Neue gesetzliche und regulatorische Auflagen zwingen die Banken, ihr bisheriges Risikomanagement grundlegend zu überarbeiten und neue Risikomanagementsysteme zu implementieren. Insbesondere die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), aber auch andere gesetzliche Neuerungen, führen dazu, dass neue Risikomanagementsysteme für Banken benötigt werden. Über die Höhe der erwarteten Investitionen besteht hierbei große Unsicherheit. Der Markt für Risikomanagementlösungen wächst daher stetig und deren Anbieter arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung neuer Systeme, die den aktuellen Anforderungen gerecht werden. Gerade der Bereich des Kreditrisikomanagements hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Aus diesem Grund ist, im Gegensatz zu Marktrisikomanagementsystemen, die Entwicklung von Kreditrisikomanagementsystemen noch nicht so weit fortgeschritten, obwohl diese ebenso bedeutend sind. Neben der Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen haben auch die Banken ein verstärktes Interesse an der Verbesserung ihrer Risikomanagementsysteme und Risikomanagementinfrastruktur. Während in der Vergangenheit Kreditausfälle als ein immanentes Risiko des Bankgeschäfts angesehen wurden, welche durch die Erträge des Kreditgeschäfts aufgefangen wurden, hat sich diese Sichtweise in den letzten Jahren stark abgewandelt. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat in Deutsch-land Schwachstellen der Kreditversorgung aufgezeigt. Die Risikovorsorge und die Quersubventionierung des Kreditgeschäfts durch andere, profitablere Geschäftsbereiche nahmen bisher ungekannte Ausmaße an. Der Wegfall dieser Geschäftsbereiche erhöhte den Handlungsdruck deutscher Banken im Bereich des Kreditrisikomanagements noch weiter. Infolgedessen haben die Banken ihre Kreditvergabepraxis geändert und in den letzten Jahren deutlich weniger Kredit vergeben. Dennoch erzielen deutsche Banken bis heute keine positiven Erträge im Kreditgeschäft. Daraus ergibt sich für die Kreditinstitute das Ziel die Kredite in Zukunft effizient zu bepreisen und handelbar zu machen. Die Grundlage dafür bieten verbesserte, effiziente Kreditrisikomanagementsysteme. Aufgrund der zentralen Bedeutung von Kreditrisikomanagementsystemen bedarf es somit der Identifikation der für den Erfolg der Konzeption maßgeblichen Faktoren. Diese Erfolgsfaktoren bilden die Basis für eine zielorientierte und anforderungskonforme Konzeption. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Definitorische Grundlagen und Vorgehensweise
2.1 Risikomanagement
2.1.1 Risikoarten
2.1.2 Risikomanagementprozess
2.1.3 Risikomanagementinformationssysteme
2.1.4 Risikomanagement und Risikocontrolling
2.2 Vorgehensweise zur Identifikation kritischer Erfolgfaktoren
2.2.1 Kritische Erfolgsfaktoren
2.2.2 Konzeptionelles Vorgehen zur Analyse kritischer Erfolgsfaktoren
3 Modell und Zielkriterien zur Erfolgsfaktoranalyse
3.1 Allgemeines Analysemodell zur Informationssystemkonzeption
3.2 Anwendung des Modells auf Kreditrisikomanagementsysteme
3.2.1 Umwelt eines Kreditrisikomanagementsystem
3.2.1.1 Individuelle Rahmenbedingungen
3.2.1.2 Organisatorische Rahmenbedingungen
3.2.1.3 Gesetzliche und aufsichtliche Rahmenbedingungen
3.2.1.4 Technologische Rahmenbedingungen
3.2.2 Konzeption von Kreditrisikomanagementsystemen
3.2.2.1 Komponenten eines Kreditrisikomanagementsystems
3.2.2.2 Berechnung der Eigenkapitalunterlegung im Kreditrisikomanagementsystem nach Basel II
3.2.3 Wissensbasis von Kreditrisikomanagementsystemen
3.3 Ableitung von Zielkriterien aus dem Analysemodell
4 Identifikation und Analyse der Erfolgsfaktoren für Kreditrisikomanagementsysteme
4.1 Erfolgsfaktoren für die Informationssystemkonzeption
4.1.1 Methodik der Erfolgsfaktoridentifikation
4.1.2 Erfolgsfaktoren der vier Schlüsselbereiche
4.1.2.1 Erfolgsfaktoren des Schlüsselbereichs Service
4.1.2.2 Erfolgsfaktoren des Schlüsselbereichs Kommunikation
4.1.2.3 Erfolgsfaktoren des Schlüsselbereichs Personal
4.1.2.4 Erfolgsfaktoren des Schlüsselbereichs Positionierung
4.1.3 Erfolgsfaktoren des Projektmanagements
4.2 Analyse der Erfolgsfaktoren für Kreditrisikomanagementsysteme
4.2.1 Analyse von Erfolgsfaktoren
4.2.2 Unterscheidung in kritische und nicht-kritische Erfolgsfaktoren
5 Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
5.2 Aktuelle Entwicklung der Erfolgsfaktorenforschung
5.3 Kritische Würdigung und Weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die kritischen Erfolgsfaktoren bei der Konzeption DV-gestützter Kreditrisikomanagementsysteme für Banken vor dem Hintergrund neuer regulatorischer Anforderungen wie Basel II. Ziel ist es, ein Verständnis für die maßgeblichen Determinanten zu schaffen, die eine effiziente und anforderungskonforme Systemgestaltung ermöglichen, um so die Kreditrisikosteuerung zu verbessern.
