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Apallisches Durchgangssyndrom

Title: Apallisches Durchgangssyndrom

Bachelor Thesis , 2006 , 83 Pages , Grade: 9/9

Autor:in: B.Sc. Wolf G. Lenkeit (Author)

Health - Physical Therapy / Occupational Therapy

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Summary Excerpt Details

Die Möglichkeit mit Menschen im Wachkoma zu arbeiten ist für mich eine neue therapeutische Herausforderung. Es stellt sich eine völlig neue Patienten-Therapeuten-Beziehung dar, da wenig konkretes Feedback und vor allem wenig Möglichkeiten zur Ergebnismessung vorhanden sind.

Während meines Studiums an der Hogeschool van Amsterdam waren es insbesondere neurologische Studienmodule, die mir methodologische Interventionsstrategien in der Physiotherapie näher brachten. Aus meinem praktischen Zugang zu den Patienten ließen sich folgende relevante Hypothesen aufstellen:

- Lassen sich Menschen mit Apallischem Durchgangssyndrom in der Phase F professioneller mit neurologischen Verlaufsdokumentationen beschreiben als mit anderen Dokumentationsmöglichkeiten?
- Was soll mit ihnen in medizinischen Systemen passieren, die sich zunehmend über Kosten-Nutzen Rechnungen definieren?
- Warum wird weiterhin viermal die Woche Ergo-, Logo- und Physiotherapie verschrieben?
- Gibt es noch konkrete Therapiezieldefinitionen?
- Ist es möglich mit Rehabilitationsskalen Therapieziele klarer zu definieren?
- Phase F als Lebensform am Ende der Rehabilitationskette in Deutschland.

An einer exemplarischen Arbeitsituation werde ich diesen Fragen nachgehen.In einem Pflegewohnheim mit einer auf Wachkoma spezialisierten Station mit sehr unterschiedlichen Wachkomapatienten, einem Grossteil der Patientengruppe mit SHT Grad III. Die Therapeuten sind alle extern. Das Pflegefachpersonal ist angestellt. Ärzte kommen sporadisch zu Untersuchungen.

Ich habe bei vier meiner Patienten mit gängigen neurologischen Skalen (Glasgow Coma Scale, Edinbourgh 2Coma Scale, Koma Remissions-Skala und Glasgow Ooutcome Scale) eine Verlaufsdokumentation über acht Wochen mit sechs zeitlichen Messpunkten erstellt. Die Auswahl der Patientenpopulation ist realistisch heterogen SHT III°, Hypoxien und Ischiamischer Insult (Locked-In-Syndrom). Es wird berücksichtigt, dass die Aussage der Ergebnisse in Rehabilitationsphase F einen geringeren Aussagewert hat, als in der Frührehabilitation.

Ich möchte mit dieser Arbeit erreichen, die Diskussion über die physiotherapeutische Behandlung von Wachkomapatienten anzuregen. Viele der Fragen haben sich erst im Laufe der Auseinandersetzung mit dem Thema ergeben, so zum Beispiel die Entwicklung in der Medizin von rein biomedizinischen zu eher gemischten, biomedizinisch psychosozialen Denkmodellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Apallische Syndrom

1.1. Ätiologie und Pathogene

1.2. Differentialdiagnostische Abgrenzung

1.3. Ursachen, Inzidenz, Prävalenz und Verlauf

1.4. Wahrnehmung im Wachkoma: Defektorientierte vs. Beziehungsmedizin

1.5 Patientenautonomie und Selbstbestimmungsrecht

2. Scores und Messinstrumente für physiotherapeutische Interventionen in der Neurologie

2.1 Bio-medizinische und Psycho-soziale Modelle

2.2 ICF- Behinderungs- und Beeinträchtigungsmodell der WHO

2.3 Rehabilitationsskalen in der Neurologie

2.4 Anwendbarkeit von Rehabilitationsskalen bei Apallikern in Phase F

2.5 Sensitivität der angewendeten Messinstrumente

2.6 Objektivierbarkeit von Therapieerfolgen

3. Die Rehabilitationskette in Deutschland

3.1 Neurologische Rehabilitations-Phasen A bis G

3.2 Schnittstelle intensiv Medizin und Frührehabilitation

3.3 Interdisziplinäres Arbeiten in Phase F

3.4 Eigene Erfahrungen mit Rehabilitationsskalen

3.5 Ergebnisse und Interpretationen

4. Diskussion

5. Konklusion

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern Menschen mit Apallischem Durchgangssyndrom in der Phase F durch den Einsatz neurologischer Verlaufsdokumentationen und Rehabilitationsskalen professioneller eingeschätzt werden können, um die therapeutische Zieldefinition in einem durch Kosten-Nutzen-Denken geprägten medizinischen Umfeld zu verbessern.

  • Professionelle Dokumentation bei Patienten mit Apallischem Syndrom
  • Einsatz und Validität von Rehabilitationsskalen in der Phase F
  • Biopsychosoziale Ansätze in der Neurorehabilitation
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Langzeitversorgung
  • Ethische Aspekte der Patientenautonomie und Lebensqualität

Auszug aus dem Buch

1.1 Ätiologie und Pathogene

In einer Abhandlung von Kretschmer aus dem Jahre 1940 wurde die Symptomatik des Apallischen Syndroms erstmals zusammenfassend dargestellt.

