Das Fachwissen stellt eine wichtige Grundlage dafür, dass Lehrende sicher und kompetent in ihrem Unterrichtsfach agieren können. Beim fachdidaktischen Wissen soll der Lehrstoff den Schülern verfügbar gemacht werden (Brunner et al., 2006). Dabei stellt die authentische Ausgangslage, als ein Element des Unterrichts, eine wichtige Basis zur professionellen Gestaltung von Unterricht dar (Esslinger-Hinz, 2007). Fachdidaktisches Wissen gepaart mit Reflexionsfähigkeit sind zentrale Ziele der Lehrerausbildung (KMK, 2007).
Praktika sollen in der universitären Laufbahn Theorie und Praxis besser verknüpfen (Beyer, Wisbert, Plöger, Wasmuth & Anhalt, 2006), aber erst durch eigene reflexive Anstrengungen ist eine Verbindung der beiden Bereiche möglich (Beyer et al., 2006). Dabei besteht das Ziel des Praktikums darin, dass Studierende ihr Handeln hinterfragen und auf experimentellem Weg weiter entwickeln (Felten, 2005). Die Reflexion äußert sich dabei auf unterschiedlichen Niveaustufen, welche von zufälliger bis zu organisierter Veranlassung reichen kann (Gillen, 2007).
Die folgende Arbeit befasst sich deshalb zum einen mit der Frage, inwieweit sich das Reflexionsmodell von Regula von Felten mit dem von Hatton und Smith unterscheidet. Zum anderen, ob es einen signifikanten Unterschied zwischen Bachelor- und Diplomstudierenden hinsichtlich der Tiefe der Reflexionstiefe gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Fachdidaktisches Wissen
3 Theoretischer Bezugsrahmen
3.1 Definition und Einordnung von Reflexion
3.2 Reflexion nach Schön
3.3 Reflexion nach Dewey
4 Reflexionsmodelle zur Messung der Reflexionstiefe
4.1 Reflexionsmodell von Regula von Felten
4.2 Reflexionsmodell von Hatton und Smith
5 Forschungsprozess
5.1 Forschungsdesign
5.1.1 Qualitative skalierende, strukturierende Inhaltsanalyse
5.1.2 Formulierung von Forschungsfragen
5.1.3 MAXQDA
5.1.4 Bestimmung des Ausgangsmaterials
5.2 Forschungsverlauf
5.2.1 Kategoriensystem
5.2.2 Ergebnisse und Interpretation
5.2.3 Unterschiede zwischen den Reflexionsmodellen
6 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch die Reflexionstiefe von Lehramtsstudierenden im Studiengang Diplom anhand von Transkripten über eine selbst geplante Unterrichtsstunde. Im Zentrum steht dabei die wissenschaftliche Analyse, inwieweit sich die Reflexionsmodelle von Regula von Felten sowie Hatton und Smith in ihrer Anwendung unterscheiden und ob signifikante Differenzen zwischen Bachelor- und Diplomstudierenden hinsichtlich ihrer Reflexionsfähigkeit existieren.
- Vergleich zweier wissenschaftlicher Reflexionsmodelle (von Felten vs. Hatton & Smith).
- Empirische Untersuchung der Lehrerprofessionalität im Kontext der Bologna-Reform.
- Qualitative Analyse der Reflexionstiefe anhand von Transkripten selbst geplanter Unterrichtseinheiten.
- Untersuchung von Kompetenzunterschieden zwischen Bachelor- und Diplomstudierenden.
- Anwendung qualitativer Inhaltsanalyse unter Einsatz der Software MAXQDA.
