschiede zwischen den Gebieten sollte in erster Linie durch die Errichtung des europäischen Binnenmarktes und nicht durch regionalpolitische Interventionen erreicht werden. Die Mitgliedstaaten der EWG vertrauten auf den automatischen Ausgleich regionaler Disparitäten durch die Dynamik des freien Marktes. Weitere Gründe für die anfänglich untergeordnete Rolle der europäischen Regionalpolitik stellen einerseits die Nachrangigkeit regionaler Probleme in den Politiken der Mitgliedstaaten und andererseits deren geringes Interesse an einer gemeinsamen Regionalpolitik dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der europäischen Regionalpolitik als Ausdruck des Solidaritätsgedankens und Darstellung der Zielsetzung sowie der Vorgehensweise der Arbeit.
2 GRUNDLAGEN UND ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZUR EUROPÄISCHEN REGIONALPOLITIK: Klärung zentraler Begriffe wie Kohäsions- und Strukturpolitik sowie Vorstellung der NUTS-Gebietssystematik und theoretischer Erklärungsansätze für die europäische Regionalpolitik.
3 DIE EUROPÄISCHE REGIONALPOLITIK: EINE BESTANDSAUFNAHME: Analyse der historischen Entwicklung und der Förderperiode 2000-2006, einschließlich einer kritischen Würdigung der Wirksamkeit der Agenda 2000.
4 DIE REFORM DER REGIONALPOLITIK VON 2006: Detaillierte Betrachtung der Herausforderungen, des finanziellen Rahmens und der institutionellen Neuerungen für die Förderperiode 2007-2013 sowie der Rolle der Lissabonstrategie.
5 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der regionalpolitischen Errungenschaften, Reflexion über bestehende Reformbedarfe und Diskussion der Rolle der Regionalpolitik als Kompensationsinstrument im europäischen Integrationsprozess.
Schlüsselwörter
Europäische Regionalpolitik, Strukturpolitik, Kohäsionspolitik, Europäischer Sozialfonds, Agenda 2000, Förderperiode 2007-2013, NUTS-Klassifikation, Europäische Integration, Lissabon-Strategie, Konvergenz, Strukturfonds, Beschäftigungspolitik, EU-Osterweiterung, Mehrebenensystem, Wirtschafts- und Währungsunion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der europäischen Regional- und Strukturpolitik, analysiert deren historische Entwicklung und bewertet die aktuellen sowie zukünftigen Reformen, insbesondere im Hinblick auf die Förderperiode 2007-2013.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Förderinstrumente, die Bedeutung des Europäischen Sozialfonds, der Einfluss der EU-Osterweiterung sowie die Ausrichtung an der Lissabonstrategie für Wachstum und Beschäftigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine umfassende Bestandsaufnahme der Regionalpolitik sowie eine kritische Betrachtung ihrer Funktion als Instrument zur Reduzierung regionaler Disparitäten und als Mittel der europäischen Integration.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Recherche wissenschaftlicher Fachliteratur sowie der Analyse europäischen Primär- und Sekundärrechts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme der bisherigen Regionalpolitik (Kapitel 3) und die Analyse der Reformdiskussion sowie der neuen Rahmenbedingungen für 2007-2013 (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Regionalpolitik, Strukturfonds, Kohäsion, NUTS-Systematik und Lissabon-Strategie.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Europäischen Sozialfonds (ESF)?
Der ESF wird als "Embryo" der europäischen Regionalpolitik bezeichnet und als zentrales Instrument für eine aktive Arbeitsmarktpolitik hervorgehoben, das sich in der neuen Förderperiode verstärkt an Beschäftigungszielen orientiert.
Was ist das Fazit zur Wirksamkeit der Agenda 2000?
Die Autorin stellt fest, dass die Agenda 2000 ihre Reformansprüche nur bedingt erfüllen konnte. Obwohl sie Schritte in die richtige Richtung unternahm, blieb ein systemischer Wandel aus, und die Förderstruktur wird weiterhin als teilweise inkonsequent und zu wenig konzentriert bewertet.
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- Diplom Sozialwirt Beatrix Immig (Author), 2006, Die europäische Regional- und Strukturpolitik: Bestandsaufnahme und Ausblick auf die neue Förderperiode 2007-2013, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/68640