Diese Arbeit setzt sich mit der Frauenbewegung in Irland und ihrer Verbindung zur Presse auseinander. In den 1970er Jahren bilden sich in der Republik erste feministische Vereinigungen, die stark mit den Medien zusammenarbeiten. Ich werde mich dabei auf eine spezielle Organisation und ein spezielles Medium beschränken. Ich möchte untersuchen, wie stark die feministische Bewegung Irish Women’s Liberation Movement (IWLM)mit der renommierten nationalen Tageszeitung The Irish Times zusammenarbeitet. Mein Fokus liegt dabei zunächst auf der inhaltlichen Ebene. Ich möchte zeigen, welche Themengebiete und Forderungen des IWLM die Irish Times aufgreift und wie sie dazu Stellung bezieht. Für diese Fragen ist die Ende der 60er Jahre eingeführte Women First,eine Seite der Irish Times speziell für Frauen, besonders wichtig. Ich beschreibe in Punkt 2 zunächst die Situation der irischen Frauen zu der betrachteten Zeit, um anschließend die Forderungen und Ideale des IWLM dazu in Kontrast zu setzen. Ich zitiere in Kapitel 3 aus Artikeln der Irish Times und setze dann die Passagen in Zusammenhang mit dem Feminismus. Dabei gebe ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der Zeitung (3.1) und die des Frauenjournalismus. Mein Schwerpunkt liegt auf den Inhalten insbesondere der Women First und deren Übereinstimmung mit der feministischen Ideologie.
Das vierte Kapitel untersucht die Beziehung der Irish Times zum IWLM auf eine theoretische Weise. Ich stelle zunächst eine Theorie zum Verhältnis von sozialen Bewegungen und Medien allgemein dar. Darauf folgt eine Prüfung dieser Theorie auf das hier betrachtete Beispiel IWLM und Irish Times.Dazu zeige ich, was die Literatur über das Verhältnis schreibt.
Später formuliere ich eigene Ansichten zu zwei Themengebieten. Von besonderem Interesse erscheint mir, eine Erklärung der starken Medienpräsenz des IWLM zu finden, wie sie in Kapitel 4.2 beschrieben wird. Dies zeige ich im Anschluss daran an einem Beispiel.
Die verwendete Literatur gibt an keiner Stelle eine genaue Auskunft darüber, aus welchem Motiv die Irish Times über das IWLM berichtet. Im allgemein gehaltenen Punkt 4.1 werden mögliche Motive für die Berichterstattung angeführt. Diese werde ich in Punkt 4.4 auf das hier betrachtete Beispiel prüfen und darüber hinaus eigene Überlegungen zu den Motiven äußern.
Abschließend fasse ich meine Ergebnisse in einem Fazit zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frauen in Irland
2.1 Die Frauenbewegung
2.1.1 Das Irish Women’s Liberation Movement
3. Feministische Themen in der Irish Times
3.1 Die Irish Times
3.2 Der traditionelle Frauenjournalismus
3.3 Die Entstehung der Women First
3.4 Die Themen der Women First
3.4. 1 Traditionelle Frauenthemen
3.4.2 Mutterschaft
3.4.3 Verhütung und Abtreibung
3.4.4 Nordirland
3.4.5 Die Frauenbewegung
3.5 Das Ende der Women First
4. Die funktionelle Beziehung des IWLM zur Irish Times
4.1 Soziale Bewegungen und Medien
4.1.1 Der Nutzen der Medien für die Bewegung
4.1.2 Der Nutzen der Bewegung für die Medien
4.2 Das IWLM und die Irish Times
4.2.1 Die Zusammenarbeit des IWLM mit der Irish Times
4.2.2 Wie das IWLM die Aufmerksamkeit der Medien gewinnt
4.2.3 Warum die Irish Times über das IWLM berichtete
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wechselseitige Beziehung zwischen der irischen feministischen Bewegung Irish Women's Liberation Movement (IWLM) und der Tageszeitung The Irish Times in den 1970er Jahren. Dabei wird analysiert, wie das IWLM durch eine strategische Medienarbeit eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit erreichte und inwiefern die Irish Times, insbesondere durch ihre Frauenseite Women First, feministische Themen aufgriff und zur Verbreitung dieser Ideologie beitrug.
- Die gesellschaftliche und rechtliche Situation irischer Frauen vor den 1970er Jahren.
- Die Rolle der Irish Times und ihrer Frauenseite Women First bei der Thematisierung feministischer Forderungen.
- Die strategische Nutzung von Medien durch das IWLM zur Mobilisierung und Zielerreichung.
- Die funktionelle Analyse des Zusammenspiels zwischen sozialen Bewegungen und etablierten Medien.