Auszug aus dem Buch
4.2 Reflexionsmodell von Hatton und Smith
Diese Studie wurde durchgeführt, um die Art des Reflektierens im Unterrichten zu untersuchen, die verschieden, spezifischen Formen von Reflektion zu bestimmen sowie die Strategien des Reflektierens zu bewerten, welche die Praktikanten je nach Abschluss vornahmen (Hatton & Smith, 1995, S. 39). Im Fokus des Interesses standen die Vorbereitungen für die ersten Unterrichtssequenzen (Hatton & Smith, 1995, S. 33). Die Untersuchung war geprägt durch folgende Schlüsselfragen: Haben die vermittelten Strategien den Studenten geholfen, in der Praxis verschiedene Elemente zu reflektieren? Welche Strategien erscheinen effizient zu sein, um Reflektion hervorzurufen? Wie können effizientere Strategien entwickelt werden und wie können die Bedingungen für reflektierte Praxis verbessert werden? (Hatton & Smith, 1995, S. 40)
Hatton und Smith beziehen sich in ihren Arbeiten auf die Ansätze von Dewey (Korthagen, 2002, S. 58). Dieser betrachtet Reflexion als eine besondere Form von „problem solving, thinking to resolve an issue“ (Hatton & Smith, 1995, S. 33-34). Jedoch weisen sie in ihrer Studie auf einige Probleme hin: Zum einen, ob Reflexion unabhängig betrachtet werden kann oder ob sie immer mit der zu betrachteten Handlung in Verbindung steht. Zum anderen, ob Reflexion an sich problemzentriert ist oder nicht. Schließlich wird sich noch die Frage gestellt, ob historische, politische oder auch kulturelle Werte mit einbezogen werden in den Gedankengang.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Das Kapitel führt in den Bologna-Prozess und die damit verbundene Bedeutung der Lehrerprofessionalität sowie die zentrale Rolle von Reflexion in der Lehrerausbildung ein.
2 Fachdidaktisches Wissen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Fachdidaktik und deren Verbindung zu professionellem Unterrichtshandeln dargelegt.
3 Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel definiert Reflexion als zentralen Begriff und erläutert die Konzepte von Schön und Dewey, die als Basis für die weiteren Analysen dienen.
4 Reflexionsmodelle zur Messung der Reflexionstiefe: Es erfolgt die Vorstellung der beiden zentralen Kodierleitfäden von Regula von Felten sowie Hatton und Smith zur Messung der Reflexionsqualität.
5 Forschungsprozess: Dieses Hauptkapitel erläutert das Forschungsdesign, die Datengrundlage, das Kategoriensystem sowie die Ergebnisse und die methodischen Unterschiede der Modelle.
6 Kritische Würdigung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die methodischen Limitationen der Studie und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Reflexion, Lehrerprofessionalität, Reflexionstiefe, Bologna-Reform, qualitative Inhaltsanalyse, fachdidaktisches Wissen, Regula von Felten, Hatton und Smith, Lehrerbildung, Unterrichtsplanung, Lehramtsstudierende, MAXQDA, Kompetenzentwicklung, Praxisphasen, Schulpraktikum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Reflexionsfähigkeit von Lehramtsstudierenden anhand ihrer eigenen Berichte über Unterrichtsstunden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kerngebiete sind die Lehrerprofessionalität, die Messbarkeit von Reflexion und die Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Lehrerausbildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Reflexionsmodelle von von Felten sowie Hatton und Smith unterscheiden und ob es Leistungsunterschiede zwischen Bachelor- und Diplomstudierenden gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative, skalierende und strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt, unterstützt durch die Software MAXQDA.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Definition von Reflexion, der Vorstellung der zwei Messinstrumente und der detaillierten Auswertung der erhobenen Interviewdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Reflexionstiefe, Lehrerprofessionalität, Qualitative Inhaltsanalyse und Reflexionsmodelle.
Warum schneiden Bachelorstudierende in der Untersuchung tendenziell besser ab?
Die Autorin vermutet, dass die höhere Anzahl an absolvierten Praktika im Bachelorstudium zu einer besseren Verzahnung von theoretischem und praktischem Wissen führt.
Was sind die Haupteinschränkungen der methodischen Vorgehensweise?
Die geringe Stichprobengröße von acht Transkripten und die Tatsache, dass Reflexionsstufen in Testläufen teilweise nicht erreicht wurden, schränken die Repräsentativität der Ergebnisse ein.
- Arbeit zitieren
- Franziska Bonatz (Autor:in), 2012, Die Reflexionstiefe Lehramtsstudierender im Studiengang Diplom aus den Transkripten über eine selbst geplante Unterrichtsstunde, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/588160