Das Ziel des Fremdsprachenunterrichts ist es, dem Lerner die notwendigen Mittel zur Kommunikation in einer Fremdsprache (L2) zu vermitteln. Fremdsprachenunterricht hat also instrumentelle Sprachbeherrschung als Ziel. Ein wichtiger Teil des Unterrichts ist die Wortschatzvermittlung. Diese umfaßt zwei Aspekte, zum einen die Bedeutungserklärung, zum anderen die Memoration der Wörter (vgl. Cornu 1981, S. 95).
Gerade bei der Wortschatzvermittlung spielen interkulturelle Bedeutungsunterschiede eine wichtige Rolle, denn in der Regel wird gerade die kulturelle Dimension einer Sprache das eigentliche Lernziel sein. Schließlich kann erst über die Kenntnis kultureller Besonderheiten eine fremde Sprache richtig in ihre Kontexte eingeordnet werden, damit der Lernende soziale Handlungsfähigkeit erlangen kann. Diese umfaßt politische, soziale, ethische und ästhetische Aspekte. Demzufolge muß im Fremdsprachenunterricht eine Strategie des Fremdverstehens vermittelt werden, ohne die die Vermittlung einer kommunikativen Kompetenz ein leeres Unterfangen wäre, d.h. landeskundliche Aspekte bzw. kulturspezifische Besonderheiten müssen unverzichtbarer Teil des Fremdsprachenunterrichts sein. Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit Bedeutungserklärung im Deutsch als Fremdsprache- (DaF) Unterricht. Die Arbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Im ersten Teil (Kapitel 2) wird auf die Wortbedeutung und ihre Verankerung in landeskundlichen Kontexten eingegangen.
Im zweiten Teil (Kapitel 3) werden verschiedene Techniken und Methoden zur Bedeutungserklärung (Semantisierungsverfahren) vorgestellt. Die verschiedenen Verfahren der Bedeutungsvermittlung haben die Funktion, Lernenden die Semantik unbekannter bzw. neuer Wörter und Strukturen zu erschließen. Sie schaffen die Voraussetzungen für die weiterführende Arbeit mit dem Wortschatz. Herausgearbeitet werden soll, daß diese Verfahren eine wesentliche Voraussetzung für die weiterführende Arbeit am Wortschatz sind und hinsichtlich ihres Einsatzes didaktische Konsequenzen erfordern. Im dritten und letzten Teil (Kapitel 4) werden die Betrachtungen zusammengefaßt und didaktische Konsequenzen formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Landeskunde & Wortbedeutung
3 Techniken / Methoden
3.1 Wörterbücher
3.2 Bedeutungsvermittlung
3.2.1 Müller: Wortschatzarbeit und Bedeutungsvermittlung
3.2.2 Bohn: Probleme der Wortschatzarbeit
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutungserklärung im Kontext des Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts (DaF) mit einem besonderen Fokus auf die Verknüpfung von Wortbedeutung, landeskundlichen Kontexten und didaktischen Vermittlungsmethoden.
- Interkulturelle Dimensionen der Wortschatzvermittlung
- Die Rolle von Landeskunde bei der Bedeutungserschließung
- Einsatz und didaktische Einbettung von Wörterbüchern
- Methodische Ansätze zur Semantisierung (nach Bohn und Müller)
- Entwicklung von Strategien für autonomes Lernen im Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Müller: Wortschatzarbeit und Bedeutungsvermittlung
Müller (1994, S. 54-58) unterscheidet zehn verschiedene Techniken der kulturspezifischen Bedeutungsvermittlung:
1. Einzelbegriff: Ein Ausdruck wird aufgrund seines Vorkommens in einem Text versucht zu erklären, so daß er dem Lernenden als Einzelbegriff erscheint.
2. Ober-/Unterbegriff: Mit Hilfe von Begriffsmerkmalen und/oder eines semantischen Feldes wird der Begriff eingeordnet in ein System von Ober- und Unterbegriffen.
3. Prototyp: Mit Hilfe eines kulturspezifischen Prototyps wird angegeben, nach welchen Vorstellungen sich Unterbegriffe distanzieren lassen.
4. Konnotationen: Kulturspezifische Bedeutungsassoziationen werden vorgegeben.
5. Historische Begriffsentwicklung: Die Veränderung des Inhalts eines Ausdrucks (die konventionalisierte, begriffliche Vorstellung) im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung wird aufgezeigt.
6. Anbinden an ein Kulturspezifikum: Der Ausdruck wird in Verbindung mit der Ergänzung um einem Hinweis auf Kulturspezifisches erklärt.
