Entwicklungen auf Weltmärkten, wie z. B. das Entstehen der Europäischen Union, der Wegfall des Kommunismus in Osteuropa oder die NAFTA haben zur Globalisierung der Weltwirtschaft beigetragen. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch das Global Sourcing als eine strategisch ausgerichtete, internationale und integrierte Beschaffungsstrategie an Bedeutung. Zudem ist ein deutlicher Trend zur Konzentration auf Kernkompetenzen und der damit verbundenen Reduzierung der Fertigungstiefe sowie ein immer weiter ansteigender Anteil der Materialkosten an den Gesamtkosten eines Produktes festzustellen. Diese Entwicklungen verdeutlichen die besondere Bedeutung von Lieferanten für eine Unternehmung, die es erfordert, dass der Auswahl und der damit verbundenen Bewertung der Lieferanten besondere Beachtung geschenkt werden. Insbesondere die häufig mit dem Global Sourcing einhergehende enge Zulieferer-Abnehmer-Beziehung verdeutlicht dies.
Ziel dieser Arbeit ist es, die speziellen Anforderungen, die eine Global-Sourcing-Strategie an die Lieferanten des beschaffenden Unternehmens stellt, herzuleiten. Im Anschluss daran werden einige der Methoden und Modelle zur Lieferantenbewertung und -auswahl im Hinblick auf diese Anforderungen kritisch untersucht und verglichen. Darüber hinaus werden bei der Untersuchung Defizite und eiterungsmöglichkeiten der untersuchten Methoden und Modelle aufgezeigt.
Zu diesem Zweck wird im zweiten Kap. der Begriff des Global Sourcing genauer betrachtet und für die vorliegende Arbeit definiert (2.2). Im nächsten Abschnitt werden dann die Chancen und Risiken einer Global-Sourcing-Strategie dargestellt, bevor in Abschnitt 2.4 das Global Sourcing als Bestandteil der Sourcing-Konzepte kurz behandelt wird. Aufbauend auf diesen grundlegenden Ausführungen zum Global Sourcing können schließlich in 2.5 die speziellen Anforderungen des Global Sourcings an Lieferanten abgeleitet werden.
In Kap. 3 werden nach einer kurzen Übersicht die Begriffe Lieferantenbewertung und -auswahl definiert. Im Weiteren werden die Methoden und Modelle der Lieferantenbewertung und -auswahl genauer betrachtet. Aufgrund ihrer Vielzahl wird zunächst ein Überblick über die unterschiedlichen Methoden und Modelle zur Lieferantenbewertung und -auswahl gegeben. Im Anschluss werden 4 davon in Bezug auf die in 2.5 hergeleiteten Anforderungen an Lieferanten kritisch betrachtet und verglichen.
