Hausarbeiten logo
Shop
Shop
Tutorials
De En
Shop
Tutorials
  • How to find your topic
  • How to research effectively
  • How to structure an academic paper
  • How to cite correctly
  • How to format in Word
Trends
FAQ
Zur Shop-Startseite › Psychologie - Sozialpsychologie

Vergewaltigung im Krieg: Historisch-soziologische Betrachtungen und sozialpsychologische Erklärungsversuche

Titel: Vergewaltigung im Krieg: Historisch-soziologische Betrachtungen und sozialpsychologische Erklärungsversuche

Seminararbeit , 2006 , 28 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Christoph Egen (Autor:in)

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Vergewaltigung ist eines der großen Tabuthemen des 20. und 21. Jahrhunderts. Besonders die massenhafte Vergewaltigung in Kriegszeiten ist ein Phänomen, das nachträglich aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht beziehungsweise als eine, durch die Biologie und Natur des, in der Rolle eines Kriegers befindenden Mannes, begründete Tat marginalisiert und oftmals als unvermeidliches Nebenprodukt des Krieges angesehen wird. Schamgrenzen, ausgedrückt im gesellschaftlichen Desinteresse sorgen dafür, sie als historisch wenig bedeutungsvoll anzusehen und dementsprechend in der Forschung zu behandeln (vgl. Seifert in Stiglmayer 1993: 106); daher die geringe Anzahl der Autoren, die sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben.
Die „offiziellen“ Gründe und Legitimationen für (Massen-)Vergewaltigungen sind von Krieg zu Krieg unterschiedlich; Mal ist es die Rache, ein anderes Mal die Frustration und die Sinnlosigkeitsgefühle der Soldaten oder eine befohlene ethnische Säuberung, in deren Ausführung Vergewaltigung politisch funktionalisiert wird. Die Psychologie der Täter ist allerdings dieselbe. Die Vergewaltiger sind ,,alle ganz normale Männer, die im Krieg das tun, was Männer in Kriegen bisher immer getan haben, jeder auf seine Weise, in seinem Rahmen und mit seinen Zielen“ (Stiglmayer 1993: 111). Möchte man Vergewaltigung während und kurz nach Kriegen erklären, so muss man dies immer auch mit Blick auf die historisch-soziologischen Begebenheiten tun. Diese Ausarbeitung widmet sich dem Thema von daher nicht nur aus psychologischer Perspektive, sondern bindet den Kontext, in dem Vergewaltigung stattfindet, mit ein.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterschiede und Ähnlichkeiten von Vergewaltigung im Zuge dreier Kriege

2.1. Vergewaltigung gegen Ende des 2. Weltkrieges am Beispiel Berlins

2.2. Vergewaltigung im Vietnamkrieg

2.3. Vergewaltigung während des Bosnienkonflikts

3. Vergewaltigung als sexueller Ausdruck von Aggression?

4. Vergewaltigung als Bestandteil männlicher Kommunikation

5. Der Einfluss der militärischen Institution

6. Sozialpsychologische Erklärungsversuche

6.1. Die Entstehung der männlichen Sexual- und Aggressionstriebe

6.2. Zur Entwicklung männlicher Geschlechtsidentität

6.3. Die kulturelle Konstruktion des Mannes

6.4. Bedrohte Männlichkeit im Krieg und die Konsequenzen

7. Die Abhängigkeit des Menschen von Institutionen

8. Zusammenfassende Thesen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der massenhaften Vergewaltigung in Kriegszeiten aus einer historisch-soziologischen sowie sozialpsychologischen Perspektive. Ziel ist es, die tieferliegenden psychischen Beweggründe der Täter zu analysieren und aufzuzeigen, wie militärische Institutionen und kulturelle Sozialisationsprozesse männliche Aggression und Sexualität in kriegerischen Kontexten funktionalisieren.

