Als Ausgangspunkt der Arbeit dient eine Analyse des Kommunikationsraums Europa aus historisch-geographischer und sozialer Perspektive. Seit Jahrhunderten finden auf unserem Kontinent einmalige Entwicklungen statt, von denen manche im Laufe der Zeit die ganze Welt veränderten. Die europäischen Länder ergänzten und beeinflussten sich auch in kommunikativer Hinsicht, und das, obwohl es in Europa auf relativ engem Raum so viele kulturelle und sprachliche Unterschiede gab und gibt wie in kaum einem anderen Teil der Welt.
Auf die alles entscheidende Frage nach der Existenz einer europäischen Öffentlichkeit werden im dritten Kapitel zunächst verschiedene Antworten von Wissenschaftlern und Experten vorgestellt. Es folgen eine Klärung des Begriffs und der Beweis, dass die Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit unerlässlich für den Erfolg der Europäischen Union ist. Welche Probleme dabei existieren und wie man einige dieser Probleme lösen kann, wird ebenfalls beschrieben. Im vierten Kapitel werden die Besonderheiten des Internet beleuchtet. Wie können diese zur Optimierung der Online-Publikationen und damit zur Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit beitragen? Eine Bestandsanalyse des europäischen Online-Journalismus listet die wichtigsten Online-Publikationen mit Europabezug auf. Hierzu wurden die Informationen auf den jeweiligen Websites verwendet. Zusätzliche E-Mail-Anfragen lieferten nicht das gewünschte Ergebnis. Der Fokus richtet sich im fünften Kapitel auf eine der wichtigsten deutschsprachigen Publikationen (europa-digital), beziehungsweise deutschsprachige Teile mehrsprachiger Publikationen (cafébabel, Europolitan)mit europäischem Fokus. Alle Websites sind politisch unabhängig von der EU und arbeiten nach journalistischen Prinzipien. Als Grundlage für die Analyse dienen Leitfadengespräche, die mit Verantwortlichen der drei Publikationen geführt wurden. Im Leitfaden sind auch Fragen enthalten, die sich auf die europäische Öffentlichkeit und das Medium Internet beziehen, sodass die Ergebnisse aus den Interviews auch in den entsprechenden Kapiteln verwendet werden konnten. Abschließend werden im sechsten Kapitel Bausteine zur Konzipierung einer europäischen Online-Publikation geliefert. Die vorherige Untersuchung der bestehenden Publikationen sowie die Leitfadengespräche liefern die Basis für die dort vorgeschlagenen Maßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thema
1.2. Vorgehen und Struktur
2. Kommunikationsraum Europa
2.1. Historisch-geographische Perspektive
2.2. Soziale Perspektive
2.3. Fazit
3. Europäische Öffentlichkeit
3.1. Die Gretchenfrage nach der Existenz europäischer Öffentlichkeit
3.2. Begriffsklärung
3.3. Notwendigkeit einer europäischen Öffentlichkeit
3.3.1. Das Demokratiedefizit der Europäischen Union
3.3.2. Der Legitimitätsbedarf der Europäischen Union
3.3.3. Politische Identität in der Europäischen Union
3.3.4. Defizite bei der EU-Berichterstattung
3.4. Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit: Probleme und Lösungen
3.4.1. Das Problem der Sprachenvielfalt
3.4.2. Der Problemfaktor „Europäische Union“
3.4.3. Die Rolle der Verfassung
3.4.4. Medien und EU-Öffentlichkeitsarbeit als Problemfaktoren
3.4.5. Aktionsplan Kommunikation
3.5. Fazit
4. Medium Internet und europäischer Online-Journalismus
4.1. Besonderheiten des Mediums und daraus resultierende Möglichkeiten
4.2. Bestandsaufnahme des europäischen Online-Journalismus
4.2.1. EurActiv
4.2.2. EUobserver
4.2.3. Eurozine
4.2.4. Newropeans Magazine
4.2.5. Transitions Online
4.2.6. Visegrád.info
4.2.7. EuropeanVoice
4.2.8. EU-Digest
4.2.9. Euro-Correspondent
4.2.10. Euronews
4.2.11. Weitere Online-Publikationen
4.3. Fazit
5. Ausgewählte Online-Publikationen
5.1. europa-digital
5.2. café babel
5.3. Europolitan
5.4. Fazit
6. Vorschläge für die ideale europäische Online-Publikation
6.1. Redaktion und Organisation
6.2. Markenstrategie
6.3. Finanzierung
6.4. Mehrsprachigkeit
6.5. Inhalte
6.6. Multimedialität
6.7. Interaktivität
6.8. Intermedialität
6.9. Öffentlichkeitsarbeit
6.10. Fazit
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle des europäischen Online-Journalismus bei der Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob und wie das Internet dazu beitragen kann, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden, um eine grenzüberschreitende europäische Kommunikation zu fördern und damit das Demokratiedefizit der EU abzumildern.
