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Bildungsungleichheit und schichtspezifische Bildungschancen

Title: Bildungsungleichheit und schichtspezifische Bildungschancen

Seminar Paper , 2003 , 20 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Anne-Sofie Held (Author)

Sociology - Social System and Social Structure

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Summary Excerpt Details

In der folgenden Ausarbeitung geht es um die viel diskutierte Frage, ob sich um Laufe des letzten Jahrhunderts herkunftsspezifische Bildungschancen veränderten und warum. Wichtig ist hierbei auch, ob die Bildungsexpansion der 60er Jahre die angestrebte Verringerung des Einflusses der Herkunft herbeigeführt hat. Seit Mitte der 50er Jahre fanden deshalb eine Vielzahl von Untersuchungen statt, die jedoch keine einheitlichen Ergebnisse lieferten. Ich beziehe mich in meiner Arbeit jedoch nur auf Untersuchungen der 90er Jahre.
Viele Soziologen stellten Hypothesen auf, die Veränderungen herkunfts-spezifischer Bildungsungleichheiten erklären sollen. Welche dieser Hypothesen trifft jedoch zu? Da unter den Soziologen Unklarheit darüber herrscht, ob überhaupt eine Veränderung der Bildungschancen stattgefunden hat, ist es fast unmöglich, eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Im folgenden stelle ich ein international vergleichendes Projekt von Blossfeld und Shavit (1993) vor, außerdem Blossfelds Ergebnisse (1994) im Rahmen dieses Projekts speziell für die ehemalige Bundesrepublik Deutschland und abschließend Gegenbehauptungen von Müller und Haun (1994) und Schimpl-Neimanns (2000).
Sie alle versuchten, Veränderungen der Bildungschancen nachzuweisen und plausibel zu erklären und gehen anschließend auf die zuvor aufgestellten Hypothesen ein. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Thesen bleibt es jedoch unklar, ob und weshalb eine Veränderung des sozioökonomischen Einflusses stattgefunden hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hypothesen zur Veränderung sozialer Bildungsungleichheit

2.1 These des kulturellen Kapitals

2.2 These der ökonomischen Ressourcen

2.3 Modernisierungstheorie

2.5 Hypothese der Aufrechterhaltung der Ungleichheit der Bildungschancen in maximalem Umfang

2.6 Sozialistische Transformationshypothese

2.7 Lebenslaufhypothese

2.8 Statistische Selektionshypothese

2.9 weitere Faktoren

3. Das international vergleichende Projekt

3.1 Untersuchungsmethoden

3.1.1 Mares Logitmodell

3.2 Hintergründe

3.3 Ergebnisse

4. Blossfelds Untersuchungen in Deutschland

4.1 Besonderheiten des deutschen Bildungssystem

4.2 Ergebnisse

5. Die Gegenthese von Müller und Haun (1994)

5.1 Untersuchungsmethoden

5.2 Ergebnisse

6.Kritik an Mares Logitmodell

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob und warum sich herkunftsspezifische Bildungschancen im Laufe des letzten Jahrhunderts verändert haben, wobei ein besonderer Fokus auf der Wirkung der Bildungsexpansion der 1960er Jahre liegt.

  • Analyse soziologischer Hypothesen zur Bildungsungleichheit.
  • Diskussion internationaler Vergleichsstudien (Blossfeld & Shavit).
  • Untersuchung der spezifischen Situation in Deutschland.
  • Kritische Auseinandersetzung mit methodischen Ansätzen wie dem Logitmodell.
  • Bewertung von Gegenpositionen zur Persistenz von Bildungsungleichheit.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Mares Logitmodell

Der amerikanische Soziologe Robert Mare (1980) fand heraus, dass man zwischen zwei verschiedenen Prozessen unterscheiden muss, was bisher niemand beachtet hat: dem Expansionsprozess, (mehr Plätze auf allen Bildungsebenen) und dem gleichzeitig stattfindenden sozialen Allokationsprozess (sozialer Selektionsmechanismus im Bildungsprozess). Er entwickelte ein Modell, in dem beide Prozesse getrennt werden können.

