Alfred HitchcocksTorn Curtainvon 1966 gilt heute gemeinhin als einer seiner schwächsten Filme. Besonders die oberflächliche und naive Darstellung des DDR-Milieus sowie die klischeehaften Charakterisierung der Figuren werden immer wieder als Kritikpunkte hervorgehoben. Stümperhafte Arbeit eines in die Jahre gekommenen Regisseurs oder subtile Ironisierung und geschicktes Spiel mit etablierten Propagandaelementen des Altmeisters? Beginnend mit einem kurzen einführenden Teil, der den Stellenwert von Torn Curtainin Hitchcocks Gesamtwerk beschreibt, will die vorliegende Arbeit versuchen diese Frage anhand einiger Beispielen aus dem Film zu erörtern und zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Einordnung des Films Torn Curtain in das Gesamtwerk des Regisseurs Alfred Hitchcock
2.1 Der Stellenwert von Torn Curtain
2.2 Inhalt
3. Hitchcocks Umgang mit Propaganda-Klischees
3.1 Die Besetzung von Paul Newman
3.2 Die Figur des Stasi Adjutanten Gromek
3.3 Die Mordszene
3.4 Darstellung der DDR und Einordnung in den historischen Kontext
3.5 Fazit
4. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Alfred Hitchcocks Film "Torn Curtain" von 1966 tatsächlich eine oberflächliche und klischeebeladene Propagandawerk ist, oder ob der Regisseur durch subtile Ironisierung und ein geschicktes Spiel mit etablierten Mustern eine bewusste Dekonstruktion dieser Elemente vornimmt.
- Analyse des Stellenwerts von "Torn Curtain" innerhalb Hitchcocks Gesamtwerk.
- Untersuchung der Besetzung und Charakterzeichnung als Bruch mit konventionellen Heldenbildern.
- Dekonstruktion des Propagandabegriffs anhand der Mordszene und des DDR-Milieus.
- Einordnung des Films in den historischen und politischen Kontext des Kalten Krieges.
- Diskussion der Frage, ob der Film primär als Liebesgeschichte vor politischer Kulisse zu verstehen ist.
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Mordszene
Die bekannteste Szene aus Torn Curtain ist die Ermordung Gromeks durch Armstrong in der Küche eines Bauerhauses, dessen Besitzer der Oppositionsgruppe „Pi“ angehören.
Im Vorfeld dieser Szene wird erneut das stümperhafte Verhalten Armstrongs deutlich, der trotz des offensichtlichen Misstrauens Gromeks keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen trifft um sein Treffen mit der Oppositionsgruppe abzusichern. Gromek kann ihn verfolgen und enttarnen. Um Konsequenzen zu vermeiden kommt es zu der Tötung mit Hilfe der Bäuerin. Hitchcock wollte mit dieser dieser – quälend langen – Tötungsszene zeigen, wie schwer es ist einen Menschen zu töten. Gromeks Revolver kann nicht benutzt werden, da durch einen Schuss der Taxifahrer aufmerksam werden würde. So kommen ein Topf mit heißer Suppe, eine Schaufel, ein Küchenmesser und letztendlich eine Gasherd zum Einsatz. Durch diese überaus brutale Ermordung Gromeks setzt Hitchcock ein weiteres Klischee außer Kraft: Die Guten töten im Stil der Bösen. Der Held verliert nach dieser zweifelhaften Tat an Sympathie und dem Opfer fällt eine Mitleidsrolle zu. Hitchcock war sich dessen offensichtlich bewusst. Um diesen Effekt nicht zu überreizen schnitt er eine Szene, in der sich nach dem Tod Gromeks herausstellt, dass dieser Vater dreier Kinder ist, aus dem Film. Die Figur Gromek wäre sonst zu menschlich geworden um noch als Bösewicht ernst genommen zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung hinterfragt die Kritik an "Torn Curtain" als schwachem, klischeehaftem Film und stellt die These auf, dass Hitchcock hier subtil mit Propaganda-Elementen spielt.
2. Einordnung des Films Torn Curtain in das Gesamtwerk des Regisseurs Alfred Hitchcock: Dieses Kapitel beschreibt die schwierigen Produktionsbedingungen nach dem Auseinanderbrechen des bewährten Teams und fasst die inhaltliche Handlung des Films zusammen.
3. Hitchcocks Umgang mit Propaganda-Klischees: Der Hauptteil analysiert die Besetzung, die Darstellung der DDR sowie die Mordszene und zeigt auf, wie Hitchcock konventionelle Propagandamuster hinterfragt.
4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Alfred Hitchcock, Torn Curtain, Propaganda, DDR, Filmkritik, Kalter Krieg, Michael Armstrong, Stasi, Gromek, Mordszene, Politthriller, Ironisierung, Stereotype, Hollywood, Filmgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Alfred Hitchcock in seinem Film "Torn Curtain" mit propagandistischen Klischees umgeht und ob diese als bewusste Stilmittel oder als Schwächen des Regisseurs zu deuten sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Einordnung des Films in Hitchcocks Spätwerk, die Subversion von Heldenbildern sowie die Darstellung des DDR-Milieus im Kontext des Kalten Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die oft geäußerte Kritik an der Naivität und Oberflächlichkeit des Films zu hinterfragen und eine alternative Lesart als "subtile Ironisierung" anzubieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Filmanalyse, die narrative Strukturen und Charakterkonstellationen anhand von ausgewählten Filmszenen untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Besetzung von Paul Newman, die ambivalente Figur des Stasi-Adjutanten Gromek, die methodische Dekonstruktion der Mordszene sowie die visuelle Repräsentation des Ostens.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Propaganda, Ironisierung, Politthriller und die spezifische Ästhetik von Hitchcock im Kontext des Kalten Krieges beschreiben.
Warum wird die Mordszene als zentrales Beispiel für Hitchcocks Vorgehensweise genannt?
Die Mordszene dient als Beispiel dafür, wie der Regisseur durch den Einsatz banaler Gegenstände und die Brutalität des Akts die Grenze zwischen "Gut" und "Böse" verwischt und das Publikum zur Empathie mit dem Opfer zwingt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Intention des Regisseurs?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Hitchcock eher einen Liebesfilm vor einer politischen Kulisse drehen wollte, anstatt einen rein politischen Propagandafilm, wobei er jedoch bewusst mit den Erwartungen des Publikums spielt.
- Arbeit zitieren
- Christian Düringer (Autor:in), 2006, Alfred Hitchcocks subtiler Umgang mit Propaganda-Klischees in Torn Curtain, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/58934