„Der Patient liegt wach da mit offenen Augen. Der Blick starrt geradeaus oder gleitet ohne Fixationspunkt verständnislos hin und her. Auch der Versuch, die Aufmerksamkeit hinzulenken, gelingt nicht oder höchstens spurweise. Ansprechen, Anfassen, Vorhalten von Gegenständen erweckt keinen sinnvollen Widerhall;….Im Gegensatz dazu kann das elementare Irradieren unverarbeiteter und ungebremster Außenreize außergewöhnlich gesteigert sein, so dass sensible Reize mit Zuckungen beantwortet werden können.“ (Kretschmer 1940 S. 577-578).

Über die psychischen Funktionen führt Kretschmer weiter aus:

„Trotz Wachsein ist der Patient unfähig zu sprechen, zu erkennen, sinnvolle Handlungsformen erlernter Art durchzuführen. Dagegen sind bestimmte vegetative Elementarfunktionen, wie etwa das Schlucken erhalten. Daneben treten die bekannten frühen Tiefenreflexe, wie Saugreflex, Greifreflex hervor.“ (Kretschmer 1949 S. 578).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Apallische Syndrom: Einführung in das klinische Bild, die Entstehungsgeschichte sowie die ethischen Dimensionen der Bewusstseinsstörung.

2. Scores und Messinstrumente für physiotherapeutische Interventionen in der Neurologie: Darstellung der theoretischen Modelle (Biomedizin vs. ICF) und Analyse gängiger neurologischer Skalen zur Verlaufsmessung.

3. Die Rehabilitationskette in Deutschland: Erläuterung der Rehabilitationsphasen A bis G sowie der spezifischen Herausforderungen und Arbeitsweisen in der Phase F.

4. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Aussagekraft und den Grenzen von Rehabilitationsskalen in der Phase F sowie der Rolle interdisziplinärer Teams.

5. Konklusion: Zusammenführende Betrachtung der Forschungsergebnisse bezüglich einer empathischen und biopsychosozialen Patientenversorgung.

6. Zusammenfassung: Kurze Reprise des gesamten Inhalts der Arbeit von der Einleitung bis zur abschließenden Diskussion.

Schlüsselwörter

Apallisches Syndrom, Wachkoma, Neurologische Rehabilitation, ICF, Phase F, Glasgow Coma Scale, Koma-Remissions-Skala, Patientenautonomie, Biopsychosoziales Modell, Frührehabilitation, Interdisziplinäres Arbeiten, Outcome-Messung, Ethik, Selbstbestimmung, Physiotherapie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Verlaufsdokumentation bei Patienten mit Apallischem Syndrom in der Rehabilitationsphase F mithilfe standardisierter neurologischer Skalen.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Verbesserung der therapeutischen Zieldefinition, die Anwendung von Scores in der Neurorehabilitation sowie die ethischen Implikationen des "Austherapiert"-Seins in der Phase F.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den professionellen Wert neurologischer Dokumentationsmöglichkeiten für Menschen im Wachkoma zu hinterfragen und Wege für eine individuellere, am Patienten orientierte Förderung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine Verlaufsstudie mit vier Patienten durch, dokumentiert diese über acht Wochen mit vier gängigen Komaskalen und wertet die Ergebnisse kritisch vor dem Hintergrund des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses aus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Apallischen Syndroms, dem Vergleich zwischen biomedizinischen und biopsychosozialen Denkmodellen, der Vorstellung von Rehabilitationsskalen und der Analyse der Rehabilitationskette in Deutschland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Apallisches Syndrom, Phase F, ICF, neurologische Skalen, Biopsychosoziales Modell und Patientenautonomie.

Warum ist die Wahl der Skala bei Wachkoma-Patienten so schwierig?

Da es keine spezifischen, validierten Skalen für das Apallische Syndrom gibt, müssen Skalen verwendet werden, die für andere Pathologien entwickelt wurden, was oft zu einer Untererfassung der tatsächlichen, minimalen Fortschritte führt.

Wie bewertet der Autor den Status "austherapiert" in der Phase F?

Der Autor kritisiert diesen Status als ein rein defektmedizinisches Etikett und plädiert stattdessen für eine lebensbegleitende Förderung, da auch bei Langzeitpatienten basale Kompetenzen existieren und entwickelbar sind.

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Details

Title
Apallisches Durchgangssyndrom
College
Highschool of Amsterdam  (Institut Physiotherapie)
Grade
9/9
Author
B.Sc. Wolf G. Lenkeit (Author)
Publication Year
2006
Pages
83
Catalog Number
V52033
ISBN (eBook)
9783638478434
ISBN (Book)
9783656561545
Language
German
Tags
Apallisches Durchgangssyndrom
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.Sc. Wolf G. Lenkeit (Author), 2006, Apallisches Durchgangssyndrom, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/52033
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