  • Historische Einordnung von Vergewaltigungen in verschiedenen Konflikten (2. Weltkrieg, Vietnam, Bosnien).
  • Kritische Auseinandersetzung mit der These der Vergewaltigung als rein sexuellem Triebausdruck.
  • Analyse des Einflusses militärischer Ausbildung auf die Entwicklung einer tötungsbereiten Gruppenidentität.
  • Psychoanalytische Erklärungsansätze zur männlichen Geschlechtsidentität und zur Abwehr des Weiblichen.
  • Untersuchung der Rolle des Krieges als Ort der „Sanierung“ beschädigter männlicher Identität.

Auszug aus dem Buch

6.4. Bedrohte Männlichkeit im Krieg und die Konsequenzen

Die Kriegschauplätze stellen in erster Linie eine absolute Bedrohung dar. Eine Bedrohung durch verschiedene Gefahren: Kontrollverlust, Angst, Todesangst, Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Ohnmacht etc. Alles Faktoren, die zutiefst dem widersprechen, was als typisch männlich beziehungsweise als typisch soldatisch angesehen und gelebt wird. Der Mann, der Soldat gilt als machtvoll, potent, jederzeit fähig zu töten ohne jegliche Angst. Frauen sind die Einzigen, die in solcher Umgebung das beschädigte männliche Ego noch sanieren können, und am besten dadurch, dass man sie mit Gewalt nimmt: „Es ging darum, zu wissen, dass du noch ein menschliches Wesen bist. Stell dir das mal vor – du kommst von einem Einsatz zurück, …einige deiner Freunde sind tot. …Sie habe die Scheiße aus uns herausgeprügelt. … Du hast gestunken vor Angst…- du musstest einfach bumsen. …Ficken war die einzige Erleichterung.“ (Vietnamveteran zitiert bei Greiner in Gleichmann/Kühne 2004: 235/236).

Wird die Hemmung vor dem Töten abgelegt, wird auch die vermeintliche Angst vor dem eigenen Tod bezwungen. Vergewaltigt man eine Frau, bezwingt man seine eigene – mit Weiblichkeit belegte – Schwäche und saniert seine beschädigte Männlichkeit. Beides, Töten und Vergewaltigen, verleiht einem ein „gottähnliches Gefühl“ von Macht (vgl. Greiner in ebd.: 240/241). Je ängstlicher der Soldat, desto brutaler sein Vorgehen. „In diesem Sinne stellen Kriege vor allem einen Schauplatz zur Ausagierung unbewusst gegen Frauen gerichteter Zerstörungsphantasien dar. Durch die beabsichtigte Sanierung der als beschädigt erlebten und von ständiger Angst bedrohten eigenen Identität soll zugleich die männliche Hegemonialität und die aus den Fugen geratene Gender-Ordnung wiederhergestellt werden, denn Kriegsverhältnisse sind grundsätzlich auch mit der herrschenden Regelung der Geschlechterverhältnisse verbunden (Margarete Mitscherlich)“ (Pohl 2004: 431).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Tabuthema der kriegsbedingten Massenvergewaltigung und führt in die theoretischen Ansätze der Psychoanalyse zur Erklärung menschlicher Aggression ein.

2. Unterschiede und Ähnlichkeiten von Vergewaltigung im Zuge dreier Kriege: Dieses Kapitel vergleicht historische Kriegsvergewaltigungen in Berlin 1945, Vietnam und Bosnien, wobei Muster wie politische Instrumentalisierung und die Rolle der Propaganda aufgezeigt werden.

3. Vergewaltigung als sexueller Ausdruck von Aggression?: Hier wird die These diskutiert, dass Vergewaltigung im Krieg primär der Artikulation von Wut, Macht und Herrschaft dient, statt rein sexuellen Motiven zu folgen.

4. Vergewaltigung als Bestandteil männlicher Kommunikation: Es wird analysiert, wie die Misshandlung gegnerischer Frauen als Botschaft zwischen Männern fungiert, um die Unfähigkeit des Gegners zum Schutz „seiner“ Frauen zu demonstrieren.