- Grundlagen des Risikomanagements und Identifikation von Risikoarten in Banken.
- Entwicklung eines Analysemodells für die Konzeption von Informationssystemen.
- Analyse der Rahmenbedingungen für Kreditrisikomanagementsysteme (Basel II, interne/externe Anforderungen).
- Systematische Herleitung und Kategorisierung von Erfolgsfaktoren.
- Bewertung und Unterscheidung zwischen kritischen und nicht-kritischen Erfolgsfaktoren für die Systemkonzeption.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Risikomanagementprozess
Erfolgreiches Risikomanagement ist in jedem Unternehmen eine Grundvoraussetzung für dessen Fortbestand. Risikomanagement ist die systematische Anwendung von Managementpolitik, -methoden und -praktiken durch Identifikation, Analyse, Bewertung und Risikosteuerung. Dieser in Abbildung 2 dargestellte Prozess wird durch eine ständige Überwachung und Überprüfung begleitet und basiert auf der Einbeziehung und Kommunikation aller Beteiligten.
Der Australian Standard/New Zealand Standard 4360:1999 – Risk Management, ein gesetzlicher Standard für das Risikomanagement, verlangt im ersten Schritt zusätzlich die Definition eines Risikomanagementkontextes. Dieser Kontext legt somit den Rahmen für das Risikomanagement fest. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Risikomanagementprozess auf die Risikostrategie und Risikopolitik des Unternehmens abgestimmt ist und entsprechende Zielvorgaben zur Risikobewertung und Risikosteuerung bestimmt wurden.
Das ermöglicht dann im nächsten Schritt eine strukturierte Identifizierung von Risiken. Dieser Schritt ist im Risikomanagement als kritisch anzusehen, da nur zuvor identifizierte Risiken erfolgreich kontrolliert und gesteuert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die aktuelle Problematik und Notwendigkeit der Anpassung von Kreditrisikomanagementsystemen aufgrund regulatorischer Auflagen wie Basel II.
2 Definitorische Grundlagen und Vorgehensweise: Definiert die Grundlagen des Risikomanagements und das methodische Vorgehen zur Identifikation von Erfolgsfaktoren.
3 Modell und Zielkriterien zur Erfolgsfaktoranalyse: Herleitung eines Analysemodells und Anwendung auf Kreditrisikomanagementsysteme sowie Ableitung von Zielkriterien.
4 Identifikation und Analyse der Erfolgsfaktoren für Kreditrisikomanagementsysteme: Umfassende Identifikation und Analyse der Erfolgsfaktoren für die Konzeption unter Unterscheidung von kritischen und nicht-kritischen Faktoren.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der zentralen Ergebnisse und kritische Betrachtung des weiteren Forschungsbedarfs.
Schlüsselwörter
Kreditrisikomanagementsystem, Basel II, Erfolgsfaktoren, Risikomanagementprozess, Kreditrisiko, Risikocontrolling, Informationssystemkonzeption, Bankenaufsicht, Eigenkapitalunterlegung, IT-Infrastruktur, Risikosteuerung, Risikobewertung, Managementinformationssysteme, Konzeptionelles Vorgehen, Kreditportfoliomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Diplomarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Erfolgsfaktoren bei der Konzeption von DV-gestützten Kreditrisikomanagementsystemen für Banken unter Berücksichtigung regulatorischer Herausforderungen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Bereiche Risikomanagement-Grundlagen, Analysemodelle für Informationssysteme, spezifische Anforderungen durch Basel II und die systematische Identifikation von Erfolgsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation und Analyse der kritischen Erfolgsfaktoren, die für eine zielorientierte und anforderungskonforme Konzeption solcher Systeme maßgeblich sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt ein deduktives Vorgehen auf Basis eines Analysemodells (in Anlehnung an Hevner et al.) zur Filterung von Erfolgsfaktoren aus einem Pool, der aus Literaturanalysen zum Informationsmanagement und Projektmanagement gespeist wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Grundlagenarbeit, die Anwendung von Modellen auf den spezifischen Bankenkontext sowie die detaillierte Identifikation und Bewertung kritischer Erfolgsfaktoren.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Kreditrisikomanagementsystem, Basel II, Erfolgsfaktoren, Risikomanagementprozess und Informationssystemkonzeption.
Wie beeinflusst Basel II die Konzeption der Systeme laut Autor?
Basel II erzwingt durch höhere Anforderungen an Eigenkapitalberechnungen und Aufsicht eine technologisch modernere und flexiblere Datenbasis sowie die Notwendigkeit präziserer Risikokomponenten.
Warum ist das "Commitment des Top-Managements" ein kritischer Erfolgsfaktor?
Es dient als Grundvoraussetzung, um unvorhergesehene Schwierigkeiten zu lösen und die Durchsetzbarkeit der Konzeption sowie die notwendigen finanziellen und organisatorischen Ressourcen sicherzustellen.
- Quote paper
- Alexander Linn (Author), 2005, Erfolgsfaktoren bei der Konzeption von Risikomanagementsystemen für Banken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/56530