Im Seminar über das Medizinmannwesen Südamerikas war auffallend, daß in der Mehrzahl von Medizinmännern die Rede war. Eine Ausnahme liefert hier die Kultur der Mapuche oder Araukaner, die zwar auch Medizinmänner kennen, jedoch hauptsächlich Medizinfrauen, sogenannte Machis, vorweisen können.
Diese Besonderheit soll hier dargestellt werden.
Aus mehreren Quellen wurde ersichtlich, daß früher homosexuelle Männer das Amt der Machi ausgeübt hatten, bevor es dazu kam, daß heute hauptsächlich Frauen Machis sind.
Ich möchte untersuchen, ob dieser Bruch in Zusammenhang mit der Entwicklung von der kriegerischen Jäger- und Sammlergesellschaft zur ackerbautreibenden Gesellschaft stehen kann und ob die spanische Besatzung und die damit verbundenen Kriege ebenfalls zu einer Änderung in der Geisteshaltung der Mapuche beigetragen hat.
Mir ist natürlich klar, daß dies in einer Seminararbeit im ersten Semester nur angerissen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Allgemeiner Überblick zu den Mapuche
1.) Siedlungsgebiet und Klima
2.) Geschichte
3.) Lebensgrundlage: Waffen, Wohnung, Nahrung
4.) Soziale Organisation und Familie
5.) Die religiösen Vorstellungen der Mapuche
Am und Pellü
III. Die Machi
1.) Die Machi bei den Mapuche
a.) Wie man zur Machi wird
b.) Rituelle Gegenstände und Musikinstrumente mit speziellem Fokus auf die Kultrun-Trommel
2.) Die Kultrun in Heilungszeremonien
3.) Das Nguillatun-Fest
4.) auf Spurensuche
a.) die Machi in Zeiten der Conquistadores
b.) die Machi heute
IV. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel des Machi-Amtes bei den Mapuche in Chile, wobei insbesondere der Übergang von einem durch homosexuelle Männer ausgeübten Amt zu einer primär von Frauen besetzten Rolle beleuchtet wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf den Einfluss gesellschaftlicher Umbrüche, der spanischen Kolonialisierung und der Missionierung auf die Geschlechterrollen und die spirituelle Praxis der Mapuche.
- Historische Entwicklung der Mapuche-Gesellschaft
- Transformation und Wandel der Geschlechterrollen
- Die spirituelle und gesellschaftliche Bedeutung der Machi
- Einfluss der spanischen Besatzung und Kolonialpolitik
- Religiöse Praktiken, Heilungszeremonien und Ritualgegenstände
Auszug aus dem Buch
III. Die Machi
„Als Machi bezeichnen die Mapuche Heiler und Seher, ihre Mittler zwischen den Menschen und den höheren Mächten. ... Auch als Medizinmänner, Schamanen oder Curandero bezeichnet.“ (Hartmann.1974:65)
Anlagen zur Machi offenbaren sich bereits dem Kind oder der Familie im Traum. Waren es früher Männer in Frauenkleidung, so wurden es ab dem 19. J.h. hauptsächlich Frauen, die den Beruf der Machi ausübten. Früher mußten die Machi den Tod und dessen Art feststellen, der nie natürlich sondern entweder durch Kampf- oder Geistereinwirkung eingetreten war.(Brech.1985:6) Heute heilen sie Krankheiten. Krankheiten können durch Geister oder Hexen verursacht werden. Es gibt Tiergeister, die die Seele durch Blutsaugen rauben, als menschliche Wesen mit tierischen Attributen oder Naturphänomene gedacht.
„Männl. od weibl. Schamane, Machi besaß eine wichtige Funktion im kultischen Leben. Neben einem höchsten Wesen als Allschöpfer, Nenechen, existierte u. a. eine Gottheit, die für Naturkatastrophen und Epidemien verantwortlich gemacht wurde, Pellau.“ (Hartmann.1974:25)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und der Forschungsabsicht bezüglich des Wandels des Machi-Amtes bei den Mapuche.
II. Allgemeiner Überblick zu den Mapuche: Beschreibung von Siedlungsgebiet, historischer Entwicklung, Lebensgrundlagen, Sozialstruktur und religiösen Vorstellungen.
III. Die Machi: Detaillierte Untersuchung des Heilwesens, der Berufung, der Hilfsmittel, der Zeremonien sowie der historischen Veränderungen der Geschlechterrollen im Machi-Amt.
IV. Schluß: Zusammenfassung der Ergebnisse, die den Wandel auf den starken Einfluss der spanischen Kolonialisierung und Missionierung zurückführen.
Schlüsselwörter
Mapuche, Machi, Chile, Schamanismus, Geschlechterrollen, Kolonialismus, Heilungszeremonien, Kultrun, Nguillatun, Transgender, Spiritualität, Sozialstruktur, Missionierung, Araukaner, Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle und Entwicklung des Machi-Amtes (Heiler/Seher) bei den Mapuche in Chile, insbesondere vor dem Hintergrund historischer Transformationsprozesse.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die soziale Organisation der Mapuche, religiöse Vorstellungen, Heilungsrituale und die Auswirkungen kolonialer Einflüsse auf die Gender-Identität der Machi.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, warum sich das Machi-Amt von einer ursprünglich männlich dominierten Rolle (mit homosexuellen Männern) hin zu einer heute fast ausschließlich weiblichen Profession gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ethnologischer Quellen und historischer Berichte, um sozio-kulturelle Veränderungen nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen Überblick zu den Mapuche, eine ausführliche Untersuchung der Machi-Funktionen, der Bedeutung von Ritualgegenständen sowie der historischen Genese des Wandels durch Fremdeinwirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Mapuche, Machi, Schamanismus, Gender-Wandel, Kolonialismus und spirituelle Praxis charakterisiert.
Was ist die Kultrun und welche Bedeutung hat sie?
Die Kultrun ist die Schamanentrommel der Machi, die nicht nur als Musikinstrument dient, sondern auch eine Rassel ist und in Heilungszeremonien zur Tranceinduktion sowie als symbolisches Abbild der Mapuche-Kosmologie fungiert.
Wie vollzog sich laut der Arbeit der Wandel des Machi-Amtes?
Der Wandel wird durch die spanische Besatzung, die Missionierung und den sozioökonomischen Übergang zur sesshaften Landwirtschaft erklärt, wobei die koloniale Ablehnung geschlechtsvarianter Identitäten zur Verdrängung der transgenderten Machi führte.
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- Lisa Klotz (Author), 2003, Die Machi bei den Mapuche in Chile, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/60665