Die komplexen Anforderungen im Gesundheitswesen stellen die Krankenhausleitung vor umfangreiche Herausforderungen. Gesetzgeber und Kostenträger greifen mit weitreichenden Regelungen in den Krankenhausbetrieb ein. Der derzeit schon immense Kostendruck wird für Krankenhäuser auch zukünftig weiter zunehmen. Das DRG-Zeitalter von pauschalierter Vergütung und Transparenz geht mit einem zunehmenden Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern im Gesundheitswesen einher, der sich langfristig durch die Qualität entscheiden wird.
Gleichzeitig bewegt sich im Krankenhausmanagement vieles nur langsam. Berufsständisches Denken ist bei den Anforderungen an eine interdisziplinäre Zusammenarbeit immer noch in vielen Köpfen. Im allgemein angesagten Spartrend bleiben zukunftsträchtige Überlegungen und Maßnahmen oftmals auf der Strecke. Der Paradigmenwechsel vom Selbstkostendeckungsprinzip zum Wirtschaftsunternehmen Krankenhaus ist in vielen Einrichtungen noch nicht vollzogen.
Auch das Pflegemanagement als Führung der größten Berufsgruppe im Krankenhaus muss sich in diesem Gesamtkontext positionieren um seine Mitbestimmung behaupten zu können. Mitarbeiter erfolgreich zu führen und für die Bewältigung der differenzierten Aufgaben zu befähigen, Entwicklungen und Anforderungen im Gesundheitswesen zu erkennen und frühzeitig darauf zu reagieren sind einige Ziele des professionellen Pflegemanagements. Gleichzeitig muss die Führungsrolle im Spektrum der Gesamtorganisation erfüllt werden und nicht als Standesvertretung einer Berufsgruppe.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach einem innovativen und zukunftsorientierten Führungsinstrument, welches systematisch und zielorientiert auf die komplexen Bedingungen im Krankenhaus reagieren und gleichzeitig den spezifischen Bedingungen des Pflegedienstes gerecht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen zur Balanced Scorecard
2.1 Entstehung und Bedeutung der Balanced Scorecard
2.2 Alternative Kennzahlensysteme zur Unternehmenssteuerung
2.2.1 Probleme mit herkömmlichen Kennzahlensystemen
2.3 Aufbau der Balanced Scorecard
2.3.1 Strategie und Ursache-Wirkungsbeziehungen
2.3.2 Die vier klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard
2.3.2.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
2.3.2.2 Die Kundenperspektive
2.3.2.3 Die Interne Prozessperspektive
2.3.2.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
2.3.3 Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber
2.4 Der Implementierungsprozess der Balanced Scorecard
2.5 Bisherige Erfahrungen mit der Balanced Scorecard im erwerbswirtschaftlichen Bereich
3 Rahmenbedingungen im Krankenhaus
3.1 Das Krankenhaus als Dienstleistungsunternehmen
3.2 Besondere Situation im Gesundheitswesen
3.3 Derzeitige Situation im Krankenhaus
3.3.1 Finanzielle Situation
3.3.2 Demografische Entwicklung
3.3.3 Technischer Fortschritt
3.3.4 Anforderungen der Patienten und anderer beteiligter Parteien
3.4 Die Situation des Pflegedienstes im Krankenhaus
4 Modifikation der Balanced Scorecard für den Pflegedienst im Krankenhaus
4.1 Der Pflegedienst als strategische Geschäftseinheit
4.2 Die Finanzperspektive
4.2.1 Die Finanzperspektive im Krankenhaus
4.2.2 Die Finanzperspektive im Pflegedienst
4.3 Die Kundenperspektive
4.3.1 Die Kundenperspektive im Krankenhaus
4.3.2 Die Kundenperspektive im Pflegedienst
4.4 Die interne Prozessperspektive
4.4.1 Die interne Prozessperspektive im Krankenhaus
4.4.2 Die interne Prozessperspektive im Pflegedienst
4.5 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
4.5.1 Mitarbeiterzufriedenheit
4.5.2 Mitarbeiterqualifikation
4.5.3 Informationssysteme / Kommunikation
4.5.4 Technologie / Infrastruktur
4.6 Ursache-Wirkungsketten
4.7 Integration der Balanced Scorecard in die Managementsysteme im Krankenhaus
4.7.1 Balanced Scorecard und Controlling
4.7.2 Berichtswesen
4.7.3 Abstimmung der Balanced Scorecard mit der Budget- und Investitionsplanung
4.7.4 Verknüpfung der Balanced Scorecard mit finanziellen Anreizsystemen