- Analyse des Kommunikationsraums Europa unter historisch-geographischen und sozialen Aspekten.
- Untersuchung der Notwendigkeit und der Defizite einer europäischen Öffentlichkeit.
- Bestandsaufnahme und qualitative Analyse bestehender europäischer Online-Publikationen.
- Entwicklung eines Konzepts für eine ideale europäische Online-Publikation.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Gretchenfrage nach der Existenz europäischer Öffentlichkeit
Gibt es bereits eine europäische Öffentlichkeit? Wenn ja, wie sieht diese aus? Oder, falls nicht, wie müsste sie aussehen?
„Mit der Frage nach der Existenz oder Nicht-Existenz einer europäischen Öffentlichkeit ist relativ wenig gewonnen, da man je nach Definition das eine wie das andere begründen könnte, ohne damit der Komplexität des Phänomens Rechnung zu tragen (Requate, Schulze-Wessel 2002: 37).
Requate und Schulze-Wessel haben Recht: Die Frage nach der Existenz einer europäischen Öffentlichkeit wird von Wissenschaftlern und Experten zum Teil sehr unterschiedlich beantwortet. Eine Auswahl von Meinungen soll dies zunächst belegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Thema, die Relevanz einer europäischen Öffentlichkeit für die EU und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2. Kommunikationsraum Europa: Analysiert Europa als historisch gewachsenen, komplexen Kommunikationsraum und untersucht die Auswirkungen von Nationalstaaten auf die Kommunikation.
3. Europäische Öffentlichkeit: Beleuchtet die theoretische Existenz einer europäischen Öffentlichkeit, deren Notwendigkeit angesichts demokratischer Defizite sowie die Hemmnisse bei ihrer Entstehung.
4. Medium Internet und europäischer Online-Journalismus: Untersucht die Potenziale des Internets für den Journalismus und führt eine Bestandsaufnahme relevanter europäischer Online-Publikationen durch.
5. Ausgewählte Online-Publikationen: Analysiert vertiefend drei spezifische Publikationen (europa-digital, café babel, Europolitan) mittels Leitfadengesprächen.
6. Vorschläge für die ideale europäische Online-Publikation: Leitet auf Basis der Analyse konkrete Empfehlungen für eine erfolgreiche europäische Online-Publikation ab.
7. Fazit und Ausblick: Fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung europäischer Öffentlichkeit und Medien.
Schlüsselwörter
Europäische Öffentlichkeit, Online-Journalismus, Europäische Union, Kommunikationsraum, Demokratiedefizit, Politische Identität, Internet, Medien, Transnational, Mehrsprachigkeit, Bürgerbeteiligung, Europa, Medienwissenschaft, Kommunikation, Integrationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle der Online-Journalismus bei der Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit spielen kann, um die Distanz zwischen den EU-Institutionen und den Bürgern zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des europäischen Kommunikationsraums, die theoretische Debatte um eine europäische Öffentlichkeit, die Analyse des Online-Journalismus sowie Konzepte zur Förderung europäischer Partizipation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, wie europäische Online-Angebote dazu beitragen können, eine europäische Identität zu stiften und die politische Teilhabe der Bürger über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur sowie eine empirische Bestandsanalyse und Leitfadengespräche mit Verantwortlichen führender europäischer Online-Publikationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der europäischen Öffentlichkeit, eine Untersuchung der Besonderheiten des Internets für diesen Zweck und eine detaillierte Fallstudie zu ausgewählten europäischen Online-Magazinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind europäische Öffentlichkeit, Online-Journalismus, Demokratiedefizit der EU, europäische Identität, Internet, Partizipation und transnationale Kommunikation.
Warum ist das "Demokratiedefizit" ein zentraler Begriff in dieser Arbeit?
Das Demokratiedefizit wird als wesentlicher Grund für das Fehlen einer funktionierenden europäischen Öffentlichkeit identifiziert, da Bürger sich mit der EU kaum identifizieren können und wenig Einfluss auf Entscheidungen sehen.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit?
Sprachenvielfalt wird als große Hürde betrachtet; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass Medien durch Mehrsprachigkeit und Übersetzung als Brücken fungieren können, um transnationale Debatten zu ermöglichen.
Was ist das Ergebnis der Analyse der drei ausgewählten Online-Publikationen?
Die Analyse ergibt, dass europa-digital, café babel und Europolitan zwar wichtige Pioniere sind, ihre Reichweite jedoch bisher zu gering ist, um eine echte europäische Massenöffentlichkeit zu etablieren.
- Quote paper
- Pascal Deter (Author), 2005, Die Rolle des Online-Journalismus bei der Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/61312