In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit Routinen und Ritualen in der Schule. Dabei stehen die Routinen als wesentlicher Bestandteil des Unterrichts im Mittelpunkt. Nach einigen theoretischen Betrachtungen und Analysen über Routine und Routinewissen, wird im zweiten Teil dieser Arbeit der Praxisbezug im Mittelpunkt stehen. Zunächst sollen einige Entwürfe entwickelt werden, aus welchen deutlich wird, was unter Routine bzw. Routinewissen aus wissenssoziologischer und institutioneller Perspektive zu verstehen ist. Hierbei stellen sich mir so viele Informationen entgegen, dass ich es für nötig halte, einige Anmerkungen den Schemen folgen zu lassen. Auch soll eine Abwägung von Vor- und Nachteilen der Routinen nicht vergessen. Wenn man sich mit Routinen auseinander setzt, ist es natürlich wichtig, die Entstehung und Institutionalisierung solcher nicht zu vergessen. Des weiteren möchte ich im ersten Teil der Frage nachgehen, inwieweit das Routinewissen für den Lehrer wichtig ist und in welchem Umfang gerade in schwierigen Unterrichtssituationen Routinewissen eine Hilfe bietet.
In Bezug auf die Praxis soll eine Unterrichtssituation aus meinem Praktikum beschrieben werden, welche für einen problematischen Bruch des routinierten Unterrichtsablaufes steht. In der Folge möchte ich mich mit den verschiedenen Routinen dieser Stunde auseinandersetzen und verdeutlichen, an welche Stellen das routinierte Handeln gestört wurde. Dabei steht die Lehrer – Schüler - Interaktion wesentlich im Vordergrund. In einem weiterem Schritt möchte ich versuchen, andere Handlungsoptionen zu entwickeln, und schließlich meine bevorzugte Handlungsalternative näher beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Rolle eines Schulentwicklungsberaters
2.1. Schematische Entwürfe über Routinen bzw. Routinewissen
2.2. Folie zu Vor- und Nachteilen von Routinen
2.3. Die Institutionalisierung neuer Routinen
2.4. Routinewissen in problematischen Unterrichtssituationen
3. Beispiel einer problematischen Unterrichtssituation
3.1. Zur Problematik und den gebrochenen Routinen
3.2. Welche Handlungsalternativen gibt es neben der des Lehrers?
3.3. Meine bevorzugte Handlungsalternative
3.4. Theoretisierung der beschriebenen Situation an Hand einer Forschungsrichtung der Erziehungswissenschaft
4. Die Erziehungswissenschaft als reflexive Beobachtungswissenschaft
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Routinen im schulischen Sozialisationsraum, analysiert deren Entstehung und Funktion sowie deren Bruch in problematischen Unterrichtssituationen, um abschließend Handlungsalternativen für Lehrkräfte zu entwickeln und theoretisch zu fundieren.
- Wissenssoziologische und institutionelle Perspektiven auf Routinewissen
- Analyse von Vor- und Nachteilen routinierten Handelns im Unterricht
- Fallstudie zu einem problematischen Unterrichtsverlauf und dessen Bewältigung
- Theoretische Einordnung mittels Labelingansatz und Etikettierungstheorie
- Reflexive Erziehungswissenschaft als Basis für professionelles Lehrerhandeln
Auszug aus dem Buch
3. Beispiel einer problematischen Unterrichtssituation
Der Bruch von Routinen im schulischen Alltag soll mit der folgenden Situation verdeutlicht werden. Sie geschah in einer 7. Gymnasialklasse mit 24 Schülern. Es war ein Freitag Vormittag, im Klassenzimmer herrschte große Hitze, so dass der Lehrer die Zimmertüre geöffnet ließ. Zu den ungünstigen Temperaturen kam noch hinzu, dass die Schüler in der vorhergehenden Doppelstunde Sport hatten.
Schon zu Beginn der Geschichtsstunde mit dem Thema „Gesellschaft im Mittelalter“ dauerte es sehr lange, bis die Schüler zur Ruhe kamen. Bei Herrn Lehrer J. ist es in jüngeren Klassen üblich, die Schüler am Stundenanfang aufstehen zu lassen, und diese Situation erst bei eintreten völliger Ruhe zu beenden.
Der Inhalt der Unterrichtsstunde bestand darin, dass die Schüler die Aufgabe hatten, selbständig mit Hilfe von Lehrbuchquellen Aufzeichnungen zum Thema „Frauen, Bauern, Kirche und Ritter im Mittelalter“ zu erstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der Routinen und Rituale in der Schule und Vorstellung des methodischen Vorgehens sowie des Praxisbezugs.
2. Rolle eines Schulentwicklungsberaters: Theoretische Herleitung von Routinewissen, dessen Entstehung, Funktionen sowie eine Abwägung der Vor- und Nachteile von Routinen.
3. Beispiel einer problematischen Unterrichtssituation: Konkrete Fallbeschreibung eines Unterrichts, in dem routinierte Abläufe durch Schülerverhalten gestört werden, inklusive einer Analyse und Entwicklung von Handlungsalternativen.
4. Die Erziehungswissenschaft als reflexive Beobachtungswissenschaft: Diskussion der erziehungswissenschaftlichen Perspektive als Instrument zur Reflexion und Analyse pädagogischen Handelns.
5. Fazit: Zusammenfassende Schlussbetrachtung der Bedeutung von Routinen und der Notwendigkeit reflexiver Lehrerkompetenz.
Schlüsselwörter
Routinen, Routinewissen, schulischer Sozialisationsraum, Lehrerhandeln, Unterrichtssituation, Labelingansatz, Etikettierung, Institutionalisierung, Reflexion, Erziehungswissenschaft, Selbstbild, Vorurteile, pädagogische Handlungsfelder, Unterrichtsmethoden, Schülerverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung von Routinen im schulischen Alltag, sowohl aus theoretischer Sicht als auch anhand eines konkreten Praxisbeispiels.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung und Institutionalisierung von Routinewissen, die Vor- und Nachteile routinierten Handelns, sowie der Umgang mit Störungen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Routinen den Schulalltag strukturieren, wo ihre Grenzen liegen und wie Lehrer durch Reflexion und theoretische Fundierung (z.B. Labelingansatz) besser auf problematische Unterrichtssituationen reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse und der fallorientierten Analyse einer beobachteten, problematischen Unterrichtssituation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Routinebegriffs und eine detaillierte Fallanalyse, in der ein gestörter Unterrichtsverlauf beschrieben, bewertet und auf Grundlage des Labelingansatzes theoretisiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Routinen, Unterrichtssituation, Lehrerhandeln, Labelingansatz, Reflexion und Sozialisationsraum.
Inwiefern beeinflussen Vorurteile des Lehrers den Unterrichtsverlauf?
Die Arbeit argumentiert, dass Vorurteile zu Etikettierungsprozessen führen können, die wiederum das Verhalten der Schüler beeinflussen (Self-fulfilling prophecy), was die Unterrichtssituation unnötig problematisch machen kann.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "positiven" und "schädlichen" Routinen wichtig?
Nicht jede Routine ist förderlich. Durch Reflexion muss der Lehrer lernen, Routinen zu hinterfragen, um "verkommene" oder schädliche Routinen zu erkennen und die pädagogische Qualität zu sichern.
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- Christian Tischner (Author), 2003, Routinen und Rituale im Schulunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/59279