Die Konzepte von Held und Ritter spielen in der mittelhochdeutschen Literatur eine wichtige Rolle. Welche Wesensmerkmale das jeweilige Konzept ausmachen und wie sie sich konkret in der Literatur niederschlagen, wird in dieser Arbeit an den Beispielen "Nibelungenlied" und "Erec" erläutert.
Hierbei widmet sich die Arbeit zunächst der Konzeption des Ritters Erec am Beispiel des gleichnamigen Versromans Hartmann von Aues, bevor sie sich den beiden Helden Hagen und Siegfried aus dem" Nibelungenlied" widmet. Im Anschluss erfolgt eine kurze Gegenüberstellung der beiden Konzepte, bevor ein abschließendes Fazit die Arbeit abrundet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Konzeption des Ritters
2.1 Der Ritter Erec
3. Die Konzeption des Helden
3.1 Die Helden Hagen und Siegfried
4. Gegenüberstellung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Konzepte des Ritters und des Helden in der mittelhochdeutschen Literatur. Anhand von Hartmanns von Aue Werk "Erec" und dem anonymen "Nibelungenlied" wird analysiert, wie sich diese gegensätzlichen Identitätsmodelle in ihrem Verhalten, ihren Werten und ihrem Einfluss auf die jeweilige Erzählstruktur unterscheiden.
- Historische und literarische Herleitung des Ritterideals
- Charakterisierung des Heldenbildes in der archaischen Heldendichtung
- Analyse der Protagonisten Erec, Siegfried und Hagen
- Gegenüberstellung von höfischen Idealen und heroischen Verhaltensweisen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Helden Hagen und Siegfried
Das anonym überlieferte Nibelungenlied erzählt den bereits bekannten Sagenstoff rund um Siegfried und die Könige des Burgundenlandes neu. Die beiden Protagonisten, die den heldischen Ethos am besten verkörpern, sind Hagen von Tronje vom Hof der Burgunder und der Nibelungenheld Siegfried. Bereits der Umstand, dass dessen Männer hauptsächlich als degene, recken, wîgande oder helde bezeichnet werden – äußerst selten dagegen als ritter – lässt einige Rückschlüsse auf ihr Verhalten ziehen. Und auch Siegfried selbst wird eingeführt als „unberechenbarer und triebgesteuert-aggressiver Repräsentant einer mythischen Vorzeit.“ Bei seiner ersten Ankunft am burgundischen Hof fordert er Kriemhild direkt mit Gewalt, anstatt die höfische Etikette zu wahren und um die Frau zu werben. Millet bezeichnet dies als „heroische Provokation“. Der Held glaubt an die archaische Vorstellung, nach der dem Stärkeren die Macht zusteht. Demnach hätte er auch das Recht, sich Kriemhild als seine Frau zu nehmen. An Gunthers Hof gelten jedoch andere Regeln. Bereits vorher wird die „Dominanz des Heroischen“ deutlich, wenn die Waffen der Truppen Siegfrieds auf der Reise nach Worms ausführlich beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die beiden zentralen Gattungen der mittelhochdeutschen Literatur, den Artusroman und die Heldenepik, sowie deren Repräsentanten gegenüber.
2. Die Konzeption des Ritters: Dieses Kapitel erläutert die historische und soziale Entwicklung des Ritterbegriffs sowie dessen religiöse und höfische Ausprägungen wie Tugendlehre und Hövescheit.
2.1 Der Ritter Erec: Hier wird anhand von Hartmanns von Aue "Erec" die Umsetzung des Ritterideals, die Bedeutung von Religiosität, Mitleid und der Entwicklung des Protagonisten thematisiert.
3. Die Konzeption des Helden: Dieses Kapitel definiert den Helden als literarisches, nicht historisches Phänomen und kontrastiert dessen archaische Wertvorstellungen mit dem christlich geprägten Ritterideal.
3.1 Die Helden Hagen und Siegfried: Anhand des Nibelungenlieds werden Hagen von Tronje und Siegfried als Vertreter eines heroischen Ethos untersucht, der von Gewalt, Rache und Schicksalsgläubigkeit geprägt ist.
4. Gegenüberstellung: Dieser Teil vergleicht die gegensätzlichen Handlungslogiken des Artusromans und der Heldensage und analysiert, warum die Erzählungen in unterschiedlichen moralischen und existenziellen Ausgängen enden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Oppositionalität von Ritter und Held zusammen und ordnet beide Konzepte als idealtypische literarische Figuren ein, die der Unterhaltung und Identitätsbildung dienen.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Ritter, Held, Artusroman, Nibelungenlied, Hartmann von Aue, Hövescheit, Heroik, Tugend, Erec, Siegfried, Hagen, Tugendlehre, Literaturwissenschaft, Epik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung und dem Vergleich der Konzepte von Ritter und Held in der mittelhochdeutschen Literatur anhand zweier prominenter Textbeispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die höfische Tugendlehre, die historische Genese des Ritterbegriffs, archaische Heldensagen und die gegensätzlichen Werte von Rittertum und Heldentum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Merkmale der Identitätskonzepte von Ritter und Held herauszuarbeiten und zu zeigen, wie diese das Verhalten der Protagonisten und den Ausgang der Erzählungen bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch den Vergleich von Textstellen und die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu den Werken Erec und Nibelungenlied erfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte des Ritters (anhand von Erec) und des Helden (anhand des Nibelungenlieds) sowie deren direkte Gegenüberstellung hinsichtlich ihrer Handlungsweisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Ritterideal, Heldenethos, Hövescheit, Erec, Siegfried, Hagen, Tugendlehre und die Differenz zwischen Artusroman und Heldensage.
Wie entwickelt sich Erec im Verlauf der Erzählung?
Erec durchläuft einen Lernprozess, in dem er vom ritterlichen Versagen und der Vernachlässigung seiner Pflichten hin zur Balance zwischen persönlichem Glück, Liebe und gesellschaftlicher Verantwortung findet.
Welche Rolle spielt die Schicksalsgläubigkeit bei den Helden des Nibelungenlieds?
Helden wie Hagen zeichnen sich durch eine aktive Schicksalsverachtung aus, bei der sie das Unvermeidliche, wie den Untergang der Burgunder, als bewusste Vollstreckung ihres eigenen Willens inszenieren.
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- Anika Maßmann (Author), 2016, Die Konzeption von Ritter und Held in der mittelhochdeutschen Literatur. Hartmann von Aues "Erec" und das "Nibelungenlied" im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/537357