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Mutterschaft
Für die Journalistinnen der Women First gehören feministische Themen und Ideen zur Tagesordnung. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf das Thema Mutterschaft. So äußert sich 1971 Noel Browne auf der Women First. Seine Ansicht muss in einer Gesellschaft, in der jede Art von Verhütung verboten und in der Familien mit zehn oder zwölf Kindern nichts Ungewöhnliches sind als sehr kontrovers betrachtet werden:
Our sentimental notion of motherhood is a man-made myth. There are hundreds of women who shouldn’t have children, who would be better off and do better work as scientists or writers or whatever they wanted to be. Now that the Pill is here, conception is a deliberate choice, and a woman who takes this choice should take it as deliberately as the one who decides to be a nuclear physicist, and prepare for it with the same dedication. (zitiert in Gillespie 2004: 65)
Zwei Jahre später beleuchtet Mary Maher in ihrem Artikel Baby Factories die Diskriminierung, die unverheiratete Mütter bei Geburten in Krankenhäusern erfahren. Eine Frau sei in einem fensterlosen Raum untergebracht worden, man habe ihr jegliche Hilfe bei der Geburt verweigert. Nach der Geburt habe man der Frau sogar ihr eigenes Kind vorenthalten. (zitiert in Gillespie 2004: 71) Eine andere Unverheiratete beschreibt die Geburt ihres Kindes folgendermaßen: “It was a struggle between me and the nurse.” (zitiert in Gillespie 2004: 72)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das Ziel, die Zusammenarbeit zwischen dem IWLM und der Irish Times sowie den methodischen Ansatz zu untersuchen.
2. Frauen in Irland: Dieses Kapitel skizziert die prekäre soziale und rechtliche Lage irischer Frauen vor den 1970er Jahren, geprägt durch kirchliche und staatliche Restriktionen.
3. Feministische Themen in der Irish Times: Der Fokus liegt auf der Analyse der Frauenseite Women First als Forum für feministische Debatten und deren Übereinstimmung mit der Ideologie des IWLM.
4. Die funktionelle Beziehung des IWLM zur Irish Times: Hier wird das Verhältnis zwischen sozialen Bewegungen und Medien theoretisch fundiert und anhand der konkreten Zusammenarbeit zwischen dem IWLM und der Irish Times geprüft.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Irish Times durch die progressive Berichterstattung eine maßgebliche Rolle für die Entwicklung der Frauenbewegung in Irland spielte.
Schlüsselwörter
Frauenbewegung, IWLM, Irish Times, Women First, Journalismus, Feminismus, Irland, Medien, Mutterschaft, Verhütung, Abtreibung, soziale Bewegungen, Medienpräsenz, Gender, 1970er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem feministischen Irish Women's Liberation Movement (IWLM) und der irischen Tageszeitung The Irish Times während der 1970er Jahre.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentral sind die Berichterstattung über Frauenrechte, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, kritische Themen wie Verhütung und Abtreibung sowie die strategische Mediennutzung durch feministische Aktivistinnen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, wie stark das IWLM mit der Irish Times zusammenarbeitete und wie die Zeitung zur Verbreitung feministischer Ideologien in Irland beitrug.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine inhaltliche Analyse der Zeitungsberichterstattung sowie eine Prüfung theoretischer Ansätze über das Verhältnis von sozialen Bewegungen und Medien im Kontext der irischen Geschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der irischen Situation der Frauen, die inhaltliche Analyse der Women First-Seite sowie die theoretische und praktische Untersuchung der Medien-Bewegungs-Beziehung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Frauenbewegung, IWLM, Irish Times, Women First, Feminismus und Mediennutzung.
Wie wichtig war die Rolle der Journalistinnen beim IWLM?
Die Rolle war zentral, da viele Gründungsmitglieder des IWLM selbst als Journalistinnen arbeiteten und dadurch direkten Zugang zu den Medien hatten, was die öffentliche Wahrnehmung der Bewegung garantierte.
Warum wurde die Seite "Women First" in der "Irish Times" letztlich eingestellt?
Die Seite wurde 1974 eingestellt, weil feministische Themen durch den Erfolg der Bewegung Teil des allgemeinen öffentlichen Interesses wurden und nicht mehr auf eine gesonderte "Frauenseite" begrenzt werden mussten.
Wie unterscheidet sich die "Irish Times" von konservativen Blättern im untersuchten Zeitraum?
Die Irish Times war historisch eher liberal und protestantisch geprägt, wodurch sie im Gegensatz zu konservativen, katholisch orientierten Medien eher bereit war, gesellschaftliche Tabus und feministische Positionen kritisch zu hinterfragen.
- Arbeit zitieren
- Frauke Schulz (Autor:in), 2005, Die Rolle der Irish Times für die irische Frauenbewegung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/61555