In der folgenden Hausarbeit wird Paul Grices Theorie der konversationellen Implikaturen erklärt und mögliche Einwände betrachtet.
Zu Beginn werde ich die Theorie an sich darlegen, daraufhin auf potenzielle Kritikpunkte dieser Theorie eingehen und schließlich ein Fazit verfassen. In "Logic and Conversation" aus dem Jahr 1975 wird Grices Implikaturtheorie erstmals veröffentlicht. Bei
seiner Theorie geht es darum, dass ein Sprecher mit seinem Gesagten mehr ausdrücken kann als er tatsächlich sagt. Wir meinen und verstehen nämlich oft mehr als wir sagen.
Grice nimmt hier das Beispiel von drei Personen. Person A fragt Person B, wie sich Person C in seiner neuen Arbeit macht. Person B sagt, dass Person C seine Kollegen mag und bislang noch nicht ins Gefängnis gekommen ist. Hier wird deutlich, dass Person B mehr meint als er tatsächlich gesagt hat. Person A kann nun mit der Aussage, dass Person C noch nicht ins Gefängnis gekommen ist nämlich mehr implikatieren. Beispielsweise, dass C jemand ist, von dem man denken kann, dass er oft Dummheiten anstellt und somit relativ schnell im Gefängnis landen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Implikaturtheorie
1.1 Einführung in Grice's „Logic and Conversation“
1.2 Das Kooperationsprinzip und die vier Konversationsmaxime
2. Analyse und Kritik der Konversationsmaxime
2.1 Der vernachlässigte Aspekt des Hörers
2.2 Notwendigkeit einer fünften Maxime
3. Grenzen der Anwendbarkeit des Kooperationsprinzips
3.1 Scheitern der Maxime bei mehrdeutigen Sprechakten
3.2 Einfluss sozialer Faktoren und mangelnder Kooperationsbereitschaft
4. Fazit und Zusammenfassung der Theoriebewertung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Paul Grice entwickelte Theorie der konversationellen Implikaturen, um deren Gültigkeit und praktische Anwendbarkeit in alltäglichen Kommunikationssituationen kritisch zu hinterfragen und mögliche Grenzen aufzuzeigen.
- Einführung in das Kooperationsprinzip und die vier Konversationsmaxime
- Kritische Beleuchtung der fehlenden Hörer-Perspektive bei Grice
- Diskussion über die Ergänzung einer potenziellen fünften Maxime
- Analyse des Scheiterns von Maximen in realen, konfliktreichen Kommunikationskontexten
Auszug aus dem Buch
Zwar hat Grice vier Maximen aufgestellt, die für eine funktionierende Konversation nötig sind und die man als Sprecher befolgen sollte, aber er hat den Aspekt des Hörers nicht abgedeckt.
Denn er hat keine Faktoren aufgestellt, die einem Konversationsteilnehmer dabei helfen zu erkennen, wie eine Aussage denn verstanden werden soll. Eine Aussage könnte einen wörtlichen Sinn haben, oder aber auch ironisch, sarkastisch oder metaphorisch usw. gemeint sein. Betrachten wir dazu folgendes Beispiel: Person A fragt Person B, ob diese etwas aus dem Laden um die Ecke etwas braucht, da sie dorthin gehen wird. Person B gibt daraufhin Person A eine lange Einkaufsliste. Daraufhin sagt Person A ironisch: „Super! Ich habe ja heute eh nichts anderes zu tun, jetzt hab ich endlich eine tolle Beschäftigung.“ Nun könnte es hier sein, dass Person B diese Ironie nicht versteht und denkt, dass Person A das wirklich so gemeint hat, denn das ist gar nicht so ungewöhnlich in alltäglichen Situationen.
Desweiteren gibt es viel mehr Stilmittel als nur Ironie, Sarkasmus und Metaphern, wobei man als Konversationsteilnehmer nicht immer alles so versteht, wie es der Gegenüber gemeint haben könnte. Deshalb hätte Grice hier nicht nur Maximen für Sprecher, sondern auch für Hörer aufstellen sollen. Beispielsweise ist es bei Ironie und Sarkasmus möglich diese durch gemeinsames Wissen zu durchschauen. Dafür müssen sich die Konversationsteilnehmer allerdings untereinander kennen oder sie müssen über das Gesprochene gleich informiert sein, was jedoch nicht immer der Fall sein kann und deshalb Ironie oder Sarkasmus oft nicht verstanden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Grundlagen der Implikaturtheorie: Das Kapitel führt in Grice’s 1975 veröffentlichte Theorie der Implikaturen ein und erläutert das zentrale Kooperationsprinzip sowie die vier zugrunde liegenden Konversationsmaxime.
2. Analyse und Kritik der Konversationsmaxime: Hier wird kritisiert, dass Grice nur den Sprecher fokussiert und die Rolle des Hörers vernachlässigt, zudem wird die Einführung einer fünften, zielorientierten Maxime vorgeschlagen.
3. Grenzen der Anwendbarkeit des Kooperationsprinzips: Das Kapitel untersucht Fälle, in denen die Theorie aufgrund von Mehrdeutigkeit oder zwischenmenschlichen Konflikten scheitert, da das Kooperationsprinzip eine stets gegebene Kooperationsbereitschaft voraussetzt.
4. Fazit und Zusammenfassung der Theoriebewertung: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass Grice's Theorie zwar theoretisch schlüssig ist, im komplexen, von vielfältigen Einflüssen geprägten Alltag jedoch an ihre Grenzen stößt.
Schlüsselwörter
Paul Grice, Implikaturtheorie, Kooperationsprinzip, Konversationsmaxime, Kommunikation, Sprachphilosophie, Sprechakt, Ironie, Sarkasmus, Hörerperspektive, Missverständnisse, Pragmatik, Alltagsgespräche, Rhetorik, Sprachanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die von Paul Grice entwickelte Theorie der konversationellen Implikaturen und analysiert deren theoretische Struktur sowie Schwachstellen im praktischen Diskurs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Kooperationsprinzip, die vier Konversationsmaxime nach Grice, die Rolle des Hörers bei der Interpretation und die Grenzen der Kommunikation in Alltagssituationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Vollständigkeit von Grice’s Theorie zu prüfen und aufzuzeigen, warum sie in der alltäglichen Kommunikation manchmal zu Fehlinterpretationen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursive Analyse, bei der die Theorie anhand von konstruierten Beispielen und Gegenbeispielen auf ihre logische Konsistenz und praktische Anwendbarkeit geprüft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Mangel einer Hörerperspektive bei Grice, der Notwendigkeit einer ergänzenden Maxime für zielgerichtete Kommunikation und dem Versagen von Maximen bei nicht-kooperativem Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Implikatur, Kooperationsprinzip, Sprechakt, Interpretation, Ironie und Sprachphilosophie beschreiben.
Warum hält die Autorin eine fünfte Maxime für notwendig?
Sie schlägt eine fünfte Maxime (Hilfreichkeit oder Zielgerichtetheit) vor, um Situationen zu lösen, in denen zwar alle vier Original-Maxime erfüllt sind, die Antwort aber dennoch für den Fragenden unbrauchbar ist.
Inwiefern beeinflussen zwischenmenschliche Konflikte die Grice’sche Theorie?
Bei einem Streit wird das Grundvoraussetzung der Kooperationsbereitschaft untergraben, wodurch die gesamte Theorie als Analyseinstrument für Sprechakte ihre Gültigkeit verliert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Paul Grices Theorie der konversationellen Implikaturen und mögliche Einwände, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/537879