E-Learning ist mit Sicherheit einer der Begriffe, der nicht nur Pädagogen im engeren Sinne, sondern vor allem auch solche Menschen beflügelt hat, die sich einerseits um die Finanzierung von Weiterbildung und andererseits um neue Formen des Lernens in einer globalen, vernetzten Welt Gedanken machen. Schlagworte wie „Wissens- und Informationsgesellschaft“, „transferfähiges und vernetztes Denken“ und „lebenslanges Lernen“ werden da als Herausforderungen genannt, die mit Hilfe von E-Learning angegangen werden sollen. Immer mehr Wissen muss verfügbar sein, und das ständig in der aktuellsten Form, um in der modernen Gesellschaft bestehen zu können. Gerade im Bereich der betrieblichen Weiterbildung scheint es Ansprüche zu geben, die nicht mehr ohne Computer und damit nicht mehr ohne E-Learning zu lösen sind. „Durch verstärkten Wettbewerb und hohe Innovationsraten steigt der gesamtgesellschaftliche Aus- und Weiterbildungsbedarf ständig. Ein zunehmender Teil der Bevölkerung erhält eine qualifizierte Erstausbildung, die durch den schnellen Wandel von Arbeitsinhalten und -werkzeugen immer häufiger durch Weiterbildung ergänzt werden muss. Gleichzeitig sind Firmen und öffentliche Bildungsträger einem massiven Kostenruck ausgesetzt“ (Blumstengel 1998, Abstract). Auf der einen Seite steht also ein ständig wachsender Bildungsbedarf, auf der anderen Seite die Forderung, diesen Bedarf mit immer geringeren finanziellen Mittel bedienen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Die Anfänge von E-Learning
1.2 Evaluation von E-Learning
1.3 Einleitendes zum Begriff „Didaktik“
1.4 Der Begriff „Mikrodidaktik“ als Bezugsrahmen und Arbeitsfeld
1.5 Makrodidaktische Dimensionen als Abgrenzung zum Arbeitsfeld
1.6 Ziel und Nutzen dieser Arbeit
1.7 Notwendigkeit einer Begriffbestimmung
1.7.1 Terminologie
2. Diskussion didaktischer Ansätze unter der Perspektive des E-Learnings
2.1 Offenheit moderner didaktischer Theorien – offene Systeme
2.2 Die bildungstheoretische Didaktik im Rahmen kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft
2.2.1 Die (gesellschafts-)kritische Seite
2.2.2 Die planmäßig – inhaltliche Seite
2.2.3 Die methodische Seite
2.2.4 Zusammenfassung
2.3 Lerntheoretische Didaktik
2.3.1 Das Berliner Modell nach Heimann
2.3.2 Das Hamburger Modell nach Schulz
2.3.3 Zusammenfassung
2.4 Der informationstheoretische Ansatz
2.4.1 Programmierte Instruktion
2.4.2 Die kybernetische Didaktik von Felix von Cube
2.4.3 Zusammenfassung
2.5 Konstruktivistische Didaktik
2.5.1 Wissenserwerb
2.5.2 Anforderungen an E-Learning im Rahmen der situierten Kognition
2.5.3 Weitere konstruktivistisch orientierte Dimensionen
2.5.4 Zusammenfassung
2.6 Rückblick auf klassische Ansätze
3. Bestehende Modelle
3.1 Klassifikation durch Würfelmodelle
3.1.1 Control/Engagement/Synthesis
3.1.2 Heuristisches Modell zur Softwarebewertung
3.2 Kriterienkataloge
3.2.1 Erweiterte Prüfliste für Lernsysteme (EPL)
3.2.2 QGS-Verfahren
3.3 A Framework for Pedagogical Evaluation of Virtual Learning Environments
3.3.1 Conversational Framework
3.3.2 Überblick über die didaktischen Dimensionen
3.3.3 Viable Systems Model
3.3.4 Überblick über die didaktischen Dimensionen
3.3.5 Zusammenfassung
3.4 Rückblick auf bestehende Modelle
4. Sammlung der diskutierten Dimensionen
4.1 Ziele
4.2 Inhalte und Thema
4.3 Zielgruppe
4.4 Kosten
4.4.1 Kontrolle
4.5 Methode
4.5.1 Aufgaben/Übungen(/Tests)
4.5.2 Kommunikation
4.5.3 Kollaboration
4.5.4 Gestaltung
4.5.5 Control
4.5.6 Dozent
4.5.7 Situation
4.6 Zusammenfassung
5. Verhältnisse und Abhängigkeiten der Dimensionen
5.1 Eingansdimensionen
5.2 Zentrale Dimension „Methode“ und ihre Unterdimensionen
6. Ausblick
6.1 Grenzen von E-Learning
6.2 Blended Learning als Erweiterung
7. Resümee
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, innerhalb des mikrodidaktischen Bereichs relevante didaktische Dimensionen zu identifizieren, die bei der pädagogischen Gestaltung und Beurteilung von E-Learning-Programmen als Instrumente dienen können. Die Forschungsarbeit setzt sich kritisch mit bestehenden didaktischen Ansätzen auseinander, um diese für die spezifischen Erfordernisse des E-Learnings zu übersetzen und ein theoretisches Fundament für deren Einordnung zu schaffen.