Schließlich werden im vierten Kap. die oben beschriebenen Ausführungen zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Global Sourcing und dessen spezielle Anforderungen an Lieferanten
2.1 Überblick
2.2 Der Begriff des Global Sourcings
2.2.1 Entwicklung des Global Sourcings
2.2.2 Das Verständnis des Global Sourcings nach ARNOLD
2.2.3 Das Verständnis des Global Sourcings nach MONCZKA/TRENT
2.2.4 Vergleich der beiden Verständnisse
2.3 Chancen und Risiken des Global Sourcings
2.3.1 Chancen des Global Sourcings
2.3.2 Risiken des Global Sourcings
2.4 Global Sourcing als Bestandteil der Sourcing-Konzepte
2.5 Spezielle Anforderungen des Global Sourcings an Lieferanten
2.5.1 Qualitätsanforderungen
2.5.2 Preisanforderungen
2.5.3 Logistikanforderungen
2.5.4 Kommunikationsanforderungen
2.5.5 Know-how-Anforderungen
2.5.6 Weitere Anforderungen
2.5.6.1 Kooperationsbereitschaft
2.5.6.2 Internationale Erfahrung
3. Untersuchung der vorhandenen Methoden und Modelle der Lieferantenbewertung und -auswahl
3.1 Überblick
3.2 Lieferantenbewertung und -auswahl
3.3 Untersuchung ausgewählter Methoden und Modelle
3.3.1 Überblick über vorhandene Methoden und Modelle
3.3.2 Der Matrix-Approach
3.3.2.1 Darstellung des Modells
3.3.2.2 Untersuchung des Matrix-Approach
3.3.3 Lieferantenbewertung und -auswahl mit Hilfe der Nutzwertanalyse
3.3.3.1 Darstellung der Methode
3.3.3.2 Untersuchung der Nutzwertanalyse
3.3.4 Lieferantenbewertung und -auswahl mit Hilfe des Analytic Hierarchy Process
3.3.4.1 Darstellung der Methode
3.3.4.2 Untersuchung des Analytic Hierarchy Process
3.3.5 Lieferantenbewertung und -auswahl mit Hilfe der Total Cost of Ownership
3.3.5.1 Darstellung der Methode
3.3.5.2 Untersuchung des „Dollar-based Approach“
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Anforderungen herzuleiten, die eine Global-Sourcing-Strategie an Lieferanten stellt, und anschließend verschiedene Methoden zur Lieferantenbewertung und -auswahl kritisch im Hinblick auf diese Anforderungen zu vergleichen und auf Erweiterungsmöglichkeiten zu untersuchen.
- Grundlagen und Definition des Global Sourcings
- Chancen und Risiken internationaler Beschaffungsstrategien
- Ableitung der Anforderungsprofile für Lieferanten (Qualität, Preis, Logistik, Kommunikation, Know-how)
- Vergleichende Analyse von Bewertungsmodellen (Matrix-Approach, Nutzwertanalyse, AHP, Total Cost of Ownership)
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Der Matrix-Approach
Der Matrix-Approach ist ein Modell zur Lieferantenbewertung und -auswahl, das Anfang der 80er-Jahre bei der Firma Texas Instruments entwickelt und von GREGORY im Jahre 1986 veröffentlicht wurde. Dieses Modell ähnelt dem Scoring-Modell sowie dem 100-Punkte-Verfahren und versucht u. a. deren Nachteil der subjektiven Gewichtung durch die Einbeziehung mehrerer Entscheidungsträger weitgehend zu minimieren. Vor der Untersuchung des Matrix-Approaches in Bezug auf die in Abschnitt 2.5 hergeleiteten speziellen Anforderungen des Global Sourcings an Lieferanten, wird im Folgenden dessen Vorgehensweise dargestellt. Dabei werden die fünf im ursprünglichen Modell vorhandenen Hauptbewertungskriterien, inklusive Unterkriterien, durch die besonderen Anforderungen des Global Sourcings ersetzt, da diese ursprünglichen Kriterien nicht speziell auf das Global Sourcing ausgerichtet sind.
Grundlage dieses Modells bildet das so genannte „Sourcing-Worksheet“, in dem zunächst die Hauptkriterien mit ihren jeweiligen Unterkriterien sowie deren Gewichte eingetragen werden. Die Summe der Gewichte der Hauptkriterien muss 100, die Gewichte der jeweiligen Unterkriterien das Gewicht des entsprechenden Hauptkriteriums ergeben. Danach werden die Unterkategorien bewertet, wobei dieser Wert zwischen null und dem Gewicht der jeweiligen Unterkategorie liegen muss und die Beurteilung umso besser ist, je größer der Wert ist. Um eine konsistentes Bewertung zu ermöglichen, sollte die Bedeutung der möglichen Punktwerte für jedes Kriterium genau beschrieben werden. Bei der Bewertung der einzelnen Unterpunkte kommt die bereits oben angesprochene Teambewertung zum Einsatz. Dazu wird das „material team“ gebildet, das sich aus je einer Person aus dem Management der Bereiche Konstruktion, Qualitätssicherung, Produktion und Beschaffung zusammensetzt. Jede dieser Personen bewertet die Unterpunkte für sich alleine. Das geometrische Mittel aller Bewertungen pro Unterpunkt bildet dann dessen endgültige Bewertung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Relevanz des Global Sourcings aufgrund weltwirtschaftlicher Entwicklungen und Erläuterung der Zielsetzung sowie des Aufbaus der Arbeit.