Mare vergleicht in diesem Modell mehrere aufeinanderfolgende Geburtskohorten unter Berücksichtigung oben genannter Prozesse. Den Bildungserwerb betrachtet er als eine „Sequenz von Übergangswahrscheinlichkeiten in die jeweils nächsthöhere Bildungsstufe“ (Müller/Haun 1994, S.10). In einem binären Logitmodell schätzt er anschließend den Einfluss der Expansion und die Veränderung des Allokationsprozesses bei allen Bildungsübergängen. So können verfälschte Ergebnisse des Regressionsmodells vermieden werden. „Die bloße Expansion der Zahl der Ausbildungsplätze [führt] zu einer Abnahme des Effekts der sozialen Herkunft auf die Anzahl der erreichten Schuljahre im Regressionsmodell – ohne dass sich an den Zusammenhängen zwischen sozialer Herkunft und den Chancen, einen jeweils höheren Abschluss zu erreichen, etwas geändert hätte“ (Blossfeld/Shavit 1993, S.28).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der veränderten Bildungschancen und die Zielsetzung der Arbeit, verschiedene Hypothesen und Studien zu vergleichen.

2. Hypothesen zur Veränderung sozialer Bildungsungleichheit: Darstellung zentraler theoretischer Erklärungsansätze für Bildungsungleichheit, darunter die These des kulturellen Kapitals und die Modernisierungstheorie.

3. Das international vergleichende Projekt: Vorstellung einer länderübergreifenden Studie von Blossfeld und Shavit sowie deren methodischer Grundlagen, insbesondere des Logitmodells von Mare.

4. Blossfelds Untersuchungen in Deutschland: Spezifische Analyse der Bildungschancen in der Bundesrepublik unter Berücksichtigung der Besonderheiten des deutschen Schulsystems.

5. Die Gegenthese von Müller und Haun (1994): Präsentation einer kritischen Gegenposition, die durch eine umfassendere Datenanalyse zu einer anderen Einschätzung der Entwicklung der Bildungsungleichheit gelangt.

6.Kritik an Mares Logitmodell: Methodische Diskussion über die Angemessenheit von Mares Modell für das deutsche Bildungssystem und die Anwendung alternativer multinominaler Ansätze.

7. Schluss: Zusammenfassendes Fazit über die Schwierigkeit, eindeutige Ursachen für die Veränderung von Bildungsungleichheit zu benennen, da zahlreiche Einflussfaktoren komplex ineinandergreifen.

Schlüsselwörter

Bildungsungleichheit, Bildungschancen, Bildungsexpansion, soziale Herkunft, kulturelles Kapital, Modernisierungstheorie, Logitmodell, Allokationsprozess, soziale Selektion, Blossfeld, Müller und Haun, Schulsystem, Bildungsbeteiligung, Lebenslaufhypothese.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung herkunftsspezifischer Bildungschancen im 20. Jahrhundert und analysiert, ob die Bildungsexpansion der 1960er Jahre tatsächlich zu mehr Bildungsgleichheit geführt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die soziologischen Erklärungsansätze für Bildungsungleichheit, der internationale Vergleich von Bildungssystemen sowie die empirische Überprüfung dieser Thesen anhand deutscher Daten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist die Klärung, ob der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg im Zeitverlauf abgenommen hat und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und Diskussion empirischer Studien, insbesondere unter Verwendung von Logitmodellen, um Expansions- und Allokationsprozesse im Bildungssystem getrennt voneinander zu analysieren.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Hypothesen, das internationale Projekt von Blossfeld und Shavit, die Spezifika des deutschen Systems sowie die gegensätzliche Argumentation von Müller und Haun.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Bildungsexpansion und verschiedene soziologische Thesen wie die des kulturellen Kapitals charakterisiert.

Warum wird das Modell von Mare in dieser Arbeit thematisiert?

Das Modell ist zentral, da es ermöglicht, die bloße Expansion (mehr Plätze) vom sozialen Selektionsprozess zu unterscheiden, was für die Messung von echter Bildungsgleichheit entscheidend ist.

Was kritisiert Schimpl-Neimanns an der bisherigen methodischen Herangehensweise?

Er kritisiert, dass das ursprüngliche Modell von Mare auf ein amerikanisches System mit nur zwei Wahlmöglichkeiten zugeschnitten war, während das deutsche dreigliedrige System komplexere Entscheidungsalternativen erfordert.

Kommt die Arbeit zu einem abschließenden Ergebnis über die Bildungsgerechtigkeit?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der Vielzahl an Variablen, historischer Schwankungen und unterschiedlicher Interpretationen keine eindeutige, alle Fakten erklärende Antwort möglich ist.

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Details

Title
Bildungsungleichheit und schichtspezifische Bildungschancen
College
University of Bamberg
Course
Bildungssoziologie
Grade
2,3
Author
Anne-Sofie Held (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V64447
ISBN (eBook)
9783638572668
ISBN (Book)
9783656793588
Language
German
Tags
Bildungsungleichheit Bildungschancen Bildungssoziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne-Sofie Held (Author), 2003, Bildungsungleichheit und schichtspezifische Bildungschancen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/64447
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