- Analyse klassischer didaktischer Theorien hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf E-Learning
- Untersuchung bestehender Modelle und Kriterienkataloge zur Evaluation von Lernsoftware
- Erarbeitung zentraler didaktischer Dimensionen wie Ziele, Inhalte, Methoden, Zielgruppe und Kosten
- Diskussion von Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den identifizierten Dimensionen
- Erörterung weiterführender Konzepte wie Blended Learning als Antwort auf die systemimmanenten Grenzen des E-Learnings
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Anfänge von E-Learning
Anfangs schien es, E-Learning könnte diese Forderung erfüllen, da es just-in-time (vgl. Schenkel u. a. 2000, 7) eingesetzt werden kann, da die Kosten für Trainer und Weiterbildner weitgehend reduziert werden, da Teilnehmer orts- und zeitunabhängig neben ihrer Arbeitstätigkeit selbstständig, selbstorganisiert und selbstgesteuert lernen und da es sich mit E-Learning grundsätzlich einfacher und schneller lernen lassen sollte. Unter anderen diente der letztgenannte Punkt als Argument dafür, E-Learning auch generell, außerhalb der betrieblichen Weiterbildung zu etablieren, um den Teilnehmern eben dieses einfache und schnelle Lernen zu ermöglichen. An unkritischen Aufzählungen von Vorteilen von E-Learning mangelt es auch im Jahr 2000 nicht (vgl. beispielsweise Fischer in: Reglin 2000, 211f). Das neuentdeckte Medium „Computer“ sollte per se das Lernen revolutionieren, und eine Zeit lang schien, als ob der Computer tatsächlich traditionelle Konzepte des Lernens verdrängen könnte. Mittlerweile ist man zu der Einsicht gelangt, dass allein ein neues Medium, selbst wenn es als das „Neue Medium“ bezeichnet wird, keine „Innovationen oder gar Revolutionen in der Bildungsarbeit auszulösen“ (Kerres 2001, 11) vermag. „Die Medieneuphorie ist eher realistischen Kosten-Nutzen-Erwägungen gewichen. Es interessiert heute, für welche Inhalte das netzgestützte Lernen eher geeignet ist, ob damit bestimmte Zielgruppen besonders gut angesprochen werden können oder quasi im Gegenzug möglicherweise auch bestimmte Zielgruppen an der Teilnahme an lebenslangem Lernen eher ausgeschlossen werden“ (Meisel in: Apel/Kraft 2003, 5). Es ist also so, dass sich E-Learning einer kritischen Beleuchtung unterziehen muss, in der erkennbar werden soll, wozu es sich besser eignet als konventionelle Methoden, wo also der „pädagogische Mehrwert“ (a.a.O.) liegt, der durch den Einsatz von E-Learning verfügbar gemacht wird. E-Learning um des E-Learnings Willen stellt eine verfehlte Technikgläubigkeit dar, die unter Umständen mehr kostet und weniger Nutzen bringt als der Einsatz eines Präsenzseminars oder anderer Lehrformen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von E-Learning in der heutigen Informationsgesellschaft ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, didaktische Dimensionen als Beurteilungsinstrumente zu entwickeln.
