Veränderte Rahmenbedingungen in der Krankenhauslandschaft – genannt seien der strukturelle, finanzwirtschaftliche, gesellschaftliche, demografische und politischrechtliche Wandel – erfordern die Notwendigkeit der Einführung und Anwendung moderner Kostenrechnungssysteme im Krankenhaussektor. Der zunehmende Kostendruck, der insbesondere durch die Einführung eines fallpauschalenorientierten Vergütungssystems entstanden ist, verlangt die Abkehr von traditionellen Kostenrechnungsmethoden. Nur so kann es gelingen, ein Krankenhaus mittel- bis langfristig zielorientiert zu steuern.
Eine weitere Grundvoraussetzung dafür ist eine transparente Kostensituation. Die Prozesskostenrechnung (PKR) bietet einen hierfür geeigneten Lösungsansatz. Diese ist in deutschen Krankenhäusern aktuell jedoch noch unzureichend verbreitet. Das Verfahren der PKR wird in Kapitel 2 der Seminararbeit theoretisch dargestellt. In Kapitel 3 werden Besonderheiten des Einsatzes des Verfahrens in einem Krankenhaus erörtert. Im Anschluss daran veranschaulicht eine Fallstudie in Kapitel 4 den Ablauf der PKR in der Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der PKR
2.1 Begriffsdefinition und Entstehung der PKR
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Herkunft der PKR
2.2 Aufgaben und Ziele der PKR
2.3 Notwendigkeit der Einführung einer PKR
2.3.1 Gemeinkostenanstieg
2.3.2 Einführung des DRG-Systems zu Vergütung stationärer Leistungen
2.3.3 Mängel traditioneller Kostenrechnungssysteme
3 Die PKR im Krankenhaus
3.1 Anforderungen an den Einsatz der PKR im Krankenhaus
3.2 Aufbau und Ablauf der PKR
3.2.1 Analyse von Prozessen und Aufbau einer Prozesshierarchie
3.2.2 Definition und Identifikation von Prozessgrößen
3.2.3 Ermittlung der Prozesskostensätze
3.2.3.1 Top-Down-Verfahren
3.2.3.2 Bottom-Up-Verfahren
4 Einführung einer PKR am Beispiel „Anästhesie Arzt“
4.1 Ausgangssituation
4.2 Prozessanalyse und -differenzierung
4.3 Identifikation der Cost Driver
4.4 Top-Down Ermittlung des Prozesskostensatzes „Anästhesie Arzt“
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und den praktischen Einsatz der Prozesskostenrechnung (PKR) in Krankenhäusern vor dem Hintergrund der DRG-Einführung und steigender Gemeinkostenanteile. Das primäre Ziel ist es, die PKR als präziseres Instrument zur Kostentransparenz und Wirtschaftlichkeitskontrolle gegenüber traditionellen Systemen zu evaluieren.
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung der Prozesskostenrechnung
- Herausforderungen durch das DRG-System und den Gemeinkostenanstieg
- Methodik der Prozessanalyse und Ermittlung von Prozesskostensätzen
- Praktische Anwendung anhand einer Fallstudie (Anästhesie Arzt)
- Nutzen der PKR als Instrument der Organisationsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Analyse von Prozessen und Aufbau einer Prozesshierarchie
Um die gemeinkostenintensiven Bereiche eines Unternehmens der PKR zugänglich zu machen, bedarf es zunächst einer umfassenden Tätigkeitsanalyse. Darin müssen die Tätigkeiten je Kostenstelle und der ihnen zuzurechnende Zeitbedarf ermittelt werden. Zudem erfolgt eine Differenzierung zwischen sich wiederholenden und sich nicht wiederholenden Tätigkeiten. Als Prozesse im Sinne der PKR eignen sich nur diejenigen Tätigkeiten, die wiederholt ablaufen und deren In- und Output bemessen werden kann.