4.7.5 Balanced Scorecard und Qualitätsmanagement
4.7.6 Balanced Scorecard und Risikomanagement
5 In der Literatur beschriebene Stärken und Schwächen der Balanced Scorecard im Krankenhaus
5.1 Stärken der Balanced Scorecard
5.2 Schwächen der Balanced Scorecard
6 Bisherige Erfahrungen mit der Balanced Scorecard im Krankenhaus und in der Pflege
6.1 Erfahrungen im Krankenhaus
6.2 Erfahrungen in der Pflege
7 Bewertung der Balanced Scorecard durch das Pflegemanagement im Krankenhaus
7.1 Schriftliche Befragung der Mitglieder eines Berufsverbandes leitender Pflegepersonen zur Verbreitung und Anwendung der Balanced Scorecard im Krankenhaus
7.1.1 Forschungsdesign
7.1.2 Auswertung
7.2 Mündliche Befragung von Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren zur praktischen Anwendung und Bewertung der Balanced Scorecard im Krankenhaus
7.2.1 Forschungsdesign
7.2.2 Krankenhäuser und befragte Personen
7.2.3 Derzeitiger Umsetzungsstand und Reichweite der Balanced Scorecard im Krankenhaus
7.2.4 Perspektiven der Balanced Scorecard in den befragten Krankenhäusern
7.2.5 Kennzahlen zur Abbildung des Pflegedienstes, Zielvorgaben und Initiativen sowie eine Bewertung der Aussagekraft einzelner Kennzahlen
7.2.6 Bewertung der Balanced Scorecard durch das Pflegemanagement
7.2.6.1 Wie umfassend ist der Pflegedienst in der Balanced Scorecard abgebildet?
7.2.6.2 Eignung der Balanced Scorecard für die Steuerung des Pflegedienstes
7.2.6.3 Vorteile der Balanced Scorecard für das Pflegemanagement
7.2.6.4 Nachteile der Balanced Scorecard für das Pflegemanagement
7.2.6.5 Bewertung der Komplexität des BSC-Systems
7.2.6.6 Anwendung eines finanziellen Anreizsystems
8 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung der Balanced Scorecard (BSC) als innovatives und zukunftsorientiertes Führungsinstrument für das Pflegemanagement im Krankenhaus. Vor dem Hintergrund zunehmender Kostendrucke, gesetzlicher Regulierungen und komplexer Anforderungen im Gesundheitssektor wird beleuchtet, wie der Pflegedienst systematisch und zielorientiert gesteuert werden kann, während gleichzeitig die Besonderheiten des Krankenhauses berücksichtigt werden.
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung der Balanced Scorecard
- Analyse der Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Krankenhäuser
- Modifikation und Anwendung der BSC-Perspektiven auf den Pflegedienst
- Integration der BSC in bestehende Managementsysteme (Controlling, Qualität, Finanzen)
- Empirische Untersuchung der Verbreitung und Bewertung der BSC durch leitendes Pflegepersonal
Auszug aus dem Buch
2.3.2.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
Die finanzwirtschaftliche Perspektive kann als Leitperspektive der Balanced Scorecard und des Unternehmens angesehen werden. Die Ziele der finanzwirtschaftlichen Perspektive dienen als Fokus für die Ziele und Kennzahlen aller anderen Perspektiven. Jede dieser Kennzahlen sollte ein Teil der Kette von Ursache und Wirkung sein, die letztendlich zur Verbesserung der finanziellen Ergebnisse führen soll. Die angestrebten Ergebnisse eines Unternehmens können auf jeder Stufe des Lebenszyklus sehr unterschiedlich sein, je nachdem ob sich das Unternehmen in der Wachstums-, Reife- oder Erntephase befindet. Die Wachstumsphase bezeichnet die Anfangsphase des Lebenszyklus eines Unternehmens. In dieser Phase geht es vorrangig um den Aufbau von Produktionsstätten, die Gestaltung von Prozessen, die Investition in neue Systeme und die Kundenpflege. Ziele können in dieser Phase Wachstumsraten in Zielmärkten, Kundenkreisen und Regionen sein und es muss mit negativem cash-flow und niedriger Kapitalrendite gerechnet werden. In der Reifephase befinden sich die meisten Unternehmen. In dieser Phase sind sie am Markt etabliert und die finanzwirtschaftlichen Ziele sind auf Rentabilität ausgerichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die komplexen Herausforderungen im Gesundheitswesen und das Ziel der Arbeit, die BSC als Führungsinstrument für das Pflegemanagement zu untersuchen.