5. Der Einfluss der militärischen Institution: Das Kapitel untersucht, wie militärische Ausbildung, Drill und gruppendynamische Prozesse zur Ent-Individualisierung und zur Kanalisierung männlicher Aggression beitragen.

6. Sozialpsychologische Erklärungsversuche: Ein tiefgehender psychoanalytischer Erklärungsversuch zur Entstehung von Sexual- und Aggressionstrieben, der Geschlechtsidentitätsentwicklung und dem Konstrukt des „starken Mannes“.

7. Die Abhängigkeit des Menschen von Institutionen: Dieses Kapitel verknüpft die Thematik mit der Theorie der „Instinktarmut“ von Arnold Gehlen und erläutert die Bedeutung verinnerlichter Normen in Ausnahmesituationen wie dem Krieg.

8. Zusammenfassende Thesen: Das Fazit fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen, insbesondere die Erkenntnis, dass Vergewaltigungen in Kriegen ein strukturelles und funktionales Muster männlicher Aggressionsauslebung darstellen.

Schlüsselwörter

Vergewaltigung, Krieg, Männlichkeit, Aggression, Psychoanalyse, Sexualität, Militär, Sozialisation, Geschlechtsidentität, Machtdemonstration, Kriegstrauma, Identitätsstörung, Institutionen, Gewalt, Gender.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Massenvergewaltigung in Kriegszeiten als Ausdruck männlicher Aggression, die eng mit militärischen Strukturen und psychologischen Identitätskonflikten verwoben ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit deckt die Bereiche Historische Friedensforschung, Psychoanalytische Sozialpsychologie, Gender-Studies und Institutionensoziologie ab.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Beweggründe von Vergewaltigern im Krieg zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche und militärische Rahmenbedingungen normale Männer zu solchen Taten befähigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die historische Fallbeispiele (Berlin, Vietnam, Bosnien) mit psychoanalytischen Theorien verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den historischen Beispielen, der Rolle des Militärs, der Theorie des sexuellen Ausdrucks von Aggression sowie tiefenpsychologischen Erklärungsansätzen zur Identitätsentwicklung des Mannes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Vergewaltigung, Männlichkeit, Aggression, Psychoanalyse und militärische Identität.

Warum spielt die militärische Institution eine so große Rolle bei der Erklärung der Taten?

Die Arbeit argumentiert, dass das Militär junge Männer durch Drill in eine homogene, tötungsbereite Gruppenidentität überführt, in der das „Weibliche“ abgewertet und als Ventil für den psychischen Druck im Krieg genutzt wird.

Wie unterscheidet sich die Situation der Täter in Vietnam im Vergleich zum Bosnienkonflikt?

Während im Vietnamkrieg besonders die individuelle psychische „Sanierung“ des kämpfenden Mannes im Fokus stand, wird im Bosnienkonflikt zusätzlich die systematische politische Instrumentalisierung von Vergewaltigung und die Einbeziehung der Zivilbevölkerung als Mittäter hervorgehoben.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vergewaltigung im Krieg: Historisch-soziologische Betrachtungen und sozialpsychologische Erklärungsversuche
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)
Note
1,5
Autor
Christoph Egen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V64940
ISBN (eBook)
9783638576246
ISBN (Buch)
9783638670265
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergewaltigung Krieg Historisch-soziologische Betrachtungen Erklärungsversuche
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Egen (Autor:in), 2006, Vergewaltigung im Krieg: Historisch-soziologische Betrachtungen und sozialpsychologische Erklärungsversuche, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/64940
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  28  Seiten
Hausarbeiten logo
  • Facebook
  • Instagram
  • TikTok
  • Shop
  • Tutorials
  • FAQ
  • Zahlung & Versand
  • Über uns
  • Contact
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum