Alfred Schütz untersucht in seinem Aufsatz "Der Heimkehrer" die Situation von Heimkehrern, die versuchen, sich nach ihrer Abwesenheit wieder in die heimatliche Gesellschaft einzugliedern. Die vorliegende Hausarbeit ergründet, inwieweit sich Schütz‘ Theorie des Heimkehrers auf das Beispiel zurückkehrender US-Soldaten aus dem Vietnamkrieg anwenden lässt. Es wird aufgezeigt, dass dies in begrenztem Maße möglich ist. Zunächst wird Schütz‘ Heimkehrer-Theorie erläutert und ein Überblick über den Vietnamkrieg gegeben. Bei der Anwendung der Theorie auf Vietnamveteranen wird eruiert, welche Probleme sich für die Heimkehrer bei der Reintegration in die amerikanische Gesellschaft ergeben. Auch wird die Situation aus Sicht der daheimgebliebenen Zivilbevölkerung analysiert.
Die Literatur zu diesem Thema befasst sich überwiegend mit den psychischen Problemen, die die Vietnamveteranen nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg aufwiesen, und mit den Auswirkungen, die diese auf ihren Wiedereingliederungsprozess hatten. Weniger ausführlich ist die Situation aus Sicht der Daheimgebliebenen analysiert. Aus diesem Grund bezieht sich der letzte Abschnitt auf Hal Ashbys Kriegsfilm "Coming Home" von 1978, welcher den Fokus auf die sich während der Abwesenheit des Soldaten verändernde Heimat legt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Alfred Schütz: Die Theorie des Heimkehrers
2.1 Grundlagen zur Untersuchung der Situation des Heimkehrers
2.2 Probleme des Heimkehrers und der Daheimgebliebenen
3. Anwendung der Theorie des Heimkehrers auf zurückgekehrte Vietnamveteranen
3.1 Einleitende Betrachtungen zum Vietnamkrieg
3.2 Grundlagen zur Untersuchung der Situation heimkehrender Vietnamveteranen
3.3 Probleme der heimgekehrten Vietnamveteranen bei der Wiedereingliederung in die amerikanische Zivilgesellschaft
3.4 Probleme der amerikanischen Bevölkerung bei der Wiederaufnahme der heimgekehrten Vietnamveteranen
3.5 Darstellung der Situation der Heimkehrer im Film „Coming Home“
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der sozialtheoretischen Ansätze von Alfred Schütz die Reintegration von Vietnamveteranen in die US-amerikanische Gesellschaft, wobei insbesondere die Identitätskonflikte und die sozialen Hindernisse der Wiedereingliederung analysiert werden.
- Anwendung der Heimkehrer-Theorie von Alfred Schütz auf Vietnamveteranen.
- Analyse der psychischen Belastungen und Identitätskrisen der Heimkehrer.
- Untersuchung der gesellschaftlichen Ablehnung und Stigmatisierung durch die amerikanische Bevölkerung.
- Reflektion der Rolle von Medien und öffentlicher Wahrnehmung bei der Reintegration.
- Kritische Aufarbeitung anhand des Spielfilms „Coming Home“.
Auszug aus dem Buch
3.2 Grundlagen zur Untersuchung der Situation heimkehrender Vietnamveteranen
Dieser Meilenstein der amerikanischen Geschichte hat die Meinungen der Bürger Amerikas gespalten wie kein anderer Krieg seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg (vgl. Counts, 1988, S. 45). Von Anfang an wurde das kriegerische Engagement der USA in Südostasien von kontroversen Debatten begleitet (vgl. Dammann, 2007, S. 191). Einerseits gab es Kriegsbefürworter, die den Vietnamkrieg als notwendig erachteten (siehe z. B. Lind, 1999). Auf der anderen Seite gab es Massenproteste der Zivilbevölkerung, die gegen den Krieg auf die Straßen Amerikas ging. Auch tausende Vietnamveteranen demonstrierten nach ihrer Rückkehr (vgl. Counts, 1988, S. 45). Dammann sieht für den fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung verschiedene Gründe: Anfang des Krieges hatte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Vietnam, General William Westmoreland, noch behauptet, dass die Soldaten zu Weihnachten wieder zu Hause sein würden. Doch die Realität sah anders aus, und der Vietnamkrieg sollte ein langer und verlustreicher Krieg werden. „Nach wenigen Jahren sollte beinahe jeder US-Bürger in seinem privaten Umfeld einen in Vietnam gefallenen Verwandten oder Bekannten zu beklagen haben“ (Dammann, 2007, S. 191). Je mehr Zeit verging, desto öfter wurden neben Freiwilligen auch Kriegsdienstleistende rekrutiert, deren Lebensplanung eigentlich eine andere Laufbahn vorgesehen hatte (vgl. Dammann, 2007, S. 191).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Relevanz des Vietnamkrieges und Darlegung der forschungsleitenden Anwendung von Alfred Schütz’ Theorie auf zurückkehrende Soldaten.