Die analysierten Prozesse müssen sodann klassifiziert werden, da die PKR eine zweidimensionale Betrachtung - nämlich einer vertikale sowie einer horizontale Betrachtungsweise - der betrieblichen Wertschöpfung erfordert. Im Krankenhaus werden bei der vertikalen Betrachtungsweise die homogenen und repititiven Tätigkeiten innerhalb der gesetzlich geforderten Kostenstellen ermittelt und zu in sich schlüssigen Teilprozessen zusammengefasst, die anschließend zu Hauptprozessen verdichtet werden. Dabei müssen alle in die PKR integrierten Kostenstellen hinsichtlich ihres Tätigkeitsspektrums analysiert werden, um schlüssige Aussagen über die Ressourceninanspruchnahme der Teilprozesse treffen zu können. Die horizontale Betrachtungsweise entspricht der Darstellung kostenstellenübergreifender Abläufe. Die verschiedene Kostenstellen beanspruchenden Teilprozesse werden zum Aufbau einer Prozesshierarchie dem Hauptprozess zugeordnet. Teilweise erfolgt in der Literatur sogar eine noch tiefere Gliederung der horizontalen Prozesshierarchie. So empfiehlt beispielsweise Niemand, die beiden Hierarchiestufen „Teilprozesse“ und „Hauptprozesse“ um eine dritte Stufe, nämlich die der „Geschäftsprozesse“, zu erweitern. Diese Erweiterung ist gerade vor dem Hintergrund des DRG-Vergütungssystems auch im Krankenhaus zweckmäßig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den strukturellen Wandel im Krankenhaussektor und die Notwendigkeit, moderne Kostenrechnungssysteme wie die PKR zur zielorientierten Steuerung einzuführen.
2 Grundlagen der PKR: Definiert die PKR, erläutert ihre historische Entwicklung und begründet ihren Einsatz durch den Gemeinkostenanstieg und die Einführung des DRG-Systems.
3 Die PKR im Krankenhaus: Erörtert die spezifischen Anforderungen an den Praxiseinsatz im Krankenhaus sowie die methodischen Schritte der Prozessanalyse und Kostenermittlung.
4 Einführung einer PKR am Beispiel „Anästhesie Arzt“: Demonstriert die praktische Implementierung der PKR durch eine detaillierte Fallstudie zur Kalkulation von Anästhesieleistungen.
5 Fazit und Ausblick: Bewertet den Nutzen der PKR für Krankenhäuser und prognostiziert eine zunehmende Bedeutung des Verfahrens für zukünftige betriebswirtschaftliche Strukturen.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, PKR, Krankenhaus, DRG-System, Gemeinkosten, Kostenmanagement, Prozesshierarchie, Fallpauschalen, Kostentransparenz, Anästhesie, Prozessanalyse, Tätigkeitsanalyse, Wirtschaftlichkeitskontrolle, Bottom-Up-Verfahren, Top-Down-Verfahren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den Einsatz der Prozesskostenrechnung (PKR) als modernes Controllinginstrument zur genaueren Erfassung und Verrechnung von Gemeinkosten in Krankenhäusern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der PKR, die Anforderungen an ihre Implementierung im Krankenhausumfeld sowie die praktische Anwendung zur Kostentransparenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Krankenhäuser durch die PKR auf den steigenden Kostendruck und das DRG-Vergütungssystem reagieren und ihre Wirtschaftlichkeit verbessern können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie eine praktische Fallstudie, die das Top-Down-Verfahren der PKR illustriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Anforderungen an die PKR im Krankenhaus, die Prozesshierarchisierung und die detaillierte Berechnung von Prozesskostensätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Prozesskostenrechnung, DRG-System, Gemeinkosten, Prozessanalyse und Wirtschaftlichkeitskontrolle.
Warum wird im Beispiel das Top-Down-Verfahren bevorzugt?
Das Top-Down-Verfahren wird gewählt, weil der Bereich „Anästhesie“ sehr personalintensiv ist und somit einen hohen Anteil an Gemeinkosten aufweist, die sich über dieses Verfahren effizient verteilen lassen.
Welchen Einfluss hat das DRG-System auf die Kostenrechnung?
Das DRG-System erfordert eine genauere Nachkalkulation von Behandlungskomplexen, was die traditionellen, kostenstellenbasierten Systeme an ihre Grenzen bringt und die PKR notwendig macht.
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- Daniel Schmidt (Author), 2006, Der Einsatz der Prozesskostenrechnung im Krankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/58512