Die „Creative Economy“
Ist das ein Wirtschaftssystem, das Privilegien für besonders kreative Köpfe einräumt? Oder ist damit vielleicht gemeint, dass wer in der Wirtschaft aktiv ist, Kreativitätstechniken anwenden soll, um die Produktivität beispielsweise eines Unternehmens zu steigern?
Diese Ideen sind wohl auch interessante Ansätze, sind aber in der vorliegenden Betrachtung nicht gemeint, wenn es um den Begriff der „Creative Economy“ geht.
Die „Creative Economy“ ist hier nicht zu verstehen als kreative Wirtschaft, sondern als Wirtschaft der Kreativen. Es geht darum, zu hinterfragen, welchen Status der so genannte Dritte Sektor, also der Kunst- und Kultursektor, im gesamtwirtschaftlichen Komplex innehat.
Zunächst richten wir den Blick auf eine Studie aus dem Jahre 1988, die unter der Leitung des Ifo-Institutes München der Frage nachgegangen ist, welche volkswirtschaftliche Bedeutung Kunst und Kultur haben. Hier werden Fragen beantwortet, wie zum Bsp.: Welche Berufe fallen überhaupt in den Kunst- und Kultursektor und welche Beschäftigungs- bzw. Einkommensverhältnisse liegen vor? Wird Kunst und Kultur einzig vom Staat gefördert? Und als zentrale Frage: Sollte der Staat seine Zuschüsse nicht eher erhöhen als die Förderungen für Kunst und Kultur zu drosseln? Diesen und weiteren Fragen stellt sich die Studie und liefert erstaunliche Ergebnisse.
Weiter wird die Arbeit der Spur nachgehen, woher der Begriff der „Creative Economy“ eigentlich kommt und wie sein Urheber ihn begründet. In diesem Zusammenhang werden zwei Texte des amerikanischen Forschers Richard Florida analysiert. Nach diesem Exkurs in die USA, geht es wieder zurück nach Europa und der Blick richtet sich auf Großbritannien. In einem ersten Schritt soll ein kurzer Text von Angela McRobbie vorgestellt werden, der das Konzept der so genannten „Talentbasierten Wirtschaft“ vorstellt und damit eine neue Dimension eröffnet von dem, was es heißt, eine „Creative Economy“ zu sein. Am Schluss der Darstellung steht ein konkretes Projekt aus der Praxis namens „Acting up“, das sich zum Ziel gesetzt hat arbeitslose Jugendliche aus Liverpool über den Weg der Kunst und des kreativen Schaffens auf den Berufseinstieg vorzubereiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kultur und Staat – Gegner oder Partner?
3. The „creative class“- “Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race.”
4. Die „creative class“- Ein internationaler Konkurrenzkampf?
5. Die „talentbasierte Wirtschaft“ – Ein britisches Beschäftigungskonzept
6. Arbeitslosigkeit – Kunst – Berufseinstieg? – Das Liverpool Projekt
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den ökonomischen Status und das gesellschaftliche Potenzial von Kunst und Kultur, um zu hinterfragen, welche Rolle diese Bereiche innerhalb der modernen Wirtschaft einnehmen und wie sie zur beruflichen sowie persönlichen Entwicklung, insbesondere von benachteiligten Jugendlichen, beitragen können.
- Volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur
- Konzept der „Creative Class“ nach Richard Florida
- „Talentbasierte Wirtschaft“ als britisches Modell
- Soziale und ökonomische Auswirkungen kreativer Förderung
- Praxisbeispiele der Integration durch kulturelle Projekte
Auszug aus dem Buch
The „creative class“- “Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race.”
Richard Florida ist Professor an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und Kolumnist für die Information Week. In seinem Text mit dem Titel „The Rise of the Creative Class“ und dem in der Kapitelüberschrift zitierten Untertitel beschäftigt sich Florida zum einen mit der Frage, wer überhaupt zu einer solchen Gesellschaftsklasse zu zählen ist, aber auch wie sie entstehen konnte und was ihre Eigenschaften und Erwartungen sind. Für Florida sind die „Creative Class members“ nicht ausschließlich Menschen, die im künstlerischen oder kulturellen Sektor arbeiten oder arbeiten wollen, vielmehr sieht er sie als eine gesellschaftliche Klasse, die sich vor allem in ihrem Denken und Handeln von anderen Schichten absondert. „Creative Class members“ sind für ihn gewissermaßen kreative Köpfe mit Weitblick, vielseitigen Interessen und einem hohen Engagement. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Florida definiert die von ihm so bezeichnete „Creative Class“als “[…]a fast-growing, highly educated, and well-paid segment of the workforce.”