2. Alfred Schütz: Die Theorie des Heimkehrers: Erläuterung der soziologischen Grundlagen von Alfred Schütz, insbesondere des Konzepts des Heimkehrers und der damit verbundenen sozialen Schockmomente.
2.1 Grundlagen zur Untersuchung der Situation des Heimkehrers: Definition der für die Theorie essenziellen Gesichtsfeld-Beziehungen sowie der Rolle der Heimat als primäre Gruppe.
2.2 Probleme des Heimkehrers und der Daheimgebliebenen: Analyse der wechselseitigen Schwierigkeiten bei der Wiederherstellung unterbrochener Wir-Beziehungen durch veränderte Relevanzsysteme.
3. Anwendung der Theorie des Heimkehrers auf zurückgekehrte Vietnamveteranen: Übertragung der theoretischen Überlegungen von Schütz auf das konkrete Beispiel der US-Veteranen aus dem Vietnamkrieg.
3.1 Einleitende Betrachtungen zum Vietnamkrieg: Überblick über die historischen Eckdaten und die verheerende Bilanz des Vietnamkrieges für die beteiligten Soldaten.
3.2 Grundlagen zur Untersuchung der Situation heimkehrender Vietnamveteranen: Diskussion der gespaltenen amerikanischen Gesellschaft und der schwierigen Ausgangslage für heimkehrende Soldaten.
3.3 Probleme der heimgekehrten Vietnamveteranen bei der Wiedereingliederung in die amerikanische Zivilgesellschaft: Darstellung psychischer Folgen wie PTBS und der Identitätsverwirrung infolge fehlender gesellschaftlicher Unterstützung.
3.4 Probleme der amerikanischen Bevölkerung bei der Wiederaufnahme der heimgekehrten Vietnamveteranen: Analyse der Stigmatisierung der Veteranen als Sündenböcke für die militärische Niederlage.
3.5 Darstellung der Situation der Heimkehrer im Film „Coming Home“: Kritische Analyse der filmischen Verarbeitung von Kriegstraumata und der gescheiterten Reintegration am Beispiel der Filmfiguren.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit von Schütz' Theorie und Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Alfred Schütz, Theorie des Heimkehrers, Vietnamveteranen, Vietnamkrieg, Wiedereingliederung, Reintegration, Soziale Identität, PTBS, Gesichtsfeld-Beziehungen, Amerikanische Gesellschaft, Coming Home, Stigmatisierung, Lebenswelt, Soziologie, Kriegstrauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, denen sich US-amerikanische Veteranen nach ihrer Rückkehr aus dem Vietnamkrieg gegenübersahen, unter Anwendung der soziologischen „Theorie des Heimkehrers“ von Alfred Schütz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Theoriebildung von Alfred Schütz, die historischen Hintergründe des Vietnamkrieges, psychische Belastungsstörungen bei Veteranen sowie die gesellschaftliche Stigmatisierung in der Heimat.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu ergründen, inwieweit Schütz’ Theorie zur Erklärung des schwierigen Reintegrationsprozesses von Vietnamveteranen herangezogen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse, bei der existierende soziologische Konzepte auf ein spezifisches historisches Beispiel angewandt und durch die filmische Analyse einer Fallstudie („Coming Home“) ergänzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in Schütz' Modell, eine historische Kontextualisierung des Vietnamkrieges sowie die detaillierte Analyse der Reintegrationsprobleme für Veteranen und die Sichtweise der Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Die zentralen Begriffe sind Alfred Schütz, Vietnamveteranen, Wiedereingliederung, Identitätsverwirrung, PTBS und gesellschaftliche Stigmatisierung.
Inwiefern beeinflussten Medien die Reintegration der Veteranen?
Die Arbeit zeigt auf, dass Medien durch eine einseitige und oft pseudotypisierende Berichterstattung dazu beitrugen, dass die US-Bevölkerung die Veteranen als Symbole der Niederlage wahrnahm, was die soziale Aufnahme erschwerte.
Welche Rolle spielt der Film „Coming Home“ für die Analyse?
Der Film dient als kritisches Fallbeispiel, um die theoretischen Konzepte von Schütz anschaulich zu machen und die unterschiedlichen Wege der psychischen Verarbeitung des Erlebten zu verdeutlichen.
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- Anna-Louisa Lobergh (Author), 2017, Alfred Schütz‘ Theorie des Heimkehrers am Beispiel heimkehrender US-Soldaten aus dem Vietnamkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/539148