2. Global Sourcing und dessen spezielle Anforderungen an Lieferanten: Definition des Begriffs Global Sourcing, Abwägung von Chancen und Risiken sowie Herleitung von 13 Anforderungskriterien in sechs Kategorien für Lieferanten.
3. Untersuchung der vorhandenen Methoden und Modelle der Lieferantenbewertung und -auswahl: Kritische Analyse und Vergleich von vier ausgewählten Bewertungsmodellen (Matrix-Approach, Nutzwertanalyse, AHP, TCO) hinsichtlich ihrer Eignung für das Global Sourcing.
4. Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse bezüglich der Eignung der untersuchten Bewertungsverfahren unter Berücksichtigung der abgeleiteten Anforderungskriterien.
Schlüsselwörter
Global Sourcing, Lieferantenbewertung, Lieferantenauswahl, Beschaffungsstrategie, Anforderungskriterien, Matrix-Approach, Nutzwertanalyse, Analytic Hierarchy Process, AHP, Total Cost of Ownership, TCO, Materialmanagement, Supply-Management, Lieferantenbeziehung, Strategische Beschaffung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der strategischen Beschaffung im internationalen Kontext (Global Sourcing) und untersucht, wie Lieferanten in diesem komplexen Umfeld methodisch bewertet und ausgewählt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf die Definition und Abgrenzung von Global Sourcing, die Analyse der damit verbundenen speziellen Anforderungen an Lieferanten sowie die kritische Untersuchung mathematischer und qualitativer Bewertungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Anforderungsprofil für Lieferanten im Global Sourcing zu erstellen und zu prüfen, inwieweit etablierte Bewertungs- und Auswahlmethoden (wie AHP oder TCO) diese spezifischen Anforderungen abbilden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor führt eine Literaturrecherche und eine kritische methodische Analyse durch. Dabei werden die ausgewählten Modelle anhand der hergeleiteten Kriterien (z.B. Qualität, Logistik, Know-how) auf ihre Praxistauglichkeit und Defizite geprüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Herleitung der Anforderungen an Lieferanten sowie die detaillierte Darstellung und Untersuchung von vier Modellen: Matrix-Approach, Nutzwertanalyse, Analytic Hierarchy Process (AHP) und Total Cost of Ownership (TCO).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Global Sourcing, Lieferantenbewertung, Nutzwertanalyse, AHP, Total Cost of Ownership, strategisches Beschaffungsmarketing und Anforderungskriterien.
Wie wird das Problem der Subjektivität bei der Lieferantenbewertung adressiert?
Der Autor schlägt zur Reduzierung der Subjektivität die Bildung eines interdisziplinären "Material Teams" vor, das bei Methoden wie dem Matrix-Approach oder dem AHP gemeinsam Gewichtungen vornimmt und Bewertungen diskutiert.
Warum ist die "Total Cost of Ownership" (TCO) relevant für das Global Sourcing?
Die TCO ist besonders relevant, da beim internationalen Einkauf neben dem reinen Preis vielfältige Folgekosten (Logistik, Qualitätssicherung, Zoll, Kommunikation) entstehen, die erst durch eine ganzheitliche Betrachtung über den gesamten Wertschöpfungsprozess sichtbar werden.
- Quote paper
- Dipl.-Kfm. Frank Graf (Author), 2006, Methoden und Modelle der Lieferantenauswahl im Rahmen des Global Sourcings, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/63714