Was sie so kreativ macht, ist hier noch nicht angesprochen, wohl aber ihre hohe Bildung, ihr Wohlstand und ihr Entwicklungsverhalten. Um ein genaueres Bild von Floridas „Creative Class“ zu gewinnen, werden im Folgenden zunächst ihre Arbeitsbereiche genannt, um dann ihr spezifisches Ethos, wie es Florida bezeichnet, herauszustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, welchen Status der Kunst- und Kultursektor als „Dritter Sektor“ in der Gesamtwirtschaft einnimmt.
2. Kultur und Staat – Gegner oder Partner?: Dieses Kapitel analysiert anhand einer Ifo-Studie das wirtschaftliche Verhältnis zwischen staatlicher Kulturförderung und deren Rückflüssen für die Volkswirtschaft.
3. The „creative class“- “Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race.”: Es wird das Konzept der „Creative Class“ als neue gesellschaftliche Elite vorgestellt, die sich durch ihre spezifischen Arbeitsbereiche und ihr Ethos definiert.
4. Die „creative class“- Ein internationaler Konkurrenzkampf?: Hier wird die politische Dimension der „Creative Economy“ beleuchtet und die unterschiedliche politische Förderung in den USA unter Clinton und Bush verglichen.
5. Die „talentbasierte Wirtschaft“ – Ein britisches Beschäftigungskonzept: Das Kapitel befasst sich mit der Kritik Angela McRobbies am britischen Modell der talentbasierten Wirtschaft und stellt ihr Konzept des „Sozialen Unternehmens“ gegenüber.
6. Arbeitslosigkeit – Kunst – Berufseinstieg? – Das Liverpool Projekt: Es wird das Praxisprojekt „Acting up“ in Liverpool untersucht, das darstellende Künste als Mittel zur beruflichen Integration arbeitsloser Jugendlicher einsetzt.
7. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Kunst und Kultur als festen, funktionalen Bestandteil moderner Wirtschaftspolitik und Bildungsarbeit zu begreifen.
Schlüsselwörter
Creative Economy, Kultursektor, Wirtschaftsfaktor, Creative Class, Richard Florida, Talentbasierte Wirtschaft, Angela McRobbie, Soziales Unternehmen, Berufseinstieg, Arbeitslosigkeit, Acting up, Liverpool, Kulturförderung, Hummel und Berger, Kunst und Wirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die ökonomische und soziale Bedeutung von Kunst und Kultur und hinterfragt, wie diese Sektoren zum wirtschaftlichen Erfolg und zur persönlichen Entwicklung beitragen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst volkswirtschaftliche Studien, das Konzept der „Creative Class“, britische Beschäftigungskonzepte und praxisnahe Integrationsprojekte für Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu belegen, dass der Kunst- und Kultursektor weit mehr als eine Kostenstelle des Staates ist und ein enormes Potenzial für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze (Florida, McRobbie) und empirische Studien (Ifo-Institut, Walther) kombiniert und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die wirtschaftliche Relevanz staatlicher Förderung, definiert die „Creative Class“, vergleicht politische Ansätze zur Förderung dieser Gruppe und evaluiert ein konkretes Projekt der beruflichen Eingliederung durch Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Creative Economy, Creative Class, Talentbasierte Wirtschaft, Kulturförderung und berufliche Integration.
Was unterscheidet Floridas „Creative Class“ von traditionellen Arbeitnehmern?
Sie zeichnet sich durch hohe Bildung, ein spezifisches Ethos (Kreativität, Offenheit, Diversität) und hohe Mobilität aus, wobei sie sich vor allem durch ihr Denken und Handeln von anderen gesellschaftlichen Schichten abhebt.
Wie trägt das Projekt „Acting up“ zur Problemlösung bei?
Es nutzt die darstellenden Künste, um bei arbeitslosen Jugendlichen Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen aufzubauen, was ihnen den Übergang in die Arbeitswelt erleichtern soll.
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- Vera Fischer (Author), 2006, Die 'Creative Economy' - Kreative Berufe als Chance für die Wirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/60357