2 Grundlagen zur Balanced Scorecard: Erläutert die Entstehung, den Aufbau und den Implementierungsprozess der Balanced Scorecard als Managementsystem.
3 Rahmenbedingungen im Krankenhaus: Analysiert das Krankenhaus als Dienstleistungsunternehmen sowie die aktuellen finanziellen und strukturellen Herausforderungen.
4 Modifikation der Balanced Scorecard für den Pflegedienst im Krankenhaus: Diskutiert die Anpassung der BSC-Perspektiven, Leistungserfassungsinstrumente und die Integration in bestehende Managementsysteme für die Pflege.
5 In der Literatur beschriebene Stärken und Schwächen der Balanced Scorecard im Krankenhaus: Stellt den wissenschaftlichen Diskurs über den multidimensionalen Ansatz versus den hohen Implementierungsaufwand dar.
6 Bisherige Erfahrungen mit der Balanced Scorecard im Krankenhaus und in der Pflege: Berichtet über den aktuellen Stand der Anwendung in der Praxis und die Schwierigkeiten bei der Erfassung von Pflegedaten.
7 Bewertung der Balanced Scorecard durch das Pflegemanagement im Krankenhaus: Präsentiert die Ergebnisse der schriftlichen und mündlichen Befragungen von leitenden Pflegepersonen zur praktischen Eignung.
8 Resümee und Ausblick: Fasst die Bedeutung der BSC als ganzheitliches Lernsystem für die Pflege zusammen und bewertet die Notwendigkeit einer klaren Führungsstrategie.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Pflegemanagement, Krankenhausmanagement, Controlling, Strategieumsetzung, Finanzperspektive, Kundenperspektive, interne Prozessperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Kennzahlensysteme, Pflegeprozess, Qualitätsmanagement, Risikomanagement, Personalführung, Leistungsindikatoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Balanced Scorecard als Managementsystem geeignet ist, den Pflegedienst im Krankenhaus strategisch zu steuern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der BSC, die besonderen Rahmenbedingungen von Krankenhäusern, die Modifikation des Modells für den Pflegedienst und die empirische Bewertung durch Führungskräfte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen der BSC aufzuzeigen, um den Pflegedienst trotz komplexer Rahmenbedingungen zielorientiert und messbar zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine Literaturauswertung sowie eine empirische Untersuchung mittels schriftlicher Befragung von Mitgliedern eines Berufsverbandes und qualitativer Experteninterviews mit Pflegedirektoren durchgeführt.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Fokus liegt auf der Modifikation der vier BSC-Perspektiven für den Pflegedienst, der Identifikation geeigneter Kennzahlen und der Integration der BSC in Controlling, Qualitäts- und Risikomanagement.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Balanced Scorecard, Pflegemanagement, Strategische Unternehmenssteuerung, Leistungserfassung, Controlling und Mitarbeiterführung.
Welche Rolle spielt die Pflegeüberleitung in dieser Arbeit?
Die Pflegeüberleitung wird als ein kritischer Prozess für die Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit hervorgehoben, der im Rahmen der Kunden- und Prozessperspektive der BSC betrachtet wird.
Was sagen Führungskräfte zur Komplexität des BSC-Systems?
Die befragten Experten bestätigen, dass das System sehr komplex ist, betonen aber, dass es durch eine Verschlankung und Konzentration auf strategisch relevante Kennzahlen erfolgreich als Steuerungsinstrument genutzt werden kann.
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- Dipl. Pflegewirtin Andrea Hopmann (Author), 2005, Die Balanced Scorecard, Möglichkeiten und Grenzen für das Pflegemanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/55650