2. Diskussion didaktischer Ansätze unter der Perspektive des E-Learnings: Die verschiedenen didaktischen Strömungen werden kritisch auf ihre Nutzbarmachung für E-Learning analysiert, um grundlegende Strukturmomente der Unterrichtsplanung abzuleiten.
3. Bestehende Modelle: Dieses Kapitel prüft vorhandene Würfelmodelle und Kriterienkataloge auf ihren didaktischen Gehalt und ihre Eignung zur Qualitätsevaluation von E-Learning.
4. Sammlung der diskutierten Dimensionen: Die zentralen Dimensionen wie Ziele, Inhalte, Methoden und Kosten werden zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Gestaltung und Beurteilung von E-Learning erläutert.
5. Verhältnisse und Abhängigkeiten der Dimensionen: Es wird versucht, die erarbeiteten Dimensionen in eine logische Struktur zu bringen, um die wechselseitigen Abhängigkeiten und notwendigen Bedingungen innerhalb der E-Learning-Konzeption aufzuzeigen.
6. Ausblick: Hier werden die Grenzen des reinen E-Learnings thematisiert und das Konzept des Blended Learning als komplementäre Erweiterung vorgestellt.
7. Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, E-Learning auf einer fundierten didaktischen Basis zu planen.
Schlüsselwörter
E-Learning, Didaktik, Mikrodidaktik, Unterrichtsplanung, pädagogischer Mehrwert, Evaluation, Kriterienkatalog, Lerntheoretische Didaktik, Konstruktivismus, situierte Kognition, Blended Learning, Medien, Vermittlung, Lernumgebung, Lernstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung didaktischer Dimensionen, die als Instrumente zur Einordnung und Beurteilung von E-Learning-Programmen dienen sollen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind didaktische Theorien, Modelle zur Evaluation von Lernsoftware, die Strukturierung von E-Learning-Konzepten sowie die Verhältnisse und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen didaktischen Faktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus einer didaktischen Perspektive ein theoretisches Gerüst zu schaffen, mit dem E-Learning-Angebote professionell gestaltet, eingeordnet und evaluiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse und Diskussion bestehender didaktischer Ansätze und Evaluationsmodelle durch, um diese für das spezifische Feld des E-Learnings zu systematisieren und weiterzuentwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden klassische didaktische Ansätze (bildungstheoretisch, lerntheoretisch, informationstheoretisch, konstruktivistisch) untersucht, bestehende Bewertungsmodelle analysiert und eine Sammlung didaktischer Dimensionen für E-Learning abgeleitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie E-Learning, Didaktik, Mikrodidaktik, Evaluation, konstruktivistische Didaktik und didaktische Dimensionen charakterisiert.
Warum wird der Begriff „Mikrodidaktik“ gewählt?
Der Begriff dient der analytischen Abgrenzung des Arbeitsfeldes, um Entscheidungen auf der Ebene der konkreten Lehr-Lernsituationen zu fokussieren und die theoretische Diskussion der didaktischen Dimensionen handhabbar zu begrenzen.
Welche Rolle spielen die „Kosten“ in diesem didaktischen Kontext?
Kosten werden als didaktische Dimension verstanden, da ökonomische Rahmenbedingungen bei der Konzeption und Durchführung von E-Learning unmittelbare Auswirkungen auf die methodische Gestaltung und die Qualität des Lernangebots haben.
Warum wird Blended Learning als Ausblick behandelt?
Das Blended Learning wird als Lösung für die systemimmanenten Grenzen des rein computerbasierten Lernens vorgeschlagen, insbesondere wenn motorische Lernziele oder komplexe soziale Situationen gefordert sind, die E-Learning allein nicht abdecken kann.
- Quote paper
- Diplom-Pädagoge Mirco Sander (Author), 2003, Didaktische Dimensionen als Instrumente der Einordnung und Beurteilung von E-Learning-Programmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/62168