7. Kulturspezifisches Bedeutungssystem: Der zu erklärende Ausdruck wird in das Bedeutungssystem der Zielkultur gestellt.
8. Abgrenzung zur muttersprachlichen Bedeutung: Der Begriff wird durch einen bewußt abgrenzenden Bezug zur Kultur und Sprache der Lernenden erklärt.
9. Kulturspezifische Gegenthemen/-begriffe: Der Begriff wird im Vergleich zu einem Gegenbegriff dargestellt, wodurch kulturspezifische Oppositionen veranschaulicht werden.
10. Übertragene Bedeutung: Bei der Erklärung wird der Gebrauch des Wortes im übertragenen Sinn verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel des Fremdsprachenunterrichts als instrumentelle Sprachbeherrschung und betont die Notwendigkeit der Wortschatzvermittlung unter Einbeziehung kultureller Kontexte.
2 Landeskunde & Wortbedeutung: Das Kapitel erläutert, dass Wortbedeutungen nicht isoliert, sondern innerhalb spezifischer kultureller Rahmenbedingungen existieren, was eine bewusste landeskundliche Vermittlung erforderlich macht.
3 Techniken / Methoden: Hier werden verschiedene Verfahren zur Bedeutungsvermittlung vorgestellt, angefangen bei der Nutzung von Wörterbüchern bis hin zu spezifischen semantischen Techniken.
3.1 Wörterbücher: Dieser Abschnitt beschreibt Wörterbücher als unverzichtbares Hilfsmittel und betont die Notwendigkeit, deren systematische Nutzung im Unterricht zu schulen.
3.2 Bedeutungsvermittlung: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Diskussion um Erklärungsverfahren ein und leitet zu den Modellen von Bohn und Müller über.
3.2.1 Müller: Wortschatzarbeit und Bedeutungsvermittlung: Der Abschnitt stellt zehn spezifische Techniken der kulturspezifischen Bedeutungsvermittlung dar, die darauf abzielen, Lernenden das Verständnis für das Bedeutungssystem der Zielkultur zu erleichtern.
3.2.2 Bohn: Probleme der Wortschatzarbeit: Bohn differenziert zwischen sprachlichen und nichtsprachlichen Erklärungsverfahren und betont die Wichtigkeit der kontextgebundenen Wortschatzarbeit.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die didaktischen Herausforderungen bei der Vermittlung landeskundlich geprägter Begriffe und unterstreicht die Notwendigkeit, dass Lernende eigenständige Strategien zur Bedeutungserschließung entwickeln.
Schlüsselwörter
DaF-Unterricht, Bedeutungserklärung, Wortschatzvermittlung, Landeskunde, Interkulturelle Kommunikation, Semantisierungsverfahren, Fremdsprachenerwerb, Wörterbucharbeit, Kulturspezifik, Sprachbeherrschung, Didaktik, Wortbedeutung, Kommunikative Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Methoden und Problemen der Bedeutungserklärung innerhalb des Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts (DaF) unter Berücksichtigung landeskundlicher Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die interkulturelle Dimension von Wortbedeutungen, die didaktische Einbettung von landeskundlichem Wissen und die Vorstellung konkreter Techniken zur Wortschatzerschließung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lernende durch geeignete Methoden und Strategien dazu befähigt werden können, landeskundlich geprägte Bedeutungen in einer Fremdsprache eigenständig zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf einer Literaturübersicht und dem Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Modelle zur Bedeutungsvermittlung (insbesondere Müller und Bohn) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Einfluss der Landeskunde auf die Wortbedeutung und präsentiert detailliert verschiedene Wörterbuchtypen sowie sprachliche und nichtsprachliche Erklärungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören DaF-Unterricht, Landeskunde, Semantisierungsverfahren, interkulturelle Kommunikation und Wortschatzarbeit.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der Wörterbuchbenutzung ein?
Wörterbücher werden als unverzichtbare Informationswerke bezeichnet, deren zielgerichtete Nutzung ein zentraler Bestandteil der Förderung von Lernautonomie sein sollte.
Warum unterscheidet Müller zwischen zehn Techniken der Bedeutungsvermittlung?
Die Differenzierung dient dazu, Lernenden den Zugang zum spezifischen Bedeutungssystem der Zielkultur zu erleichtern, da viele Wörter über ihre bloße Übersetzung hinaus kulturell konnotiert sind.
Welche kritische Anmerkung macht Bohn zu nonverbalen Erklärungen?
Bohn weist darauf hin, dass Gestik und Mimik kulturell unterschiedlich interpretiert werden können und daher im Unterricht bewusst thematisiert werden müssen, um Fehlkommunikation zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Thilo Patzke (Autor:in), 2006, Bedeutungserklärung im DAF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/56524