Als der Berliner Rapmusiker Fler im Jahr 2005 sein Musikvideo NDW2005 veröffentlicht, geht ein Aufschrei moralischer Empörung durch die Medien. Die Rede ist von Nazi-Rap und Fascho-Ästhetik und davon, ob Deutsch-Sein überhaupt artikuliert werden darf, und wenn ja, wie.
Anlass genug, sich dem Medientext unter medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu nähern, und ihn soweit zu zerlegen, bis klar wird, welche Identitäten konstruiert und angeboten werden, und was daran ein solches Medieninteresse begründet
Die Erkenntnisse überraschen und nähren einen Verdacht: Gibt es unter bestimmten deutschen Jugendlichen das Bedürfnis nach einer deutschen Identität, nach der Zugehörgikeit zu einer deutsch-indigenen Minderheiten-Community als einer/ bzw. inmitten von anderen Communities einer multikulturellen Gesellschaft?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 HipHop und „Glokalität“
2.2 HipHop in Deutschland
2.3 Deutschrap in der Krise?
3. Medienanalyse I – „Fler: NDW2005“ (Video/Promo)
3.1 Vorbemerkung
3.2 Analyse-Ansatz
3.3 Methodik
3.4 Semiotische Analyse
3.5 Shots: Bildaufbau, Denotation, Lyrics
3.6 Paradigmatische Dimension
3.7 Diskursivität
3.8 Schlussfolgerungen
4. Medienanalyse II – „K.I.Z.: Was willst du machen?“ (Lyrics/Promo)
4.1 Vorbemerkung
4.2 Methodischer Ansatz
4.3 Analyse
4.3.1 Denotativ
4.3.2 Konnotativ
5. Die Interviews
5.1 Selbst-Positionierung
5.2 Anonymisierung
5.3 Vorbereitung
5.3.1 Die Fragebögen
5.3.2 Fragebögen-Ergebnisse
5.3.2 Fragebögen-Auswertung
5.4 Interview-Konzeption
5.4.1 Frage- und Auswertungskategorien
5.5 Interview-Auswertung
6. Zusammenfassung und Schluss
7. Anhang
7.1 Interview-Materialien
7.1.1 Einverständniserklärung
7.1.2 Fragebögen
7.1.3 Interview-Transkript (Video-Interviews)
8. Quellenverzeichnis
8.1 Literatur
8.2 Vorträge
8.3 Zeitungs-, Magazin- und Internetartikel
8.4 Bildnachweise
8.5 Filme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Musikvideo zum Titel "NDW2005" des Rappers Fler Identitätsangebote an eine spezifische Jugendkultur vermittelt und wie diese Angebote durch Jugendliche in qualitativen Interviews rezipiert werden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie über HipHop eine eigene, deutsche Identität konstruiert wird und wie diese an der "Basis" aufgenommen wird.
- Medienaneignung und Identitätskonstruktion in Jugendkulturen
- Semiotische Analyse von Musikvideos ("NDW2005" von Fler und "Was willst du machen?" von K.I.Z.)
- Die Rolle von "Race, Class und Gender" als Analyseinstrumente
- Empirische Untersuchung mittels qualitativer Interviews in einer 9. Klasse einer Hauptschule
Auszug aus dem Buch
3.4 SEMIOTISCHE ANALYSE
Im Folgenden möchte ich einige Shots des Musikvideos NDW 2005 herausgreifen und analysierbar machen. Ich bin mir darüber bewusst, dass eine Selektion einzelner Stellen innerhalb eines Textes Auswirkungen auf die gesamte Analyse haben und das Ergebnis verfälschen kann. Ich muss dieses Risiko allerdings in Kauf nehmen, da eine Analyse des kompletten Videos den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Deshalb habe ich Shots ausgewählt, die meiner Meinung nach hinsichtlich der oben eingegrenzten Fragestellung am aufschlussreichsten erscheinen. Zur Vorgehensweise: Jeder der im Folgenden abgebildeten Frames wird in drei Kategorien festgehalten: 1. der Bildaufbau, 2. die rein denotative Ebene der Darstellung, 3. die Lyrics/Wortebene.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema globale HipHop-Kulturen und die Fragestellung nach der Konstruktion deutscher Identität im Deutschrap.
2. Grundlagen: Theoretische Herleitung der Konzepte HipHop, Glokalität und der Entwicklung der deutschen HipHop-Szene.
3. Medienanalyse I – „Fler: NDW2005“ (Video/Promo): Detaillierte semiotische Untersuchung des Videos "NDW2005" hinsichtlich seiner Identitätsangebote und Diskurse.
4. Medienanalyse II – „K.I.Z.: Was willst du machen?“ (Lyrics/Promo): Analyse der satirischen Replik der Gruppe K.I.Z. auf Flers Identitätskonzept.
5. Die Interviews: Beschreibung der methodischen Durchführung, der Vorbereitung der Fragebögen und der qualitativen Interviews mit Hauptschülern.
6. Zusammenfassung und Schluss: Synthese der Ergebnisse aus Medienanalyse und Interviews sowie Diskussion über die Identitätsbildung durch HipHop.
7. Anhang: Bereitstellung der verwendeten Materialien wie Einverständniserklärungen, Fragebögen und Transkripte der Interviews.
8. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur, Vorträge, Artikel und Bildnachweise.
Schlüsselwörter
HipHop, Deutschrap, Identitätskonstruktion, Medienanalyse, Glokalität, Cultural Studies, Gender, Race, Class, Fler, K.I.Z., Qualitative Interviews, Jugendkultur, Integration, Performativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie HipHop-Musikvideos als Medientexte Identitätsangebote konstruieren und wie Jugendliche diese Angebote in ihrer eigenen Lebensrealität aufnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die globale Ausbreitung von HipHop (Glokalität), die Konstruktion von Männlichkeit und nationaler Identität sowie die Rezeption dieser Medientexte durch Jugendliche an einer Hauptschule.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Fler durch das Video "NDW2005" ein spezifisch deutsches Identitätsbild schafft und wie dieses von der Zielgruppe in der Praxis bewertet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein post-strukturalistischer Ansatz der semiotischen Analyse nach Ellen Seiter gewählt, ergänzt durch eine qualitative Interview-Studie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei zentrale Musikvideos und wertet die durchgeführten Interviews mit Schülern einer 9. Klasse aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
HipHop, Identitätskonstruktion, Medienaneignung, Deutschrap, Qualitative Analyse und Cultural Studies.
Warum wurde ausgerechnet Fler für die Medienanalyse gewählt?
Fler wurde gewählt, weil er durch sein Video "NDW2005" und die damit verbundenen provokanten Symbole eine intensiv geführte öffentliche Diskussion über Deutschtum und Credibility im HipHop ausgelöst hat.
Wie reagieren die befragten Schüler auf die untersuchten Videos?
Die Reaktionen sind heterogen: Während einige Schüler die Inhalte kritisch oder ablehnend sehen, akzeptieren andere diese als Teil der "Realness" von HipHop, unabhängig von ihrem eigenen nationalen Zugehörigkeitsgefühl.
- Arbeit zitieren
- M.A. Florian Rosenbauer (Autor:in), 2006, »Kuck wie's der Deutsche macht« Lebensrealitäten und Identitätskonstruktionen zwischen Hauptschule und HIPHOP-Video, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/64717